Donnerstag, 28. Dezember 2017

Super Mario Odyssey

 

 

Keine kleinen Katzensprünge.

 

Foto: Nintendo

 

Nintendo ist eine Firma, die gerne von sich behauptet Trends nicht zu folgen, sondern lieber eigenen Zielsetzungen entgegenzustreben. Umgesetzte Projekte sollen dann stets stark überraschen und bei der Kundschaft eine Nachfrage generieren, die zuvor noch nicht bestand. Mit der Veröffentlichung von Super Mario Odyseey für Nintendos Heim-Handheld Switch ging man jedoch einmal den umgekehrten Weg und bietet Spielern seit Ende Oktober viele weitläufige Areale in recht bekannter Form, welche sich die Klientel seit dem revolutionären Super Mario 64 vor zwanzig Jahren lautstark immer wieder wünscht.

 

So bietet Super Mario Odyssey nun einen gewaltigen Spielplatz für den bekannten Tausendsassa, auf dem sich Nintendo Switch Besitzer wochenlang verlieren können.

Bowser hat natürlich Prinzessin Peach in seine Gewalt genommen und forciert eine prachtvolle Hochzeit. Damit seine Braut dem unglücklichen Ereignis angemessen angezogen ist, stiehlt die hornige Kröte neben Kleid, Blumen und Festtagsschmaus auch ein Diadem, welches jedoch mit Leben durchflutet ist. Da dieses dreiste „Capnapping“ dem Bruder des silbernen Kopfschmucks große Sorge bereitet, schließt sich der fliegende Hut namens Cappy dem zur Rettung eilenden Super Mario an und dient diesem während des ausladenden Abenteuers als Haupthaarbedeckung.

 

Durch Cappy erhält Super Mario einige neue Bewegungsaktionen sowie ein Feature, das vielversprechende Funktionen nach Super Mario Odyssey trägt. Schmeißt Mario die Mütze auf einen dafür vorgesehenen Gegner, kann er in die Rolle des Bösewichts schlüpfen und so gewisse Hindernisse durch dazugewonnene Fähigkeiten überwinden. Zig Gegnertypen lassen sich so für kurze Momente übernehmen und bieten dann verändertes Gameplay in den unterschiedlich gestalteten Welten, die stets mittels fliegendem Schiff von dem ehemaligen Klempner erreicht werden. Auf der Jagd nach Bösewicht Bowser benötigt das verwendete Vehikel Energie aus Mondsternen zum Vorankommen, weshalb Super Mario vorerst nur in Katzensprüngen den Planeten bereist und in den jeweiligen Welten ausgiebig nach den speziellen Kraftstoffzellen Ausschau halten muss.

 

Die Areale in Super Mario Odyssey bieten aufgrund ihrer weitläufigen Gestaltung viele Verstecke und Kartenpunkte, wo die kraftvollen Mondsterne zu finden sind. Kleine Knobel- oder Jump’n-Run-Aufgaben stellen sich dem fleißigen Schnauzbartträger dann auch in den Weg, die nach gefundenem Lösungsweg wieder weitere Mondsterne spendieren. Insgesamt sollen 800 solcher Items in Super Mario Odyssey verbaut worden sein, doch schon nach weniger als einem Drittel gesammelter Monde darf sich der Spieler mit dem Hauptheld der finalen Schlacht widmen, um Prinzessin Peach aus den Klauen Bowsers zu befreien. Auf diesem langen Weg sammelt man zusätzlich Goldmünzen plus spezielle Münzen in violetter Farbe, die dazu dienen Mario neu einzukleiden. Dutzende Kostüme können so bei einer Modekette erworben werden, die Mario dann sogar andere Nintendo-Charaktere imitieren lassen. Ebenso werden Aufkleber und Interieur für das Sternenschiff Odyssey erworben, doch spielerische Auswirkungen haben diese virtuellen Güter allesamt nicht.

 

Insgesamt wirkt Super Mario Odyssey daher in großen Teilen wie ein ausgebauter 64-Bit-Spielplatz für kleine humoristische Einlagen und sympathische Augenblicke, die mittels virtuellem Fotoapparat  festgehalten und auf sozialen Netzwerken geteilt werden können. Da die an den Spieler gestellten Anforderungen in dem neusten 3D-Abenteuer des weltbekannten Latzhosenträgers dafür nur in seltenen Fällen über das Niveau vergangener Mario-Party-Titel steigen, die Übernahme der gegnerischen Charaktere sehr begrenzt und teils auch gezwungen erscheint – auch keine grundlegend neue Idee für Videospiele darstellt –  vermisst der eine oder andere Fan des Klempners die ehemaligen Stärken des Branchenvorbildes. Wenn geübte Spieler nach nur wenigen Minuten mit einem Dutzend Belohnungen das nächste Areal anreisen, erwarten sie zumindest durchdachte Level-Konstruktionen, perfektes Gameplay und spielerisches Neuland, bekommen in der Regel aber wiederholende Aufgabenstellungen und nostalgische 2D-Ausflüge ohne grafische Genüsse.

 

Viele alte Hüte als Fanservice.

 

Super Mario Odyssey

Fotos: Nintendo

USK 6

Circa 55€

Switch

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