Donnerstag, 16. November 2017

Gewittertierchen an Cannabispflanzen bekämpfen

 

Ein Thrips kommt selten allein

 

Gewittertierchen werden meist erst bemerkt, wenn sichtbare Schäden an den Pflanzen ins Auge stechen. Foto: Bud Spencer

        

 

Text: mze / Fotos: Bud Spencer

 

Ein Sommer, wie der in diesem Jahr, verärgert nicht nur Sonnenanbeter. Auch heimliche Heimgärtner von illegalen Hanfgewächsen hassen ein feucht warmes Klima, das zudem noch von Blitz und Donner durchzogen wird. Denn im Gegensatz zu den produktiven Nutzpflanzen profitieren eher unangenehme Zeitgenossen von den aus dem Ruder geratenen natürlichen Bedingungen, die sich dann noch ungefragt in gepflegteren Anbauanlagen einnisten und sich fröhlich von einem Leben in Freiheit verabschieden.

 

Thripse – sogenannte Gewittertierchen – sind eine dieser Spezies, die den vergangenen Sommer aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit sicherlich lieber bei vielen Heimgärtnern verbrachten und bis heute noch Schaden an den dort umsorgten pflanzlichen Cannabisproduzenten verrichten. Die winzig kleinen Insekten, die auch als Fransenflügler bezeichnete werden, sind weltweit in über 5000 verschiedenen Arten vertreten, von denen etwa 200 in Deutschland vorkommen, jedoch nur 26 als Schädlinge beim Pflanzenschutzamt gelistet sind. Das Problem mit den weißen  Larven und grauen Insekten besteht zum größten Teil darin, dass man sie kaum mit bloßem Auge erkennt und ihr Vorhandensein somit meist erst bemerkt, wenn sichtbare Schäden an den Pflanzen ins Auge stechen. Dabei stellen weniger die direkten Pflanzenschäden der Thripse das besorgniserregende Problem dar – die diese beim Durchbohren der Blätter hinterlassen, wenn sie an den Pflanzensaft gelangen wollen – sondern eher deren Eigenschaft, Krankheitserreger auf die Gewächse zu übertragen. Auch dringt Luft in das Innere der geschädigten Pflanzenzellen, was diese silbrig schimmern lässt. Ebenfalls äußerst unangenehm sind die zeitgleich hinterlassenen Miniaturkothaufen der Gewittertierchen, die einer angegriffenen Pflanzen natürlich nicht zugutekommen.

 

Die weißen  Larven sind nur schwer zu erkennen. Foto: Bud Spencer

 

Unbehandelt kann ein Gewächs somit stark geschädigt werden und im schlimmsten Fall sogar eingehen. Gerade Stecklinge oder Sämlinge leiden besonders stark unter den Auswirkungen von Thripsbefall, weshalb besondere Achtsamkeit beim Ziehen von Jungpflanzen verlangt wird, sollten Mutter- oder nahestehende Blütenpflanzen zuvor einmal betroffen gewesen sein.

Fällt der Befall durch Fransenflügler auf, empfiehlt es sich direkt zu handeln, anstatt noch etwas Zeit in hoffnungsvolle Gedanken zu verschwenden. Neben klebrigen Gelbtafeln, die immer im Haushalt eines Cannabisheimgärtners vorhanden sein sollten, bieten sich in diesem Falle Blautafeln mit selbigen Eigenschaften an, da die dunklere Farbgebung den Schädling stärker locken soll. Doch auch die Gewächse gehören behandelt, damit die meist an der Unterseite der Blätter lebenden Gewittertierchen ihre schriftliche Wohnraumkündigung erhalten. Haushaltswaren wie Geschirrspülmittel stellen vielleicht eine erste Anwendung dar, sprüht man ein Gemisch mit Wasser vermengt auf den befallenen Hanf, doch ein Zurückgreifen auf spezielle Produkte wird mindestens genauso empfohlen.

 

Während ein Abwaschen mit Seifenlauge verhindert, dass sich die „Blasenfüße“ weiterhin an den Pflanzenteilen festhalten, sorgt Neemöl für ein hemmendes Paarungsverhalten und eine verringerte Nahrungsaufnahme der verbleibenden Tiere. Weiterhin ist es vorteilhaft die Temperatur zu senken, während die Luftfeuchtigkeit erhöht wird, wobei man darauf zu achten hat, dass die Kälte nicht auf die Kosten der Zöglinge geht. Der Einsatz von Neemöl sollte dafür in regelmäßigen Abständen von circa drei Tagen vonstattengehen, was ein weiteres Einsprühen der Pflanzen – besonders der Blattunterseiten – verlangt. Stecklinge oder Sämlinge taucht man gleich direkt in die Mischung aus Neemöl und Leitungswasser. Sollten selbst sorgsame Methoden den Befall durch Thripse nicht eindämmen können, werden Nützlinge als letztes Mittel empfohlen. Raubmilben können in diesem Fall den unliebsamen Nachbarn im Cannabisschrank zu Leibe rücken und für eine Ausrottung der letzten Fransenflügler sorgen.

 

Gerade in der fortgeschrittenen Blütenphase wird ein trauriger Heimgärtner sich auf neue Untermieter verlassen müssen, da Seifenduschen und Einsprühaktionen für trächtige Cannabisdamen aufgrund von Schimmelgefahr nicht mehr in Frage kommen können. Wer jedoch auf die Gesundheit seiner Mädels stetig achtet und sich in Notfällen direkt an die Behebung der Ursache macht, dürfte mit den beschriebenen Methoden – sowie einer regelmäßigen Entfernung von etwas Erde an der Oberfläche, wo sich die Larven der Tiere oft verpuppen  – wieder von den lästigen Thripsen verabschieden können.

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