Donnerstag, 19. Januar 2017

Bundestag stimmt für Patienten

Kurzmeldung

Ein guter Tag für alle Cannabispatienten.

 

Bild: schmiddie

 

Heute stimmte der Deutsche Bundestag einstimmig für eine Versorgung schwer kranker Patienten mit Cannabis-Arzneimitteln auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Das Gesetz ermöglicht Ärzten Cannabisblüten wie andere Medikamente zu verschreiben. Patienten erhalten in bestimmten Fällen eine Kostenerstattung für Cannabismedikamente durch die Krankenkassen. Das Gesetz schafft die Grundlage für einen lizenzierten Anbau von Cannabis als Medizin in Deutschland.

Der Antrag der Linksfraktion, den Zugang zu Cannabis als Medizin umfassend zu gewährleisten wurde abgelehnt.

Mehr zum Thema gibt es bei den News von exzessiv und bald auch auf www.hanfjournal.de

 

 

30 Antworten auf „Bundestag stimmt für Patienten

  1. Jemand

    Weiß man schon wie das Gesetz nun im Einzelnen genau aussieht oder kommt das noch ? Denn mehr als ein halb durchdachtes schlecht umgesetztes Minimum vom Minimum erwarte ich auch hier nicht!
    Aner solange wir unser dilettantischen Politdarsteller nicht endlich zum Teufel jagen muss man um jeden auch noch so winzigen „Fortschritt“ dankbar sein! Ein Quantensprung (also die kleinstmögliche Bewegung überhaupt)!
    Das soll dann auch jedwede Diskussion um die Legalisieerung austrocknen…

  2. Gasterl

    Ich lese bei dem Thema immer nur von gesetzlichen Kassen. Wie sieht es bei Privatversicherungen aus?
    Ich bin bereits Patient mit Ausnahmegenehmigung und bin privatversichert – werde ich weiterhin selbst bezahlen müssen,oder müssen/werden auch die privaten Kassen die Kosten übernehmen?

  3. ADHSPatient

    Wird mir das Gesetz als ADHS-Patient in irgendeiner Weise Vorteile bringen, oder gelte ich als nicht schwer krank genug?

    Müsste ich auch weiterhin den Weg einer Ausnahmegenehmigung beschreiten?

    Freue mich riesig für alle Patienten denen durch dieses Gesetz geholfen wird. Dass die Kassen bezahlen müssen ist ein großer Erfolg.

    Hoffe das Thema Legalisierung/Medizin für alle (nicht nur schwerst kranke) wird im Bundestagswahlkampf nicht untergehen.

  4. Jemand

    @Gasterl das kommt wohl auf deine Versicherung an aber ich würde mal sagen : Ja das wirst du vermutlich selber zahlen

    @ADHSPatient Soweit ich das verstanden habe werden die Ausnahmegenehmigungen abgeschafft! Man bekommt stattdessen ein BTM Rezept vom Arzt wie es bspw bei starken Schmerzmitteln bereits der Fall ist! Von „bezahlen müssen“ stand allerdings nichts im Gesetzesentwurf aber mal sehen was die finale Fassung aussagt (auch über die Anwendungen bei ADHS)
    Was die Weiterführung der Legalisierung angeht…da dürfen vor allem wir nicht nachgeben! Erst wenn Cannabis so legal ist wie Alkohol haben wir gewonnen…vorher nicht!

  5. Gasterl

    @Jemand
    Diese Befürchtung habe ich auch.
    Ich gehe davon aus, dass das Gesetz so umgesetzt wird, dass nur die wenigsten ihre Medizin von der Kasse bezahlt bekommen. Eben weil sie nicht schwer krank genug sind (ist ja ein dehnbarer Begriff.).
    Und wenn es nicht für alle gilt, sondern nur explizit für die gesetzlichen sind Privatpatienten benachteiligt.

    Schade – ich hatte mich sehr gefreut, aber im Moment ist die Freude verflogen.

  6. Rübezahl

    Bravo Bundestag ! Doch Patienten brauchen Cannabis , das genau zu der Krankheit passt unter der sie leiden . Wenn der Erntezeitpunkt nicht korrekt ist ,dann kann das Kraut sein Potenzial nur teilweise entfalten . Doch welche Cannabisagentur achtet auf Mondphasen im Planetarium ?

  7. Gasterl

    @Littleganja
    Mir ist bewusst, dass Du auch die Ausnahmegenehmigung hast – aber ich wäre mit dem Danke noch vorsichtig (Ich bins auf jeden Fall) denn bisher hat meine Versicherung noch nichts bezahlt – ich bin mir nichtmal sicher, ob sie das zahlen wird. Dementsprechend ändert sich mit heutigem Tage erstmal noch nichts, bis Klarheit herrscht. Aber ich hoffe, ich werde irgendwann mal den Satz „Danke Frau Mortler“ ehrlich gemeint über die Lippen bringen – und das ist dann der Fall, wenn ich von der Versicherung ein Schreiben habe in welchem steht, dass sie die Kosten übernehmen.

  8. Jemand

    @Gasterl Bei der Ollen Plunzkuh würde ich mich selbst dann nicht bedanken wenn Gras morgen völlig legal wäre! Die steht für alles was ich an (einigen) Politikern abgrundtief hasse! Keine Ahnung vom Job aber grosse Fresse um mal nur ein Beeispiel zu nennen! Da bedanke ich mich erst wenn sie wahlweise den Löffel oder ihr Amt abgibt!

  9. Rainer Sikora

    Das der Antrag der Linken ohne hinreichende Begründung einfach so abgelehnt werden darf.Die Begründung müßte dann aber auch mit Fakten fundiert sein.

  10. Littleganja mit Ausnahmeerlaubnis

    @gasterl
    Glaub mir die Zahlen, ausgenommen du bist privat versichert oder bist wohlhabend.
    Das Gesetz ist so definiert das die zahlen müssen!

  11. Gasterl

    @LittleGanja
    Ich bin privat versichert – seit Jahren schon – und wie man den Medien entnehmen kann ist ein Rauskommen so nicht möglich. (also Wechsel in die GKV) – von daher denke ich leider, dass ich und viele andere Patienten wieder ins Leere schauen werden – zudem habe ich die Befürchtung, dass die Preise eher nach oben gehen werden pro Gramm als nach unten.
    Ich freue mich für die GKV-Patienten, keine Frage! Aber ich bin traurig drüber, dass ich und weitere 8,8 Millionen Menschen (Privatversicherte) von der Gesetzesänderung nicht beachtet werden. Ich dachte, der Sinn hinter dem Gesetz wäre, dass Patienten (egal wie vermögend sie sind oder welche Versicherung sie haben) ermöglicht werden soll, sich mit Ihrem Medikament ordentlich versorgen zu können. Das kann ich weiterhin nicht, weil ich mir die 3 Gramm am Tag nicht leisten kann, die Versicherung nicht bezahlt und ich nicht selbst meine Plflanzen in den Garten stellen darf.

  12. Michelle

    „Doch welche Cannabisagentur achtet auf Mondphasen im Planetarium ?“

    Ich bin mir gerade nicht wirklich sicher, ob du uninspiriert trollst oder ein Eso-Spinner bist.

  13. Jemand

    @Gasterl Einziger Zweck dieses Gesetzes ist den legalen Eigenanbau zu verhindern der auf gerichtlichem Weg ja schon fast durch gewesen wäre! Damit soll dann auch gleich die ganze Legalisierungsdebatte gestoppt werden! Und das darf auf garkeinen Fall passieren!

  14. ADHSPatient

    @Jemand:
    Definitiv richtig was du sagst! Das gilt vor allem für die scheinheilige CDU/CSU-Fraktion und teilweise für die SPD-Fraktion.
    Gibt genügend Staaten wo der Weg zur Legalisierung auch über medizinisches Cannabis geführt hat, also negativ denken sollten wir nun auch nicht (Kalifornien 1996->2016, Kanada, …).

    Auf jeden Fall müssen wir den Bundestagswahlkampf ausnutzen um das Thema in den Mittelpunkt zu stellen. Jetzt geht es um die Frage, ob man wirklich Menschen wegen des Besitzes einer Medizin in den Knast stecken soll, und ob der Steuerzahler wirklich für die Beherbergung solcher Personen aufkommen soll. Allein wie man diese Mittel anders sinnvoll einsetzen könnte, sollte sehr überzeugend sein.

  15. Rübezahl

    @Michelle
    Ich in mir aber gerade wirklich sicher, das du Cannabis nicht pur Konsumierst !

  16. Gasterl

    @Michelle
    So verkehrt ist die Aussage mit dem Mond nicht – gut „Planetarium“ im selben Satz identifiziert den Troll.
    Aber ich habe bei meinem Gemüse im Garten – oder auch beim Schneiden der Bäume/Sträucher extrem gute Erfahrungen damit gemacht, dies mit den Mondphasen zu machen.
    Dazu gibt es auch Ansätze in der Wissenschaft, dies zu erklären.
    Ich bin kein Eso-Fritze, habe aber auch keine Vorurteile und schaue mir solche Sachen gerne selbst an – und bei Mondphasen habe ich deutliche Änderungen erkennen können. Ich meine jetzt nicht, dass die Tomaten dann 3mal so groß werden oder sowas. Aber der Wuchs der Pflanzen und Früchte wird schon gesteigert und die Pflanzen sind meiner Meinung nach auch weniger Anfällig für Schädlinge usw – aber wie gesagt. Das ist meine Erfahrung mit den Mondphasen.

  17. Candy

    Eine Kostenübernahme darf nur in begründeten Ausnahmefällen abgelehnt werden. Nun würde mich brennend interessieren, welche Gründe das zum Beispiel sein könnten.
    Kommt es auf die Krankheit an? Oder nur auf die Austherapiertheit?

  18. Lichtgott

    Das Video ist epic, ein lallender Reporter und ein Gartenzwerg bei 5:10 min. Ich hab mich kaputt gelacht.

    Ganz gut, aber so wird das nichts mit einer Legalisierung! Mehr Werbung für die Lagalisierung muss es auch sein, die Leute müssen wählen!!

  19. ADHSPatient

    @hanfjournal

    Ein Bericht bei welchen Diagnosen das neue Gesetz Anwendung finden wird wäre hilfreich.

  20. ADHSPatient

    Hab selbst mal den Gesetzestext in der letzten Version überflogen.

    Ich bin kein Experte im Gesetze lesen, aber hier ist mein Eindruck:

    – Die Kostenübernahme gilt nur für Patienten der Palliativmedizin, was im Text quasi als sterbenskrank definiert wird.
    – Ausnahmegenehmigungen sind nicht mehr vorgesehen und mit einer Kostenersparnis wird gerechnet, da diese Bürokratie wegfällt.
    – Ärzten haben die Freiheit Cannabis zu verschreiben
    – Die Kassen können die Übernahme der Kosten allerdings einfach ablehnen, nur bei Patienten der Palliativmedizin sind dazu verpflichtet die Kosten zu übernehmen.

    Für Krebskranke usw. ist das neue Gesetz ein voller Erfolg. Was mich riesig freut? Aber was heißt das für Leute, die (wie ich) ADHS haben oder Depressionen, die vielleicht schon eine Ausnahmegenehmigung hatten (oder auch nicht, so wie ich). Ich rechne nicht damit, dass deren Kosten übernommen werden, denn die Kassen hätten so lange man nicht auf dem Sterbebett liegt, die Freiheit die Kosten nicht zu erstatten, welche sie sich wahrscheinlich auch nehmen werden.

    Meine Schätzung ist, dass man als ADHS/Depression/etc.-Patient möglicherweise mit dem richtigen Arzt an ein Rezept kommt, aber für diese Diagnosen leider die Kostenübernahme so gut wie ausgeschlossen ist. Was hieße, dass Cannabis gegenüber Psychopharmaka und Co weiterhin benachteiligt würde.

    Und da die Apothekenpreise voraussichtlich weiterhin unmöglich bleiben (15€ pro gramm und aufwärts…) werden sehr viele Patienten weiterhin auf dem günstigeren Markt einkaufen (ihr wisst alle welchen ich meine).

    Das Argument gegen den Eigenanbau (sollte wohl besser Eigenanbauverhinderungsgesetz heißen) ist ja die geprüfte Qualität und die konstante Wirkstoffkonzentration. Aber wenn jetzt ein an ADHS erkrankter Patient (und diese Krankheit ist chronisch) die Apothekenpreise nicht zahlen kann (vielleicht auch deswegen weil aufgrund der ADHS Probleme hat einen gut bezahlten Job zu bekommen) und sein Leben trotzdem verbessern will, dann wird er doch wohl trotz Rezept diesen anderen Markt wieder besuchen müssen (besonders wenn er keinen Geldscheißer daheim hat) oder den Eigenanbau Weg gehen müssen, obwohl dieser verhindert werden sollte. Was dann im Endeffekt bedeuten würde, dass viele Patienten wieder am Ausgangspunkt angekommen sind, und auch weiterhin mit Repression/Strafe/Angst etc. kämpfen müssen.

    Ich hoffe, dass ich viel zu pessimistisch bin! Bitte widerlegt mich!

  21. Littleganja mit Ausnahmeerlaubnis

    @ adhs
    Lass es besser mit Gesetzestexten lesen wenn du sie eh nicht verstehst.

    Im Text steht nicht sterbenskrank sondern schwer krank.

    Ablehnen dürfen die KK nur wenn du nicht Chronisch Krank bist.

  22. ADHSPatient

    @Littleganja:

    Ja, wahrscheinlich hast du Recht. Im Text kommt beides vor, Palliativmedizin wird dort besonders hervorgehoben, Zitat:

    „Die Palliativversorgung dient dem Ziel, die Lebensqualität und die Selbstbestimmung schwerstkranker Menschen, die an einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung leiden, zu erhalten, zu verbessern und ihnen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod zu er-möglichen. Um Versicherten in dieser Situation die Betreuung in der vertrauten Umgebung des häuslichen oder familiären Bereichs zu ermöglichen bzw. die Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen entsprechend zu er-gänzen, hat der Gesetzgeber in § 37b einen Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung geschaffen.Auch diesen Versicherten soll die Therapie mit Cannabisarzneimitteln zur Linderung der Symptome nach der hier neu geschaffenen Regelung zur Verfügung stehen. Da es sich um Versicherte handelt, deren Lebenserwartung begrenzt ist, ist die im Regelfall vorgesehene Frist zur Entscheidung über Genehmigungsanträge nach § 13 Absatz 3a Satz 1 von höchstens drei bzw. fünf Wochen bei Einholung einer gutachterlichen Stellungnahme, insbesondere der Einschaltung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung, nicht angemessen. Die Regelung verkürzt diese Frist daher für Versicherte, denen die Leistung im Rahmen einer Versorgung nach § 37b verordnet wird, auf einen Zeitraum von bis zu drei Tagen. Den Umständen des Einzelfalles angemessen haben Krankenkassen zügig zu entscheiden.“

    Davor wird von schwerwiegenden Erkrankungen gesprochen. Also, das was du meinst.

    Wir werden es schon bald alle in der Praxis erleben was es für unsere Diagnosen bedeutet etc., ich werde mir deswegen jetzt nicht weiter den Kopf zerbrechen, sondern demnächst einen Termin beim Arzt machen!

  23. Littleganja mit Ausnahmeerlaubnis

    @ADHS
    Zuzahlungsbefreiung bei der Krankenkasse beantragen 2% des Jahreseinkommen (bei schwer Behinderung) 1%. Und der Arzt kreuzt auf dem Rezept Zuzahlungsbefreit an, andernfalls zahlst du eh nur die Rezeptgebühren.
    So ist es zumindest bei den „normalen“ Medikamenten.

  24. ElSnyder

    Die Gesetzesänderung scheint mir für Patienten die unter die bisherige Ausnahmeregelung gefallen sind schon sehr positiv. Eine Menge Bürokratie und Aufwand wird wegfallen, auch werden sicherlich mehr Ärzte bereit sein die Therapie mit Cannabis zu unterstützen. Ich glaube aber nicht, dass sie für die große Mehrheit allzu viel ändern wird, zumindest nicht kurzfristig. So wie ich den Gesetzestext verstehe gilt die Verschreibungsfähigkeit nur für Patienten die eben bis jetzt auch die Ausnahmeerlaubnis erhalten hätten. Der Begriff „schwerwiegende Erkrankungen“ wird zwar nicht weiter definiert, in der Begründung werden aber explizit die Patienten erwähnt die bisher eine Ausnahmegenehmigung erhalten würden. Ebenso wird von schwerwiegend erkrankten Schmerzpatienten geredet. Ich glaube, dass ein Gericht das auch ziemlich eng auslegen könnte. Daher sehe ich es als sehr unwahrscheinlich, dass Ärzte sehr locker mit der Verschreibung umgehen werden. Wenn ich z.B. Schlafstörungen habe und keine Chemie zu mir nehmen möchte wäre Cannabis möglicherweise eine Alternative oder auch bei gelegentlichen Migräneanfällen. Bei solchen Fällen wird es glaube ich schwer die Erkrankung eindeutig als schwerwiegend einzustufen, zu dem gibt es eine Vielzahl an alternativen Medikamenten. Im Zweifel macht sich der verschreibende Arzt möglicherweise strafbar. Allein diese Unsicherheit wird womöglich viele Ärzte davon abhalten Cannabis zu verschreiben.
    Vielleicht sehe ich das auch zu pessimistisch aber ich glaube es wird mit diesem Gesetz schwer werden Cannabis verschieben zu bekommen wenn man nicht offensichtlich schwerkrank ist wie bei Krebs, MS und usw. Also nicht falsch verstehen, ich bin sehr froh, dass es endlich eine Erleichterung gibt für die Menschen die Cannabis als Medizin am nötigsten brauchen. Es wäre aber noch besser wenn Cannabis auch der breiten Masse und den nicht unbedingt schwer kranken helfen könnte.

  25. ADHSPatient

    @ElSnyder:
    Das ist auch genau meine Befürchtung. Ich weiß, dass ich die Ausnahmegenehmigung hätte bekommen können, allerdings waren mir die Hürden zu hoch und ich kannte keinen Arzt, der das mit mir gemacht hätte. Hab meine ADHS auch nicht mehr konventionell behandeln lassen, da alles was ich in den letzten Jahren durchprobiert habe leider fehlgeschlagen ist.

    Chronisch ist das ADHS definitiv (es wird leider niemals weggehen), aber ist es so schwerwiegend wie MS oder Epilepsie? Keine Ahnung. Jedenfalls macht ADHS mein Leben schwierig, um nicht zu sagen kaputt. Rein subjektiv ist es schwerwiegend!

    Aber werden Ärzte, Kassen und Gericht das genau so sehen? Beispielsweise habe ich schon Ritalin verschrieben bekommen, und selbst da musste ich die Medikamente selbst bezahlen, obwohl es natürlich chronisch ist, was bedeutet hätte, dass ich mein ganzes Leben lang Ritalin hätte selbst bezahlen müssen. Wieso sollten die Kassen jetzt Cannabis bezahlen, wenn sie mir nicht mal Ritalin bezahlt hätten (Ritalin hatte bei mir Furchtbare Nebenwirkungen, und war leider nicht das Richtige für mich, nur mal so nebenbei erwähnt)?! Die Hoffnung stirbt zuletzt, nur rein von der Logik her macht das alles keinen Sinn.

    Bei meiner Krankheit kann man mein Leiden nicht so einfach sehen/verstehen, wie z.B. bei jemandem, der einen Unfall hatte, oder der Anfälle bekommt, wie z.B. bei Epilepsie. Manche Leute unterstellen einem bei ADHS sogar eine Modediagnose und belächeln einen eher, bzw. glauben man würde keine echten Probleme haben, man wäre nur faul oder würde sich nicht richtig anstrengen. Depressionen habe ich auch, und auch da wieder das gleiche, sogar ein Psychotherapeut hat mir einmal unterstellt ich hätte keine Depressionen, obwohl ich jeden Tag an Selbstmord gedacht habe.

    Ich denke, das Positive an diesem Gesetz ist, dass der Arzt entscheidet ob Cannabis hilft und ob die Krankheit schwerwiegend und chronisch ist, und einige Ärzte werden Leute wie mich mit Sicherheit verstehen und sie werden mir helfen wollen. Aber was wenn Gerichte und Krankenkassen sich quer stellen und die Ärzte dann in solchen Fällen mit Verschreibungen vorsichtig werden?

    Das ist alles im Moment pure Spekulation, also werde ich jetzt abwarten und Tee trinken, und im März zum Arzt gehen.

  26. Rainer Sikora

    Jetzt noch für die allgemeine Legalisierung zu kämpfen ist jetzt noch schwieriger geworden weil der Gedanke Kiffen ist schädlich, überflüssig und von den Meisten nicht nachvollziehbar mit eingebettet ist. Cannabis ist nur fuer wenige Härtefälle annehmbar und ansonsten krimminelles Teufelszeug wird jetzt noch stärker in die Köpfe suggeriert.Wir haben alles gemacht was nötig war und brauchen jetzt nichts mehr weiter zu unternehmen wird es heißen glaube ich.

  27. Jemand

    @ADHSPatient bei ADHS kann man bei der jetzigen Praxis definitiv eine Sondergenehmigung bekommen! Micha hat glaube ich(!) deswegen eine und jemand vom DHV auch (mir fällt aber grad nicht mehr ein wer)
    Du solltest also auch nach der Regelung erfasst sein sofern die Praxis auch taugt (was sich eret noch zeigeb muss!)

    @Rainer Sikora Ja das befürchte ich eben auch! Bzw das die Bundesregierung jeden weiterführenden Versuch abtun wird! Von wegen man habe ja getan was nötig war aber die Risiken ohne medizinischen Nutzen ist zu hoch blabla (und dann das üblich inhaltsleere Gewäsch)
    Wir dürfen uns sicherlich kurz für freuen deren Leben dadurch erleichtert wird aber jetzt heisst es erst recht zu kämpfen für eine echte Legalisierung die diesen Namen auch verdient!

  28. ADHSPatient

    @Rainer Sikora:
    Die Gegenseite wird es genau so darstellen, wie du schreibst. Allerdings kann man es auch anders (und damit korrekt) interpretieren, und sagen, seht her Cannabis ist eben kein Teufelskraut, sondern eine Medizin. Noch dazu eine mit wenigen Nebenwirkungen, die auch noch bei sehr vielen unterschiedlichen Indikationen hilft. Das wird das Stigma weiter reduzieren, denke ich.
    In den meisten Staaten, in denen Cannabis legalisiert wurde, wurde es vorher erst mal für eine Weile als Medizin anerkannt. Hoffen wir, dass die vollständige Legalisierung keine 20 Jahre dauert wie in Kalifornien. In Kalifornien konnte dafür auch jedermann ohne große Probleme eine Verschreibung bekommen.
    Der Hauptgegner bleibt CDU/CSU und wahrscheinlich die AFD (soll in der AFD welche geben, die pro Cannabis eingestellt sind), also der konservative Block. Die SPD auf bundesebene auf unsere Seite zu ziehen ist das nächste realistische Ziel.
    Dann bleibt das Problem, dass es in Deutschland laut aktueller Umfragen wohl eindeutig eine rechte/konservative Mehrheit gibt, also selbst mit SPD auf unserer Seite werden wir kaum eine Legalisierung in der nächsten Legislaturperiode sehen. Denn wir wissen, dass Mutti die SPD in den nächsten Koalitionsverhandlungen einfach unterbuttern wird. Ich erwarte für die SPD ein historisch schlechtes Bundestagswahlergebnis, und um an der Macht zu bleiben werden sie sich freilich ducken, selbst wenn sie die Legalisierung jetzt noch schnell in ihr Programm aufnehmen würden (was ich nicht erwarte).
    Selbst bei einer Mehrheit im Bundestag wäre eine Koalition von Grünen/SPD/Linke/FDP wahrscheinlich niemals möglich, alleine schon weil Grüne und Linke die FDP ablehnen und umgekehrt. Auf bundesebene wollte vor einer Legislaturperiode zudem noch niemand mit den Linken koalieren. Und ob eine stabile Koalition mit diesen teils verfeindeten Parteien möglich wäre, ist die andere Frage.
    Ich denke wir müssen einfach weiter Aufklärung betreiben, und in den nächsten Jahren auf die Legalisierung in USA/Kanada/Uruguay usw verweisen, und da werden bestimmt noch viele Staaten dazukommen, bevor in Deutschland legalisiert wird.
    Es wird bestimmt keine zehn Jahre mehr dauern, was aber in jedem Fall zu lange ist.

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