Mittwoch, 24. Mai 2017

Feinste oldschool Genetik

 

 Bei Piedro zu Besuch im Schrank

 

 

 

Der Budler

Während meiner Zeit bei Juan (Hajo 206) in Spanien durfte ich mit Piedro Bekanntschaft machen. Hauptberuflich ist Piedro Landwirt mit einer Schwäche für Bier. Nebenbei kümmerte er sich noch voller Hingabe um seine pflanzlichen Mitbewohnerinnen. Nach einigen Zigaretten, Bier und etwas Überredungskunst war es mir gelungen, Piedro davon zu überzeugen, euch einen kleinen Einblick in seine grüne Schatzkammer zu gewähren.

 

Freundlicherweise öffnet Piedro für uns den Reisverschluss seiner Box. Dahinter verbirg sich feinste oldschool Genetik: White Widow von Greenhouse Seeds und Mazar von Dutch Passion. Piedro hatte beide Sorten als feminisierte Version besorgt. In seiner XL-Box stehen 16 Pflanzen, die in 11-Liter-Töpfen platziert wurden. Um die Damen im richtigen Licht stehen zu lassen, hilft eine 600W Lampe, die mit einem Adjust-a-Wing-Reflektor das Licht gleichmäßig in der Box verteilt. Damit ihnen die Hitze nicht zu Kopf steigt, hat der geschmeidige Spanier einen 350er Lüfter installiert, der die warme Luft dauerhaft absaugt. Natürlich wird die Luft durch einen Aktivkohlefilter geleitet, um süße Gerüche zu vermeiden.

 

Jede Plant wurde alle zwei bis vier Tage mit bis zu einem Liter Wasser gegossen. Die Trinkmenge passt Piedro der Größe und dem Alter der Pflanzen an und arbeitet sich so auf einen Liter alle zwei Tage hoch. Die Biester, wie Piedro seine Pflanzen liebevoll nennt, brauchen etwas mehr Wasser, da Piedro Samen verwendet. Bei Samenpflanzen empfiehlt es sich, so lange in der Wachstumsphase zu bleiben, bis die Vorblüte beginnt, also, bis man die ersten Fäden sieht und das Geschlecht der Pflanzen bestimmen kann. Die Samen ließ Piedro nach dem Keimen bis zu zwei Wochen in 1-Liter-Töpfen anwurzeln. In dieser Zeit gab er nur alle zwei bis drei Tage 100-150 ml Wasser. Zusätzlich mischte er in den zwei Wochen zweimal 50 % Prozent der empfohlenen Dosis Wurzelkomplex und einmal 50 % Prozent der empfohlenen Dosis TNT-Komplex in das Wasser, da die Pflanzen gerade am Anfang nur sehr wenig Nährstoffe brauchen. Anschließend pflanzte er die Ladies in 11-Liter-Töpfe um, ungefähr vier bis fünf Wochen später beendete er die Wachstumsphase, um seine Biester dann in die Blüte zu schicken.

 

Den pH-Wert misst Piedro nicht, da sein Wasser vom Hahn aus einen halbwegs stabilen pH-Wert unter 7 besitzt. Ein Großteil der Pflanzen ist beschnitten, damit die Damen schön fett werden und mehr Blüten an ihren Spitzen ausbilden. Allerdings hat Piedro nicht alle Pflanzen beschnitten, um eine einheitliche Höhe in seiner Box zu bekommen. Beim Dünger schwört Piedro auf Hesi (Blühkomplex, Phosphorplus, TNT-Komplex, Vitafit und Wurzelkomplex) und gibt meistens das, was auf dem Plan steht, aber nicht bei jedem Aufguss und auch nicht im Wachstum. Grundsätzlich sind in den meisten Erdsubstraten genügend Nährstoffe für die ersten zwei bis drei Wochen enthalten, daher hat Piedro in der Wachstumsphase weniger Dünger verbraucht als in der Blütephase. Er versichert mir, dass man gerade bei diesen Sorten nicht viel falsch machen kann, da die Genetik äußerst pflegeleicht ist.

 

In der Regel geben die Blätter genügend Auskunft über die Verfassung der Damen. Hierbei achtet Piedro besonders auf die Farbe der Blätter im Allgemeinen (Schönes einheitliches grün), danach erst, ob sich die Blätter wellen oder komische Flecken haben. Dann sollte man darauf achten, ob die Probleme bei alten oder jungen Blättern auftreten. Meistens handelt es sich um einen Mangel der mobilen Nährstoffe. Das heißt, diese Nährstoffe sind beweglich. Tritt ein Mangel auf, wandern die Nährstoffe zu den jüngeren Teilen der Pflanze, um die Spitzen so lange wie möglich mangelfrei zu halten. Daher bekommen zuerst die alten Blätter Mangelerscheinungen – wie Verfärbung der Blätter oder ähnliche Symptome – diese breiten sich dann natürlich weiter nach oben aus, wenn man den Mangel nicht zu beheben versucht. N, P, K, und Mg (Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium) sind die wichtigsten mobilen Nährstoffe. Besonders P und K sind für saftige Blüten wichtig. N wird vor allem im Wachstum benötigt, aber auch noch ein wenig in der Blüte.

 

Trotzdem gibt Piedro nicht bei jedem Aufguss Dünger. So kann er immer beobachten, wie sich die Pflanzen verhalten, wenn sie Wasser bekommen. Dann kann Piedro entscheiden, ob beim nächsten Mal Wasser oder Dünger gegossen werden soll. Piedro ist da schon sehr routiniert und hat seine Biester fest im Griff. Durch diese Methode kann man Versalzungen und Nährstoffüberschuss vorbeugen, beziehungsweise verhindern. Grundsätzlich ist weniger mehr, Mängel sind immer leichter zu beheben als eine Überdüngung.

 

Die Sorten von Piedro sind eher Indica dominant und sollten nach acht bis neun Wochen (hier 55-60 Tage) Blütezeit fertig sein. Leider traten sowohl bei der White Widow als auch bei der Mazar jeweils eine Zwitterpflanze auf, die das Zelt verlassen mussten. Als ob das nicht schon genug wäre, bekam Piedro ab Tag 40 auch noch Spinnenmilben. Dieses Problem versuchte er mit Florfliegenlarven zu beheben. Der Vorteil bei diesen Nützlingen ist, sie fressen fast alle Schädlinge, die einem die Laune vermiesen. Ob Blattlaus oder Thrips, die Florfliege frisst sie fast alle. Zudem ist sie sehr genügsam, was ihre Umweltbedingungen angeht. Sie braucht es nicht zu feucht und nicht zu kalt; die Florfliegenlarve kann problemlos in herkömmlichen Heimgärten überleben. Dadurch konnte Piedro den Befall sehr gut eindämmen und kann die Pflanzen mit gutem Gewissen verdampfen.

 

14 Tage vor Ende der Blüte fängt Piedro an nur noch Wasser zu gießen, um alle Nährstoffe und Salze auszuspülen. Als mir die Biester gezeigt werden, war gerade die zweite Halbzeit eingeläutet (Tag 35 Blütephase). Die Biester sind majestätisch anzusehen. Ein Meer aus Buds, das vor Harz nur so trieft. Piedros Ladies sind echte alltime classics. Die White Widow wurde in den 90ern in den Niederlanden entwickelt. Die Witwe war eines der nächsten vielversprechenden Zuchtprojekte der Niederländer, das bis dato und zu Recht bei recht vielen noch so begehrt ist, wie warmer Kakao. Wahrscheinlich hat die White Widow gerade deswegen seit dieser Zeit haufenweise Preise gewonnen. Allerdings gibt es verschiedene Versionen. Hier haben wir die White Widow, die damals von Ingemar (de sjaaman) gezüchtet wurde. Ingemar gab dann Arjan Stecklinge und Arjan (Inhaber von Greenhouse Seeds und Strainhunters) durfte sogar den Namen verwenden. So kam die Original White Widow bei Greenhouse Seeds an. Wegen ihrer heftigen Harzentwicklung und ihrer sagenhaften Wirkung ist sie bis heute noch so beliebt wie damals. Deshalb ist sie auch noch in vielen Coffeshops auffindbar. Gerade Greenhouse Seeds hat diverse White-Sorten im Sortiment, weshalb Piedro vollstes Vertrauen in diesen Strain hat.

 

Mazar, bis heute eine Indica der Extraklasse

 

Bei der Mazar von Dutch Passion haben wir ebenfalls einen Cupwinner aus den 90ern, der unter Kennern ein absolutes Highlight ist. Vor allem der Geschmack ist unverwechselbar fein. Bis heute eine Indica der Extraklasse, die Afghani- und Skunkgenetik in sich vereint hat. Die Mazar ist eine Weiterentwicklung der Afghani/Skunk, die früher auch von Dutch Passion angeboten wurde. Dutch Passion waren mit die ersten Anbieter, welche feminisierte Samen auf den Markt brachten und somit einer breiten Masse zugänglich machten. In ihrem Sortiment finden sich Klassiker wie Orange Bud, Power Plant und viele andere Köstlichkeiten, vor allem ihr Skunk Genpool soll exzellent sein. Wenn man die Mazar näher betrachtet, kann man klare Parallelen zu diversen Kushgenetiken erkennen. Sowohl die Optik als auch der Geruch, das Wirkungsprofil und der Geschmack sind ähnlich, was durch das Afghani-Erbe zustande kommt, das in der Mazar vorhanden ist. Eine Feine Mischung aus Moschus, Erde und etwas Pinie – mit einem Hauch Zitrus – die ihren Akzent auf Würze mit einer Spur Frucht setzt. Die ähnlichen Aromen entstehen durch ähnliche Terpene, die sowohl bei Kush als auch bei Mazar und anderen Cannabissorten zu finden sind. Terpene sind ein Hauptbestandteil von ätherischen Ölen. Die Terpene sorgen dafür, dass Pflanzen, Früchte und Blüten mit einem betörenden Duft versehen werden, zudem geht man davon aus, dass auch sie einen pharmakologischen Nutzen haben. Allerdings steht die Forschung hier noch am Anfang. Doch zurück zu Piedros Genetiken…

 

Die White Widow ist auch Indica dominant

 

Die White Widow ist auch Indica dominant, aber der Geschmack und das Aroma sind eher süßlich-fruchtig, mit einer Spur Würze, die für mich einzigartig ist. Bei der White Widow, würde ich sagen, ist der Charakter süß/herb. Der Anwendungsbereich der beiden Sorten ist sehr vielseitig, ob bei Bluthochdruck, Bauchweh, Appetitlosigkeit, Schmerzen, Übelkeit oder Krämpfen, um nur einige Probleme zu nennen, bei denen es mir geholfen hat. Aus eigener Erfahrung heraus kann ich behaupten, dass die meisten Cannabissorten ein breit gefächertes Wirkungsprofil aufweisen. Allerdings ist die Wirkung von Person zu Person sehr variabel.

 

 

Dieser Artikel dient nur zu Aufkärungs- und Informationszwecken, Cannabis ist in manchen Ländern immer noch verboten!

 

Alles Gute, der Budler!

2 Antworten auf „Feinste oldschool Genetik

  1. rainer sikora

    Ich habe auch versucht zu unterschreiben,habe es irgendwie mit dem bestätigen noch nicht hingekrigt weil computer und Internet nicht meine Welt.Jedenfalls sollte das Augenmerk stärker auf der Petition liegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.