Freitag, 13. Mai 2016

Decarboxylierung von THC und CBD

 

Der Kurs zu Cannabis als Medizin – Teil 6

 

Die optimale Decarboxylierung von THC und CBD durch Erhitzung

 

Decarboxylierung-Cannabis-THC-CBD

 

Von Dr. med. Franjo Grotenhermen

 

THC und CBD sollten vor der Einnahme erhitzt werden, damit sich die pharmakologischen Wirkungen vollständig entfalten können. Die optimale Form der Erhitzung ist von grundlegender Bedeutung für optimale Arten der Einnahme von Cannabisprodukten.

Cannabinoide liegen in der Hanfpflanze überwiegend als so genannte Carboxylsäuren vor. Durch Erhitzung werden die beiden THC-Säuren (THCA) in phenolisches THC und die CBD-Carboxylsäure (CBDA) in phenolisches CBD umgewandelt. Dieser Vorgang, bei dem ein Kohlendioxid-Molekül von der Säure abgespalten wird, wird Decarboxylierung genannt. Nur das phenolische THC verursacht psychische Wirkungen und auch die meisten – jedoch nicht alle – therapeutischen Effekte. Grundsätzlich gilt: bei hohen Temperaturen reichen wenige Sekunden, bei niedrigen sind Minuten bis Stunden erforderlich.

Wenn THC bzw. Cannabis allerdings zu lange erhitzt werden, dann wird THC weiter zu dem pharmakologisch nur sehr gering wirksamen Cannabinol (CBN) oxidiert.

 

Was also sind die optimalen Bedingungen zur Decarboxylierung von Cannabinoiden?

 

Dr. Rudolf Brenneisen, Professor an der Universität Bern (Schweiz), hatte bereits in den achtziger Jahren festgestellt, dass bei einer 5-minütigen Erhitzung von THC auf 190 °C eine vollständige Decarboxylierung stattfindet, ohne dass relevante CBN-Mengen entstehen. Im Jahr 2013 stellte er eine Studie zur Decarboxylierung von THC und CBD bei der Verwendung von Verdampfern (Vaporizern) vor. Bei einer Temperatur von 210 °C wurden vier verschiedene Vaporizer getestet, die sowohl THCA als auch CBDA fast vollständig zur Decarboxylierung brachten, beide Substanzen zu mehr als 98 Prozent innerhalb weniger Sekunden.

 

Auch Patente des britischen Unternehmens GW Pharmaceuticals geben Aufschluss über optimale Decarboxylierungsbedingungen. Sie beziehen sich auf niedrigere Temperaturen und eine längere Erhitzung. Mit den vorgeschlagenen Verfahren sollen 95 Prozent der sauren Cannabinoide in ihre phenolische Form umgewandelt und gleichzeitig der Abbau von THC zu CBN auf maximal 10 Prozent begrenzt werden. Danach sollte die Decarboxylierung vorzugsweise in 2 Schritten durchgeführt werden: Im ersten Schritt wird das Pflanzenmaterial für einen relativ kurzen Zeitraum auf eine erste Temperatur erhitzt, um Restwasser zum Verdampfen zu bringen und eine einheitliche Erhitzung des Pflanzenmaterials zu ermöglichen. Im zeiten Schritt wird das Pflanzenmaterial für einen längeren Zeitraum erhitzt.

Vorzugsweise soll der erste Schritt zur Umwandlung von THCA in THC über einen Zeitraum von 10-20 Minuten bei einer Temperatur im Bereich von 100 °C bis 110 °C durchgeführt werden. Im zweiten Schritt soll das Pflanzenmaterial für etwa 60-120 Minuten auf 100 °C bis 110 °C erhitzt werden. Bei diesen Temperaturen bleiben auch viele Terpene, die für den Geruch und den Geschmack und einige pharmakologische Effekte von Cannabis verantwortlich sind, erhalten. Soll CBDA in das neutrale CBD umgewandelt werden, so werden für die zweite Phase 120 °C für die Dauer von 60 Minuten angegeben. Das so erhitzte Pflanzenmaterial kann dann weiterverarbeitet werden.

 

Welche Zubereitungsformen bzw. Arten der Einnahme sind danach optimal?

 

Es ist nicht erforderlich, die optimalen Bedingungen für Temperaturen und die Zeiträume der Erhitzung zu erfüllen, jedoch gibt es gut und weniger gut geeignete Zubereitungen. Eine Erhitzung von 5 bis 10 Minuten auf 100 °C, wie sie bei der Zubereitung eines Cannabis-Tees erfolgt, führt nach Untersuchungen an der Universität Leiden nur zu einer unvollständigen Decarboxylierung der Cannabinoide und daher nur zu einer geringen Ausbeute.

 

Bei 100 °C sollte das Pflanzenmaterial für eine Zeitdauer von 60-120 Minuten erhitzt werden. Dies ist beispielsweise bei der Herstellung eines Cannabis-Olivenölextrakts umsetzbar. Dabei können einige Gramm Cannabisblüten in etwas Olivenöl oder ein anderes Öl gegeben werden, das dann in einem kochenden Wasserbad für ein bis zwei Stunden erhitzt wird. Die Cannabinoide und Terpene gelangen in das Öl und werden gleichzeitig decarboxyliert.

 

Cannabisblüten und -Blätter können auch im Backofen oder in einer Pfanne mit Fett decarboxyliert werden. Allerdings sollte man darauf achten, keine Temperaturen über 150 °C zu erreichen, da THC ab etwa 155 °C verdampft.

 

Bei der Herstellung von Haschischöl, einem konzentrierten Cannabisextrakt, beispielsweise mit Ethanol, werden niedrigere Temperaturen erzielt, da Ethanol bereits bei etwa 80 °C verdampft. Es könnte sein, dass dabei keine optimale Decarboxylierung erzielt wird und es besser wäre, vor der Extraktion eine Decarboxylierung beispielsweise im Backofen vorzunehmen. Leider liegen dazu keine wissenschaftlichen Daten vor.

 

Bei der Herstellung von Gebäck mit Haschisch oder zerbröseltem Pflanzenmaterial können normale Backrezepte verwendet werden. Meistens liegen die erforderlichen Temperaturen von 150-160 °C und die erforderliche Zeitdauer nahe beim Optimum.

 

Bei großer Hitze von 500 bis 900 °C, wie sie beim Rauchen einer Cannabiszigarette in der Glut entsteht, aber auch bei 210 °C beim Verdampfen von Cannabinoiden mit einem Vaporizer reichen wenige Sekunden aus, um THCA zu THC umzuwandeln oder zu „aktivieren“.

 

 

 

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8 Antworten auf „Decarboxylierung von THC und CBD

  1. https://diehanfinitiative.de/index.php/aktionen/38-medical-cannabis-declaration

    Sehr schöner Kurs. Es geht weiter. Danke, lieber Dr. Grotenhermen. Bitte unterstützt auch die Crowdfunding Aktion, an der Dr. Grotenhermen mitwirkt: https://diehanfinitiative.de/index.php/aktionen/38-medical-cannabis-declaration

    Wenn wir um etwas bitten dürfen liebes Haoj, lieber DHV und andere, bitte nutzt eure Reichwerte um auf die MCD-Aktion aufmerksam zu machen und dabei zu helfen, dass sie erfolgreich wird. Gerade Dr. Grotenhermen hat unsere Unterstützung und Mithilfe, in jeder Hinsicht, verdient. Lieben Dank. 🙂

    Wir als „Hanfinitiative“ überlegen zur Zeit auch, welche Aktionen wir demnächst intensiv starten werden. Wir haben Kontakt zu einigen Bundestagsabgeordneten und werden, abhängig von den Entscheidungen des BfArM, zum Eigenabau für bedürftige HanfpatientInnen, ggf. dazu eine große Aktion starten. Mit Öffentlichkeitsarbeit, einer Crowdfunding-Kampangne (Gelder sammeln), um PatientInnen ggf. aktiv bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen und Juristen, ganz allgemein, mit der Wahrnehmung und Durchsetzung unserer Interessen, unserer Menschenrechte, zu beauftragen. Dazu werden wir uns auch intensiv, länderübergreifend vernetzen und mit anderen Initiativen zusammen arbeiten, um Synergieeffekte zu nutzen. 🙂

    Liebe Grüße – und bleibt gesund und fröhlich – EURE „DIE HANFINITIATIVE“

  2. http://www.sueddeutsche.de/politik/aussenansicht-strafe-darf-nicht-sein-1.2989131

    Dr. Grotenhermen, der selbst ein schweres Schicksal zu tragen hat, hilft und setzt sich wie kein anderer Arzt in Deutschland, für die Rechte von Hanfpatientinnen ein. Deshalb möchte ich nochmals, mit allem Herzblut, darum bitten, seine Sache zu unterstützen. Letztlich kommt es allen Hanffreundinnen und Hanffreunden zugute, wenn wir eine große Akzeptanz und ein vertieftes Wissen, um Hanf als Medizin erhalten – und mit Vorurteilen gründlich aufräumen. Gerade das sind entscheidende Impulse, für ein Umdenken in der Gesellschaft. Denn kranke Menschen für die Nutzung von wirksamer Medizin auch noch zu bestrafen ist einfach „PERVERS“.

    Wir möchten dazu auch auf einen Artikel in der SZ aufmerksam machen, der das aufzeigt:

    [… Strafe darf nicht sein

    Wolfgang Nešković, 67, war Richter am Bundesgerichtshof und Bundestagsabgeordneter der Linken. Er ist Mitglied im „Schildower Kreis“, einer Experten-Initiative gegen die herrschende Drogenpolitik.

    „Die meisten Menschen wissen nicht, dass Hanf zum Beispiel bei der Herstellung von Papier, Seilen und Segeltuch von erheblicher Bedeutung ist. Sie wissen auch nicht, dass es mittlerweile elf anerkannte medizinische Indikationen für die Anwendung von Cannabis gibt. Hierzu zählt auch die Schmerztherapie. Immerhin hat das Bundeskabinett nun zugestimmt, dass schwerkranke Menschen mit Cannabis behandelt werden können. Und dass die Kosten dafür von den Krankenkassen übernommen werden.

    Doch bis hierhin war es ein steiniger Weg. Gerade bei der medizinischen Verwendung der Hanfpflanze hat die Regierung lange auf stur gestaltet und sich einem vernunftgeleiteten Diskurs verweigert. Eine Änderung dieser rigiden Verweigerungshaltung musste erst durch Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts erzwungen werden…“ …]

    Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/aussenansicht-strafe-darf-nicht-sein-1.2989131

    Wir kämpfen weiter – für Hanf als Medizin, für Hanf als Genusssmittel, für Hanf als Rohstoff und Nahrungsmittel – für unsere Menschenrechte. Danke nochmals an Dr. Grotenhermen und an Wolfgang Nešković. Verbreitet das Wissen! 🙂 Helft mit. Macht mit. Danke EUCH.

  3. https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1735186593429447&id=1643480862600021

    Ich möchte EUCH die GMM-Rede von der lieben Claudia empfehlen, die über ihre Krebsbehandlung mit Hanfblütenöl erzählt. Sie unterstützt auch andere Patientinnen und Patienten, die gerne Hanf als Medizin einsetzen möchten.

    https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=1735186593429447&id=1643480862600021

    Liebe Grüße an alle HanfpatientInnen, besonders an die liebe Claudia – und danke für die prima Rede, über die wir uns sehr gefreut haben 🙂

    PS wir denken über Deine Vorschläge/Ideen nach, etwas gemeinsam zu machen!

  4. Mörnest

    Man Hanfinitiatife, reicht nicht EIN Kommentar? Du verkraulst doch alle wenn immer am Thema vorbei schreibst, du hast doch ne eigene Seite, also bitte höre auf hier so viel neben das Thema zu posten, wir sollten doch zusammen halten, oder bist die Mortler und versuchst uns hier zu nerven?
    Ja Frei Welt, jeder wie er/sie es möchte, trotzdem kaperst du hier das HaJo mit deinen sehr langen Kommentaren die nie was mit dem Thema zu tun haben. Kurz dein Dienst ist kontraproduktiv.

    Zum Thema, ich wandler nix um, so hält es länger. Wer es als Nahrun nehmen möchte, wandelt es eh beim Backen oder Kochen um.

  5. https://www.facebook.com/379728802057813/photos/a.393606270670066.96952.379728802057813/1186995934664425/?type=3

    Hallo @Mörnest, wie genau definierst du den „kommentieren“ und „Kommentar“? Also weder „versuchen“ wir dich zu „nerven“ – ich wünsche dir sogar, das ist ernst gemeint, ganz ehrlich, gute Gefühle – noch sind wir/ich die „Mortler“, falls du unsere derzeitige Drogenbeauftragte meinst. Du musst doch meine/unsere Kommentare wirklich nicht lesen, wenn du solche Empfindungen dabei bekommst. Wo genau sind dir die Kommentierungen denn am Thema allgemein „Der Kurs zu Cannabis als Medizin – Teil 6“ vorbei? Claudia z.B. redet über Hanföl und Wolfgang Nešković schreibt, dass man Hanf als Medizin nicht bestrafen darf/soltte und begründet es. Diese Kommentare zu dem Artikel, mit Hinweis auf die MCD-Aktion von Dr. Grotenhermen, tangieren und kommentieren das Thema doch sehr wohl. Also kann von „Themaverfehlung“ doch nicht die Rede sein. Von „kapern“ kann also auch wirklich keine Rede sein, also warum nicht gelassen bleiben? Fachlich habe ich spezifisch nichts hinzuzufügen, falls du darauf abzielst, da Dr. Grotenhermen der ausgewiesene Experte ist und ich ihm nur zustimme, bzw. das Wissen „aufsauge“.

    Machs gut und bleib gesund und schönes WE wünschen wir dir

    PS wir solidarisieren uns mit dem „Selbsthilfenetzwerk“. So kann und darf es in der Medizin nicht zugehen. „HanfpatientInnen“ sind keine „Menschen dritter Klasse“! für die wir mal eben die Menschenrechte neu definieren. Siehe: https://www.facebook.com/379728802057813/photos/a.393606270670066.96952.379728802057813/1186995934664425/?type=3 Das Bild sagt alles.

  6. Mr Fuch

    Im Ofen mit 180/150°C wird das Gargut oder der Kuchen in der Backzeit aber nicht 180/150°C Grad heiß. Deswegen ist vorheriges Decarboxylieren & Extrahieren (was es im Kuchen auch nicht gut wird) besser.

  7. Ritva Hillgardt

    Das Erhitzen ist wieder eine neue Sache. Ich kaufte CBD-ÖL 5% und es sollte medizinisch angewendet werden, Lungenentzündung und eine offene Wunde heilen. Der Herbolario-Verkäufer hat keine Anweisungen gegeben. Es hat auch nichts geholfen. Und immer wieder steht vom Rauchen hier etwas. Dieses Zeug sollte gar nicht frei verkauft werden. Einige geben es Kinder, es sieht so aus, dass die Leute im Glücks-Rausch sind. Hauptsache, dass man Hanf frei bekommt. Ich habe so viele Bekannte gehabt, die Raucher von gew. Zigaretten waren. Nun sind sie tot. Zum Gesund-Werden ist Hanf bestimmt auch nichts. Es gibt allerlei Ärzte und Professoren, die Geld haben wollen, viel Geld. Die Gesundheit der Leuten ist denen scheiss-egal.

  8. Mr.Midori

    Hallo liebes HanfJournal Team 🙂
    Ich wollte euch nach der optimalen Methode fragen, um CBD-Blüten-Tee herzustellen. In eurem Artikel habt ihr bei Temperaturen um die 100 ° C, 60 bis 120 Minuten empfohlen. Damit dürfte sich eine Zubereitung als Tee doch recht umständlich gestalten, da ich eine viel größere Wassermenge einplanen müsste, um am Ende noch Tee und kein breiiges Dekokt zu erhalten. Mal abgesehen davon, dass man Tee immer frisch kocht bzw. bald verbrauchen sollte und schlecht auf Vorrat herstellen kann, wie z.B. Tinkturen, Öle usw. Empfiehlt ihr mir dann eher Cannabisöl bzw. Cannabisbutter herzustellen und diese/s dann für einen Tee in heissen Wasser aufzulösen? Gibt es dazu irgendwelche empfehlenswerten Rezepte (bzgl. Dosierung, Decarboxilieru gsschritte)? Kann das Öl bei einer so langen Erhitzung nicht auch „toxisch“ werden bzw. zu stark oxidieren und welches Öl/Fett könnt ihr diesbezüglich empfehlen – Kokosöl, Ghee? Vielen Dank für eure Bemühungen und euer Engagement! Gruß Julien 🙂

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