Mittwoch, 29. November 2017

The Evil Within 2 

 

 Deal with the Devil.

Autor: mze

 

Shinji Mikami gilt als Erfinder des modernen Survival Horrors in Videospielen. Da sich der Ex-Capcom-Mann mit seiner eigenen Firma Tango Gameworks erneut auf das Überleben in unwirklichem Schrecken spezialisierte, wundert es nicht, dass ein zweiter Teil seiner Kreation The Evil Within jetzt über Bethesda erschien. The Evil Within 2 führt mit gleichen Protagonisten und ähnlichem Setting seit Oktober die blanke Angst fort, die im Erstling durch spielerische Schwächen oft nicht den richtigen Schockmoment finden konnte. In Teil zwei wurde nun die Erfahrung aus dieser Produktion eingebaut, was sich durch ständigen Grusel am eigenen Leib in der Fortsetzung erfahren lässt. In The Evil Within 2 spukt es gefährlich.

 

Sebastian Castellanos führt ein verlorenes Dasein. Nach den Ereignissen von The Evil Within zerbrach seine Ehe und seine kleine Tochter wurde Opfer eines Flammeninfernos. Da ihm die Jahre der verzweifelten Suche nach der Geheimorganisation Moebius keine Hinweise auf deren Existenz und somit keine Erklärung für sein verfluchtes Schicksal verraten, schnappt Sebastian nach dem ersten Köder, der ihm überraschend in Form seiner ehemaligen Partnerin vor die Füße gelegt wird. Ein widersprüchliches Angebot verspricht dem Protagonisten sein Schicksal doch noch wenden zu können, indem er sich im Auftrag der zweifelhaften Organisation auf die Suche nach seiner verloren geglaubten Tochter macht. Diese soll in Wirklichkeit in einem Experiment von Moebius missbraucht worden sein, doch da sich die dort produzierte kollektive Bewusstseinsebene verselbstständigte, wird nun Sebastian auf den Plan gerufen, die außer Kontrolle geratene Situation wieder zu bereinigen. Zu diesem Zweck verfrachtet man den Hoffnung schöpfenden Vater in das sogenannte Stem-System, das einer virtuellen Realität gleicht, jedoch durch die Verbindung zum menschlichen Gehirn wesentlich verheerendere Auswirkungen auf den Geist haben kann. Sebastian macht sich in dieser düsteren Alternativwelt auf die Fährte seiner Tochter und durchlebt dort erneut einen schwer beschreibbaren Höllentrip, der sich mit Pech und Schwefel gewaschen hat.

 

Dem Genre typisch besitzt der gespielte Charakter in seinem Ausrüstungsrepertoire eine Nahkampfwaffe, mehrere aufrüstbare Schießeisen, gesammelte Items zum Überwinden von gesetzten Hindernissen und natürlich auch Heilmittel – die selbstverständlich aus Kräutern gewonnen werden. Aus der nicht immer perfekt positionierten Third-Person-Perspektive steuert man Señor Castellanos durch die dunklen Areale, die im Gegensatz zum ersten Teil jedoch viel weiträumiger gestaltet sein können. Umlagert von Monstrositäten, Untoten und Gespensterwesen muss sich der Spieler dabei stets recht ruhig voranbewegen und immer mit unvorhergesehenen Situationen rechnen. Gegner können mit Waffengewalt zwar dezimiert werden, doch eher hinterhältige Schleichattacken helfen dem sich sorgenden Dad in der Virtual-Stem-Reality oft weiter, unbemerkt an Ziele zu gelangen. Diese können glücklicherweise auf einer Karte markiert und so leichter per pedes erreicht werden, da die Umgebung einer kleinen amerikanischen Stadt in der Nacht nur wenige Anhaltspunkte zum Orientieren bietet. Insgesamt wird der Spieler etwas verwirrt aus dem gradlinigen Prolog entlassen, nachdem er den Beginn der bizarren Geschichte von The Evil Within 2 verdaute. So sind erste Versuche, mit einem frisch erworbenen Walkie-Talkie richtig umzugehen, bedingt einfach, während der Handfeuerwaffeneinsatz zur Gegenwehr gleich sehr viel Eingewöhnung verlangt. Viele Bildschirmtode wird der sich leicht verängstigt wiederfindende Spiele daher in dem neusten Werk erfahren, das von Shinji Mikiami wohl absichtlich in diese Richtung mitproduziert wurde.

 

Technisch macht The Evil Within 2 eine wesentlich bessere Figur als der erschreckend schlecht performende Vorgänger, auch wenn nach Ladezeiten Texturen oft wieder etwas länger brauchen und auch die suboptimale Kameraführung dann manchmal stockende Bilder fängt. Insgesamt finden Zocker, die Survival Horror kennen und mögen, einen weiteren Vertreter des Genres, der in den besten Fällen aber eher an dessen Ursprünge erinnert. Vorbildlich ist dagegen der Aufbau eines konsequent unangenehmen Ambientes gelungen, das wiederholend und in kürzester Zeit für Gänsehaut- wie Angstmomente sorgen kann.

Sebastian Castellanos hat aus früheren Fehlern etwas gelernt.

 

The Evil Within 2

Fotos: Bethesda

USK 18

Circa 60 €

(PS4 – ASIN: B072MS7FKL / Xbox One – ASIN: B071GDH79J / PC – ASIN: B0721CS71Y )

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