Donnerstag, 21. Dezember 2017

Star Wars Battlefront II EA

 

 Inferno Squadron

 

Star Wars ist Weltkultur. Luke, Han, Leia und Chewie gehören zum Leben wie die Simpsons oder James Bond. Der Unterschied der Sternensaga liegt in erste Linie aber wohl in der Macht, noch mehr Geld generieren zu können als alle anderen Marken zusammengerechnet. Pünktlich zu Disneys Angriff auf die Kinoleinwände in 2017 mit Episode VIII veröffentlichte Electronic Arts daher den zweiten Teil von Star Wars Battlefront EA für die hochgezüchteten Spiele-Maschinen, damit die Kassen mächtig klingen, während alle Englein lauthals singen. Star Wars Battlefront II EA wurde diese an den Tag gelegte Strategie jedoch zum Verhängnis, vergleichbar dem eiskalten Besuch auf Bespin für Han Solo.

 

Noch vor der Veröffentlichung des auf Multiplayerschlachten ausgelegten Videospiels kochten die Emotionen bei entrüsteten Gamern derartig hoch, dass der größte Publisher der Welt von einem geplanten und tief in das Spiel verwobenen Konzept abrücken musste, welches nach Release der Software sogar mehrere Regierungen des Globus beschäftigt. Alle in Star Wars Battlefront II EA verfügbaren Spielcharaktere, Klassen wie Fahrzeuge sind durch virtuelle Sammelkarten in ihren Werten aufzubauen, sodass große Vorteile für ihre Nutzer in den online ausgetragenen Wettkämpfen bei richtigem Einsatz verborgen liegen. Drei Slots besitzt jeder einzelne Kämpfer insgesamt, doch erst nach genügend gesammelten Erfahrungen schalten sich diese nach und nach frei und wollen mit den Status verbessernden „Star-Cards“ bestückt werden. Um den umständlichen Prozess zu beschleunigen, schnell an bessere Karten zu gelangen, sollte auch via Mikrotransaktionen Spielern die Möglichkeit gegeben werden, benötigte Beuteboxen zu erstehen, die wie in einer Lotterie unbekannte Gegenstände ausspucken.

 

Dies beeinflusste nicht nur die Spielbalance der in der Ego- oder Third-Person-Perspektive spielbaren Krieg-der-Sterne-Schlacht, sondern forderte heimtückisch dazu auf, echtes Geld zu investieren, damit gegen die hochgezüchteten Langzeitspieler wieder ernsthafte Überlebenschancen bestehen. Belgien, Hawaii und Australien beschäftigen sich nun mit der Frage, ob diese Form der Geschäftemacherei nicht eigentlich als Glücksspiel zu verstehen sei und man deshalb unbedingt Kinder vor diesen Praktiken schützen müsste, obwohl EA die Einkaufsoptionen für einen unbestimmten Zeitpunkt auf Eis legte – so wie Darth Vader den beliebten Millenium-Falcon-Piloten in der Wolkenstadt.

 

Somit ist der Erfolg in Star Wars Battlefront II aktuell den Menschen vorbehalten, die sich über Stunden mit dem Verdienen von Spielwährung verdingen, um in dem weiterhin aktiven Lotterieverfahren möglichst nützliche Karten zu erhalten. Denn regulären Zockern dürfte der auf fünf sehr ähnliche Online-Modi beschränkte Sternenkrieg wenig Freude während des Einspielens bereiten, dient man die meiste Zeit nur als Kanonenfutter für das dunkle Imperium oder die Allianz der Rebellen. Alle bisherigen Epochen aus Star Wars sind zwar verarbeitet, viele bekannte Helden können mit In-Game-Währung aus Hand des elektronische Fesseln nutzenden Sklavenhändlers EA freigekauft werden, doch deren Einsatz ist dann ebenfalls meist den herausragenden Online-Spielern mit hoher Battlescore überlassen.

 

Die als Wiedergutmachung  für ihr Abhandensein in Teil I nun implementierte Singleplayer-Kampagne kann in Star Wars Battlefront II EA dagegen von allen tapferen Besitzern in einer vier Stunden dauernden Sitzung genossen werden, bis Mängel im Gameplay, dem Design, der Story und ein unbefriedigendes Ende deren Alibicharakter erkennen lassen und Fans der Saga enttäuscht verabschieden. Ein Arcade-Mode bietet Split-Screen-Action für Couchkumpels oder kleinste Level zum alleine Austoben. Das Highlight in Star Wars Battlefront II EA – neben der ansprechenden Grafik, die aber vor zwei Jahren auch noch stärker zu beeindrucken wusste – dürften daher einzig die speziellen Luftschlachten darstellen, die von darbenden X-Wing-Kampfpiloten mit offenen Armen empfangen werden. Da aber auch hier das Konzept der durch „Loot-Crates“ gewonnenen „Star-Cards“ herrscht und somit wieder nur die besseren Karten vorrangig über Leben und Tod entscheiden, bleibt der fade Nachgeschmack eines gierigen Imperiums auch in diesem Sektor stetig spürbar.

 

Übrig bleibt im Kern ein hektisches Shooter-Themencasino mit Star-Wars-Wiedererkennungswert für galaktische Glücksspieler, welches sich durch ein absolut undurchsichtiges wie untragbares Wertesystem schon vor der Veröffentlichung selbst kastrierte und im Gegensatz zur regulären Gangart in Videospielen dadurch auch im Vergleich zum Vorgänger spielerisch zurückentwickelte.

Viel zu viele dunkle Seiten für ein gutes Spiel.

 

Star Wars Battlefront II EA

Fotos: EA

USK 16

Circa 69€

(PS4 – ASIN: B06Y67QHV4  / Xbox One –  ASIN: B06Y68LQXW / PC – ASIN: B06Y5Y4TJ6 )

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.