Samstag, 22. Juli 2017

Coffeeshop-Tour – Teil I

 

Seliges Windmühlenland I: Amsterdams (Kultur-) Geschichte und eine kurze Coffeeshop-Tour

 

 

Rauschs Top Nine: No 1
Liebe Freunde der Geschenke von Mutter Natur: it’s summer time again! Yeah, wie wunderbar leicht das Leben doch auf einmal ist. Im Sommer geht einfach alles und das auch noch viel einfacher von der Hand: Baden, Touren, Lieben in freier Natur, Eisschlotzen bis der Bauch weh tut und und und … Natürlich ist der Sommer auch ideal für den grünen Daumen, insbesondere für diejenigen von euch, die dem Bauern von nebenan ein paar Samen ins Maisfeld streuen, hehehe, ihr wisst schon, was ich meine. Sommerzeit ist aber auch vor allem Reisezeit. Und damit ihr gut über mögliche Reiseziele informiert seid, wird es an dieser Stelle in der Juli-, August- und Septemberausgabe einen kleinen Reiseführer über unserer aller Lieblingsstadt (na gut, Ausnahmen bestätigen die Regel) geben. Inklusive einer Rankingliste, wo ihr in Amsterdam am besten euer Tütchen und/oder eure Bongs rauchen könnt. Oder wer’s gerne moderner und stylisher mag, kann in einer kosmopolitischen Weltstadt wie A‘dam natürlich auch während des Essen auch vaporisieren, sich leckere Space-Cakes einverleiben oder Naschereien wie Hanf-Lutscher, Hanf-Eis oder sonstige Spielereien genießen.

 

Amsterdam ist zugleich Hafenstadt und Hauptstadt des Königreichs der Niederlande. Im Großraum Amsterdam wohnen knapp 1.5 Millionen Menschen, in der Gemeinde Amsterdam beinahe 1 Million. Amsterdam liegt im Norden Hollands (Provinz Nordholland) und besitzt die Besonderheit, dass der Amstel-Fluss (Namensgeber des leckeren Amstel-Biers, das leider immer mehr Marktanteile zugunsten des nicht minder guten Heineken-Imperiums abgeben muss) und das IJselmeer sich hier direkt verbinden. Und wer Amsterdam kennt, der weiß wie wunderbar verzaubernd eine bekiffte Boots-Fahrt durch die Grachten mit den herrschaftlichen Gebäuden zur Linken und Rechten der Keizers- und Prinsengracht sein kann. Die Etymologie (also geschichtliche Bedeutung des Namens) des Stadtnamens hat einen handfesten Hintergrund, denn bereits im 13. Jahrhundert errichteten die Einwohner einen beeindruckenden Damm mit Schleuse im Amstel-Fluss, um die Häuser der Einwohner vor den drohenden Sturmfluten zu schützen. Heute findet sich anstelle des Damms der weltberühmte Damrak, der die Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem Königspalast herstellt.

 

Auf dem Damrak ist das Kiffer-Paradies schlechthin, nicht wegen Coffeeshops oder ähnlichem, sondern wegen dem großen Essensangebot, wenn die Munchies mal wieder überhand nehmen. Als Beispiel sei die berühmt-berüchtigte Pommes-Bude „Maneken Pis“ erwähnt, wobei es erbitterte Kontroversen gibt, ob die Pommes hier oder in Brüssel besser schmecken. Den von Heißhunger geplagten Kiffern sei’s egal, denn sie verzehren schon seit Jahrzehnten die dicken, habhaften heißen Stäbchen mit der sagenhaften Mayonnaise, als ob sie einen Essensrekord für das Guinness-Buch der Rekorde aufstellen wollten. Die Stadt Amsterdam schaut auf eine bewegte Geschichte zurück. Das feuchte Stadtgebiet musste erst mühsam trockengelegt werden. Nur durch die Mithilfe unzähliger langer Holzpfähle, die durch den morastigen Boden in den Untergrund in festen Sand getrieben wurden, konnten Häuser und Straßen in der eigentlich unwirtlichen Gegend entstehen. Das Stadtrecht erhielt Amsterdam zu Beginn des 14. Jahrhunderts, wobei zunächst der Fischfang die wichtigste Einnahmequelle der Bürger bildete. Aber bald darauf setzte sich der Handel als bedeutendste Erwerbsquelle durch. Insbesondere der Handel mit Indien entwickelte sich zu einem großen kommerziellen Erfolg, welcher der Stadt ein solides finanzielles und machtpolitisches Fundament bescherte. 1602 entstand dann die berühmte Niederländische Ostindien-Kompanie, die mit ungeheuren finanziellen Ressourcen aus der Taufe gehoben werden musste. Aber die Mühen lohnten sich, denn knapp 50 Jahre später war Amsterdam die wohlhabendste Stadt Europas – ein Reichtum, der sich auch dem heutigen Besucher noch an den Prachtgrachten, Palästen und anderem mehr zeigt.

 

Amsterdam wurde zu einem der zentralen europäischen Umschlagsplätze von Gewürzen, Seide und weiteren wertvollen Rohstoffen aus Indien und dem gesamten Pazifikraum. Doch der sprichwörtlich sagenhafte Reichtum rief viele neidische Nationen auf den Plan. So befanden die die Niederlanden 1672 in einem Zweifrontenkrieg mit Frankreich und England. Der sogenannte Holländische Krieg endete sieben Jahre später mit deutlichen Kriegsvorteilen für die französische Seite. Der Hafen Amsterdams war durch die Kriegshandlungen lange Zeit in starke Mitleidenschaft gezogen und der gesamte Handel mit Ostindien litt massiv darunter, was zu einem starken wirtschaftspolitischen Strukturwandel führte. Nunmehr ersetzte das finanzpolitische Fiskalsystem den Handel und Amsterdam wurde zum Bankier für zahlreiche europäische Fürsten, die auf das geliehene Geld angewiesen waren, um ihre kostspieligen Kriege zu finanzieren. 1806 wurde der französische Kaiser Louis (Napoleon) Bonaparte zum König von Holland. Obwohl er Amsterdam zur Hauptstadt seiner neuen Provinz erklärte, entwickelte sich die Stadt zusehends zum Negativen, da sie verarmte und an Bevölkerung verlor. Erst durch die Eröffnung des Nordseekanals erfuhr die Stadt wieder einen gehörigen Aufschwung, da nun eine direkte Verbindung nach Großbritannien und in die Vereinigten Staaten von Amerika möglich war. Fortan blieb Amsterdam eines der oder sogar das wichtigste kulturelle, wirtschaftliche, wissenschaftliche und finanzpolitischen Zentren der Niederlande. Kulturelle Denkmäler der geben in der Stadt allenthalben ein beredtes Zeugnis der vielseitigen Geschichte Amsterdams: Kaufmannhäuser, Lagerhäuser, Kontore und Zugbrücken. Die prächtigen Handelshäuser, welche den dem UNESCO-Weltkulturerbe zugehörigen Grachtengürtel säumen, sind noch heute ein wichtiges kulturgeschichtliches Zeugnis der Stadtgeschichte.

 

 

Der Coffeeshop „Bluebird“

 

Nach diesem kurzen geschichtskulturellen Stadtdiskurs beginnt Rauschs Top Nine-Liste der besten Amsterdamer Coffeeshops ganz in der Nähe eines der wichtigsten Museen der Stadt, nämlich dem Rembrandt-Haus. Der weltberühmte Maler Rembrandt van Rijn (geboren 1606 in Leiden und 1669 in Amsterdam gestorben), war einer der wichtigsten niederländischen Barockmaler und seine Werke sind heute noch von unvorstellbarem Wert. Der Coffeeshop „Bluebird“ liegt beinahe vis à vis vom Rembrandt-Museum in der Sint Antoniesbreestraat 71. Gut, dieser Coffeeshop mag nicht jedermanns Sache sein, insbesondere, wenn man bereits die 50 überschritten hat und das Kiffen noch immer nicht sein lassen kann. Das liegt daran, dass sich die Haupträumlichkeiten, in denen gekifft werden darf, im ersten Stock befinden und nur über eine äußerst steile, beinahe gefährlich anmutende Wendeltreppe erreicht werden können. Dafür belohnt einen – einmal oben angekommen – ein phantastisches rotes Sofa, auf dem sich hervorragend quarzen und chillen lässt. Solch ein bequemes Sofa sucht man in den meisten anderen Coffeeshops vergeblich. Die älteren Semester können es sich aber auch unten oder sogar im Außenbereich bequem machen, ohne die steile Wendeltreppe erklimmen zu müssen. Neben dem professionell-freundlichen, äußerst sach- und fachkundigen Personal überzeugt vor allem auch das hiesige Menu. Jeweils weit über zehn (!) Gras- und Haschsorten sollten wirklich keine (oder kaum welche) Kundenwünsche offen lassen. Zudem ist die Ware trotz des reichhaltigen Sortiments stets frisch, was in A‘dam nicht immer selbstverständlich ist. Auch die Preise können sich für Amsterdamer Verhältnisse wirklich sehen lassen. Drei Gramm good ol‘ Weed aus Jamaika kosten knapp über 7 € und ein Gramm O.G. Kush 12,50 €. Begnügt man sich mit dem einfachen indisch-pakistanischen „Border“-Hasch, dann belaufen sich vier (!) Gramm auf 12,5 € und wer’s gerne auf die harte Tour mag, der kann sich ein halbes Gramm Sky (Ice!) für denselben Preis erwerben. Unnötig zu erwähnen, dass die Qualität der Ware 1a ist und nicht umsonst hat das „Bluebird“ im Smoker’s Guide sagenhafte 8,3 von 10 möglichen Punkten erhalten. Ein wenig schade am „Bluebird“ ist, dass nur wenige Locals hier Regulars sind und man meistens „nur“ mit Spaniern, Italienern oder Briten ins Gespräch kommt. Wer aber auf internationale Kiffer-Solidarität steht, kommt hier also voll auf seine Kosten.

 

Das „Greenhouse Effect“

 

Den zweiten Platz belegt das nur drei Gehminuten (im bereits berauschten Zustand!) vom „Bluebird“ entfernt gelegene „Greenhouse Effect“ am Nieuwmarkt 14. Der Laden ist in einem freundlichen weiß gestrichen und das Interieur ist recht schlicht und einfach, aber äußerst gemütlich. Schön ist die für Rotlichtviertelverhältnisse beinahe ausufernde Terrasse, auf der man die Tütchen, Bongs oder Spacecakes mit einer guten Tasse Kaffee genießen kann. Erfreulich sind die zahlreichen Locals, mit denen sich auch leicht ins Gespräch kommen lässt. Die Produktpalette des „Greenhouse-Effects“ kann sich durchaus sehen lassen und erfreulicherweise sind die Preise ebenso wie im „Bluebird“ mehr als fair. Ein ein Gramm Gras- und Haschgemisch enthaltender Spacecake knallt wunderbar, zumindest für Amsterdamer Verhältnisse. Aber auch die anderen Produkte können sich sehen lassen, denn die Super-Polm-Tüte für 3,5 € verleiht auch dem Gewohnheitsuser für ein bis zwei Stunden einen angenehmen Flow und über den Greenhouse-Effect-Special-Joint lasse ich wirklich auch rein gar nichts kommen. Für die „Normalkunden“ gibt es ziemlich günstige aber qualitativ hochwertige Hasch- und Grassorten wie schwarzer Afghane oder Skunk. Diese Produkte sind auch gut für den „kleinen Geldbeutel“ erschwinglich, wobei die Preise umso günstiger werden, je mehr Gramm man erwirbt. Das „Greenhouse Effect“ zeichnet sich durch eine chillige Atmosphäre, cooles, fachkundiges und freundliches Personal aus. Die versierten Dealer nehmen sich – egal wie lang die Schlange auch sein mag – bei der Beratung ihrer Kundschaft Zeit. So ist es nicht verwunderlich, dass das „Greenhouse Effect“ beinahe ausschließlich zufriedene Gäste entlässt und trotz der zahlreichen Stammkundschaft immer noch ein Geheimtipp mitten im Herzen des Rotlichtviertels von Amsterdam ist.

 

Das „420 Cafe“

 

Platz Nummer Drei belegt das „420 Cafe“ am Oudebrugsteeg 27. Das „420 Cafe“ ist kein veritabler Insider-Tipp wie das „Bluebird“ oder das „Greenhouse Effect“. Dennoch sprechen einige wichtige Faktoren für den Coffeeshop, der seit langem eine Institution in Amsterdam ist. Er ist ziemlich posh, richtig angesagt und die Lage direkt am Damrak und Centraal ist eben auch optimal und lädt die Hanffreunde Europas zum Besuch ein. Wenn der Laden um 18.00 Uhr seine Tore öffnet, bilden sich des Öfteren lange Schlangen, die alle Einlass begehren. Das Konzept des „420 Cafe“ besteht daraus, dass es sich um ein ehemaliges Café und/oder eine Kneipe handelt, was die lange, gerade Theke signalisiert. Diese klassische Massivholztheke geht quasi nahtlos in den Dealer-Bereich über. Die Auswahl und das Sortiment können sich auch hier sehen lassen und erfüllen die Ansprüche, die man an einen Coffeeshop in der Hauptstadt der Niederlande stellen kann, zur Genüge. Im Vergleich zum „Bluebird“ und zum „Greenhouse-Effect“ sind die Preise leider deutlich teurer, auch wenn die Karte einem suggerieren möchte, dass es sich um ganz besonders erlesene Produkte handelt. Ob sich die Mehrinvestition tatsächlich lohnt, darüber lässt sich wohl trefflich streiten. Schön ist die Musikauswahl (klassische Rockmusik à la Rolling Stones, Jimmy Hendrix etc.) und die Lautstärke derselben (ein Gespräch ist gut möglich, ohne sich anzuschreien). Eine massive Einschränkung beziehungsweise Warnung sei an dieser Stelle aber in aller Deutlichkeit für alle Freunde von Edibles genannt. Die Spacecakes sind ihr Geld wirklich nicht wert. Obwohl sowohl Zitronen- und Schokoladenkuchen gut schmecken, gibt es keinen Turn. 7,5 € für einen Spacecake mit umgerechnet 0,3 Gramm Gras ist dann doch ein sehr saftiger Preis, denn von den Dingern bräuchte ich mindestens fünf um mich ins Nirwana zu beamen. Nichtsdestotrotz hat es das „420 Cafe“ unter die Top Drei meines Rankings geschafft.

 

Christian Rausch

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