Montag, 15. Januar 2018

Dresdner Polizei erbeutet 12 Gramm Cannabis

 

 

Großeinsatz gegen Drogenkriminalität verursacht geschätzte Kosten von mehr als 17.000 Euro

 

Cannabis
Foto: Archiv

 

 

 

Ein Kommentar von Sadhu van Hemp

 

 

Am 4. Januar gab die Dresdner Polizeiführung den Marschbefehl für die erste Großoffensive im neuen Jahr. Doch es ging nicht etwa um die längst überfällige Trockenlegung des braunen Sumpfes in und um Dresden, sondern darum, ein bisschen im „Drogensumpf“ zu fischen. Gegen zwölf Uhr mittags rückte eine 40 Mann starke Polizeischwadron unterstützt von der sächsischen Bereitschaftspolizei zur “Bekämpfung der Straßen- und Betäubungsmittelkriminalität” in die Innenstadt aus, um nach Bürgern Ausschau zu halten, die ins Fahndungsraster des Hänflings passen und aus Heimatschutzgründen aus dem Stadtbild zu entfernen sind.

 

Doch anders als in der Hauptstadt der Deutschen, wo jeder zweite Bürger so aussieht, als sähe er so aus, gleicht die Jagd nach Cannabis-Verbrechern in der Hauptstadt der Sachsen einer Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Zwar dürfen in Dresden unter den 550.000 Einwohnern auch 35.000 „übliche Verdächtige ohne sächsische Staatsbürgerschaft“ frei herumlaufen, doch zum Leidwesen der Polizei verstoßen nur die wenigsten auf offener Straße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

 

Und so gestaltete sich die Treibjagd der Polizei in der Elbstadt an jenem Donnerstag mehr als zäh. Acht Stunden lang suchten die „Freunde und Helfer“ in allen Ecken und Ritzen nach geeigneten Opfern der Cannabis-Prohibition, doch so richtig wurden sie nicht fündig. Und so wundert es nicht, dass die Ausbeute der fröhlichen Kiffer- und Dealerjagd eher mager ausfiel: 14 Personen konnte die Jagdgesellschaft der Polizei eingefangen und ausweiden, doch nur fünf Strafanzeigen wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetzes schreiben. Beschlagnahmt wurden schlappe 12 Gramm Cannabis. Das ist deutlich zu wenig für 40 Drogenfahnder. Das reicht gerade mal für eine Haschgiftspritze pro Nase.

 

Der Aufwand des Großeinsatzes steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Genaugenommen hat sich die Dresdner Polizei lächerlich und zugleich der Verschwendung von Steuermitteln schuldig gemacht. Eine Rüge des Bundesrechnungshofes an die Adresse der Dresdner Polizei wäre zwingend auszusprechen. Laut einer Berechnung der Münchner Polizei aus dem Jahr 2016 kostet den Steuerzahler die Arbeitsstunde eines Polizeibeamten 54 Euro. Das macht für den achtstündigen Einsatz von 40 Volkspolizisten rund 17.000 Euro. Dazukommen kommen Verwaltungs- und Justizkosten für die Abstrafung der ertappten Hanfverbrecher.

Demgegenüber stehen 12 Gramm konfisziertes Cannabis im Wert von vielleicht 100 Euro, die am Ende in der Müllverbrennungsanlage landen.

 

Angesichts dieses Irrsinns bleibt nur, Mitleid mit den Beamten der Dresdner Polizei zu haben. Schließlich grenzt es schon an Masochismus, sich in aller Öffentlichkeit der Peinlichkeit des Anti-Hanf-Kriegers auszusetzen, der völlig sinnbefreit mit Kanonen auf Spatzen schießt – und das auch noch meilenweit daneben.

 

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Fred
Fred
4 Jahre zuvor

Sehr guter Kommentar. Und solange die Betonköpfe in der Regierung nicht bereit sind von dieser falschen Drogenpolitik in D abzulassen, geht die Verschwendung von Steuergeldern weiter, und die Verantwortlichen machen sich halt lächerlich.

Wie schon mal erwähnt… sich nicht erwischen lassen ist die Devise. Je besser jeder einzelne diesen Grundsatz verinnerlicht, desto länger werden die Gesichter auf der anderen Seite !

Rainer Sikora
Rainer Sikora
4 Jahre zuvor

Die Aktion lehrt uns aber,daß wir noch mehr aufpassen müssen.Man kann als normaler Passant überall und jederzeit auffliegen.Jeder kriegt bald einen eigenen Hauspolizisten zugeteilt.

kushifix
kushifix
4 Jahre zuvor

In den Grenzregionen wird das jeden Tag praktiziert, ich wohne in so einer und nicht weit weg von dem Spielplatz der Cops oben im Artikel. Jeden Tag werden die Bürger, welche gemütlich in Jogginghosen herum flanieren, Baseballcaps tragen oder in das Klischee passend angezogende Bürger herausgezogen. Und auf öffentlicher Straße sehr unschön behandelt. Mit unschön meine ich, Aussagen wie „Es ist uns egal was sie gerade vorhaben und das sie Zeitdruck haben um die Bahn zur Arbeit zu bekommen.“ oder Beobachtungen wo die Cops an Passanten vorbei fahren, dem ausgsuchten Opfer einen Blick zuwerfen und mit einem Finger auf in deuten, der soviel heißt wie „Bleib stehen du bist jetzt dran!“, als das Opfer dies mal gepflegt ignorierte wurden die… Weiterlesen »

COSMO
COSMO
4 Jahre zuvor

Ich kann nur lachen über so effektive Angebots- und Verfügbarkeitsminimierung.
Die Cops müssen so oder so bezahlt werden. Aber ein bisschen mehr Ermittlungsarbeit bei Gewaltverbrechen und bei Einbruch Diebstahl wäre mit Sicherheit sinnvoller.
Polizist werden ist nicht gut, als Drogenpolizist verlierst du schnell den Mut.

Karli
Karli
4 Jahre zuvor

Liegen die 12 Gramm noch in der Asservatenkammer oder hat sie schon ein Polizist für sich „beansprucht“? 😉

greenness
greenness
4 Jahre zuvor

Es kommt noch etwas hinzu: Es wurden nicht nur Steuergelder verplempert, die Beamten sind in dieser Zeit auch nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nachgekommen, nämlich Verbrecher festzunehmen und Verbrechen aufzuklären und zu verhindern.

Während diese 40 Beamten ein paar Cannabiskonsumenten hochgenommen haben und 12g Cannabis sicherstellen konnten, wurden an anderer Stelle unbehelligt Koffer mit Pülverchen und Geldscheinen hin- und hergeschoben und weitere Verbrechen begangen. Cannabisbesitz und -konsum ist kein Verbrechen, sondern eine Straftat aufgrund eines überholten Gesetzes.

Peter
Peter
4 Jahre zuvor

Dieser Artikel passt, damit ich dazu etwas schreibe, was mir auf dem Herzen brennt. Es ist die Tatsache, dass hier nach dem Aussehen beurteilt wird, ob jemand ein Cannabiskonsument sein könnte, oder nicht. Steht nicht in unseren Gesetzbüchern, dass vor dem Gesetz alle gleich behandelt werden müssen? Niemand darf wegen seines Aussehens, seiner Religion, seiner Hautfarbe,… schlechter behandelt werden als andere. Ganz genau das geschieht aber. Genau so wie im 3. Reich durch die Nürnberger Gesetzte festgelegt wurde, woran man einen Juden erkennt, lernen unsere Polizisten heutzutage, woran man einen Cannabiskonsumenten erkennt. Und genau so, wie damals die Juden darauf verzichtet hatten, typisch jüdische Kleidung, Mützen und Verhaltensweisen öffentlich zur Schau zu stellen, sollten die Konsumenten heutzutage darauf verzichten es… Weiterlesen »