Dienstag, 21. März 2017

Berliner Apotheken geht Cannabis aus

 

Grundversorgung mit Medizinalhanf in Gefahr – und eine Ärztekammerchefin, die „Augenmaß“ fordert

 

Photographik Ruth Groth

 

Eine tagesaktuelle Glosse von Sadhu van Hemp

 

Eben gerade noch hat die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Martina Wenker, der Deutschen Presse-Agentur verraten, dass sie bei der Freigabe von Cannabis als Medizin Grenzen sieht – und schon ist es passiert: In Berlin sind alle Dämme gebrochen und die Medizinalhanfblüten werden knapp. Die Bitte der Kammerchefin, die Ärzte mögen doch „Augenmaß“ bei der Verschreibung von Cannabispräparaten haben, kam zu spät, denn längst haben die Ärzte den Überblick verloren.

 

Seit dem 10. März findet ein regelrechter Run auf Deutschlands Hausarztpraxen statt. Doch statt mit der politisch erwünschten Absage werden die Patienten mit einem Cannabisrezept wieder vor die Tür gesetzt. Ungeachtet der ungeklärten Frage der Kostenübernahme durch die Krankenkassen bestehen die Patienten darauf, sich anonymisiert registrieren zu lassen und den begehrten Bezugsschein für die monatliche Cannabisration zu erhalten. Die Ärzte stecken zweifelsohne in der Zwickmühle, denn wer seinen Stammkunden nicht verlieren will, der beugt sich dem Wunsch seines Ernährers. Im Wettbewerb der freien Marktwirtschaft kann es sich kein Arzt leisten, die zu verprellen, die seinen bescheidenen Lebensstil finanzieren. Das Haus, das Auto, das Boot wollen wie das Schulgeld für das Internat der Kinder bezahlt werden.

 

Besonders schlimm treiben es die Ärzte an Spree und Havel. Und das ohne Sinn und Verstand. Denn wer Hinz und Kunz mit dem Persilschein zum legalen Gesundkiffen ausstattet, der riskiert laut Vizepräsidentin Wenker genau das, was zur Abschreckung auf jeder Zigarettenschachtel prangt. „Cannabis hat auch Nebenwirkungen wie Müdigkeit, kognitive Beeinträchtigungen sowie Herzkreislauf-Probleme.“ Auch weist die Lungenfachärztin darauf hin, dass es keine wissenschaftlichen Studien gibt, wie Medizinalhanf genau zu dosieren ist. Aus ärztlicher Sicht hat Frau Doktor durchaus Recht, nicht darauf zu vertrauen, dass das Menschengeschlecht seit Adams Zeiten noch keinen einen einzigen Hanftoten zu beklagen hat. Was nicht ist, kann ja noch werden.

 

Auch eine generelle Freigabe des gesetzlich anerkannten Heilkrauts für Erwachsene lehnt die studierte Fachspezialexperten strikt ab: „Eine Substanz, die gesundheitsschädlich ist, gibt man nicht frei.“ Zudem verweist die Ärztekammerpräsidentin auf unsere Kinder, die es zu schützen gilt. Eine komplette Legalisierung hätte einen Anstieg der Zahl der jugendlichen Konsumenten zur Folge. Alles in allem und überhaupt ist Wenker davon überzeugt, dass die Freigabe der Hanfwirkstoffe als Tablette, Pulver oder Spray vollauf genügt hätte.

 

Doch nun ist der Zug abgefahren. Die Kiffer rennen den Apotheken die Türen ein, grüßen mit einem Cannabisrezept, und die bundesdeutsche Planwirtschaft à la DDR kommt mit der Produktion und Lieferung des Teufelskrauts nicht nach. „Ich habe in mehreren Apotheken nachgefragt“, berichtet Exzessiv-TV-Produzent und Cannabispatient Patrick von seinen Versuchen, sein Rezept einzulösen. „Die günstigste Apotheke am Nauener Platz in Wedding war komplett ausgeplündert. Nur eine der angefragten Apotheken hatte noch ein paar Döschen, aber nur zum doppelten Preis. Die ausverkauften Apotheken gehen davon aus, erst wieder in 14 Tagen mit einer kleinen Charge der Medizin beliefert zu werden. Mir wurde geraten, mich sicherheitshalber in die Bestellliste einzutragen.“

 

Nun sitzt der Bruder mit dem Rezept auf dem Trockenen – wie viele andere Berliner, deren Nachfrage nicht bedient werden kann. Dabei wäre der Mangel an Medizinalhanfblüten im Handumdrehen beseitigt: Die Apotheker bräuchten nur eine notverordnete Sondererlaubnis für den Wareneinkauf im Görlitzer Park.

7 Antworten auf „Berliner Apotheken geht Cannabis aus

  1. patrick

    ZITAT:“„Eine Substanz, die gesundheitsschädlich ist, gibt man nicht frei.““

    … impliziert Nikotin und Alkohol sind unbedenkliche gesunde Substanzen!

    Imkompetente Aussagen, haltlose und unsachliche Argumente, Hetze und Lügen genau das ist die Taktik verdummter Substanzfaschisten!

    Wobei man es schon als krankhaften Größenwahn werten kann wenn jemand glaubt jemand anderem vorschreiben zu dürfen was er konsumieren darf und was nicht. Wobei es letzlich nur darum geht dem anderen einen Rausch bzw. ein Gefühl vorzuenthalten welches man für sich selbst nicht beansprucht.

  2. Littleganja

    Komisch bei mir in Hessen gibt es keinen Engpass, habe diesen Monat mal seit langem wieder meine 120 Gramm voll. Habe mal alle Quittungen zur Krankenkasse geschickt, mein Antrag liegt beim MDK. Laut meiner Apotheke gibt es in einer Woche wieder „Princeton (Ghost Train Haze)“, in ca. zwei Wochen „Houndstooth (Super Lemon Haze) & Penelope (CBD Skunk Haze).
    Die Preise haben sich bis dato bei meiner Apotheke nicht verändert, ca. 13€ pro Gramm, da wird auch nix zermalen oder ausgepackt!
    Mir liegt ein Musterrezept von meinem Arzt vor, da steht drauf „““Unzerkleinerte Cannabisblüten als Fertigarzneimittel“““, dann wird das so wie früher über versiegelte Dosen und vor allem unzerkleinert abgegeben. Und da ich 8x5Gramm Bedrocan, 8x5Gramm Bedica und 8x5Gramm Bedobinol drauf stehen habe muß noch der Buchstabe „““A“““ hinter die Arzneibezeichnung.
    Dann können die Apotheker auch den Preis nicht verdoppeln.
    -> Noch ein Tipp an alle Cannabispatienten die evtl. die Jahre zuvor auch schon ihre Medizin aus der Apotheke geholt hatten, die Quittungen wenn ein bestimmter Betrag erreicht ist, kann man bei der Steuer als besondere Belastung oder Aufwendung einreichen. Ist davon abhänig ob man Singel oder Verheiratet ist usw.
    Wer Arbeitet und Patient ist mal durch den Steuerberater prüfen lassen, bei sind sind es im letzten Jahr ca. 7000€ für Weed aus der Apotheke drauf gegangen, insgesamt ich habe die Erlaubnis seit Dezember 2015 – 11.000€.

  3. Fred

    Das man nicht mal objektiv mit „der Substanz “ umgeht. Wo sind die Nachweise für eine Gesundheitsgefährdung ? Wenn man in diesem Land schon keine Studien anstrengt, sollte man zumindest die Erkenntnisse aus dem Ausland beachten. In Amiland ist noch immer keiner tot umgefallen, in Holland kiffen genauso viele Jugendliche wie in Resteuropa.

    Hier bei uns werden schlicht Phrasen gedroschen bis der Arzt kommt. Damit sich am Status Quo nun ja nichts ändert. Die Pharmaindustrie kann weiter ihre organschädigenden Schmerzmittel unters Volk bringen, die Alkoholindustrie kann ohne jegliche Konkurrenz weiter ihre Suchtmittel produzieren, die Polizeigewerkschaft kann weiter mehr Polizei fordern ( auch eine Form der Mitgliederwerbung ) , man muss ja weiter Kiffer jagen.

    Man könnte diese Auflistung bis hin zum Produzenten für Drogentests weiterführen. Überall stösst man auf finanzielle Interessen, Besitzstandswahrung oder ähnliches. Um die Sache geht es irgendwie keinem.

    Liebe Frau Wenger, jeder der die Finger vom Alkohol lässt und stattdessen einen raucht, hat seiner Gesundheit sicherlich keinen Bärendienst erwiesen. Gleiches gilt für Schmerz, Beruhigungs oder Schlafmittel. Glauben sie nicht ? Gut, dann beweisen oder belegen sie das Gegenteil !

  4. Frank

    Hallo Rainer,
    ganz genau nur darum geht es bei den Verdummten Substanzfachisten. Also richten wir uns schnellstens
    unsre 400 Watt Hausapotheke ein und ab dafür. Alles andere wird doch allmählich nur noch lächerlich, oder?
    Steuerlich absetzbar – einwandfrei, gell !
    Greets Frank

  5. U-G

    Geiler Bericht und die Kommentare auch!!!

    Deshalb auch die KK-Krise.

    Das Gesetz erlaubt „Blüten“ unzerkleinert und ohne Aufschlag von den Apo-Theken-Titten auszuhändigen ob aus Holland oder Canada.

    Geil und wunderbar geschrieben von Sadhu van Hemp.

    „GEBT ENDLICH DAS CANNABIS FREI“

  6. Her damit

    Woa, mein Dealer will das Rezept nicht akzeptieren und die Apo ist leer, wenn man sic da mal nicht verrechnet hat. He Polizei, beschlagnahmt mal eben gutes Weed, ich habe da ein Rezept für 100g.

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