Samstag, 15. April 2017

Mortler als Verbotstante: Mal so, mal so

 

Feuer auf Marlene Mortler

 

 

Beitrag von Hans Cousto

 

 

Jeden Tag sterben in Deutschland mehr als 40 Menschen an den Folgen von Alkohol. Es ist klar, wie gefährlich Alkohol ist. Dennoch hat Alkohol in vielen Kulturen einen festen Platz, zahlreiche gesellschaftliche Ereignisse wie das Oktoberfest in München sind eng mit dem Konsum alkoholischer Getränke verbunden. Am Mittwoch, 22. Februar 2017, nahm sich „ZDFzoom“ der Volksdroge Alkohol an und berichtete über den legalen Rausch.

 

Jedes Jahr trinken die Besucher auf dem Oktoberfest mehr als sieben Millionen Liter Bier. Traditionell sticht Münchens Oberbürgermeister das erste Fass an und füllt die ersten Maßkrüge für sich und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). „Bier in Maßen ist gesund, ist ein Nahrungsmittel in Bayern“, sagte Seehofer der ZDF-Reporterin, als sie ihn fragte, warum er Werbung für Alkohol mache.

 

Verbotstante beim Alkohol? Aber nein!

 

Gleich neben dem Oktoberfest begann am selben Tag das Bayerische Zentral-Landwirtschaftsfest. Dort erklärte die Drogenbeauftragte Marlene Mortler der ZDF-Reporterin auf die Frage, weshalb die Alkoholpolitik in Deutschland nicht so streng sei, wörtlich: „Ich bin ja nicht als Verbotstante ernannt worden“, und weiter: „Ich bin jemand, der auch beobachtet.“ Eine Drogenbeauftragte, die sich aufs Beobachten beschränkt?

 

Bieranstich ist Brauchtum – nicht nur in Bayern – und an diesem Brauchtum nimmt die Drogenbeauftragte gerne teil. So veröffentlichte der Donaukurier aus Ingolstadt am 14. März 2017 unter dem Titel „Empfang mit Bieranstich“ ein Bild mit Barbara Stamm (Präsidentin des Bayerischen Landtags), Marlene Mortler und lokaler CSU-Prominenz. Gemäß Brauchtum zog die Prominenz zu den Klängen des Bayerischen Defiliermarsches in den Saal ein, bevor der Bieranstich erfolgte. Ja, beim Deutschen Brauer-Bund will die Drogenbeauftragte nicht in Verruf als Verbotstante ins Abseits geraten. Der Deutsche Brauer-Bund kürt schließlich einmal im Jahr den Botschafter des Bieres. Das waren unter anderem schon Bundestagspräsident Norbert Lammert, Kanzleramtsminister Peter Altmaier, der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und Grünen-Chef Cem Özdemir.

 

Verbotstante beim Tabak? Aber nein!

 

Reinhard Zweigler führte für die Mittelbayerische Zeitung ein Interview mit der Drogenbeauftragten, das unter dem Titel „Plädoyer gegen das Rauchen im Auto“ erschien. In dem Interview erklärte die Drogenbeauftragte der Regierung ihre Pläne – und warum sie trotzdem keine „Verbotstante“ sein wolle. Auf die Frage, was mit Kindern sei, die ungefragt, etwa im Auto, passiv mitrauchen müssen, wenn die Eltern rauchen, sagte Mortler, dass es ihr Anliegen sei, dass im Auto grundsätzlich nicht geraucht wird, wenn Kinder mitfahren. Doch für ein Verbot wollte sie sich nicht stark machen. Wörtlich sagte sie „Ich will auch nicht als Verbotstante dastehen. Wenn es um die Gesundheit geht, muss ich dennoch handeln. Ich setze auf Vernunft und Einsicht.“

 

Verbotstante wegen Stinkeautos? Aber nein!

 

Aufgrund des Abgasskandals bei Dieselfahrzeugen hat das Thema Schadstoffe und Autoverkehr eine hohe Priorität. Anlässlich des öffentlichen Fachgesprächs zu dem Thema Luftbelastung durch Stickoxide in Ballungsräumen und den Ursachen und Lösungsmöglichkeiten im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit des Deutschen Bundestages am 8. März 2017 erklärte Marlene Mortler als umweltpolitische Sprecherin der CSU-Landesgruppe, dass sie gegen ein pauschales Diesel-Fahrverbot in Städten sei.

 

Es ist zwar bekannt, dass Tausende Menschen aufgrund der hohen Stickoxid-Werte und Feinstoffbelastung in Ballungsgebieten mit großem Verkehrsaufkommen vorzeitig sterben, doch von einem Fahrverbot will Mortler nichts wissen. Hier sind offenbar die Interessen der Autoindustrie von größerem Belang als der Umwelt- und Gesundheitsschutz.

 

Verbotstante wegen Cannabis? Aber sicher!

 

Cannabis hat noch keine so große Lobby wie der Deutsche Brauer-Bund, die Tabakkonzerne oder die Autoindustrie. Deshalb kann man bei Cannabis auch ohne große politische Gegenwehr aus den eigenen politischen Kreisen befürchten zu müssen, in Sachen Cannabis für den Freizeitkonsum als Verbotstante auftreten. Sicher ist Cannabis nicht so tödlich wie Alkohol, Tabak und Stinkeautos, doch bei Cannabis wird der Gesundheitsschutz höher bewertet als die Interessen der Verbraucher und Nutzer und man kann sich als Verbotstante profilieren. Bei Alkohol, Tabak und Stinkeautos werden die Interessen der Industrie und Verbraucher jedoch höher bewertet als der Gesundheitsschutz und als Verbotstante hat man dann schlechte Karten im eigenen politischen Umfeld, das bei der Drogenbeauftragten vor allem von der CSU geprägt ist.

 

Es sei hier angemerkt, dass der Konsum von Cannabis für viele Patienten für ihre Gesundheit sehr förderlich ist. Doch die Krankenkassen wehren sich gegen die Kostenerstattung von Cannabis auf Rezept. So sagte ein Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung der Deutschen Presse Agentur, für den regelhaften Leistungsanspruch fehle der Nachweis der Wirksamkeit. Im März ist eine Gesetzesnovelle in Kraft getreten, mit der Schwerkranken der Zugang zu Cannabis erleichtert worden ist. Gemäß Gesetz müssen die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Wird die Drogenbeauftragte hier als Verbotstante auftreten und von Krankenkassen mit Leistungsverweigerung hohe Bußgelder fordern?

 

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9 Kommentare
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hae?
hae?
4 Jahre zuvor

Ich kann’s ehrlich gesagt nicht mehr lesen, wir wissen doch alle, dass die Frau von der Materie keinen Schimmer hat und da der Dame der regelmässige Shitstorm der Community zuviel wurde (wem würde das nicht zuviel, wegen ständig geäusserter Unwahrheiten gemaßregelt zu werden) hat sie sich mal eben komplett rausgezogen, wenn ich das neulich irgendwo richtig gelesen hab. Ich will jetzt nicht behaupten sie handelt wider besseren Wissens, kann man schliesslich nicht eindeutig schlussfolgern, wenn eine Drogenbeauftragte keinen Plan von der Drogenpolitik der anderen EU Länder hat (wir erinnern uns sicher alle an das Interview^^). Aber da mir jedes Mal die kalte Kotze vor lauter gelebter Inkompetenz hochkommt, wenn ich den Namen Mortler lese, setze ich die Frau lieber auf… Weiterlesen »

Fred
Fred
4 Jahre zuvor

@hae

Das sie und andere keine Ahnung von ihrem Job haben, wage ich zu bezweifeln. Man biegt sich einfach nur die Fakten wie es gerade passt.

“Cannabis ist eine Einstiegsdroge “, ist da nur so ein Beispiel.Seit Jahren widerlegt, aber immer noch gerne in Talkshows genutzt. Bewusste falsche Aussagen um den Amigos aus diversen Wirtschaftszweigen nicht das Wasser abzugraben.

Das gibt es übrigens nicht nur beim Hanf. Am 22.4.17 geht in mehr als 500 Städten weltweit die Wissenschaft auf die Strasse und demonstriert für poltische Entscheidungen auf evidenzbasierten Studien. Und gegen alternative Fakten. Ich habs ja schon mal erwähnt, bei der Sache mit dem Hanf geht es nicht nur ums kiffen, die Latte liegt deutlich höher.

https://www.uni-hamburg.de/newsletter/april-2017/universitaet-hamburg-laeuft-mit-beim-march-for-science.html

Fred
Fred
4 Jahre zuvor
Rainer Sikora
Rainer Sikora
4 Jahre zuvor

Der normale Bundesbürger befaßt sich nicht eine Sekunde lang in seinem Leben mit Fragen um die Cannabisprohibitionsproblematik.Überhaupt haben die Meisten von Denen nicht mal das Wort in ihren Gedankengängen.Mortler und co wollen daß das so bleibt.

ADHSPatient
ADHSPatient
4 Jahre zuvor

@Rainer Sikora: Leider wahr. Und es wäre unsere Aufgabe daran etwas zu ändern. Denn wenn wir es nicht tun, tut es keiner. Nur wie? Das Schreien im Walde auf einem Blog wie diesem wird sicher kaum etwas bringen. Aggressiv Flugblätter verteilen kommt normalerweise auch nicht gut an. Wir sollten uns vielleicht auf die SPD konzentrieren, die einzig verbliebene linke Prohibitionspartei in Deutschland. Nicht jede Regierung wird für alle Ewigkeit eine CDU-Beteiligung haben. Finde es z.B. kläglich, dass der DHV noch unter 3000 Mitglieder hat. Das ist weniger als ein Prozent von einem Promille der Bevölkerung. Wenn die Menschen nicht aktiv für ihre Interessen eintreten, so dass es auch mal im Geldbeutel weh tut, dann müssen sie sich nicht wundern, wenn… Weiterlesen »

reefermadness
reefermadness
4 Jahre zuvor

nunja herr buena gusto…die d ame ist eh bald weg wie die diekm,ann etc pp.. marionetten!!
anbei mal den mortlers engels-chor mit dem landwirtschaftmistister an der orgel!!

Chef
Chef
4 Jahre zuvor

Keine Strafen für freie Menschen!

U-G
U-G
4 Jahre zuvor

Mortlers Kampf im Krieg gegen die Windmühlen. Das hat Canada, Canadabis, unter Beweis gestellt. Entkriminalisierung gegen das Hanfspezialgenussmittel gegen fast alle Beschwerden auf dem Weg gebracht. Hopfen aus der Familie Cannabis muss nicht getrunken werden. Da es hier in der Bundesrepupslik keine Cooffee-Shops gibt, wird es auch keine geben auf Jahrzehnte, sorry. Ich dachte ich halte mich aus dem Bundestagswahlkampf heraus, das mache ich, lach, weil ich nur Schwachmaaten sehe im Haus der Demokratie, egal was Deutschland zu bieten hat. Meine Heimat ist genauso vollstens gestört, doch habe ich meine Stimmabgabe verweigert indem ich nicht für den oder diejenige gestimmt habe oder hatte. Deutschland oder Serbien, in diesen Ländern bedeutet das Ende des Krautes im wahrsten Sinne des wortes für… Weiterlesen »