Samstag, 13. Januar 2018

(P)Review 2017/2018

 

Seine Meinung – Sadhu van Hemp

 

Was war – was kommt

 

2017 war wieder einmal mehr ein gutes Jahr – für die Prohibitionisten. Noch ist nicht Bilanz gezogen, aber die Statistiken der Strafverfolgungsbehörden werden sich von denen der Vorjahre kaum unterscheiden – und wenn doch, dann nicht zum Positiven hin. Allein mit den Opfern des Anti-Hanfes-Krieges auf deutschen Boden würde sich das Berliner Olympiastadion zwei- bis dreimal bis auf den letzten Stehplatz füllen lassen. Dieser Trend wird sich auch 2018 fortsetzen, da weit und breit kein politischer Wille erkennbar ist, der dem Wunsch eines Großteils der Bevölkerung nach einer Entkriminalisierung der Hanffreunde nachkommen will.

 

So wird das neue Jahr beginnen wie das alte endete: Abertausende Polizei- und Zollbeamte werden sich tagtäglich rund um die Uhr auf die Spur der illegalisierten Grünpflanze begeben und dafür sorgen, dass die Flut an Strafanzeigen wegen des Verstoßes gegen das Hanfverbot nicht abebbt. Millionenfach werden sich auch nächstes Jahr die Cannabiskonsumenten von Polizeibeamten in aller Öffentlichkeit betatschen und demütigen lassen. Unmengen von Urin, Schweiß und Blut werden fließen, um den ertappten Hanffreunden gerichtsfest nachzuweisen, dass sie sich eines Verbrechens schuldig gemacht haben. Wie gehabt werden an anderer Stelle dringend benötigte Steuergelder für die Treibjagd auf Cannabissünder und deren Aburteilung verplempert. Grenzenlos wird das Leid sein, das über die Betroffenen gebracht wird. Vom Fahrerlaubnisentzug, über den Arbeitsplatzverlust bis hin zur Aberkennung der Erziehungsberechtigung für die eigenen Kinder wird alles dabei sein, was der Abstrafung der Hanffreunde dient.

 

Doch bei aller Trübsal, die im Geleit der Hanfprohibition ist: Die Talsohle des Elends dürfte durchschritten sein. Auch 2017 zeigte sich wie die letzten Jahre zuvor ein Lichtstreif am Horizont, der stetig heller wird und den Schaden, den der Anti-Cannabis-Krieg anrichtet, sichtbar macht. Die Morgendämmerung ist längst angebrochen. Die Vernunft erwacht in den Köpfen der Menschen, die sich nicht länger von Kriegstreibern wie der Bundesdrogenbeauftragten mit der Hanflüge in die Irre führen lassen wollen. Der frische Wind der Cannabislegalisierung, der aus den USA weht, lässt aufatmen und regt dazu an, sich auch in Europa von den Fesseln der Prohibition zu lösen. Die Schreihälse der Anti-Hanf-Fraktion geraten unaufhaltsam ins Abseits, und je lauter sie gegen eine Entkriminalisierung der Konsumenten krakeelen, desto mehr geben sie sich der Lächerlichkeit preis.

 

Die Renaissance der heiligen Pflanze ist nicht aufzuhalten. Ein Blick über den großen Teich müsste den unbelehrbaren Prohibitionisten der Christ- und Sozialdemokratie eigentlich genügen, um zu erkennen, dass ihre restriktive Cannabispolitik obsolet ist und niemand auch nur die Spur einer Chance hat, den Anti-Hanf-Krieg zu gewinnen. Die Re-Legalisierung des Hanfes konnte selbst ein US-Präsident Donald Trump nicht aufhalten. Statt dem Bundesgesetz Geltung zu verschaffen und mit Soldaten in jene Bundesstaaten einzufallen, die Cannabis in einem illegalen Willkürakt freigegeben haben, duckt sich das Großmaul der Ewiggestrigen weg und schweigt. Ohnmächtig schaut der mächtigste Mann der Welt zu, wie aus geächteten Kiffern und Hanfgärtnern geachtete Menschen und brave Steuerzahler werden, die statt im Knast friedlich zu Hause bei Muttern auf dem Sofa sitzen. Das Weiße Haus, der Kongress, die Bundesgerichte, alle, wie sie da sind, haben 2017 die Hände in den Schoß gelegt, um erst mal auszubalancieren, ob es sich überhaupt noch lohnt, Bundesstaaten wie Colorado und Kalifornien zum ultimativen Schlachtfeld des War on Drugs zu erklären und mit Waffengewalt zu befrieden.

 

Der Paradigmenwechsel in den USA wird auch auf Deutschland abfärben. 2017 war bereits ein historisches Jahr, nachdem die Versorgung chronisch kranker Menschen mit Cannabis ohne Ausnahmegenehmigung zugelassen wurde. Die Weichen für eine staatliche Cannabisagentur, die den Anbau und Vertrieb von Medizinalhanf koordiniert und kontrolliert, sind gestellt. Auf dieser Schiene geht es nun in die Zukunft – und 2018 werden sich die Stimmen mehren, die den gleichen Pragmatismus für die Entkriminalisierung der Genusskiffer fordern.

 

Doch nicht das Bedürfnis der Cannabiskonsumenten wird im Vordergrund des politischen Denkens und Handelns stehen, sondern das profane Begehren, mit dem „grünen Gold“ Geld zu verdienen. Auch 2018 werden hiesige Geschäftemacher voller Neid über den Atlantik schielen, wo im Zuge der Cannabislegalisierung der Rubel rollt und aus Hänflingen Millionäre werden. Der in sich abgeschlossene Cannabismarkt in den USA und Kanada gleicht einem El Dorado für alle, die sich im Gewerbe rund um das Heilkraut betätigen und in nur wenigen Jahren eine ganzen Industriezweig zur Blüte bringen. Und das nahezu konkurrenzlos, solange der Rest der Welt tatenlos zuschaut und an der Prohibition festhält.

 

Der Unmut über die Monopolstellung der Nordamerikaner wird wachsen. Aus „Scheiße Geld machen“? Danach gelüstet es auch den Germanen – ob mit oder ohne Cannabisagentur. Über kurz oder lang bleibt der Politik gar keine andere Wahl, als das Gewerbe rund um den Hanf zuzulassen und Lizenzen zum Geldverdienen zu verteilen. Die Frage ist nur, inwieweit der neue Geschäftszweig aus sich selbst erwächst oder nur aufgepfropft wird. Alteingesessene Hanfgärtner und Fachhändler werden wohl kaum für ein paar Euro fünfzig beim zuständigen Amt eine Gewerbeerlaubnis für Produktion und Handel erhalten. Die kriminalisierte Hanfszene wird leer ausgehen. Die, die das Cannabiskontrollgesetz ausarbeiten, sind Politiker, die an die Staatsräson gebunden sind – und die duldet kein ökonomisches Paradoxon. Dass die Kleinen den Kuchen und die Großen die Krümel bekommen, sieht die „freie“ Marktwirtschaft nicht vor.

 

Damit alles seine Ordnung hat, werden die Vordenker die Reform des Betäubungsmittelgesetzes so gestalten, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Genusshanf der Gesundheitsindustrie vorbehalten bleibt. Der milliardenschwere Geschäftzweig wird sich unter Aufsicht des BfArM über Pharmabuden und Apotheker auswachsen – und das ohne nennenswerten Widerstand der Cannabiskonsumenten, die vor lauter Glück über das Industrieprodukt schreien werden.

Der staatlich kontrollierte Hanfanbau und -handel wird jedoch nur zu neuen Ungerechtigkeiten führen. Längst nicht jeder Kiffer ist bereit, einen absurd hohen Preis zu zahlen, der dem Diktat der Profitmaximierung unterliegt. Auch will sich nicht jeder mit standardisiertem Kunstgras begnügen und auf die Vielfalt des in der freien Natur blühenden Hanfes verzichten. Das Cannabiskontrollgesetz wird den Import von Haschisch aus dem Orient nicht verhindern. Der Beruf des Haschischschmugglers- und dealers wird ebenso wenig aussterben wie der des Guerillagrowers. Vor allem auch deshalb, weil nicht alle Hanffreunde als Drogenkonsument registriert und staatlich überwacht werden wollen.

 

Wie es auch kommt, der Weg zur Entkriminalisierung, der in Deutschland beschritten wird, ist ein Holzweg. Die Köpfe, die sich das Cannabiskontrollgesetz ausdenken werden, sind Holzköpfe, die auf der Suche nach einem Konsens in eine Sackgasse laufen und sich mit jedem faulen Kompromiss weiter vom Ziel der vollumfänglichen Legalisierung entfernen. 2018 könnte das Jahr werden, das den Traum von einem Cannabis-Freihandel endgültig platzen lässt. Wer einem Cannabiskontrollgesetz den Weg bereitet, hat nicht Absicht, Mensch und Natur die verbotene Pflanze ohne Wenn und Aber zurückgegeben.

5 Antworten auf „(P)Review 2017/2018

  1. Fred

    Letztlich ist es mir völlig schnuppe, wer das Geld verdient. In erster Linie geht es darum, den Sprung ins Legale zu schaffen. Damit erst einmal die unsinnige Verfolgung der Konsumenten aufhört. Ist dieser Sprung geschafft, wird die Zeit die Dinge regeln.

    Das diese Gurkentruppe die sich z.Z in Berlin formiert, niemals in der Lage sein wird, eine Legalisierung auch nur im Ansatz vernünftig zu händeln….ich würde alles was ich nicht habe drauf verwetten ! Wahrscheinlich wird man die Preise mit Steuern so hoch treiben, das der Schwarzhandel mit Begeisterung in die Hände klatscht und kräftig die Preise erhöhen kann.

    Aber wie es auch sei, wichtig ist, den legalen Status zu erreichen. Für 2018 sehe das noch nicht. Die Gegner wackeln ( sogar sehr kräftig ) aber sie zucken noch. Also, weiter feste druff ! Keineswegs nachgeben aber
    immer schön sachlich und korrekt, wie es sich für Leute gehört, die moralisch im Recht sind und sich nicht von ein paar Fanatikern ins Abseits drängen lassen.

    Ansonsten hege ich auch die Befürchtung, das die Verfolgung in 2018 nochmals zunimmt. Sozusagen als letztes Mittel. Eigenschutz sollte sich jeder auf die Fahne schreiben. Es gilt, sich nicht erwischen zu lassen. Aus ureigenem Interesse und im Interesse des Ganzen. Können wir dem Gegner keine Erfolge ! ZB. keine Steigerungsraten in der Kriminalstatistik.

  2. unbeugsam

    Ich würde so gerne meine Meinung hier sagen,aber dann mache ich mich strafbar.Drum bleibe ich lieber ruhig und bereite meine Auswanderung langsam vor.

  3. Peter

    Sehr guter Artikel. Ich glaube auch, dass 2018 die Verfolgung von Cannabisdelikten und deren Repression zunehmen wird. Aufgrund der Entwicklungen in Amerika solltest Du nicht glauben, dass Du hier in diesem Land einfach so Cannabis besitzen darfst. Wir sind hier nicht in Colorado oder Kalifornien. Bei uns herrschen andere Regeln. Selbst allerkleinste Mengen können Dir zum Verhängnis werden. Der Richtervorbehalt zur Entnahme von Blutproben wurde abgeschafft. Im Rahmen einer Schleierfahndung darf auch ohne konkrete Verdachtsmomente nachgeschaut werden, was Du so alles mit Dir rumträgst. Sie schauen auch gleich mal in Deinem Blut nach, oder in den Unterhosen, oder sie reißen Dir den Arsch auf. Wehe sie finden was. Dann machen sie Dich langsam und genüsslich fertig. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.
    Das was im 3. Reich die Juden waren, sind jetzt die Cannabiskonsumenten. Sie schaden niemandem und werden trotzdem gnadenlos verfolgt. Ok, zugegeben, es gibt keine Sammellager wo die Konsumenten eliminiert werden, oder Gettos. Der Judenstern ist heutzutage ein Entrag im Polizeiregister. Du wirst gesellschaftlich ermordet. Du musst Strafen zahlen, so dass Du jahrelang kein anständiges Leben mehr führen kannst. Du wirst ausgepresst wie eine Zitrone und sie werden immer wieder mal ein Auge auf Dich werfen. Solltest Du gar ein Grossdealer oder Grower sein, dann landest Du im Knast. Also doch so eine Art Sammellager.
    Nach außen hin demonstriert unser Land, wie ausländerfreundlich es ist. Niemand soll auf den Gedanken kommen, dass unser Land faschistisch wäre. Und wenn jemand so etwas behauptet, dann machen sie alle einen auf beleidigt. Doch der Faschismus blüht intern in den Strafverfolgungsbehörden und in der Justiz.

    Peter

  4. Lars Rogg

    @Peter
    leider wahr…und zwar jedes Wort !!!
    Als Täter opferloser Delikte wirst Du selbst zum Opfer gemacht. Und zwar so, dass Du den Rest deines Lebens gezeichnet bist. Die Sache mit dem Rechtsstaat und den Lehren aus der Verfolgung von Unschuldigen ist nur vorgeschoben und einen der größten Lügen und Augenwischereien im nach Kriegs Deutschland. Aber was willst Du erwarten ?? Wie hiess es mal:“ Von Deutschland soll nie wieder ein Krieg ausgehen “
    Schallendes Lachen meinerseits, denn wir schicken schon seit vielen Jahren wieder Soldaten in alle Welt und fast noch schlimmer, wir verdienen Milliarden in dem wir Waffen in jedes Krisengebiet der Welt schicken. Wir verkaufen Waffen an jeden Despoten und Diktator der bezahlt. Im Zweifel über Umwege wie Tochterfirmen im Ausland oder Lizenzverträge. Dazu kommt am Montag ein Bericht in der ARD.
    Also Peter, bei uns gilt die Devise, sich nicht erwischen zu lassen (siehe Fred). Nicht als Waffenverkäufer, denn Mordwaffen zu verkaufen ist legal. Als unschädlicher Drogenkonsument oder Hersteller leichter Drogen wirst Du verfolgt und gedemütigt, verachtet und diffamiert. Deutsche Politiker sind näher an der Politik Dutertes, als an der von Kanada, Florida oder den Niederlanden.
    BRD 2018…leider können wir nicht alle auswandern.

  5. Fred

    @Lars Rogg
    BRD 2018…leider können wir nicht alle auswandern

    Das kann auch nicht Sinn der Übung sein. Das System zu verändern ist das Gebot der Stunde. Und sie werden weiter einknicken. Der Trend ist absolut intakt. Jeden Tag verlieren die Gegner ein wenig an Glaubwürdigkeit, und damit wird es immer schwerer Antistimmung zu erzeugen, bzw aufrecht zu erhalten. Sie werden sich irgendwann geschlagen geben.

    Und das ist übrigens auch ein Zeichen einer funktionierenden Demokratie. ( Ralf bleib locker. Es ist nur meine Sicht der Dinge )

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