Dienstag, 18. Juli 2017

Cannabis auf Festivals? Ein Vabanque-Spiel!

 

Sommerzeit ist Festivalzeit – und zugleich Jagdsaison auf Kiffer und Psychonauten

 

Cannabis
Photo Ruth Groth

 

Sadhu van Hemp

 

 

Auch wenn der Sommer zu Wünschen übrig lässt und Hoteliers und Gastronomen klagen – ein Sommergeschäft läuft immer, ob bei Sonnenschein, Sturm oder Regen. Ist der Wettergott noch so grimmig, nichts kann die Menschen davon abhalten, sich auf Äckern und Wiesen zu versammeln und von Musik berieseln zu lassen. Open-Air-Festivals sind das Highlight des Jahres und zugleich ein gesellschaftliches Ereignis, das den Teilnehmern wie Geburten, Hochzeiten und Beerdigungen einen Leben lang in Erinnerung bleibt.

 

Nicht immer sind die Erinnerungen gute, denn nicht jeder weiß, was er tut. Ungewollte Schwangerschaften, Geschlechtskrankheiten und der eine oder andere Zeckenbiss sind dabei noch das kleinere Übel. Richtig fies kann ein Festivalbesuch ausgehen, wenn sich Mann und Frau etwas anderes einhandeln – und zwar eine Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Festivals sind nämlich nicht nur für die Bespaßung der Besucher gedacht, sondern auch für die Polizei, die als Erfüllungsgehilfen des Anti-Drogen-Krieges leichte Beute haben.

 

Selbst auf Kleinstfestivals stehen unsere Freunde und Helfer der Polizei Gewehr bei Fuß, um mit der Methode des Racial Profilings die zu selektieren, die dem Stereotyp des Konsumenten illegaler Genussmittel entsprechen. Richtig fette Beute machte die Polizei letztes Wochenende auf dem Afrika-Karibik-Festival im mittelfränkischen Wassertrüdingen. Laut Pressemitteilung konnten die Beamten mehrere Joints sicherstellen. Doch nicht nur das: Einem 32-jährigen Festivalbesucher wurde gar das illegale Handwerk des Cannabis-Caterings gelegt. Darüber hinaus gelang es den Ordnungshütern zwischen Samstag, 20 Uhr, und Sonntag, 6 Uhr, auf dem Festplatz und dem Campinggelände vier Haschgiftverbrecher in flagranti beim Haschen zu erwischen. Allein am Samstag konnte die Polizei acht Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vermelden.

 

Dass es auch entspannter geht, zeigte sich hingegen auf dem Festival „Reggae im Hanffeld“ im westfälischen Steinheim. Rund 1500 Partygäste machten es sich im Hanffeld gemütlich und lauschten angstfrei der handgemachten Livemusik. Statt der Polizei trat der stellvertretende Bürgermeister Gerhard Jarosch auf den Plan, begrüßte die Besucher und pries die Vorzüge des Hanfes und dessen medizinischen Nutzen.

Doch ganz ohne Anwesenheit der Staatsgewalt kam auch dieses Festival nicht aus: Allerdings waren die Veranstalter so weitsichtig, gleich einen richtig gnadenlosen Law-and-order-Mann einzuladen, der noch an Ort und Stelle ein vernichtendes Urteil zu Ungunsten der drei Staatsgewalten fällte: „Ich kann nicht erkennen, dass Cannabis eine gefährlichere Einstiegsdroge sein soll als Alkohol.“ Mit diesen Worten sprach der Berliner Jugendrichter Andreas Müller das kriminalisierte Publikum frei. „Ich habe nicht einen einzigen Fall gehabt, bei dem jemand nach Cannabis-Konsum gewalttätig geworden ist.“

 

Und so rauschte eines der vielen Festivalwochenenden dahin. Freud und Leid lagen wieder einmal dicht beieinander – je nach Gutdünken der Polizei. Dabei wäre es vergangenes Weekend ein Leichtes gewesen, der Polizei zur Abwechslung mal eine sinnvolle Aufgabe zu geben. Statt auf friedlichen Festivals kleine Kiffer zu malträtieren, hätten die Schutzmänner mal im Thüringischen Themar nach den Rechten sehen sollen. Dort versammelten sich nämlich 6000 Nazi-Hools zu einem Open-Air-Konzert – und hoben geschlossen den Arm zum Hitler-Gruß. Doch was sind schon 6000 Straftäter auf einem Nazikonzert, wenn auf einem Afrika-Karibik-Festival vier Jointraucher dingfest gemacht werden können?

 

5 Antworten auf „Cannabis auf Festivals? Ein Vabanque-Spiel!

  1. rainer sikora

    Öffentliche Verkehrsmittel fallen auch bald unter Gefahrenzone für Kiffer,dank Maziere und co.

  2. Rumborak

    Wenn irgendwelche Typen den Arm heben, ist das genau so ein opferloses Verbrechen, wie alles, was mit Hanf zu tun hat. Warum fordert ihr nicht freies Kraut für Kraut- Rockkonzerte? Der Alkohol macht die Leute aggro, hingegen Ganja friedfertig..

  3. Ralf

    @Rumborak
    Genau das ist der Punkt, die Politbonzen wollen keine friedlichen Bürger, sondern versoffene, Bild lesende, agressive Vollpfosten, die sich im Zweifelsfalle auch wieder für das Monopolkapital in einem Krieg verheizen lassen !

    [… „Wir wussten, dass wir es nicht illegal machen konnten, gegen den Krieg oder schwarz zu sein, aber indem wir die Öffentlichkeit dazu brachten, die Hippies mit Marihuana und die Schwarzen mit Heroin zu assoziieren, und beides streng kriminalisierten, konnten wir diese Bevölkerungsgruppen schwächen. Wir konnten ihre Anführer festnehmen, Razzien in ihren Häusern durchführen, ihre Treffen auflösen, und sie Abend für Abend in den Nachrichten diffamieren. Wussten wir, dass wir logen, was die Drogen anging? Natürlich wussten wir das.“ …]

    Zitat: John Ehrlichmann, ehemaliger Nixon-Berater
    .
    Meint irgendein blauäugiger Träumer, daran hätte sich auch nur das geringste geändert? Dem kann ich nur sagen, träum weiter !

  4. Ralf

    Ja, genau Themar, das sind die treuen Hand hebenden Staatsbürger die die Polizei so liebt. Als mir ein Nazi in Zweibrücken auf der Demo den Schraubenzieher vor den Bauch gehalten hat und mich abstechen wollte weil ich gesagt hatte: „Schäm dich zu diesem Sauverein zu gehören“, sagte der Bulle bei dem ich diesen potentiellen Mörder anzeigen wollte, ich solle das lieber nicht tun weil ich (obwohl 4 Bullen dabei waren) keine Zeugen hätte und mit einer Gegenanzeige rechnen müßte.Der Staatsverbrecher hat damit Strafvereitelung im Amt begangen. Darüber hinaus würden sich diese Leute(die Nazis) ja immer an die Gesetze halten. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, einen Menschen abstechen zu wollen ist für einen Bullen gesetzesmäßig, wenn der Mordversuch nur von einem Nazi kommt. Noch Fragen zu unseren Gewalt monopolisierten Staatsorganen Polizei und Justiz? Mir wird schlecht wenn ich mir dieses blau uniformierte, innerlich aber tiefbraune Gesockse nur vorstelle, und wenn ich diese Pisser nur auf der Straße sehe(was nur noch selten vorkommt, da ich mich lieber in meinem Privatgefängnis aufhalte und kaum noch rausgehe) wird`s mir angesichts ihrer Verlogenheit speiübel !

  5. Fetales Alkoholsyndrom

    Der soziale zwang eines Menschen kann dazu führen, dass bestehende Überzeugungen , aufgrund einer Gruppenmeinung , überdacht und geändert werden . Der sogenannte Herdentrieb kann , aus 40 Millionen Kranken Alkoholikern , 40 Millionen Gesunde Antialkoholikerinnen machen .

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