Dienstag, 27. Februar 2018

Universität, die Spaß macht

 

Hajo Seine Meinung

 

Bild: Archiv

 

Sadhu van Hemp

 

Tief im Odenwald abseits jeder menschlichen Zivilisation nahm 2016 eine private Universität ihren Betrieb auf, an der jeder – mit oder ohne Abitur – Hanfwirtschaftslehre studieren kann. Das Studium ist gebührenfrei, da sich die Howard-Marks-Akademie ausschließlich über Drogengelder finanziert. Das Hanf Journal sprach mit dem Präsidenten Karl-Theodor Freiherr von Bobelstedt, den alle nur väterlich El Professor nennen.

 

Herr Professor, Sie sind der letzte Überlebende einer alten Adelsdynastie. Ihre Mutter war nach Ihren Angaben eine weltweit gesuchte Drogenbaronin, die erst in hohem Alter von 93 Jahren von einer DEA-Todesschwadron im kolumbianischen Exil von hinten standrechtlich erschossen werden konnte. Auch der Rest Ihrer Familie ist im Anti-Drogen-Krieg gefallen. Deshalb wollen Sie jungen Menschen helfen, in einem Studiengang zu erlernen, wie Sie den Krieg überleben – und dabei Millionäre werden.

 

Ja, wer an der Howard-Marks-Akademie ein Studium zum Btm-Fachwirt aufnimmt, bekommt das Rüstzeug für ein erfolgreiches Berufsleben als Krieggewinnler im War on Drugs. Wer bei uns den Master-Abschluss macht, ist für alle Zeit gewappnet gegen alle Unwägbarkeiten im regionalen, nationalen und internationalen Cannabis- und Haschischhandel. Unsere Lehranstalt formt die systemrelevante Elite von morgen, deren Netzwerk schon bald die ganze Welt umspannen wird. Unser Motto lautet: Genießt den Krieg, der Frieden wird furchtbar sein.

 

Derzeit sind 147 Studenten aus 153 Ländern an Ihrer Universität immatrikuliert. Klingt irgendwie unlogisch.

 

Aber nein! Alle Studenten haben sich mehrere Identitäten zugelegt. Das ist unerlässlich, um später im Berufsleben auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. (Der Professor pfeift einen jungen, sehr jungen Studenten heran, der ihm einen Stoß Reisepässe reicht.) Das hier sind nur die Pässe dieses Studenten. Von Hause aus ist er Österreicher, aber er ist zugleich auch Spanier, Nigerianer und Chinese. Und hier: Reichsbürger ist er auch. Man kann ja nie wissen. In unserer hauseigenen Fälscherwerkstatt können sich die Studenten jedes gewünschte Dokument von der Geburts- bis zur Sterbeurkunde selbst erstellen. Toni, zeig mal, was für Papiere und Karten du noch so hast. Ihr seht, alles dabei, was man als Drogenschmuggler braucht: Kreditkarten, Versicherungspolicen, Fluglizenz, Motorbootschein, Polizeimarke und Diplomatenausweis. Und hier Falschgeld in allen gängigen Währungen. Sogar Bitcoins sind dabei.

 

Wir sind beeindruckt. Allein für die Kreditkarten und die Blüten lohnt es sich, an der Howard-Marks-Akademie ein HWL-Studium aufzunehmen. Und was umfasst der Studiengang noch?

 

Im Grunde alles rund um das Cannabis-Business. Von Rechtskunde, über Buchhaltung bis hin zum Finanzwesen ist alles dabei, was ein schlauer Kopf wissen muss. Die Erstsemester erhalten zunächst einen Crashkurs in den Grundrechenarten, denn ohne das Einmaleins können keine Drogengelder gezählt werden. Zweites Hauptfach ist Erdkunde, da das Business ein globales ist und der Schmuggler wissen muss, auf welchem Kontinent er gerade auf Dienstreise ist. Großen Wert legen wir auch auf Sprachkenntnisse, die wir den Studenten in einem Intensivkurs eintrichtern. Derzeit müssen die Basics von 23 Sprachen und Dialekten gelernt werden. Von Finnisch, über Farsi bis Bayrisch ist alles dabei, was den späteren Schmuggler nützlich sein kann. (Der Professor zeigt auf seinen Studenten.) Der Toni kann ein Schweineschnitzel Wiener Art mit Bratkartoffeln sogar auf Arabisch und Hebräisch bestellen.

 

Das klingt ja ziemlich heftig nach Bildung. Und das in Zeiten des Smartphones, das den Menschen heute als externes Gehirn dient. Ist das nicht ein bisschen old School, was Sie den Studenten beibringen?

 

Iwo, Wissen ist Macht. Und Wissen muss jederzeit abrufbar sein, auch wenn der Akku leer ist. Stellt euch vor, ihr fahrt mit einem Sattelschlepper voll beladen mit Haschisch über die Grenzpässe zwischen Afghanistan nach Turkmenistan und plötzlich bricht der GPS-Datenempfang ab. Das war’s, Ende Gelände. Wer als professioneller Drogenschmuggler sicher und unbehelligt von A nach B gelangen will, der hat sein Navigationsgerät im Kopf und kann mit einem Kompass umgehen. Nein, der klassisch ausgebildete Schmuggler verzichtet auf den neumodischen Schnickschnack, der nur verräterische Spuren legt. Stellt euch nur die Katastrophe vor, wenn man gerade mit den Taliban an einem geheimen Ort über die Lieferung von zehn Tonnen schwarzen Afghanen verhandelt und plötzlich klingelt das versehentlich nicht ausgeschaltete Smartphone. Da ist die Rübe eins, zwei, drei ab.

 

Sie vermitteln aber nicht nur Wissen, sondern achten auch auf die Körperertüchtigung Ihrer Zöglinge.

 

Aber sicher! Ein gesunder Geist wird nur von einem gesunden Körper beherbergt. Das ist Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss an unserer Akademie. Ein Drogenschmuggler oder -händler muss flitzen können. Ich will mal so sagen: Wir schulen alles, was man braucht, um im äußersten Notfall in letzter Sekunde den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Wir trainieren so gut wie alle olympischen Disziplinen – auch Wintersportarten. Hier unser Toni zum Beispiel ist ein Top-Biathlet, der noch bei Minus 40 Grad auf eine Entfernung von zweihundert Metern jedem Verfolger den Bommel von der Pudelmütze schießt. Unsere Studenten sind exzellente Schwimmer, Sprinter und Marathonläufer – einige sogar auf Weltniveau. Toni hält den hauseigenen Rekord im Apnoetauchen. Letzte Woche ist er noch mit dreißig Kilogramm Haschisch im Schlepptau durch die Kanalisation von Kerkrade nach Würselen getaucht, ohne auch nur einmal Luft zu holen. Apropos Luft: Eine unserer Studentinnen ist gerade mit einem selbst genähten Flügelanzug mit zwanzig Kilo Manali-Hasch bepackt vom Hindukush nach Deutschland unterwegs. Ihr seht, unsere Studenten erlernen nicht nur die hohe Kunst des Haschischschmuggels, sondern entwickeln diese auch weiter. Wir gehen Wege, die noch nie ein Schmuggler gegangen ist. Von der Magenvergrößerung zu Schmuggelzwecken bis hin zu unserem weltumspannenden Rohrpostprojekt – der Phantasie unserer Studenten, wissenschaftlichen Mitarbeiter und Professoren sind keine Grenzen gesetzt.

 

Und doch ist uns zu Ohren gekommen, dass die meisten Ihrer Studenten das HWL-Studium abbrechen. Viele überstehen die Zwischenprüfungen nicht. Hat denn überhaupt schon mal jemand den Master als Diplomcannabisschmuggler gemacht?

 

Nein, leider nicht. Die Jugend von heute ist einfach zu weich, zu verpimpert. Viele glauben nach dem zweiten Semester, sie hätten ausgelernt und starten als Dilettanten in den Beruf. Meistens landen die Studienabbrecher im Knast oder auf dem Friedhof. Oft müssen wir auch Verweise aussprechen, wenn unsere Studenten selbst zum Joint greifen oder andere Drogen wie Kokain und Alkohol ins Spiel kommen. Wir verlangen von unseren Studenten absolute Abstinenz. Unser Ethos verbietet es, die Schmuggelware selbst zu konsumieren. Deshalb kooperieren wir auch mit den hiesigen Polizeibehörden und denunzieren die Übeltäter. Wer nicht hören will, der muss eben fühlen. Da sind wir knallhart.

 

Oha, das ist aber reichlich streng. Und Sie, Herr Professor, wie halten Sie das mit dem Kiffen.

 

Als Präsident der Howard-Marks-Akademie muss ich über alles wachen. Dazu gehört selbstverständlich auch, die Ware, die unsere Studenten während der Praktika importieren und bei mir abliefern, zu kontrollieren und auf ihre Qualität zu prüfen. Fraglos die wesentlich schwerere Aufgabe als das bisschen Schmuggeln.

 

Und Sie selbst schmuggeln gar nicht?

 

Nein. Den Traumberuf des Schmugglers darf ich leider nicht ausüben. Ich befasse mich rein theoretisch mit der Hanfwirtschaftslehre und vermittele mein umfassendes Wissen, das aus den Erzählungen meiner Mutter schöpft. Dass ich nicht in die Fußstapfen meiner Mutter getreten bin, liegt an meiner Schweißphobie, unter der ich seit meiner Geburt leide. Meine Ärzte verbieten mir, schweißtreibenden Tätigkeiten nachzugehen. Ich muss jeden Stress meiden. Das macht mich oft traurig. Aber so ist halt das Leben. Kann ja nicht jeder Schmuggler werden. Wirklich bedauerlich für mich. Aber dafür sehe ich mich als geistiger Übervater, der ganz uneigennützig junge Menschen um sich schart und jedem eine echte Chance gibt, mit einem hochwertigen Universitätsabschluss ins Berufsleben zu starten.

 

Herr Professor Freiherr von Bobelstedt, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihr neuestes Projekt in Cottbus, wo Sie gerade mit EU-Geldern das Howard-Marks-Berufsausbildungshilfswerk aufbauen – mit dem karitativen Ziel, alle dort herumlungernden arbeitslosen Jugendlichen zu Btm-Straßeneinzelhandelskaufleuten auszubilden.

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