Mittwoch, 15. November 2017

Cannabis gegen übermäßiges Schwitzen

 

von Dr. med. Franjo Grotenhermen

 

Schweissfleck in Aktion…

 

Das Endocannabinoidsystem der Haut spielt bei verschiedenen biologischen Prozessen eine wichtige Rolle. Seine Modulation wird daher als vielversprechend für einige Hauterkrankungen betrachtet, darunter Akne, Seborrhoe (übermäßige Talgproduktion), allergische Dermatitis, Juckreiz, Psoriasis (Schuppenflechte), Krebs und Rückbildung der Haarfollikel. Bisher hat es jedoch noch keine klinischen Studien mit Cannabis oder Cannabinoiden in diesem Forschungsbereich gegeben. Es gibt bisher nur einige Fallberichte, beispielsweise zur Wirksamkeit von THC bei starkem Juckreiz aufgrund von Lebererkrankungen.

 

Hier möchte ich einen Fall aus meiner Praxis vorstellen, bei dem Cannabis wirksam bei einer angeborenen Hyperhidrose, einem verstärkten Schwitzen, ist. Schwitzen ist normalerweise eine wichtige Körperfunktion, bei den Betroffenen mit Hyperhidrose hat sich die Schweißproduktion jedoch verselbstständigt. Die angeborene Hyperhidrose beginnt üblicherweise im Kindes- oder Jugendalter. Häufig sind isoliert die Hände („Schweißhände“) oder die Füße („Schweißfüße“) betroffen. Von der Erkrankung betroffene Personen produzieren unabhängig von der Temperatur oder Jahreszeit unkontrolliert und übermäßig viel Schweiß. Auch die Achselhöhlen sind häufig betroffen. Es gibt auch eine sogenannte sekundäre Hyperhidrose, die auf bestimmte Ursachen zurückgeführt werden kann, beispielsweise hormonell bedingt in den Wechseljahren oder bei einer Schilddrüsenüberfunktion. Starkes nächtliches Schwitzen kann auch ein Symptom der Tuberkulose oder eines bösartigen Lymphoms sein.

 

Bei der angeborenen Form, bei der das vermehrte Schwitzen auf bestimmte Körperregionen begrenzt ist, werden lokale Mittel eingesetzt, die Antitranspirantien wie etwa Aluminiumchlorid enthalten. Systemisch kann Bornaprin versucht werden. Dieses Medikament unterdrückt die Wirkung von Acetylcholin im parasympathischen Nervensystem.

Bei meinem Patienten handelte es sich um einen 41 Jahre alten Mann, der sich erstmals im Januar 2015 in meiner Praxis vorstellte. Die Symptome begannen während der Pubertät und nahmen danach langsam zu. Er litt vor allem an einem starken Schwitzen der Hände und Unterarme. Im Alter von 25 Jahren begann er mit der medizinischen Behandlung, zunächst mit Methantelinium-Bromid, das unwirksam war, und dann mit Bornaprin, das in hohen Dosen wirksam war. Allerdings führten diese Dosen zu starken akuten und langzeitigen Nebenwirkungen, darunter eine Verschlechterung der Sehkraft, trockener Mund und Schwindel. Schließlich war das Schwitzen so stark und im Alltag so belastend, dass er im Jahr 2009 eine endoskopische Sympathektomie durchführen ließ. Bei dieser Operation, die in Vollnarkose durchgeführt wird, werden im Brustraum ein oder zwei Nervenknoten (Ganglien), die die Schweißdrüsen anregen, durchtrennt. Man kann die Nervenleitung auch durch Klammern unterbrechen, sodass der Effekt durch eine spätere Operation wieder rückgängig gemacht werden kann. Bei meinem Patienten erfolgte eine vollständige Durchtrennung.

 

Die Hyperhidrose im Bereich der Unterarme und Hände verschwand durch den Eingriff, mein Patient entwickelte jedoch ein kompensatorisches Schwitzen im Bauchbereich, Rücken, in den Beinen und am Gesäß. Das ist eine typische Folge der Operation, bei der dann vermehrtes Schwitzen in anderen Körperregionen auftritt. Diese Operation wird daher heute kritisch gesehen, weil das kompensatorische Schwitzen größerer Probleme bereiten kann als die ursprüngliche Symptomatik. Der Patient berichtete, dass er am Gesäß so stark geschwitzt hatte, dass er jedes Mal, wenn er irgendwo gesessen hatte, einen großen nassen Fleck hinterließ. Das hat zu einer sozialen Isolation geführt, da er sich kaum mehr unter Menschen getraut habe.

 

Cannabis hatte er einige Male in seiner Jugend konsumiert. Zwei Jahre vor der Vorstellung in meiner Praxis hatte er es erneut verwendet, nachdem er in einem Internet-Forum gelesen hatte, dass Cannabis verstärktes Schwitzen reduzieren kann. Nach der Inhalation von Cannabisblüten wurde das Schwitzen innerhalb weniger Minuten unterbrochen. Die Wirkung hielt 2-3 Stunden an. Cannabis hat sein Leben vollständig verändert, da er seit dieser Zeit ganz selbstverständlich soziale Kontakte pflegen kann. Neben Cannabis nimmt er Doxepin ein, das das Schwitzen in der Nacht reduziert. Er benötigt täglich etwa 4 Gramm Cannabis und fühlt sich mit der Behandlung weiterhin sehr wohl.

 

Auch Cannabis hat wie Bornaprin anticholinerge Eigenschaften. Eine bekannte Nebenwirkung von Anticholinergika, also Medikamenten, die die Wirkung von Acetylcholin hemmen, ist die Mundtrockenheit.

4 Antworten auf „Cannabis gegen übermäßiges Schwitzen

  1. cannuser

    Übermäßiger Nachtschweiß ist mir gut bekannt. Teilweise äußert sich dieser so extrem, dass man die Bettwäsche nahezu auswringen kann. Ich kann auch definitiv eine Symptomverbesserung durch Cannabis-Konsum bestätigen.

    Mich freut zu sehen, dass es vorran geht 🙂

  2. Lisa

    Ohne den Artikel ganz gelesen habe kann ich das auch bestätigen.
    Bei Cannabis Konsum vor der 90 grad Sauna fange ich mit Glück nach 10 min an zu schwitzen….

  3. R. Maestro

    Als mein Bruder starb, war sich jeder Bulle zu schön oder zu feige,uns die Wahrheit zu offerieren.
    Mord, Suizid oder Unfall.
    Es war ein Unfall.
    Danke, jedem Bullen.
    Dienstlich vielleicht ein Held,
    Waffe am Gürtel, aber menschlich alle Versager.
    Danke, für die Verfolgung.
    Es war nicht schön damals. Die Scheiß-Cops haben das unschöne zum unertägichen gesteigert Feigheit.
    .1,80 Meter, zwei mal neunzig Zentimeter sind nach „Hause“ gekommen. Das war egal, aber kiffen?
    Schlimmer als alles andere?!

  4. R. Maestro

    Aber eigentlich sind sie auch nur arme Schweine.
    Als Handwerker habe ich weitaus mehr Entscheidungsfreiheit.
    Ich kann weitaus freier entscheiden, als ein Sklave der Regierung.

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