Dienstag, 11. Oktober 2016

Feuer auf Marlene Mortler

 

Mortlers Meinung zum Geld und zum Gesundheitsschutz

 

hans-custo-feuer-auf-marlene-mortler

 

Beitrag von Hans Cousto

 

 

 

In den USA ist in der Hälfte der Bundesstaaten Cannabis als Medizin zugelassen. In diesen Bundesstaaten ist die Prävalenz von Todesfällen durch Überdosierungen mit ärztlich verschriebenen Opioiden (Schmerzmittel) durchschnittlich um ein Viertel niedriger als in Bundesstaaten, in denen Cannabis als Medizin nicht verfügbar ist. In ihrer Studie stellte Colleen Barry mit ihren Kollegen von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health fest, dass die Todesrate durch solche Überdosierungen im ersten Jahr nach der Legalisierung von Cannabis als Medizin um 20 Prozent geringer war, als in Bundesstaaten, in denen Cannabis als Medizin nicht verfügbar ist. Drei Jahre nach der Einführung von Cannabis als Medizin lag die Rate um 24 Prozent niedriger und sechs Jahre danach sogar um 33 Prozent niedriger. Medizinisches Cannabis hat in den USA schon Tausenden von Menschen das Leben gerettet.

 

In Bundesstaaten mit legalen Abgabestellen für medizinisches Cannabis (medical marijuana dispensaries) werden deutlich weniger Opioide als Schmerzmittel verschrieben, als in Bundesstaaten, in denen es keine solche Abgabestellen gibt. Dies ist von Vorteil für den Gesundheitsschutz und mindert die Behandlungskosten. Für die Aktionäre der Pharmaunternehmen, die Opioide herstellen, stellt diese Tatsache ein Problem dar, da die Rendite bei diesen Gegebenheiten kleiner wird. So ist es nicht verwunderlich, dass diese Unternehmen zu den größten Sponsoren der Gegner von Initiativen für medizinisches Cannabis gehören. Das Geld dieser Sponsoren dient auf jeden Fall nicht dem Gesundheitsschutz – ja, dieses Geld dient ausschließlich einer erhofften Gewinnmaximierung bei den entsprechenden Pharmaunternehmen.

 

Noch nie hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), solche Zahlungen kritisiert, obwohl es hier nicht um die Gesundheit, sondern in erster Linie ums Geld respektive um die Gewinnmaximierung geht. In anderen Zusammenhängen hat sich Marlene Mortler jedoch deutlich zu Cannabis, Geld und Gesundheitsschutz geäußert. So sagte sie im Interview mit Thomas Geisen, veröffentlicht am 7. September 2016 im Kölner Stadt-Anzeiger, wörtlich: „Und zum US-Bundesstaat Colorado, wo die sogenannte Legalisierung am weitesten fortgeschritten ist, muss man ganz klar sagen: Da geht es nicht um die Gesundheit, sondern in erster Linie ums Geld. Cannabis ist dort zu einer Gelddruckmaschine geworden. Wer diesen Weg einschlägt, der verharmlost diese Droge. Cannabiskonsum ist gesundheitsschädlich. Warum sollen wir, wo wir mit legalen Drogen wie Alkohol und Nikotin bereits genug Probleme haben, eine weitere Droge legalisieren? Nur weil es dem Zeitgeist entspricht?

 

Wenn man will, dass Cannabis nicht zu einer „Gelddruckmaschine“ wird, dann sollte man den Eigenanbau seitens der Patienten fördern – beispielsweise in sogenannten „Cannabis Social Clubs“. In solchen Einrichtungen entfällt jeglicher Handel und die Konsumenten respektive die Patienten wissen genau, wie ihr Kraut gewachsen ist und welche Dünger und Pestizide zur Anwendung kamen oder ob es sich gar um Öko- oder Biocannabis handelt. Da bei „Cannabis Social Clubs“ jeglicher Handel entfällt, entfällt auch für den Staat die Einnahme einer Mehrwertsteuer, da die Pflanze ja von Beginn an dem Konsumenten respektive dem Patienten gehört. Und für die Aktionäre der Pharmaunternehmen ist eine Medizin, die Patienten selbst anbauen können, nicht von Interesse, da dies den Umsatz mindert.

 

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Bundesregierung – wohl auf Druck der Lobbyisten der Pharmabranche – alles daran setzt, den Eigenanbau zu verhindern. Offenbar stehen nicht der Gesundheitsschutz und das Wohlbefinden der Patienten im Zentrum der Überlegungen bei der Ausgestaltung des Gesetzes für Cannabis als Medizin, sondern die Interessen der Lobbyisten und die sind stetig aktiv.

 

Die Firma Bionorica SE ist ein forschender, mittelständischer Hersteller pflanzlicher Arzneimittel mit Sitz in Neumarkt in der Oberpfalz. Nach der Übernahme der Frankfurter Firma THC-Pharm im Herbst 2014 besitzt das Unternehmen Bionorica das Monopol für das Rezepturarzneimittel Dronabinol (reines THC) auf dem deutschen Markt. Das Unternehmen hat bereits einen ersten Zulassungsantrag für Dronabinol als Fertigmedikament beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gestellt. Fertigmedikamente werden von Krankenkassen bezahlt, Rezepturarzneimittel nur in Ausnahmefällen. Geschäftsführer Prof. Michael Popp beschreibt das wirtschaftliche Potenzial der Arznei mit: „Das kann ein Blockbuster werden“. Als Blockbuster werden besonders erfolgreiche Arzneimittel mit einem jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Dollar bezeichnet.

 

Um die Gunst für ein solches Vorhaben bei den politischen Akteuren zu erhöhen, ist die Firma  Bionorica SE äußerst spendabel. In den letzten Jahren hat sie mehrere Zehntausend Euro an die CSU gespendet. Auch der FDP wurden schon höhere Beträge überwiesen. Über solche Geldflüsse hat sich die Drogenbeauftragte Marlene Mortler noch nie öffentlich aufgeregt, obwohl hier wieder eine Monopolstellung einer Firma auf dem Gesundheitsmarkt anvisiert wird.

8 Antworten auf „Feuer auf Marlene Mortler

  1. Cosmo

    Langweilig! Alles mehr und minder bekannt. Sich darüber aufzuregen, dass ich als Sklave nichts zu melden habe, mach ich lieber ein Nickerchen und leiste Passiv Widerstand.

  2. Jemand

    Was habt ihr von der alten Schachtel erwartet !? Die Frau ist entweder grenzdebil oder hochkorrupt! Oder beides! Also von der Schabracke nix neues

  3. Hans Furth

    Von wegen Langweilig, endlich mal jemand der den Kern der Sache anspricht! Super Artikel! Nur Bionorica wurde die Zulassung zum Medikament vom BfAM (Gröhes Resort) aber verweigert, wogegen sie gerichtlich vorgehen. Das eigentliche Monopol haben immernoch Gw-Pharma und Bayer mit Sativex und Epidiolex….Bayer die deren Produkte mit Exclusivrecht vertreiben dürfen! Bayer ist auch sehr CDU/CSU nah 😉 Diese Politische Korruption ist eine riesen Sauerei und gehört aufgedeckt und vor Gericht! Und die Monopolstellung wird nicht nur anvisiert, sie wird seid Amtsantritt von der Mortler gedeckt! Allerdings für Sativex und co. Nur deshalb hat der Gröhe sie ins Amt geholt. Dass auch jaaa garnichts vorangeht in der Drogenpolitik. Vorher wurde Familie Mortler aber noch eingekauft mit Saatgut-Verträgen von Pharmafirmen. Seht im Bundesanzeiger mal nach wann Pesika die es seit 1991 gibt große zahlen schreibt 😉 Oder warum der Langjährige Geschäftsführer einen Monat nach Amtsantritt und zulassungen von Sativex aussteigt? Dafür aber der Sohn oder Bruder mitmischen! Ein Perfides Spiel besonders um Sativex herum! Ist auch kein Zufall dass Frau Mortler zu dem Zeitpunkt ins Amt eingeführt wurde. Einen Monat vorher bekam Sativex Zulassungen für ganz Europa! Geheime Absprachen zwischen Bayer, Gröhe, Mortler…. aber sowas von! Übrigens wird die Monopolstellung des Anbaus auch für Bayerns Landwirte vorgesehen. Lasst euch überraschen 😉

  4. Jemand

    @Hans Furth Intressiert halt leider niemanden das nicht nur beim Thema Drogen/Cannabis Korruption und Geldgier über allem anderen steht! Vor Gericht zerren ? Das bringt nur etwas wenn die Gerichte wirklich unabhängig sind! Ja hier und da wird die Regierung durch ein Gericht in die Schranken gewiesen…im Zweifelsfall wird das Urteil allerdings nie vollstreckt (Haschisch Urteil von 1994 z.B.)!
    Es wird eig mal wieder Zeit für eine Revolution aber die Bevölkerung bekommt den Arsch halt nicht hoch…uns gehts wohl wirklich noch zu gut

  5. bloome

    Was ich beängstigend finde ist dieses „Zeitgeist“ Zitat.

    Immerhin ist es doch so, dass wir diese kontraproduktive Gesetzgebung – die all unseren rechtsstaatlichen Prinzipien widerspricht – einst nur deshalb eingeführt haben, weil es dem damaligen Zeitgeist entsprach! Heute soll dieser Fehler natürlich nicht korrigiert werden, nur weil es dem Zeitgeist entspricht die Verfassungsbrüche des letzten halben Jahrhunderts zu beseitigen.

  6. Gasterl

    @bloome
    Wohl wahr!
    Hier kommt die Politikerin mit Zeitgeist als „Anti-Argument“ bei vielen, vielen anderen Dingen ging alles sehr schnell und unüberlegt über die Bühne…dabei war der Zeitgeist da noch nicht soweit…er wurde diktiert. Auf die SChnelle.
    Siehe z.B. Atomausstieg … ohne Plan und Überlegungen einfach wegen einem Ereignis in Japan, welches durch einen Tsunami ausgelöst wurde……nur wegen dem Zeitgeist…..punkt punkt punkt.
    So unrecht mit „Sklave“ hat der erste Kommentar nicht. Wir werden hier diktiert….und keiner merkts, weil ja Demokratie drauf steht.

  7. dr.hc.thc

    Einfach nur eine faschistin, die durch ihr unterlassen nicht verhindert das es weniger opioid tote in Deutschland gibt!
    Unwissen schützt vor strafe nicht,hoffentlich bekommt sie irgendwann den prozess gemacht!
    Für mich eine massenmörderin!!!

  8. Egal

    Korruption?? Nein bei uns doch nicht!!
    Ich persönlich hoffe dass kein Politiker egal welcher Partei zum Kiffer wird. Nicht mal wenn ihm Medikamente und deren Nebenwirkungen dazu treiben, oder die Schmerzen!!!
    Wünsche allen Politikern, alt sollt ihr werden sehr alt. Und nie auf Cannabis als Medizin angewiesen sein.
    Ihr Massenmörder!!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.