Dienstag, 3. Oktober 2017

Cannabis bei Berliner Strafgefangenen immer beliebter

 

 

Fast jeder vierte Insasse der Berliner Justizvollzugsanstalten ist „subtanzabhängig“

 

 

Cannabis
Foto: freeimages stockers9

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Wird ein Mensch in staatliche Obhut gegeben, sollte davon ausgegangen werden, dass Vater Staat gut auf seinen Schutzbefohlenen aufpasst. Doch anders als in Kindertagesstätten und auf Friedhöfen, wo Dealer und Drogen draußen bleiben müssen, wird in deutschen Gefängnissen permanent und mutwillig die Aufsichtspflicht verletzt und der Missbrauch und Handel von Rauschgift geduldet. Schutzlos sind die Behüteten der Drogenkriminalität ausgesetzt – und manch Insasse legt im Bau den Grundstein für seine Karriere als Junkie.

 

Diese etwas abartige Form der öffentlichen Daseinsvorsorge für Straftäter wird von der Gesellschaft kritiklos hingenommen. Die Grundsätze und Ziele des deutschen Strafvollzugs sind nur Makulatur. Von einer Resozialisierung der Verurteilten kann keine Rede sein, wenn diese in den Strafanstalten einer geschlossenen Gesellschaft ausgeliefert sind, die ausschließlich aus Kriminellen besteht – und das nach Geschlechtern getrennt. Wie daraus der Angleichungsgrundsatz abgeleitet werden kann, bleibt das große Geheimnis der Soziologen. De facto handelt es sich um Käfighaltung, und die Verhältnisse innerhalb der Zuchthäuser sind eben nicht der Außenwelt angeglichen. Wäre es so, dann wäre diese Außenwelt sofort unter Verschluss zu nehmen.

 

Auch der Gegensteuerungsgrundsatz, der die Knackis vor den schädlichen Folgen der Haft schützen soll, ist eine Farce, wenn der Mensch vierundzwanzig Stunden am Tag in einem Milieu verkehrt, gegen das die Szene des Frankfurter Bahnhofsviertels ein Kindergeburtstag ist. Auf engsten Raum auf mehreren Etagen versammelt sich in den Justizvollzugsanstalten die Elite verkrachter Existenzen, die sich gegenseitig befruchtet und den Gesetzen des Faustrechts unterwirft. Im Knast lernt der Mensch, wie das geht mit dem anständigen Leben nach der Haft.

 

Zur Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit gehört auch die Lektion, den Sinn und Zweck der Drogenprohibition nicht zu verstehen. Denn nicht nur draußen tobt der Anti-Drogen-Krieg, sondern auch hinter schwedischen Gardinen. Zumal nicht wenige Insassen Opfer des sittenwidrigen Betäubungsmittelgesetzes sind. Vom Dealer, über den Cannabis-Konsumenten bis hin zum Beschaffungskriminellen sitzen sie ein, die Verfolgten und Geächteten der Prohibition – und Drogen sind allgegenwärtig.

 

Auf eine parlamentarische Anfrage der CDU hat die Berliner Senatsverwaltung für Justiz nun aktuelle Zahlen über den Drogenmissbrauch und –handel in den Strafanstalten Tegel, Moabit, Plötzensee und Heidering veröffentlicht. Das Zahlenwerk ist beachtlich. Allein 2016 wurden insgesamt 5,5 Kilo Cannabis, knapp 56 Gramm Heroin und 89 Gramm Kokain sichergestellt. Wie viel Drogen nicht gefunden wurden, konnte die Verwaltung nicht mitteilen.

 

Gruselig auch der Anteil der männlichen Gefangenen, die sich in den Drogenrausch flüchten: 3973 von 11048 Verwahrten sind entweder „substanzabhängig“ oder „missbrauchen Substanzen“. Bei den weiblichen Gefangenen ist der Anteil an Suchtkranken sogar noch höher: Von 175 Frauen im Strafvollzug greifen 50 regelmäßig zu Drogen – fast jede Dritte.

Die Zahlen geben zu denken und führen zu dem Schluss, dass annähernd jeder dritte Gefangene entweder zu Unrecht einsitzt oder am völlig falschen Ort untergebracht ist.

 

Doch das wirklich Erschreckende ist, dass ausgerechnet dort die Prohibition versagt, wo meterhohe Mauern und Stacheldrahtzäune die Menschen unter Verschluss halten. Zwar rühmen sich die deutschen Knäste damit, dass keiner unbefugt herauskommt, aber hinein kommt alles, was dort nicht hineinzukommen hat. Ein größeres Armutszeugnis können sich die Prohibitionisten nicht ausstellen. Deutschlands Anti-Drogen-Krieger maßen sich dreist und frech an, frei herumlaufende Bürger vor illegalen Drogen wie Cannabis schützen zu wollen, aber in der Lage, die sichersten Orte der Republik drogenfrei zu halten, sind sie nicht.

 

 

5 Antworten auf „Cannabis bei Berliner Strafgefangenen immer beliebter

  1. Lars Rogg

    „Allein 2016 wurden insgesamt 5,5 Kilo Cannabis, knapp 56 Gramm Heroin und 89 Gramm Kokain sichergestellt. Wie viel Drogen nicht gefunden wurden, konnte die Verwaltung nicht mitteilen.“

    Bei solchen Zahlen von Funden, in Gefängnissen wohlgemerkt, redet die Mortler immer noch von einer erfolgreichen Drogenpolitik, basierend auf dem Verbot. Viele Tonnen die täglich illegal konsumiert werden und nur die Mafia reich machen….und die Mortler bzw. die Regierung merkt nichts…gar nichts. So viel demonstrierte Unfähigkeit und diese zurückgeblieben Nulpe gibt immer noch den Befürwortern die Schuld an der Situation. Die sind sicher auch Schuld an den vielen Drogentoten in Bayern…logisch !! Soviel Dummheit ist schon pervers…

  2. rainer sikora

    Ein Glück das man auch im Knast nicht ganz ohne dastehen muß.Auch wenn es dort teurer und schwieriger ist, an was ranzukommen.

  3. X-KIFFER

    Die Verhältnisse in den Gefängnissen (nicht nur in D) sind grauenhaft. Es gibt noch viele Aspekte die gar nicht oder nur selten zur Sprache kommen, zb. die Qualität der Ernährung dort. Nur der Preis der einzelnen Mahlzeit zählt nicht die Qualität oder Frische der Lebensmittel. Es gibt sehr viele schwarze Schafe unter den Catering-Gesellschaften die sich auf solchen „Knastfraß“ spezialisiert haben und alte längst abgelaufene Lebensmittel zu solchen Fertiggerichten verarbeiten. Man kann oft – wenn man sehr genau hinschauen will – schon an der Gesichtshaut der Gefangenen die schlechte Ernährung erkennen. Sein wir also froh darüber das die wenigstens was zu rauchen o.ä. dort drin kriegen, anders wäre diese Hölle wohl kaum zu ertragen.

  4. Ralf

    @Ralf
    ….und nimmst du unsre Hilf nicht an,
    dann bist du aber richtig dran!
    Hör zu du böses Kifferlein,
    wir sperren dich ins KZ ein,
    dort bei den Mördern, Schlägern Dieben
    lernst du unsre Hilf ` schon lieben……!

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