Sonntag, 17. September 2017

Simpsons für Langweiler!?!?

Buchtipp von Christian Rausch

 

Barts „Aye Caramba“ für den Allerwertesten – oder doch ein gut recherchiertes Sachbuch?

 

 
Matt Groenings Biografie überzeugt nur aufgrund einer solide recherchierten Faktenbasis – Esprit und Charme seiner genialen Comic-Filme fehlen aber vollständig.

 

Eins mal ganz frank und frei vorneweg unter uns Klosterschülern: Wer von uns hat noch nie die „Simpsons“ oder „Futurama“ geschaut, dabei gemütlich einen Johnny oder eine Bong geraucht und sich köstlich dabei amüsiert? Was heißt eigentlich köstlich amüsiert: Egal ob Indica-Stoned oder Sativa-High oder einfach beides gemischt: Es gibt kaum etwas Schöneres und Lustigeres als bei unserer aller Lieblingsbeschäftigung eine geniale Folge der „Simpsons“ oder „Futurama“ anzuschauen. Also eben, das ist ja der Punkt, den ich hier deutlich machen möchte: Ich kenne auch niemanden, der gerne die göttlichen Pflanzen konsumiert und sich dabei verweigert, Matt Groenings Meister-Werke zu Gemüte zu führen. Im Gegenteil: Ganze Kiffer-Generationen dürften stunden-, tage- und wochenlang stoned wie ein Ochse oder High wie ein Vogel vor dem Fernseher gesessen haben und sich vor lauter Lachen den Bauch gehalten und vor Freude auf die Schenkel geklopft haben. Da ist doch eine Biografie über das „geniale Genie“ Matt Groening, das die „Simpsons“ und „Futurama“ erfunden hat, gerade das Richtige zur Rezension für dieses Organ. Grund genug für uns, die im Tropen Verlag erschienene Biografie über Matt Groening von Jeff Lenburg „Matt Groening – Der Gott der Simpsons“ unter die Lupe zu nehmen.

 

Zum Inhalt: Nicht nur jeder Kiffer kennt die weltberühmte gelbe Durchschnittsfamilie irgendwo aus den unergründlichen Weiten des amerikanischen Mid-Wests bestens: »Die Simpsons« sind ohne jegliche Frage die erfolgreichste Zeichentrickserie aller Zeiten. Ihr Schöpfer Matt Groening entwarf die ersten Zeichnungen in sage und schreibe nur 15 Minuten. „Die Simpsons“ sind beileibe keine reine Kindersendung, denn mit seiner scharfen Satire auf die Werte und die Bräuche, die Albernheiten und die Heucheleien unserer westlich-dekadenten Kultur brachte Groening eine wahrhafte Kultserie auf die Fernsehbildschirme. Der Biograph Lenburg legt in seinem Werk offen, dass Groening, seines Zeichens Erfinder und Zeichner der beliebten Serie, die Figuren nach seiner eigenen Familie benannte: dem Vater Homer, der Mutter Margaret, den Schwestern Lisa und Maggi. Lenburg zeichnet Groening selbst als von klein auf rebellisch, jemand der teuflisch gerne Streiche spielt und der seine kleinen Schwestern schikaniert. Insofern könnte der kreative Schöpfer sich selbst also das beste Vorbild für den kleinen Teufelsbraten Bart Simpson abgegeben haben.

 

Die Biographie gibt in der Folge eher schleppende Einblicke in das Leben des jahrelangen Außenseiters und zugleich in das berühmte Wohnzimmer der Comic-Familie Simpson im sagenumwobenen Springfield, die Stadt von der niemand genau sagen kann, wo sie genau im Mittleren Westen der USA sprichwörtlich begraben liegt. Lenburg zeigt aber eindrücklich auf, was den jungen Groening prägte und woher er die Fantasie und gestalterische Kreativität für seine Geschichten mit der gelben Fernsehfamilie nahm. Mit subversivem, beißendem Humor schuf er – dies dürfte für Jeden außer Frage stehen – eines der einflussreichsten Werke in der Geschichte der Popkultur, geleitet vom Motto: »Machen Sie was, was Sie selbst zum Lachen bringt – so wird ein Gag brillant, unerwartet und komisch.«

 

Es wäre unfair, an Lenburgs Biografie dieselben gigantischen Maßstäbe wie an eine Folge der „Simpsons“ oder auch „Futurama“ anzulegen. Aber klar ist auch, dass wer über solch ein großes Genie schreibt, dies auf einem hohen oder aber zumindest unterhaltsamen Niveau tun sollte. Und hier hapert es leider nicht nur ein wenig. Denn Lenburg erzählt doch recht trocken, ohne jeglichen Charme und Witz, über die Kindheit und die frühen Anfänge von Groening. Detailverliebt listet er auf, wann Groening mit wem in welcher Form und wie lange zusammenarbeitete. Aber eine kongeniale Analyse warum die „Simpsons“ eben so genial sind, auf welchen multidimensionalen Ebenen die Jokes warum wie eingebaut werden – daran fehlt es in Lenburgs Biografie leider beinahe vollständig. Das heißt, dass der wichtigste Gegenstand, der eigentlich eine Beschäftigung mit der Person Groening rechtfertigt, beinahe vollständig ausgeblendet bleibt. Vielmehr werden langweilig und akribisch Jubiläen und Ehrungen von Groening widergegeben, anstatt den Fokus auf das Werk, also das, was Groening ja so einzigartig und großartig macht, zu legen. Wirklich schade drum! Aber den echten „Simpsons-“ und „Futurama“-Fans bietet das Buch dennoch wenige interessante Einblicke und ist in der Summe zu empfehlen, auch wenn sich – wie gesagt – manche Passagen recht trocken und ziemlich dröge lesen. Dagegen hilft vermutlich nicht einmal ein Tütchen in Ehren, wobei es vielleicht auf einen Versuch ankäme.

 

Jeff Lenburg
Der Gott der Simpsons
ISBN: 978-3-608-50227-5

 

 

 

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