Montag, 12. September 2016

Ein Polizist von Sinnen

 

Eine Glosse von Sadhu van Hemp

 

Besuch von den Grünen Männchen
Grafik: Marker

 

Seit Urzeiten vergleichen sich Menschen mit Tieren. Aus einem Geizhals wird ein Sparfuchs, aus einem Lügenmaul ein linker Hund und aus einem Langfinger eine diebische Elster. Auch für tugendhafte Leute gibt es aus der Fauna entlehnte Kosenamen, die wie die Faust aufs Auge passen: Fußballweltmeister Berti Vogts zum Beispiel wurde Terrier genannt, weil er hinter den Stürmern her war wie ein Wadenbeißer und selbst auf Schotterplätzen zur Blutgrätsche ansetzte.

 

Exakt dieser Typ Mensch findet sich nahezu überall – auch bei unseren Gesetzeshütern: Der Bertie Vogts der deutschen Polizei ist Rainer Wendt, der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Wird nach ihm gepfiffen, ist der 59-jährige Vollblutpolizist mit seiner großen Schnauze zur Stelle. Wie ein lästiger Köter am Abendbrottisch lässt er keine Ruhe und hat zu allem etwas zu knurren und zu bellen. Einem Hütehund gleich verteidigt der lauteste Polizist Deutschlands seinen Traum von einem starken Staat, der dringend mehr Recht und Ordnung braucht.

 

Wendt verdient fraglos das Prädikat eines „scharfen Hundes“, der in seinem Eifer gerne Grenzen überschreitet und voller Lust und Laune poltert und polarisiert. Der ganz weit rechts stehende und von der AfD umworbene CDU-Parteigänger macht keinen Hehl daraus, über das Grundgesetz hinaus zu „fühlen“ und sich die Welt so zurechtzubiegen, wie sie sich ein Polizist von rechtem Schrot und Korn wünscht. Ein Rainer Wendt hätte kein Problem mit einem Stacheldrahtzaun zur Sicherung der Grenze, und den Einsatz von Wasserwerfern, Pfefferspray und Schlagstöcken gegen friedliche Demonstranten bei den Stuttgart-21-Protesten verteidigte der ehemalige Schülerlotse mit den Worten: „Polizeiliche Einsatzmittel müssen Waffen sein, die weh tun, nur dann wirken sie.“ Wendt geht sogar noch weiter und forderte die Zulassung von Gummiwucht- und Gummischrotgeschossen.

 

Egal welches politische Auslaufgebiet – der Rainer setzt überall seine Duftmarke: Ob Vorratsdatenspeicherung, Racial Profiling oder Flüchtlingspolitik, zu allem hat er etwas Abscheuliches zu melden – und die mediale Aufmerksamkeit ist ihm gewiss, dem „Zwerg Allwissend“ in Sachen Gesellschaftspolitik.

 

Und so wundert es nicht, dass der geltungssüchtige Staatsdiener auch zum Thema „Hanfverbot“ seine Weisheiten verbreitet. Im Magazin des Deutschen Anwaltverein (DAV) durfte Wendt exklusiv aus den unterirdischsten aller unterirdischen Quellen seiner Wahrheitsfindung schöpfen und als Polizeispezialexperte Zeugnis darüber ablegen, weshalb der Hanf eine illegale Pflanze bleiben muss. Neben den üblichen Märchen und Lügen präsentierte Wendt auch jenen komplett irren Vorschlag, jeden, der mit Drogen aufgegriffen wird, zu einem Besuch bei der Drogenberatung zu zwingen: „Auch dann, wenn die Menge so gering ist, dass keine strafrechtlichen Schritte unternommen werden. Das wäre auch eine Erleichterung für die Polizisten, die dann nicht mehr das Gefühl hätten, umsonst zu arbeiten.“

 

Grandios die Begründung der geforderten Abstrafung für Hanfsünder! Die Polizisten sollen sich nach unnützer Arbeit besser fühlen – das hat was … was Perverses! Fehlt nur noch die Forderung nach einer Kopfprämie, damit die Polizisten ein richtig schönes „Gefühl“ haben.

 

Zum Glück ist Rainer Wendt nur der Chef der kleineren Polizeigewerkschaft, die im Schatten der konkurrierenden „Gewerkschaft der Polizei“ (GdP) dümpelt und somit nicht für alle Bediensteten spricht. Noch gibt es Polizisten, die festen Fußes auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen und die strikte Trennung der Staatsgewalten wahren. Entsprechend viel Widerspruch erfährt der wankelmütige Wendt aus den eigenen Reihen, die den leichtsinnigen Gedankenspielen des Kollegen nicht folgen wollen. Zumal Wendt längst in einer Reihe mit Thilo Sarrazin und Akif Pirinçci steht, also jenen zwielichtigen Gestalten, die bequem von zu Hause aus Deutschland retten wollen und zu diesem Zwecke so etwas wie Bücher verfassen. Nach „Deutschland schafft sich ab“ (Sarrazin) und „Deutschland von Sinnen“ (Pirinçci) beglückt uns nun noch der Polizist Wendt mit dem Machwerk „Deutschland in Gefahr“.

Höchste Zeit, dass in Deutschland Terrieralarm ausgelöst wird.

5 Antworten auf „Ein Polizist von Sinnen

  1. Substi

    Leider gibt es noch viel zu viele von diesen Unmenschen! Was ich nicht mach und brauch, macht und braucht auch kein anständiger Mensch, da die sich ja für Vorführexemplare ihrer Gattung halten! Widerwärtige alte Leute mit rassistischen und diskriminierenden Gedanken- und Gemütswelten, die glauben den Masterplan schon immer in der Tasche gehabt zu haben und mit PEGIDA und AfD jetzt Abscheu mit Bestätigung verwechseln, weil’s „NOT“ tut!
    Ohne Not, werden dann Leute die den Alk verabscheuen und alternativ das weniger schädliche Cannabis konsumieren, zu Staatsfeinden und Terroristen degradiert und zu Erziehungsmasnahmen gezwungen!
    Defacto: POLIZEISTAAT

    +++++++ GUTEN + ABEND++++++

  2. Lars Rogg

    Toll geschrieben und so treffend. Dieses A…meisenbärchen geht mir schon lange auf den Sack. Und obwohl er nur der Führer der kleineren Büttelkumpelschaft ist, wird der Hetzer dauernd interviewt, wenns ums Thema Legalisierung geht. Oft begleitet von Mortler und Thomasius. Was für ein Trio infernale…
    Trotz der doch inzwischen überall zugängliche Infos zum Thema Hanf, ziehen es manche Sender vor, diese Agitatoren zu Wort kommen zu lassen. Und zwar unwidersprochen !!

    Das ärgerliche ist, dass es genug Dummköpfe gibt, die Bücher von diesen Hetzmenschen kaufen und diese damit zu Millionäre machen.
    Absurd und perfide !!!

  3. Surak

    Das Wort „ermöglichn“ in dem Artikel ist aber Bayerisch, kein Deutsch, oder? 😀

    Das Problem, so scheint es, ist auch hier mal wieder die kategorische Trennung zwischen „guten“ und „bösen“ Drogen: Also die ‚guten Drogen‘; schriftlich verordnet vom lächelnden Halbgott in Weiß auf völlig legaler Basis, senden demnach die Botschaft aus, „sie seien nicht so schlimm“?

    Dieser Gedanke, würde ich meinen, kann kaum einem klar denkenden Menschen – und erst recht keinem Mediziner – jemals ernsthaft in den Sinn kommen! Aber es ist eben keine Ärzte- oder Apothekerzeitschrift, wo er sich da äußert, sondern ein Magazin für Anwälte: Also für üblicherweise pharmakologisch unbedarfte Leute, meist lebend in gewissem Wohlstand, die leidgeplagten Menschen eigentlich helfen sollten auf dem ewigen Spießrutenlauf durch die häufig nur allzu unmenschliche verwaltete Welt, oder?

    Nun sehen wir nicht allzu selten genau das Gegenteil: Wir sehen, wie mit Hilfe von Gutachten und Studien zwielichtiger Herkunft und Anwälten der gigantischen Rechtsabteilungen noch gigantischerer Pharmakonzerne Tag für Tag auf Basis der abenteuerlichsten Ausgeburten einer überbordenden chemisch-pharmazeutischen Industrie trotz aller Einwände der Wissenschaft und des gesunden Verstandes Milliarden über Milliarden gescheffelt werden. Wir wissen, wie teuer die damit verbundenen Zulassungsverfahren sind und wer sich so etwas leisten kann. Wir sehen auch die RC-Formeln, die es eben nicht so weit bringen und – zumeist irgendwie aus dem Labor geklaut – als Substanz lediglich den Weg in eine ’nicht illegale‘ Räuchermischung finden, die aber – versprochen von gütig lächelnden Politikern – demnächst auch verboten wird. Für dich – für mich – für uns alle und, vor allem: Für die armen Kinder, denn: Deutschland, wir schaffen das!

    Wir sehen dabei aber auch, wie das biblisch verbürgte – und somit im Rahmen der freiheitlichen Grundordnung alternativlos verfassungsrechtlich gedeckte – Recht des Menschen auf die überreiche (und zumeist pflanzliche) Apotheke der Natur nicht selten durch Schergen der verwalteten Welt, gerne vom Schlage eines Rainer Wendt, Tag für Tag und Jahr um Jahr mit Füßen getreten wird. Teilweise sogar im Wortsinne mit amtlich zugelassenen Sicherheitsstiefeln nach genormter Antistatikrichtlinie und mit Stahlkappen versehen, aber lassen wir solche Details mal großzügig beiseite, denn der Staat hat hier immerhin einen Erziehungs- und Bildungsauftrag.

    Nun, was kann ein Mensch machen? Entweder versuchen, sich innerhalb dieses Systems zu etablieren oder außerhalb. Daß die Systeme organisch ineinander übergehen könnten – welchem Polizeibeamten oder Anwalt ist das eigentlich bewußt? Wer von denen schneidet sich nach eigenem Ermessen freiwillig den Ast ab, auf dem er ängstlich zitternd hockt? Und welcher Mediziner kann seine Praxis nicht sogleich dichtmachen oder seinem netten Posten in der Klinik zum Abschied winken, wenn er sich aus den mafiösen Fängen seiner Zuliefererindustrie zu befreien versucht?

    „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“: Immanuel Kant hat uns allen das längst erklärt! Aber hat ihm wirklich jemand zugehört? Ich glaube, schon!

  4. E.B.

    Na ich weiss nicht, Lob für die GdP?
    „Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt die Freigabe aufgrund der Gefährlichkeit von Cannabis ab.“ (26.02.2016)
    „Jeglichen Rufen nach einer Freigabe erteilt die Gewerkschaft der Polizei nach wie vor eine klare Absage.“ (07.10.2015)
    Der kleine BdK ist in diesem Thema am aufgeschlossensten – wohl dem Gewissen der Mehrheit seiner Mitglieder geschuldet, die angewiesen sind, am hinterhältigsten in die Privatsphäre von solch willkürlich stigmatisierten Sittensündern einzudringen.

    Ich find’s übrigens bedauerlich, dass die Polizei ihre Ehre für eine recht stupide Geschmackspolitik besudelt. Wenigstens die Gewerkschaften könnten geschlossen gegen übermäßige Pauschalisierungen stehen.

    Und @Wendt: bitte ethisch herangehen, sprich, mit allgemeinen Regeln argumentieren. Grün verbieten, weil es eine Farbe ist, und gleichzeitg Blau ignorieren, tolerieren oder verteidigen, ist in lauteren Hirnen nicht opportun.

  5. Rainer

    Die Sorte Mensch die über andere Menschen befinden und bestimmen dürfen sind eigentlich überflüssig wie ein Kropf aber zu unserem Schutz und zu unserer Sicherheit wird deren Existenz von den Leuten die diese Begründung glauben für gut und notwendig gehalten.

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