Sonntag, 10. April 2016

Der medizinische Nutzen von Cannabis und THC

 

Der Kurs zu Cannabis als Medizin – Teil 5

 

Medizin-Dispensary-Apotheke-Cannabis-medical-marijuana

 

Von Dr. med. Franjo Grotenhermen

 

Die meisten medizinischen Wirkungen von Cannabisprodukten basieren auf dem Cannabinoid Delta-9-Tetrahydrocannabinol, kurz Delta-9-THC oder THC. Es wird im medizinischen Zusammenhang auch Dronabinol genannt. Seit einigen Jahren tritt auch die Wirkung anderer Bestandteile der Cannabispflanze in den Blickpunkt des Interesses, darunter die von Cannabidiol (CBD), von Tetrahydrocannabivarin (THCV), einigen weiteren Cannabinoiden sowie Terpenen (ätherischen Ölen).

 

Dieser Teil des Kurses befasst sich mit den Wirkungen von THC und THC-reichen Cannabissorten. Mehr als zehn Cannabinoide zählen zum Delta-9-THC-Typ, von denen in der Pflanze vor allem zwei Delta-9-THC-Säuren vorkommen, die unter der Einwirkung von Hitze in das phenolische Delta-9-THC umgewandelt werden. Dieses phenolische THC (Dronabinol) verursacht die bekannten psychischen Wirkungen von Cannabis und ist auch für viele pharmakologische Wirkungen der Hanfpflanze verantwortlich. THC bindet an die beiden bekannten Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. Wird der CB1-Rezeptor durch THC aktiviert, so verursacht dies Schmerzlinderung, Muskelentspannung, Appetitsteigerung, Bronchienerweiterung, Hemmung von Übelkeit, Steigerung der Herzfrequenz und viele weitere Wirkungen. Die Aktivierung des CB2-Rezeptors durch THC hemmt Entzündungen und allergische Reaktionen.

 

Einsatzmöglichkeiten für Cannabis und THC ergeben sich für folgende Krankheiten und Krankheitssymptome:

 

-Übelkeit und Erbrechen: Krebschemotherapie, HIV/Aids, Hepatitis C, Schwangerschaftserbrechen, Übelkeit im Rahmen der Migräne.

 

-Appetitlosigkeit und Abmagerung: HIV/Aids, fortgeschrittene Krebserkrankung, Hepatitis C.

 

-Spastik, Muskelkrämpfe (Spasmen), Muskelverhärtung: Multiple Sklerose, Querschnittslähmung, Spastik nach Schlaganfall, Spannungskopfschmerz, Bandscheibenprobleme und Verspannungen der Rückenmuskulatur.

 

-Bewegungsstörungen mit einem Übermaß an Bewegungen (hyperkinetische Bewegungsstörungen): Tourette-Syndrom, Dystonie (zum Beispiel spastischer Schiefhals oder Lidkrampf), durch eine Behandlung mit Levodopa ausgelöste Dyskinesien bei der Parkinsonkrankheit, tardive Dyskinesien (eine mögliche Nebenwirkung von Neuroleptika, die bei Schizophrenie verwendet werden), essenzieller Tremor (Zittern).

 

-Schmerzen: Migräne, Clusterkopfschmerz, Phantomschmerzen, Neuralgien (Nervenschmerzen, zum Beispiel Ischialgie/Ischiasschmerzen), Menstruationsbeschwerden, Parästhesien (Kribbeln, Brennen, Ameisenlaufen) bei Zuckerkrankheit oder Aids, Hyperalgesie (verstärkte Schmerzempfindlichkeit), Schmerzen bei verspannter Muskulatur und Muskelkrämpfen, Arthrose, Fibromyalgie (Weichteilrheumatismus).

 

-Allergien: Asthma, Heuschnupfen.

 

-Juckreiz: starker Juckreiz bei Lebererkrankungen, Neurodermitis.

 

-Entzündungen: Asthma, Arthritis, Rheuma, Colitis ulzerosa, Morbus Crohn (eine chronische Darmentzündung), Neurodermitis, Psoriasis (Schuppenflechte).

 

-Restless-Legs-Syndrom.

 

-Psychische Erkrankungen: Depressionen, Angststörungen, bipolare Störungen (manisch-depressive Störung), posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Impotenz, Alkoholismus, Opiatabhängigkeit, Schlafmittelabhängigkeit, Schlaflosigkeit, Autismus, verwirrtes Verhalten bei der Alzheimer-Krankheit.

 

-Überproduktion von Magensäure: Magenschleimhautentzündung.

 

-Erhöhter Augeninnendruck: Glaukom (grüner Star).

 

-Verstärkte Schweißneigung (Hyperhidrosis).

 

-Tinnitus (Ohrgeräusche).

 

-Weitung der Bronchien: Asthma, Luftnot bei anderen Erkrankungen der Atemwege.

 

-Epilepsie.

 

-Singultus (Schluckauf).

 

-Akte inversa.

 

-Förderung der Wehentätigkeit bei der Geburt.

 

 

Zu einigen dieser Erkrankungen und Symptome, wie vor allem Spastik bei Multiple Sklerose, chronische neuropathische Schmerzen, Appetitlosigkeit bei HIV/Aids und Übelkeit aufgrund einer Krebschemotherapie liegen umfangreiche kontrollierte klinische Studien vor, die die Wirksamkeit belegen. Für die meisten der oben genannten Indikationen gibt es nur kleine, häufig unkontrollierte Studien oder Fallberichte.

 

 

14 Antworten auf „Der medizinische Nutzen von Cannabis und THC

  1. Es war, als hätt' der Himmel Die Erde still geküßt, ...

    Was für eine wunderbare Pflanze!
    Was für ein „Zauberkraut“!
    Was für ein Geschenk der Götter!

    So empfinde ich das:


    Es war, als hätt‘ der Himmel
    Die Erde still geküßt,
    Daß sie im Blütenschimmer
    Von ihm nun träumen müßt‘.

    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es rauschten leis die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.

    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.

    Joseph Freiherr von Eichendorff: „Mondnacht“

    Lieben Dank und liebe Grüße Dr. Grotenhermen 🙂 🙂 🙂 und alle lieben Seelen im Lande

  2. Supernova - Sternenstaub am Meeresboden?

    @Cosmo, ich weiß nicht was Du meinst?

    Meinst Du den Link zur kleinen Super:-)novaleigh?

    [… The photo on the left is perfectly legal and encouraged by the medical community. Even on all of those medications, novaleigh was seizing hundreds of times a day.

    The photo on the right means that our four year old child is considered a criminal on a federal level. She is not allowed to cross state lines. She now has one seizure a month.

    Which one would you choose if this were YOUR child?

    ‪#‎cannabisCAN‬ ‪#‎stoptheseizures‬ ‪#‎illegalyhealed‬ …]

    Bitte erkläre Dich. Danke.

    LG http://www.diehanfinitiatve.de 🙂 🙂 🙂

  3. Mykala had T-cell acute lymphoblastic leukaemia, a very rare and aggressive form of childhood leukaemia.

    „Mykala had T-cell acute lymphoblastic leukaemia, a very rare and aggressive form of childhood leukaemia.“

    Unser kleine Freundin Mykayla wurde mit einer sehr aggressiven Form von Blutkrebs diagnostiziert, als sie gerade 7 Jahre alt war. Als die Werte sich verschlechterten und eine Knochemarkstransplantation angeraten wurde, entschieden Ihre Eltern sich für eine Behandlung mit Cannabis. Ihre Werte verbesserten sich rapide. Heute, ist sie gesund (krebsfrei) und wir drücken ganz fest die Daumen, dass es so bleibt, liebe Mykayla. 🙂

    Ein Video mit Mykayla und ihrer Mutter (in Englisch)

    LG 🙂 🙂 🙂 und alles Liebe und Gute

  4. jimmy

    Kann Cannabis auch als Ersatz für Benzodiazepine verwndet werden? Z.B. bei der Behandlung von Alkoholabhängigkeit?

  5. http://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/

    @jimmy, ich habe jetzt gerade keine Studie zur Hand, jedoch kenne ich persönlich einige Fallgeschichten, von Menschen, die ihre Alkhoholabhängigkeit dank Cannabis erfolgreich überwunden haben.

    Rat könntest Du ebenso vom ACM erhalten, oder vom SCM, der Patientenselbshilfegruppe des ACM. Leider ist ja Cannabis bei uns illegal, wie Du sicher weißt, so dass einer möglichen Behandlung gesetzliche Hürden im Wege stehen würden, es sei denn du hast (oder beantragst) eine Ausnahmegenehmigung beim BfArm, – und hast natürlich ärztliche Unterstützung – was einige Zeit dauern kann. Mehr Infos bekommst Du unter dem obigen Link oder beim ACM. Ob eine Genehmigung, im Falle von Alkoholabhängigkeit erteilt würde, weiß ich jetzt leider nicht.

    LG 🙂 🙂 🙂 auch Dir alles Gute und viel Kraft

  6. jimmy

    Hallo liebes Selbsthilfenetzwerk,
    meine Frage bezieht sich auf die Entgiftung in der Klinik, wo als Medikamente Benzodiazepine eingesetzt werden um Krampfanfälle und Delir zu verhindern. Auch werden die Medikamente gegen Tremor eingesetzt.
    Ich finde es hat dann einfach nichts mit entgiften zu tun, wenn opiathaltige Medikamente eingesetzt werden, die auch sehr schnell abhängig machen. Da wäre ein naturelles mittel wie Cannabis eine sehr gute Alternative!!!
    Nach mein Ermessen, ist Cannabis als Medikament in einer Langzeittherapie bei einer Alkoholerkrankung nicht immer geeignet, da die Gefahr einer Suchtverlagerung besteht… Aber bei Härtefällen vielleicht die bessere Alternative…??? Studien dazu wären auch da Ratsam.

    Legalize IT

    An Euch auch ganz liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg bei Eurer Arbeit

  7. www.diehanfinitiative.de - SYSTEM PARADOXON

    Lieber @jimmy 🙂 danke für die nette Antwort und die lieben Grüße. Ich (wir) sind von der „diehanfinitiative.de“ – aber macht ja nix 😀 Im SCM sind sehr nette Menschen organisisert, die sich als Hanfpatientinnen gegenseitig helfen.

    „Wir sind das SCM, die Patienten-Selbsthilfe innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“, ACM. Sehr aktive Gruppe, die aufklärt und Patienten aktiv unterstützt.“

    Zur „Suchtproblematik“ habe ich persönlich eine sehr eigene Ansicht, die vor allem durch zahlreiche „Selbst-“ und „Therapieerfahrungen“ geprägt ist, vor allem durch die Werke und die Forschungen von Dr. Arthur Janov. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, sich auf eine so intensive Reise zu sich selbst zu begeben. Ansonsten stimme ich Dir zu. 😉 Falls Dich das interessiert kannst Du hier schmökern, ist allerdings in Englisch: http://cigognenews.blogspot.de/2016/04/now-about-this-addiction.html

    Liebe Grüße und danke für die netten Worte 🙂 🙂 🙂 bleib gesund!

  8. www.diehanfinitiative.de - Coltyn Turner soll leben!

    Wenn ich so etwas sehe, kommen mir die Tränen in die Augen. 🙁 Echt. Es ist so traurig, wie wir jahrelang betrogen wurden, unsere Kinder mit „Medikamenten“ zugepumpt werden, die schwerste Nebenwirkungen haben und es eine Pflanze gibt, die hilft und UNS VERBOTEN ist. Das ist so traurig. Wohin hat sich unsere Gesellschaft nur bewegt, die letzen Jahre?

    SO TRAURIG! als liebende Eltern. 🙁

    http://illegallyhealed.com/why-illegallyhealed/

    [… The absurdity and inhumanity of cannabis prohibition have turned millions of people around the world into criminals for simply trying to save their own lives. Many patients cannot acquire safe, affordable cannabis, and even if they can, they often don’t know how to use it most effectively.

    Humans die every single day as a direct result of cannabis prohibition. The entire cannabis plant must be globally legalized, with access and research allowed to flourish.

    Illegally Healed – These are two words that just don’t belong together. You should not have to do something illegal in order to become healed. This hashtag was created as a way for advocates to reveal the truth about this life saving medicine, while reminding us all of the struggles patients are going through to receive it.

    Our mission is to produce engaging content related to cannabis science, be a platform for patient testimonials, and medicinal cannabis news. This content helps educate the community about the full healing capabilities of cannabis, enables thoughtful discussion, and encourages powerful activism.

    “We work directly with patients, doctors, and leaders in the cannabis field to increase education and reach lawmakers.” -Justin Kander, Editor-in-chief #illegallyhealed

    Through these and other activities, #illegallyhealed ultimately hopes to accelerate medicinal cannabis legalization and utilization across the world. We know we cannot do this alone, and only by working together with the community at large will true change be realized.

    You can support the #illegallyhealed movement by joining us on Facebook …]

    🙂 🙂 🙂 Alles Gute und Liebe Coltyn Turner (15 Jahre alt und Morbus-Crohn-Patient – toller Junge 🙂 )

  9. moep

    CBD und Sativex helfen mir sehr gegen meine chronische Migräne – kein anderes Schmerzmittel hat bei mir auch nur annähern eine so gute Wirkung. In der Bevölkerung bestehen aber noch viele Vorurteile und Unwissen gegenüber Cannabis und Cannabinoiden. Das wird sich nur sehr langsam abbauen…

  10. Cornelia Dähling

    Hallo.
    Ich leide seit 20 Jahren an Rückenschmerzen und Verspannungen der Becken und Rücken Muskulatur und bin mittlerweile so eingeschränkt, dass ich kaum noch etwas unternehme, obwohl ich erst 34 bin. Ich habe eine leichte Skoliose und mein linker Oberschenkelhals Knochen ist aufgrund eines Autounfalls mit drei Jahren etwas länger. Dadurch ist mein Körper in einer kompletten Dysbalance und ich vermeide daher, zu gehen und zu stehen. Wenn ich in der Vergangenheit in den letzten Jahren Gras geraucht habe, wurden die Verspannungen viel stärker. Dennoch möchte ich nun Cannabis als medizinische Unterstützung für mein Muskel Problem ausprobieren. Könnt ihr mir eine Empfehlung geben, welche Mischung von THC und CBD und welche Form geeignet sein könnte? Ich habe bereits 4%ige CBD Tropfen ausprobiert, welche außer Müdigkeit nichts bewirkten.
    Über eine Antwort würde ich mich riesig freuen.
    Danke Cornelia

  11. Cornelia

    Hallo
    Ich leide seit 20 Jahren an Rückenschmerzen und Verspannungen der Becken und Rücken Muskulatur und bin mittlerweile so eingeschränkt, dass ich kaum noch etwas unternehme, obwohl ich erst 34 bin. Ich habe eine leichte Skoliose und mein linker Oberschenkelhals Knochen ist aufgrund eines Autounfalls mit drei Jahren etwas länger. Dadurch ist mein Körper in einer kompletten Dysbalance und ich vermeide daher, zu gehen und zu stehen. Wenn ich in der Vergangenheit in den letzten Jahren Gras geraucht habe, wurden die Verspannungen viel stärker. Dennoch möchte ich nun Cannabis als medizinische Unterstützung für mein Muskel Problem ausprobieren. Könnt ihr mir eine Empfehlung geben, welche Mischung von THC und CBD und welche Form geeignet sein könnte? Ich habe bereits 4%ige CBD Tropfen ausprobiert, welche außer Müdigkeit nichts bewirkten.
    Über eine Antwort würde ich mich riesig freuen.
    Danke Cornelia

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