Sonntag, 30. Juli 2017

Ephedra und Ephedrin

Psychonautischer Waschzettel

 

Markus Berger

 

Info Ephedra (Meerträubel)

Arten der Gattung Ephedra kennt man im deutschsprachigen Raum gemeinhin als Meerträubel oder Meerträubchen. Ephedra sinica STAPF ist unter ihrem traditionellen Namen Ma-huang bekannt. Der Zusatz STAPF bezieht sich hierbei auf den österreichischen Botaniker Otto Stapf, der die Ephedra sinica als erster wissenschaftlich beschrieben hat. In unseren Gefilden ist nur das Schweizer Meerträubel Ephedra helvetica heimisch.

 

Wie der Name Ephedra schon vermuten lässt, enthält das Gewächs das psychoaktive Alkaloid Ephedrin. Die Substanz Ephedrin heißt deshalb so, weil der Japanische Wissenschaftler Nagayoshi Nagai sie 1887 aus Ephedra distachya isoliert hatte. Ephedrin bzw. Ephedrin-haltige Pflanzen gehören zu den am stärksten wirksamen und meistbenutzten Herbal-High-Zutaten.

 

In Deutschland waren Ephedraprodukte einstmals legal über die Apotheke zu beziehen. Das hat sich jedoch vor einigen Jahren geändert. Wir zitieren zu diesem Zweck die Online-Enzyklopädie Wikipedia: „Ephedrin und Pseudoephedrin können als Grundstoff zur Synthese des in Anlage II eingetragenen Betäubungsmittels N-Methylamphetamin verwendet werden. Daher wird die Abgabe von beiden in Deutschland durch das Grundstoffüberwachungsgesetz eingeschränkt. (…) Bis 2001 waren Ephedrinpräparate frei in deutschen Apotheken erhältlich. Danach wurde der freie Zugang verwehrt, weil diese Präparate hauptsächlich zum nicht-medizinischen Gebrauch als Appetitzügler oder Rauschmittel gekauft worden seien. Auch Ephedra-Kraut ist in deutschen Apotheken nur noch mit Rezept zu erwerben. Seit einer Änderung des Arzneimittelgesetzes AMG vom 1. April 2006 sind ephedrinhaltige Substanzen (inkl. Pflanzenteile) rezeptpflichtig‟.

 

Viele in Smartshops als Herbal XTC verkaufte Produkte verschiedener Firmen enthalten als Grund- und Hauptbestandteil Ephedra-Extrakte. Da Ephedrin und Ephedra-Produkte in einigen Ländern kontrollierte Substanzen sind, wird auf den Verpackungen der Herbal-High-Präparate oftmals nur das Synonym „Ma-huang‟ angegeben. Manchmal enthalten diese meist in Kapselform dargereichten vermeintlichen Ecstasy-Substitute auch andere Ephedrin-haltige Pflanzenauszüge oder -pulver, so z.B. der Malvengewächse Sida acuta bzw. Sida cordifolia. Eigenartigerweise wird Sida cordifolia sehr oft angegeben, dabei ist die Anwesenheit von Ephedrin in dieser Art bislang nicht nachgewiesen. Eine andere, nachweislich Ephedrin-haltige Sida-Spezies ist Sida rhombifolia, die aber so gut wie nie für die Zusammenstellung von Herbal XTC verwendet wird. In getrockneten Exemplaren der Gattung Sida wurde außerdem Cumarin nachgewiesen. Diese mäßig psychoaktive, narkotisierende Verbindung ist in frischem Pflanzenmaterial, z.B. von Sida acuta, nicht vorzufinden.

 

Was ist Ephedrin?

 

Ephedrin (Chem.: Erythro-2-methylamino-1-hydroxy-1-phenylpropan oder  2-Methylamino-1-phenyl-1-propanol; Summenformel C10H15NO) gehört zu den Ephedra-Alkaloiden und zur Stoffklasse der Phenylethylamine. Ephedrin ist eine Art natürliches Amphetamin. Es kommt außer in Pflanzen der Gattungen Ephedra und Sida auch in Catha edulis (Katstrauch), Pinellia ternata (‚Ban Xia’; eine Heilpflanze der traditionellen chinesischen Medizin) sowie in Spuren in Aconitum spp. (Akonit) und Taxus baccata (Eibe) vor.

 

Entzieht man dem Ephedrin durch Reduktion die Hydroxygruppe, ein relativ einfaches chemisches Unterfangen, erhält man Methamphetamin. Wegen dieses einfachen Prozesses wird das Alkaloid auch nur unter verschärften Bedingungen per ärztlicher Verordnung abgegeben.

 

Dosierung

 

Eine medizinische orale Einzeldosis reinen Ephedrins liegt in der Regel zwischen 5 und 25 Milligramm. Für psychoaktive Zwecke werden in der Literatur bis zu 100 Milligramm genannt. Von einer solchen Menge rate ich persönlich jedem ab. Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass auf Herbal XTC oftmals eine Dosierung von beispielsweise 500 mg Ma-huang-Extrakt angegeben wird. Dies ist nicht gleichzusetzen mit 500 mg Ephedrin! Bei regelmäßiger, kurz frequentierter Einnahme von Ephedrin kann sich eine Toleranz ausbilden. Diese hat zur Folge, dass die Einzeldosis zur Erlangung der typischen Wirkung bei chronischem Missbrauch u.U. bis ins Unermessliche gesteigert werden muss.

 

Wirkungen

 

Physiologisch sorgt Ephedrin sympathomimetisch für eine überhöhte Noradrenalin-Ausschüttung (Noradrenalin, auch Norepinephrin, ist ein körpereigener Neurotransmitter). Das übermäßig freigesetzte Noradrenalin induziert dann die typischen stimulierenden Effekte. Ephedrin wirkt aphrodisierend, euphorisierend, das Hungergefühl hemmend, stimulierend und stimmungsaufhellend.

Leider haben durch Ephedrin aphrodisierte Männer häufig das Problem einer vorübergehenden Impotenz. Aufgrund der gefäßverengenden Effekte der Substanz, sind die Schwellkörper vieler (nicht aller!) Männer kurzzeitig nicht in der Lage, eine sexuelle Erregung zu unterhalten. Ephedrin hemmt außerdem die Alkoholwirkung.

55 bis 75 Prozent des Alkaloids werden über den Harn auf unveränderte Art aus dem Körper ausgeschieden.

 

Anwendung

 

Ephedrin ist nicht nur bei Drogenfreunden beliebt, sondern auch bei Sportlern, Bodybuildern und Fitness-Freaks sowie bei Menschen, die mit Hilfe dessen pharmakologischer Effekte ihr Gewicht reduzieren wollen. Festzuhalten ist, dass Ephedrin nicht zur Gewichtsabnahme geeignet ist, so wie grundsätzlich jedes Medikament nicht zum Verringern des Körperfettanteils geeignet ist. Wer abnehmen möchte, sollte seine Ernährung umstellen, sich viel bewegen und seine Gewohnheiten überprüfen. Allein mit der Hilfe von Psychoaktiva auf gesundem Wege abzunehmen, ist nicht möglich.

 

Medizinische Verwendung

 

Medizinisch wird Ephedrin als Bronchospasmolytikum gegen Asthma eingesetzt, da es die Schleimhäute abschwellen lässt. Aus diesem Grund ist bzw. war das Alkaloid auch oftmals ergänzend (z.B. zu Dextromethorphan oder Codein) in Hustenmitteln enthalten. Außerdem wird Ephedrin klinisch zur Prophylaxe eines Narkose-bedingten Blutdruckabfalls appliziert.

 

Nebenwirkungen

 

Wie bei allen Amphetamin-Derivaten und analogen Substanzen wird dem Körper während des Rausches potenziell Wasser entzogen, was die Gefahr einer Dehydratation zur Folge haben kann. Ephedra-Konsumenten sollten daher ausreichend und regelmäßig trinken.

 

Nimmt man Ephedrin in höheren Dosen auf nicht nüchternen Magen ein, kann es zu Kopfschmerz- und Übelkeitszuständen kommen. Bei Überdosierungen ab etwa 100 Milligramm kann schnell mit einer Tachykardie (erhöhter Pulsschlag), Bewegungslust, Lachanfällen, Schlafstörungen, Muskelzittern und Mydriasis (erweiterte Pupillen) gerechnet werden. In seltenen Fällen wird die Wirkung von Halluzinationen begleitet.

 

Personen mit Herzkreislauf-Erkrankungen müssen unbedingt auf die Einnahme von Ephedrin (und den verwandten Substanzen Norephedrin, Norpseudoephedrin, Pseudoephedrin u.a.) und Ephedrin-haltigen Gewächsen verzichten.

 

Zuweilen kann sich häufiger Ephedrinkonsum bei einigen Menschen negativ auf die Gesundheit der Augen auswirken: „Bei Patienten mit einer anatomisch flachen Augenvorderkammer kann die pupillenerweiternde Wirkung von Adrenoagonisten wie Adrenalin oder Ephedrin, einigen Beta-2-Adrenoagonisten und Anticholinergika den Augendruck erhöhen. Im schlimmsten Fall löst das sogenannte Winkelblockglaukom einen akuten Glaukomanfall aus, bei dem der Verlust des Augenlichts droht‟ (Quelle: Pharmazeutische Zeitung 24/2012). Dass Ephedrin jedoch grundsätzlich bei allen den Augeninnendruck erhöht, ist nur ein Gerücht, zumal der Stoff nur schwach mydriatisch wirkt und gewöhnlich erst in höheren Dosierungen eine Weitstellung der Pupillen verursacht.

 

 

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