Samstag, 16. September 2017

Seliges Windmühlenland III:

 

Amsterdams (Kultur-) Geschichte und eine kurze Coffeeshop-Tour

 


 

Rauschs Top Nine: No 3

 

Dies ist der dritte und letzte Teil eines kleinen Reiseführers über unserer aller Lieblingsstadt oder um es frei mit dem deutschen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe zu sagen: „Amsterdam, du hast es eindeutig besser!“. Auch der letzte Teil dieser Serie enthält wieder meine Top-Nine-Rankingliste, nämlich die Plätze sieben bis neun, wo ihr in Amsterdam am besten euer Tütchen und eure Bongs rauchen oder euch leckere Edibles einverleiben könnt. Denn auch der im September/Oktober bereits herrschende Herbst lädt durchaus zum Verweilen in unserer aller Lieblingsstadt ein.

 

Doch zuvor noch einige touristische und kulturgeschichtliche Reisehinweise über Amsterdam. Die Grachten stellten in der Geschichte Amsterdams einen wichtigen Transportweg für Menschen und Güter dar. Deshalb war es üblich, die Steuern für ein Gebäude nach seiner Breite zu bemessen, die es direkt am Kanal einnahm. Insofern dürfte es auch heute noch selbst dem internationalen Stoner nach einer ausführlichen Coffeeshop-Tour auffallen, dass die Vorderfronten der Häuser entlang der Grachten sehr schmal sind. Diese Schmalheit gleichen die Häuser aber dadurch aus, dass sie relativ lang und hoch sind. Daher rühren auch die unzähligen Flaschenzüge, die an den historischen Grachten-Bauten angebracht sind. Denn die schmalen Treppenhäuser eigneten sich natürlich keineswegs für den Transport von Gütern oder Möbeln. Der Flaschenzug bot hierfür die ideale Lösung. In früheren Zeiten wurden in Amsterdam die Häuser auf massiven Holzpfählen gebaut, die im Laufe der Jahrhunderte vermoderten. Das führte mit der Zeit dazu, dass die alten Gebäude einen leicht schiefen oder gar „verzerrten“ Eindruck machen. Das liegt jetzt gewiss nicht an der Optik nach einer ausgiebigen Coffeeshop-Tour, sondern daran, dass die Millionen von Holzpfählen, auf denen Amsterdam früher gebaut wurde, aufgrund des feuchten und sandigen Untergrunds langsam verrotten und somit die Gebäude ihre ursprüngliche Ausgangslage etwas verändern. Heute verwenden die Architekten Betonpfähle, die haltbarer sind und besser in größere Tiefen getrieben werden können. Der Amsterdamer Hauptbahnhof „Centraal“ steht so auf beinahe 10.000 und der Königliche Palast auf fast 15.000 Holzpfählen. Das Holz für die meisten dieser Pfähle stammt aus Deutschland, nämlich dem Schwarzwald und dem Frankenwald.

 

In der international anerkannten Amsterdamer Graffiti-Szene vereinen sich heute Hip-Hop- und andere künstlerische Elemente. Ihre Ursprünge besitzt sie aber sicherlich in der Punk-Bewegung, die spätestens Anfang der 80er Jahre in der Metropole der Niederlande Fuß fasste. Die Graffiti-Scene Amsterdams besitzt heute noch einen großen Einfluss auf viele andere Sprayer-Communities in der Welt.

 

Bereits Mitte der 1960er Jahre wurde Amsterdam zur Hauptstadt der Schwulen-Bewegung in Europa. Bereits Mitte und Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden zwei große Tanzlokale für Homophile errichtet: „De Schakel“ am Leidseplein und drei Jahre später „De Odeon King“. Da Amsterdam ohnehin als liberale Musterstadt galt, gab es auch in diesem Punkt – insbesondere nach der sexuellen Revolution der 60er Jahre – keinen Grund gegen diesen Trend anzuschwimmen, was auch wieder für den unaufhaltsamen Touristenzustrom aus ganz Europa entscheidend war. Seit über zwanzig Jahren gibt es die „Amsterdam Gay-Pride“. Dabei handelt es sich um eine Parade entlang des Kanals, die jedes Jahr am ersten Samstag im August abgehalten wird. Wer einmal dieses farbenfrohe, virile und bunte Treiben selbst miterlebt hat, wird das Event ganz unabhängig von seiner sexuellen Neigung durchaus lieben. Erstaunlich und erfreulich zugleich ist, dass hier die ganze Stadt dieses Fest gemeinsam begeht und nicht „nur“ eine sexuelle Minderheit.

 

Natürlich ist der Tourismus eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine der Stadt. Millionen Urlauber aus aller Herren Länder besuchen Jahr für Jahr die Stadt. Natürlich finden sich unzählige Hotels in der ganzen Stadt, wobei das Preisniveau leider als sehr hoch veranschlagt werden muss. Denn egal ob einfaches Hostel, Mehrmann-Schlafsaal mit Gemeinschaftsdusche und mit Etagen-WC oder ob Luxusherberge mit X-Sternen: Die Übernachtungskosten in Amsterdam liegen deutlich über dem des Landesdurchschnitts. Dies ist einer der Gründe, warum Amsterdam-Urlaube immer die Tendenz besitzen, sehr teuer zu werden.

 

Was macht Amsterdam für die Millionen von Besuchern so attraktiv? Ganz klare Antwort: Vor allem anderen die Coffee-Shops und der legale Genuss von Cannabis. Klar, es gibt auch noch weitere Touristenattraktionen. Die wunderschönen Grachten, der (leider) immer weiter gentrifizierte Rotlichtbezirk, in denen die Prostituierten leichtbekleidet in Schaufenstern ihre Dienste feilbieten, zahlreiche Museen von Weltruf und ein umfangreiches kulturelles Angebot. Während das Rotlichtviertel im direkter Nachbarschaft zum Stadtzentrum um den Hauptbahnhof „Centraal“ liegt, finden sich die kulturellen Zentren mit Restaurants und Ausgehangeboten um den „Rembrantplein“ herum. Der „Leidseplein“ ist mehr etwas für Nachteulen, da sich in dessen unmittelbarer Nachbarschaft viele Diskotheken von Weltklasseniveau befinden, die immer noch Trends in elektronischer Musik setzen.

 

In Amsterdam sind Fahrräder – wie inzwischen in vielen anderen europäischen Städten auch – das Fortbewegungsmittel der Wahl. Nun ist Amsterdam aufgrund seiner topografischen Beschaffenheit sicherlich geradezu fürs Fahrradfahren prädestiniert, da alles topfeben und gut durch Fahrradwege erschlossen ist, die entlang aller Kanäle, Straßen und Parks führen. Aber mal ganz ehrlich: Manchmal sind die Horden bekiffter Spanier oder Italiener auf dem Fahrrad auch ein veritables Ärgernis. Im Gegensatz zu den Niederländern, die das Fahrradfahren in der Regel exzellent beherrschen, fallen die eben genannten Touristen-Gruppen nicht selten durch einen extrem unsicheren und unangenehmen Fahrstil auf, der sich eben nicht nahtlos in das Stadtbild einpasst. Denn viele dieser Touristen sind Cannabis-Konsum in dieser Menge in Verbindung mit dem Fahrradfahren eben von zu Hause nicht gewöhnt und das zudem noch in einem städtischen Umfeld mit Auto-, Fußgänger- und Straßenbahnverkehr, das ihnen wenig vertraut ist.

 

Aber auch sonst ist Amsterdam verkehrstechnisch gut erschlossen, wie das Beispiel ÖPNV zeigt. Ob Metro, Straßenbahn oder Bus – es ist bequem möglich von einem Punkt der Stadt zum anderen zu kommen. Solche Bus- oder Bahnfahrten können im bekifften Zustand auch richtig Laune machen, aber auch manchmal kräftig nerven. Aber gerade eine Straßenbahnfahrt durch das historische Zentrum Amsterdams ist immer wieder aufs Neue einen Versuch wert – für vergleichsweise wenig Geld.

Ein Herzstück der Stadt ist sicherlich der Amsterdamer Hauptbahnhof „Centraal“, an dem die Mehrzahl der jungen oder junggebliebenen Kiff-Touristen ankommen. Vom „Centraal“ sind quasi alle wichtigen Punkte der Niederlande gut und auch recht kostengünstig zu erreichen. Auch die internationalen Verbindungen können sich sehen lassen. So fahren täglich mehrere internationale ICEs nach Deutschland, zum Beispiel nach Oberhausen, Köln und Frankfurt.

 

Natürlich kann Amsterdam auch perfekt per Auto erreicht werden. Insbesondere aus dem Ruhrgebiet ist die Anbindung in die holländische Metropole als vorbildlich zu bezeichnen. Und es versteht sich beinahe von selbst, dass Amsterdam durch ein neues und sehr komfortables Straßennetz perfekt an die allermeisten anderen Städte im eigenen Land angebunden ist.

Last but not least bleibt auch dem mit knappem Budget versehenen Rucksack-Touristen die Möglichkeit des Fluges. Der Flughafen Amsterdam Shiphol ist der viertgrößte Flughafen Europas und hervorragend an das Stadtzentrum angebunden. Mit dem Zug dauert es nur knapp über fünfzehn Minuten um zum Bahnhof „Centraal“ zu kommen und Vorfreude ist ja bekanntlich die größte Freude. In der Tat ist es so, dass man von vielen deutschen Städten aus inzwischen mit dem Flugzeug günstiger nach Amsterdam kommt als mit der Deutschen Bahn. Das gilt allerdings nur, wenn man a) seine Reise sehr frühzeitig planen und das Flugticket mit einem gehörigen zeitlichen Abstand zur eigentlichen Reise erwerben oder aber b) auf den Billigflug-Vergleichsportalen im Internet ein veritables Last-Minute-Schnäppchen machen kann. Für den Flugverkehr gilt im verstärkten Maße das, was auch für die Bahnfahrt gilt. Denn die Zöllner am Flughafen wissen häufig nicht, ob es sich um einen innereuropäischen oder einen Transkontinentalflug handelt und sie durchsuchen in erster Linie in ihren Augen suspekt aussehende Typen, die leicht oder sehr nervös wirken.

 

Als Fazit bleibe aus eigener Erfahrung den Hanfjournal-Lesern ins Stammbuch geschrieben: Es ist völlig egal, in welchem Zustand (also auch volle Kanne knülle bis zum Hals und darüber hinaus) man das Reisemittel seiner Wahl besteigt, aber es sollte unbedingt zum Eigenschutz Abstand davon genommen werden, ein paar Gramm Dope nach good old Germany zu schmuggeln. Ganz ehrlich: dieser Ärger lohnt sich in keinem Fall.

Zu guter Letzt noch ganz kurz meine drei Coffeeshop-Empfehlungen von Rauschs Top Nine der Amsterdamer Coffeeshop-Scene.

 

Das Abraxas

 

Es ist wohl nicht übertrieben, den im „Jonge Roelensteeg 12-14“ gelegenen Coffeeshop „Abraxas“ zugleich als Geheimtipp und dennoch bereits seit Jahrzehnten sehr etablierte Location zu beschreiben. Der Coffeeshop befindet sich im Zentrum Amsterdams (ganz in der Nähe des Damraks) und ist dennoch in einer kleinen Seitenstraße versteckt. Das „Abraxas“ besitzt zwei ausgeprägte Stockwerke, in denen sich hervorragend chillen und kiffen lässt. Wie viele andere Coffeeshops in A’dam auch sind sowohl Erdgeschoss als auch erster Stock im „Abraxas“ recht dunkel. Dies passt aber perfekt zum Namen des Shops, denn Abraxas besitzt ja etymologisch Beziehungen zu atavistischen und satanischen Strömungen. Das „Abraxas“ in Amsterdam ist aber vergleichsweise harmlos und eher als gemütliches kleines Hexenhäuschen mit schönen Holzmöbeln, also Tischen, Stühlen und Bänken versehen. Das Angebot an Gras und Haschisch ist selbst für A‘dam überdurchschnittlich gut und die Preise befinden sich durchaus im Mittelfeld. Wichtig ist aber vor allem, dass die Ware gut und frisch ist und sich gut genießen lässt. Dies ist im „Abraxas“ in jedem Fall gegeben und auch das Getränkeangebot kann sich sehen lassen. Wer allerdings leicht Beklemmungen in engen, dunklen Räumen hat, sollte das „Abraxas“ lieber nicht aufsuchen. Denn in Kombination mit THC-haltigen Räuchergaben kann es so leicht zu Panikattacken kommen, zumal der Coffeeshop immer recht gut gefüllt ist. Die meisten dieser Besucher kommen aus südlichen Gefilden: Spanien, Italien und Frankreich. Wer sich an etwas lautstärkeren und hitzigen Unterhaltungen nicht stört, ist hier bestens aufgehoben. Ansonsten bietet das „Abraxas“ auch Sitzgelegenheiten vor dem Coffeeshop, die an schönen Sommer-, Frühlings- und Herbsttagen zum Verweilen an der frischen Luft einladen.

 

The Bulldog

 

Die Wahl für Platz Nummer Acht fiel mir nicht leicht. Ich habe mich dennoch dafür entschieden, das „The Bulldog“ in meine Liste aufzunehmen, da dieser Coffeeshop einer der ältesten und definitiv der bekannteste in ganz Amsterdam ist. Heute besitzt „The Bulldog“ Filialen in ganz Amsterdam und neben Coffeeshops gibt es auch Headshops, Kneipen, Übernachtungsmöglichkeiten und so weiter, die unter demselben Logo und Firmennamen geführt werden. Die „The Bulldog“-Filialen im Rotlichtviertel oder am Leidseplein sind also mehr etwas für anglophile Kiffer, denn es scheint zur Pflicht eines jeden englischen Amsterdam-Fahrers zu gehören, eine dieser Locations aufzusuchen. Die Preise im „The Bulldog“ sind überteuert (was seit langem bekannt ist), das Sortiment ist dafür aber sehr umfangreich und die Qualität ist in Ordnung. Allerdings sei eine Warnung vor den Spacecakes ausgesprochen, die für viel Geld ganz wenig Effekt bringen – das ist pure Geldverschwendung! Angenehm an der „The Bulldog“-Filiale am Leidseplein ist, dass sie direkt neben der „The Bulldog“-Kneipe liegt. Das bedeutet für diejenigen Kiffer, die während des THC-Genusses auch gerne mal ein Bier trinken (wozu wohl die meisten Briten aber auch meine Wenigkeit gehören), dass sie einfach nur zur Nachbartür reinstolpern müssen, um ihren Gerstensaftdurst zu löschen. Dies ist ein Service, der seit dem in den allermeisten niederländischen Coffeeshops durchgesetzten Alkoholverbots, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

 

Das Kandinsky

 

Als letzter Coffeeshop auf meine Top Nine-Liste hat es das „Kandinsky“ am Zoutsteeg 14 geschafft. Hier handelt es sich ähnlich wie beim „The Bulldog“ nicht unbedingt um eine große Liebe auf den ersten Blick. Aber das „Kandinsky“ ist anders als die acht bisher erwähnten und beschriebenen Shops. Auch hier gibt es ein großes Sortiment: Gras- und Haschsorten in Hülle und Fülle zu Preisen, die für das Herzen A’dams in Ordnung sind. Qualität und Frische lassen auch wenige Wünsche offen. Das „Kandinsky“ kommt vom Interieur her sehr modern eingerichtet daher. Hier läuft häufig moderne Elektro-Musik, was zum stylishen Ambiente bestens passt. Dazu gesellen sich Vibes und Flows, wie sie häufig in einem Club oder in einer Lounge anzutreffen sind. Wer also am liebsten sein Tütchen in aller Gemütsruhe und unaufgeregt raucht, der ist hier definitiv fehl am Platze. Aber wie gesagt: Das „Kandinsky“ ist anders, besitzt einen ganz eigenen, modernen Charme und wer auf moderne Techno- und House-Musik steht sowie einen pulsierenden Flow liebt, der ist hier vollkommen richtig. Das „Kandinsky“ ist also am besten für Leute geeignet, die gerne angeräuchert sich in Clubs und Discos die Nächte um die Ohren schlagen.

Amsterdam ist immer eine Reise wert, ob im Sommer, Frühling, Herbst oder sogar Winter. Die dreiteilige Artikelserie sollte denjenigen von euch, die mit der Stadt noch nicht so gut vertraut sind, erste Hilfestellungen, Tipps und Eindrücke vermitteln. Den Amsterdam-Kennern offenbarte es vielleicht dennoch den einen oder anderen neuen Eindruck und Geheimtipp. Amsterdam – ick, ach was: wir lieben dir!

 

Christian Rausch

Eine Antwort auf „Seliges Windmühlenland III:

  1. Benjamin

    In ihrem Artikel sagen sie:“Vor allem anderen die Coffee-Shops und der legale Genuss von Cannabis.“ Das ist schlichtweg falsch, denn Cannabis ist nicht legal. Für Personen die keine Ahnung haben, ist das sehr irreführend. Ein weiterer Punkt den ich leider ankreiden muss: sie behaupten das durch die feuchten und modrigen Pfähle, eine Schiefstellung der Gebäude verursacht wurde, was auch nicht ganz der Wahrheit entspricht! Sind die Gebäude nach vorne geneigt, liegt das an den jahrelangen Flaschenzugbenutzungen. Also durch das ständige Gewicht der Waren/Gegenstände, welche unter die Dächer gebracht werden mussten. Sind die Gebäude nach links oder rechts geneigt, liegt das, wie Sie sagen, an den baulichen Mängeln (Quelle: einheimischer Grachtenfahrer und waschechter Amsterdamer). Ihre Coffeeshopauswahl ist ebensfalls grausam. Zu teuer, zu überlaufen, kein Flair, einfach für die Masse gemacht. Ansonsten ist der Artikel gut.

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