Donnerstag, 9. November 2017

Soviet Hippies auf ARTE

 

 High Society in der UDSSR

 

Hippies meditating ©Vladimir Wiedemann-Kultusfilm.jpg
Hippies meditating ©Vladimir Wiedemann-Kultusfilm.jpg

 

Liberale Lebensstile und Freiheitsgedanken lassen sich nicht verbieten noch verhindern. Selbst ein eiserner Vorhang lässt genügend Schlitze offen, sodass Menschen innerhalb eines restriktiven Staatsapparates den Duft der Freiheit einatmen und weiterverbreiten können. Dass sogar in der ehemaligen Sowjet Union das verlockende Flair von „Love, Peace and Harmony“ eine revolutionäre Gruppe von Freaks, Künstlern, Musikern und Vagabunden erreichte, die diese bis heute zusammenkommen lässt, beleuchtet jetzt eine Dokumentation von Terje Toomistu, die am 17. November auf ARTE ausgestrahlt wird.

 

Soviet Hippies zeigt die bewusst gewählte Lebensweise der langhaarigen Aussteiger, die nach dem Wechsel in ein ungezwungenes Dasein vom russischen Regime mehr als nur misstrauisch beäugt wurden. Der KGB kümmerte sich ab dem 01. Juni 1971 um die aufrührerischen Genossen, die vom Geheimdienst als vom Westen vergiftet und aufgrund ihrer Art zu leben als eine moralische Gefahr für das geregelte soziale Zusammenleben betrachtet wurden. Verhaftungen Tausender Soviet Hippies waren die Folge der Angst der Kommunisten vor dem Einfluss einer friedlichen Menschenmenge, die Liebe, Freiheit und Frieden verbreitete. Die Dokumentation Soviet Hippies, die vor der Ausstrahlung auf Arte am 17. November auf dem Film Festival São Paulo ihre Premiere feiert, war in Deutschland erstmalig am 1. und 2. November auf dem Dok-Leipzig-Festival zu sehen.

 

Der Film zeigt neben Momentaufnahmen aus den psychedelischen Siebzigerjahren auch die Verbundenheit der sich unter dem Namen „Sistema“ organisierenden Hippiebewegung, indem eine Gruppe von exzentrischen Estländern auf ihrer kürzlich angetretene Reise nach Moskau begleitet wird, welche zum Jahrestag der Masseninhaftierungen den langjährigen Zusammenhalt der russischen Hippies demonstriert. Auch wenn dort ein fehlendes kapitalistisches System keinen Kampf gegen Ausbeutung verlangte, schweißte die Begierde nach Musik, New Age Philosophie, psychedelischen Drogen und exzentrischen Verhaltensweisen zusammen und drückt sich bis heute in dem Wunsch nach Liebe, Festen und Tanz aus.

 

Dass natürlich auch Drogen wie Cannabis und LSD zu dem allgemeinen Erfahrungsschatz sowjetischer Hippies gehört, wird in Terje Toomistus Dokumentation Soviet Hippies selbstverständlich nicht unter den Tisch gekehrt. Schon im Trailer des Films sieht man gealterte Herren mit konisch geformten Glimmstängeln hantieren, was auf exzessiven Hanfkonsum der gezeigten Personen hindeutet.

So gestalten die vielen geschossenen Bilder einen skurrilen, bunten Trip, der durch verschiedene Zeitzonen und Dimensionen führt, während eine Mischung aus Reisedokumentation und Interviews samt Fotos, reichhaltigem neu entdecktem Archivfilmmaterial, Animationen und Musik den psychedelischen Untergrund, in welchem die sowjetischen Hippies lebten, zugänglich erfahrbar macht.

 

Parallel zu der Dokumentation Soviet Hippies bietet ARTE Creative ab einer Woche vor deren Ausstrahlung am 17. November die sechsteilige Webserie Alternative Russia – Gentle Rebels an, die von der Regisseurin Harmke Heezen hergestellt wurde und die Thematik aus dem historischen Kontext in das heutige Russland überleitet.

 

Weitere Informationen zur Dokumentation findet man im Internet unter: www.soviethippies.com

 

Nachträgliche Anmerkung: Die Webserie „Alternative Russia“ wurde von ARTE nun um eine Woche nach hinten verschoben – der 17. November gilt nun auch hier.

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