Samstag, 25. November 2017

Die Sportzigarette danach

 

Seine Meinung – Sadhu van Hemp

 

 

Jährlich werden unzählige Sportlerkarrieren vorzeitig beendet, und das wegen angeblichen Dopings mit Tetrahydrocannabinol. Die Richtlinien der internationalen Sportverbände sind eindeutig: Cannabiskonsum hat im Sport keinen Platz – und dazu zählt auch der Après-Joint nach der Turnstunde.

 

Welcher Sportfreund kennt es nicht, das Bierchen danach? Für viele Turnbrüder und Turnschwestern ist die dritte Halbzeit die schönste, wenn man im Schweiße seines Angesichts und von körpereigenen Endorphinen durchflutet im Kreise seiner Mannschaftskollegen sitzt und die Seele baumeln lässt. In vielen deutschen Fußballteams ist nicht der der wichtigste Mann, der die Tore schießt, sondern der, der den Bierkasten trägt. Bei den Bayern aus München ist es sogar gute alte Tradition, mit Gerstensaft zu duschen.

 

Nun würde kein Sportverband der Welt auf die Idee kommen, das Genussmittel Bier auf die Dopingliste zu setzen und die Konsumenten als unsportliche Betrüger zu ächten, obwohl das Betäubungsmittel Alkohol erwiesenermaßen im Wettkampf eingesetzt zu Schwankungen in der Leistung, Motivation und Konzentration führt. Insbesondere sonntagmorgens auf deutschen Fußballplätzen wird dieses Phänomen sichtbar, wenn sich restalkoholisierte Freizeitkicker ohne Sinn und Verstand gegenseitig in die Knochen treten, und das vor den blutunterlaufenen Augen des Schiedsrichters, der es noch geradeso vom Tresen des Casinos in den Mittelkreis des Schlackeplatzes geschafft hat.

 

Ganz anders verhält es sich, wenn der Sportler nach dem Training ein bisschen Cannabis oder Haschisch inhaliert, um zur Ruhe zu kommen. Im Amateur- und Profibereich unserer Sportvereine gilt nämlich der Grundsatz des absoluten Cannabis-Verbots, das das Deutsche Sportgericht in unzähligen Schuldsprüchen in Stein gemeißelt hat: „Spieler unter THC-Einfluss erleben eine Distanz zur aktuellen Spielsituation, sind risikobereiter und können daher für Mitspieler eine erhöhte potenzielle Verletzungsgefahr darstellen.“

Diese Argumentation offenbart den geistigen Kleinwuchs der Sportfunktionäre, die mal eben die Wirkung des Alkohols dem Hanf andichten und mit dieser Lüge schamlos zu Felde ziehen.

 

Dass es bis heute kein Athlet gewagt hat, sein Grundrecht auf freie Wahl des Entspannungsmittels einzuklagen, zeigt, dass Angst vor Repressionen die Seele auffrisst, auch die der kiffenden Sportskanone. Die Spritköppe der großen deutschen Sportverbände stoßen bei den Aktiven auf keinen nennenswerten Widerstand, was das Unrecht des THC-Verbots betrifft. Stattdessen ist der unselige Slogan „KEINE MACHT DEN DROGEN“ nach wie vor die Parole, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche frühzeitig auf den Konsum einer der härtesten Drogen der Welt zu trainieren – den Alkohol. Diese kleine Freizeit-Ethik der Sportfunktionäre ist dann auch die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, besonders im Juniorenbereich, wo ein Joint genügt, um sich die Karriere im Leistungssport zu verbauen. Statt jungen Erwachsenen, die wie alle in diesem Alter noch auf der Suche sind, einen lebensnahen und offenen Hort zu bieten, vergrault man die Talente, schneidet ihnen wegen Missachtung des Grundsatzes „Saufen ja – Kiffen nein!“ die Ehre ab.

 

Die NBA-Korbjäger lachen hingegen über die Dopingrichtlinien des Deutschen Sportbundes, denn wie die New York Times zu berichten weiß, rauchen 70% der Basketballprofis regelmäßig Pot – und die Sportfunktionäre gucken weg, schließlich sind die hochbezahlten Ballkünstler das lebende Kapital der Clubeigentümer. Da hat es keinen Schnüffler der World Anti-Doping Agency (WADA) zu interessieren, ob die Kunst stoned ausgeübt wird oder nicht. Dem Publikum ist es sowieso schnurz, Hauptsache schnelle Dribblings, scharfe No-Look-Pässe und präzise Dreierwürfe sorgen für Kurzweil. Die ewige Bestenliste der kiffenden Riesen führt große Namen auf, darunter lebende Legenden wie Charles Barkley, Dennis Rodman oder Damon Stoudamire, die nie einen Hehl daraus machten, dass Marihuana als homöopathisches Hausmittelchen gegen den Stress der Liga mit über 82 Spielen bestens geeignet ist.

 

Der Umgang mit kiffenden Sportlern ist aber auch in den USA verlogen, und treibt so manche Blüte. Nicht überall in den Staaten ist das Mitführen von Marihuana legal. Und so finden sich nahezu wöchentlich reißerische Headlines über Cannabissünder in der amerikanischen Presse. Manche Sportler fürchten nichts mehr als einen Wettkampf in einem der Prohibitionsstaaten oder gar internationale Meetings. Bei der Olympiade in Rio de Janeiro hatte sich die amerikanische Basketballmannschaft vorsorglich gleich auf einem Luxusdampfer eingemietet, um nicht in Gefahr zu laufen, beim Kiffen erwischt zu werden.

 

Endlos ist die Liste der Schuldigen – und sie wird mit jedem Wettkampf länger. In Fachkreisen wird gemunkelt, dass ca. 15 Prozent der in Deutschland ermittelten positiven Dopingproben mit den Abbauprodukten des gemeinen Hanfes kontaminiert sind. Kiffer gehören demnach zur größten Sünderfraktion der dopenden Athleten. In die Schlagzeilen kommt aber nicht jeder kiffende Leistungssportler, denn letztlich gehört dem Champion die ganz große Aufmerksamkeit, und der wird sich hüten, ausgerechnet durch die lächerliche Substanz THC aufzufliegen. Hasch-Doper aus dem zweiten und dritten Glied und Semiprofis einer Randsportart werden still und leise bestraft und suspendiert. Jugendliche Dopingsünder können sich oftmals gleich aus dem Vereinssport verabschieden und fortan ihr Talent in Straßensportarten wie Saufen, Hauen und Klauen einbringen.

 

Die Frage, wer die Macht hat, Cannabis von der Dopingliste zu nehmen, ist daher nicht so einfach zu beantworten. Den Bonzen der Sportdachverbände fehlt die nötige Unabhängigkeit von den politischen Entscheidungsträgern, die ihrerseits nur nützliche Idioten des Großkapitals sind. Nicht von ungefähr tragen die Bundesligaspieler aus Leverkusen den Namen eines Pharmakonzerns im Vereinswappen, und die Balljungen in der Veltins-Arena sind die Biertrinker von morgen.

 

Die einzigen, die wirklich etwas bewegen können, sind die Sportler selbst. Ein Aufbegehren ist längst überfällig. Und wenn der zivile Ungehorsam einer Critical Mass von Freizeitkickern die Sportfunktionäre nicht zum Umdenken zwingt, dann sollten sich die kiffenden Sportler vielleicht besser ausklinken aus dem „normalen“ Spiel- und Wettkampfbetrieb der Verbände und einen eigenen autonomen Sportverband ins Leben rufen. So wäre beispielsweise die Gründung einer eigenen Kifferfußballliga der richtige Weg, um sich von den Zwängen des bigotten Deutschen Fußballbundes zu befreien. Dann schmeckt das Bier danach gleich doppelt so gut, wenn nebenher die Sportzigarette kreist und die selbsternannten Gesundheitsapostel und Sittenwächter der Sportverbände striktes Platz- und Stadionverbot haben.

5 Antworten auf „Die Sportzigarette danach

  1. Lars Rogg

    „Spieler unter THC-Einfluss erleben eine Distanz zur aktuellen Spielsituation, sind risikobereiter und können daher für Mitspieler eine erhöhte potenzielle Verletzungsgefahr darstellen.“
    Ich glaub ich hab selten so einen verlogenen, an der Realität vorbei gehenden Unsinn gehört.
    Die bigotte Stigmatisierung von nicht Trinkern, Menschen die nach oder vor dem Sport lieber kiffen und sich dabei entspannen können, ist eigentlich nur eine logische Folge einer verfehlten Weltpolitik, eine unendlichen Geschichte voller unnötiger Opfer. Jeder, der sich nach ausgiebigen Sportlichen Betätigung etwas lecker Weed gönnte weiß, dass es nach Sport sehr intensiv und maximal entspannend wirken kann. Selbst vor dem Sport genossenes Weed hat primär entspannende Wirkung ohne unnötige Aggressionen auszulösen. Also nix für Gewinn-und Kampforientierte Sportler. Woher das deutsche Sportgericht seine an der Realität vorbeigehenden Weissheiten hat, müssen wir mal die Erben von Mr. Asshole himself (Anslinger) oder „Fachleute“ wie das Thomasius fragen. Immer wieder peinlich..!!!

  2. Timo

    Wieso Verfahren die Verbände und Vereine so??? Im Grunde weil sie die Norm,
    Norm =“Spiegelbild der Gesellschaft“ versuchen durchsetzen. Leider ist diese Idiologisches verhalten nicht von Evidenz geprägt sonder von irgend welchen Dogmen aus einer längst vergangen Epoche. Die Veränderungen wird nicht von der Regierung ausgehen sondern von uns der Gesellschaft, die Regierung wird nur aus Druck aus der Gesellschaft was verändern. Nu wir im kleinen werden was bewegen können… Und so vielleicht mit Ausdauer und Vernunft das Bild eines Kiffers endlich mal zu verbessern!

  3. Lotus

    Vielleicht geht auch darum ,
    das der Profi Sportler in der Öffenltichkeit ein gesundes Image vertritt,
    und man von Anti-Cannabis Seite nicht wünscht,das diese beiden Dinge miteinander harmonisieren,
    denn so wie ich das verstehe,wollen Frau Mortler und Co. nicht davon abrücken,
    das der „Böse Hanf“ ungesund und gefährlich ist…

  4. Ralf

    @Lotus
    „Vielleicht geht auch darum ,
    das der Profi Sportler in der Öffenltichkeit ein gesundes Image vertritt,…………..“
    ….mit dem man dann so richtig die Werbetrommel für den Leber zerfressenden Alkohol rühren kann,denn Gesundheit läßt sich fast genausogut zum verkaufen von Schund aller Art verwenden wie Sex.

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