Donnerstag, 11. Februar 2016

Interview mit Macka B

 

von Janika Takats

 

„Marihuana tut niemandem weh und die Polizei hätte wirklich besseres zu tun, als Konsumenten zu verfolgen.“

 

Foto: Janika Takats
Foto: Janika Takats

 

 

Macka B wuchs als Sohn jamaikanischer Eltern in Großbritannien auf und begann erst eine Ausbildung als Ingenieur, die er jedoch nicht beenden konnte, da die betreffende Fabrik geschlossen wurde. Daraufhin widmete er sich ganz seiner Karriere als Musiker und begann sein Leben nach den Glaubenssätzen der Rastafari zu führen. Mehrere Jahrzehnte sind seitdem vergangen und Macka B gehört nach wie vor zu den wichtigsten Akteuren der britischen Reggae-Szene. In seinen Liedern setzt er sich mit der richtigen Art zu leben und den Geschehnissen in der Welt auseinander. Außerdem fordert er seit langem die Legalisierung von Cannabis und befasst sich musikalisch mit dem für die Rasta so wichtigen Kraut.

 

 

 

Vor einer Weile ist dein neues Album herausgekommen. Was kannst du mir darüber erzählen?

 

Die neue Scheibe heißt „Never Played A 45“ und wurde auf dem Peckings Label aus Großbritannien veröffentlicht. Das Album besteht aus Foundadtion Riddims auf die ich meine Texte gevoicet habe. Es sind Riddims von damals, die ich geliebt habe, als ich noch jung war. Dabei habe ich diverse Styles für verschiedene Geschmäcker gewählt. Bisher läuft es wirklich gut. Viele Leute scheinen die Platte zu mögen. „Never Played A 45“ ist der Titelsong. Es geht um Vinyl. Jeder weiß, dass Vinyl wieder im Kommen ist. Der Track „Medical Marihuana Card“ ist ebenfalls drauf. Dieser Tune wurde zusammen mit dem Video wirklich groß. Zu „Rasta Tell Dem“ gab es ebenfalls ein Video. Ein anderer Song heiß „Too Much Chicken“. Macka B ist Veganer und ich will, dass die ganze Welt sich zum Veganismus bekennt (lacht). Daher versuche ich die Leute zu überzeugen. Ich bin dankbar für das positive Feedback, dass ich bisher für „Never Played A 45“ erhalten habe.

 

Was hat dich dazu gebracht stilistisch wieder zu den Foundation Riddims und dem old school Style zurückzukehren?

 

Das Label Peckings hat sich darauf spezialisiert. Sie machen im Prinzip nichts anderes. Alle ihre Riddims sind Foundation Riddims. Sie haben einen Plattenladen in London und verkaufen immer noch LPs und 45s. Sie sind wirklich old school und haben bisher ein Album mit Bitty McLean sowie Gappy Ranks auf den alten Riddims gemacht. Auf einer Party habe ich dann einen der Brüder Chris Peckings getroffen. Er sagte, dass er meine Musik schon seit Jahren höre und daher mit mir zusammen arbeiten wolle. Der erste Track, den wir aufgenommen haben, war „Never Played A 45“ und er hat ihm so gut gefallen, dass wir beschlossen haben ein ganzes Album zu machen. Ich liebe diese Riddims ebenfalls, daher war es auch für mich ein großes Vergnügen.

 

Würdest du sagen, dass die Musik damals einfach besser war oder Vinyl das bessere Medium ist?

 

Ich würde durchaus sagen, dass die Musik damals besser war. Heutzutage ist es zu einfach Musik zu machen. Es braucht heute keine Musiker mehr, um einen Song zu erschaffen. Das macht sich natürlich qualitativ bemerkbar. Früher spielte man in einer Gruppe. Der Gitarrist, der Bassist oder der Schlagzeuger haben ihren Beitrag geleistet. Es ging um den Vibe, der entstanden ist, wenn all diese Menschen zusammen gekommen sind. Dadurch waren die Melodien erfindungsreicher und mit Leben gefüllt im Gegensatz zu heute. Ich erinnere mich daran, wie ich als kleiner Junge Vinyl für das Sound System gekauft habe. Der Plattenladen war unser Treffpunkt und wir haben all unser Geld für neue Singles ausgegeben. Mit Platten hat mein ein physisches Objekt in die Hand bekommen, das man mit nach Hause nehmen konnte. Es war wie ein Schatz, den man besitzen konnte. Die jungen Leute heute haben ihre Musik einfach auf dem Computer. Dort kann man es nicht fühlen bzw. anfassen, daher wird es auch nicht mehr so gewürdigt. Die Musik wird nicht mehr respektiert. Man hört sich ein Lied für zehn Sekunden lang an und springt dann zum nächsten. Wenn du eine Platte kaufst, muss du sie auch anhören, weil du dein Geld dafür ausgegeben hast und du dir vorher genau überlegt hast, was du tust. Das tollste ist, dass man manchmal ein Album wegen eines einzigen Songs kauft und dann zu Hause beim Hören des gesamten Albums feststellt, dass man eigentlich viele Songs der Platte toll findet.

 

Du lebst in Großbritannien und deine Eltern sind Jamaikaner. Hast du im Laufe deiner Karriere versucht stets eine enge Bindung zu Jamaika bzw. dem dortigen Musikstil zu halten oder siehst du Europa eher als deine Basis an?

 

Ich habe mich immer an der jamaikanischen Interpretation von Reggae und Dancehall orientiert. Dort hat die Musik ihren Ursprung, daher ist es wichtig diesen Stil zu respektieren. Der englische Style ist wir ein Ableger des jamaikanischen Vorbilds. Als Kind habe ich habe ich  jamaikanische Interpreten wie I-Roy, U-Roy oder Big Youth und so gehört. Sie waren es, die mich geprägt und inspiriert haben. Wir leben in Großbritannien doch letztendlich bin ich aufgewachsen als wären wir auf Jamaika. Wir aßen jamaikanisches Essen und mein Vater hat mit uns nur Patois zu Hause gesprochen. So sind wir aufgewachsen und wir haben es geliebt. Ich habe vier Schwestern auf Jamaika und drei Brüder. Ich bin also oft dort drüben. Ich versuche also eher den Orignialstyle in Europa und auf der ganzen Welt zu verbreiten. Das ist meine Aufgabe um die es mir geht.

 

Du bist ein Rasta und hast dich dazu entschieden dich vegan zu ernähren. Wie kam es dazu?

 

Im Alter von 16 Jahren habe ich aufgehört Fleisch zu essen. Damals wurde ich ein Rasta und habe beschlossen, dass Fleisch nichts mehr für mich ist. Ich habe angefangen, das was ich esse mit dem jeweiligen Tier zu identifizieren. Wenn man das tote Stück Fleisch auf seinem Teller hat, kann man das leicht vergessen, aber es handelt sich dabei um Lebewesen. Ich hörte also auf Fleisch zu essen, habe allerdings weiter Fisch gegessen, wie es viele Rastafari tun. Doch Fische haben auch Augen und ein Gesicht, also habe ich auch damit aufgehört, hauptsächlich aus ethischen, aber auch aus gesundheitlichen Gründen. Die Art und Weise wie Tiere heute gezüchtet werden, ist einfach nicht richtig und schadet unserer Gesundheit. Wir sind nicht dafür geschaffen Fleisch zu essen. Wenn du auf der Straße ein totes Tier sehen würdest, käme es dir nie in den Sinn an dein Abendessen zu denken. Jedes andere fleischfressende Lebewesen würde sich hingegen sofort darauf stürzen. Menschen rennen hingegen eher davor weg. Vielleicht ist der Fleischkonsum für uns doch nicht so natürlich wie wir glauben. Daher habe ich mich dazu entschieden mich vegan und ital zu ernähren. Ein gesunder Körper bedeutet einen gesunden Geist. Deshalb hat Macka B ein so großes Durchhaltevermögen und die Leute sagen mir, dass ich mit den Jahren immer besser werde.

 

Du hast bereits den Song „Medical Marihuana Card“ auf dem neuen Album erwähnt. Was ist die Geschichte dahinter?

 

Ein Vorfall in Kalifornien hat mich zu diesem Song inspiriert. Die Geschichte hat sich also wirklich so ähnlich zugetragen. Ich war zusammen mit einem Freund im Auto unterwegs. Wir wurden von der Polizei angehalten und sie haben Marihuana bei ihm gefunden. Ich habe damit gerechnet, dass wir nun ziemliche Ärger bekommen würden, doch mein Kumpel hat dem Polizisten einfach seinen Medical Marihuana Card – also seinen Ausweis, der ihm zum Besitz von medizinischem Cannabis berechtigt – gezeigt und sie haben uns weiter fahren lassen. Das hat mich sehr überrascht. Als ich dann wieder im Hotel war, habe ich in die Zeitung geguckt und dort wurde medizinisches Cannabis richtig beworben und dass man für verschiedene Beschwerden wie Kopfschmerzen, Migräne oder Asthma so eine Karte bekommen kann. Da habe ich erst realisiert wie groß die Sache in Kalifornien ist. Zurück in Großbritannien habe ich dann meinen Arzt gefragt, ob es etwas Vergleichbares bei uns gibt. Dies ist jedoch leider nicht der Fall.

 

Derzeit passiert ja ziemlich viel auf der Welt, was die Legalisierung bzw. Entkriminalisierung von Marihuana betrifft. Auch auf Jamaika gibt es neue Regulierungen…

 

Big up Jamaica! Es wurde auch langsam mal Zeit. Ich habe schon vor einer Weile einen Song darüber gemacht. Ich konnte einfach nicht fassen, dass die Gesetze auf Jamaika so strikt sind. Dort gibt es das beste Ganjah auf der Welt (lacht). Auch wenn es noch nicht komplett legalisiert wurde, ist die Entkriminalisierung ein erster wichtiger Schritt, den besonders die Rastafari seit langem gefordert haben. Das beste und wichtigste ist, dass du dein eigenes Ganjah anbauen kannst. Auf Jamaika ist das Klima dafür perfekt. Man muss einfach ein paar Samen im Garten aussähen.

 

Wie ist die Situation in Großbritannien derzeit?

 

Bei uns ins es illegal, doch daran wird sich bestimmt bald etwas ändern. Sie folgen Amerika. Wenn die USA niesen, bekommt England eine Erkältung. Alles das die da drüben machen, wird auch irgendwann bei uns ankommen. Es wird vielleicht noch fünf oder sogar zehn Jahre dauern, aber die werden folgen. Es geht um Medizin. Wir nutzen es auch aus spirituellen Gründen oder einfach als Genussmittel. Darüber kann man sich streiten, aber dagegen, dass Cannabis ein großes medizinisches Potenzial hat und vielen Menschen hilft, kann einfach niemand was sagen. Cannabis hat die Kraft Menschen zu heilen. Viele der Leute, die versuchen Cannabis zu bekämpfen, würden jederzeit Morphium nehmen, wenn sie Schmerzen haben. Morphium wird aus Opium gemacht aus dem auch Heroin besteht. Das ist pure Heuchelei.

 

Man hört wenig aus Großbritannien und hat daher das Gefühl, dass wenig in puncto Legalisierung passiert. Gibt es viele Leute, die sich dafür einsetzen?

 

Es gibt durchaus Leute, die sich für die Legalisierung einsetzen. Vor einigen Monaten hat sich ein Polizist höheren Rangs öffentlich dahingehend geäußert, dass die Polizei niemanden mehr wegen einer geringen Menge Marihuana einsperren will. Die Polizei hat realisiert, dass das reine Zeit und Geldverschwendung ist. Das ist einfach Wahnsinn.

Auf Jamaika war es genau das gleiche. Der gleiche Polizist, der dich vorher noch wegen Marihuana festgenommen hat, läuft heute einfach an dir vorbei. Die Gesetzte haben sich geändert. Doch selbst wenn nicht, muss man manchmal einfach seinen Verstand einsetzen. Marihuana tut niemandem weh und die Polizei hätte wirklich besseres zu tun, als Konsumenten zu verfolgen. Bisher sind die Beamten allerdings per Gesetzt dazu verpflichtet jeden festzunehmen. Das wird sich ändern. Ich bin zuversichtlich, dass es bald neue Regulierungen geben wird.

 

Vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast.

 

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