Mittwoch, 13. Januar 2016

Im Interview: Tami

 

von Janika Takats

 

„Ich bin für die Legalisierung, aber nicht nur von Cannabis“

 

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Gut Ding will Weile haben. Auch wenn Tami schon als Teenager von Hip Hop begeistert war, hat es seine Zeit gedauert seinen Alltag in geregelte Bahnen zu bringen und seinen Fokus so auf die Musik zu richten, dass ein komplettes Album entstehen konnte. „Habakuk“ ist nicht nur der Titel des neuen Werks sondern auch Tamis bürgerlicher Name. Daher verwundert es nicht, dass das Album eine sehr persönliche Note hat. Im Oberbergischen Lang geboren, wuchs Habakuk aka Tami in einem kreativen Umfeld auf. Er kam über’s Skaten zum Hip Hop und hat so manche Drogenerfahrung hinter sich, die sein Leben nachhaltig geprägt hat.

 

Hallo Tami, stelle dich unseren Leser doch bitte kurz vor. Wie hat sich dein Interesse für Hip Hop entwickelt?

 

Aufgewachsen bin ich in der Nähe von Köln im Oberbergischen Land. Mein bürgerlicher Name ist Habakuk, so heißt auch mein neues Album. Zum Hip Hop bin ich über Freunde und vor allem übers Skaten gekommen. Wir waren damals oft in Köln skaten, in einer Halle, die von dem A Team Frontman – das ist eine old school Hip Hop Combo aus Köln – betrieben wurde. Da lief das erste Die Firma Album „Spiel des Lebens/ Spiel des Todes“. Dadurch bin ich so richtig auf Deutschrap gekommen. Vorher kannte ich natürlich schon die Mainstream-Sachen, wie die Beginner und so, aber so richtig auf dem Hip Hop Film bin ich erst durchs Skaten gekommen.

 

Wie hast du dann selber mit dem Rappen angefangen?

 

Anfangs habe ich einfach bei den Liedern mitgerappt. Irgendwann mal habe ich dann aus Spaß bei einer Bekannten zu Hause eigene Freestyles gemacht. Damals war ich 12 oder 13 Jahre alt. Damals wusste ich noch nicht, dass es Freestylen gibt, so tief war ich in der Materie noch nicht drin. Ich habe einfach losgelegt. Ich habe den Flow der Rapper nachgemacht, aber meine eigenen Texte gehabt. Freunde kamen dann mit den Freestyle-Tapes von Beatz aus der Bude an, die ich daraufhin ständig gehört habe. Als ich dann 15 war, habe ich angefangen Texte zu schreiben. Ich bin damals in der 5. Klasse vom Gymnasium geflogen und auf der Hauptschule gelandet. Gymnasiasten kriegen in der 5. oder 6. Klasse ja schon beigebracht wie man Reime schreibt. So etwas haben wir auf der Hauptschule nicht gelernt und so hatte ich keinerlei lyrische Ausbildung. Ich konnte sehr gut freestylen, hatte aber keine Ahnung davon wie man Texte schreibt. Das musste ich mir alles erst aneignen. Ich habe die Regeln gelernt und Rapper wie Eminem analysiert. Inzwischen achte ich sehr darauf wie man Texte schreibt. Ich bin ein richtiger Nerd geworden.

 

Was treibt dich bei rappen und Texte schreiben an?

 

Generell treibt es mich an eine bestimmte Vorstellung zu haben und diese umzusetzen. Ich komme aus einer Künstlerfamilie. Mein Vater ist Bühnenbildner, ich habe daher eine kreative Ader, die ich mit der Musik ausleben kann. Für viele Rapper ist Musik auch eine Art Selbsttherapie, das würde ich von mir nicht sagen, auch wenn viele meiner Texte sehr persönlich sind. Ich habe einfach Bock was zu machen und Neues auszuprobieren.

 

Ist dein neues Album so geworden, wie du es dir vorgestellt hast?

 

Es ist schon ziemlich so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe, obwohl es natürlich immer Sachen gibt, die man hinterher anders machen würde. Wäre ja auch schlimm wenn nicht. Dann bräuchte man ja kein weiteres Album machen. Ich bin mit dem Album zufrieden und habe auch viel positives Feedback aus meinem Bekanntenkreis bekommen, gerade auch von Leuten, die sonst eher verhalten reagiert haben. Das hat mich natürlich gefreut. Wenn du als Rapper ein Album abgibst, bist du ganz klar auch davon überzeugt, sonst würde man es ja nicht abliefern. Umso schöner ist es natürlich das dann auch von anderen bestätigt zu bekommen. Jetzt kann ich wirklich sagen, das ist ein super Album. „Habakuk“ ist mein erstes großes Album, das offiziell überall erscheinen wird.

 

Du hast früh mit Hip Hop angefangen. Dein erstes Album ist aber erst weitaus später entstanden. War die Musik bisher für dich eher ein Nebenprojekt?

 

Es war keine wirklich bewusste Entscheidung. Aus verschiedenen Gründen hat es einfach nicht geklappt mit dem Album. Eine Zeit lang habe ich richtig viel gefeiert und war auf Techno-Partys. In der Zeit habe ich zwar geschrieben, aber mein Leben war viel zu unstrukturiert, um wirklich was zustande zu bringen. Wenn du deinen Alltag nicht geregelt bekommst, kriegst du auch kein Album zusammen. Ich habe damals auch nicht zu Hause aufgenommen, sondern meistens bei anderen Leuten. Da sind jetzt mindestens zwei Alben irgendwo am vergammeln, von denen ich aber auch nicht will, dass die rauskommen (lacht). Abgesehen davon hatte ich auch schon immer hohe Erwartungen an die Gestaltung des Covers, der Videos und dem ganzen Drumherum. So hoch wie meine Erwartungen waren, war es damals einfach nicht umzusetzen. Dadurch, dass ich Vater geworden bin und mein Leben in die Hand genommen habe, habe ich automatisch die Musik mit in die Hand genommen.

 

Du arbeitest am Theater. Was genau machst du da?

 

Ich bin zuständig für etwas, das man im Theaterjargon Schnürboden nennt. Das ist der Bereich in dem die Kulissen hoch und runter bewegt oder Menschen durch die Luft gezogen werden. Wir benutzen am Theater übrigens auch sehr viele Hanfseile, um mal den Bogen zu schlagen.

 

Lässt du deine Theatererfahrung auch in deine Musik einfließen?

 

Was die Videos angeht auf jeden Fall. Das Video zu dem Song „Das Buch Habakuk“ zeigt ein Bühnenbild vom Schauspielhaus Köln. Der Regisseur und der Bühnenbildner haben mir die Erlaubnis gegeben das zu benutzen. Die Schauspieler waren hauptsächlich Schauspielstudenten, die aus Leipzig zu uns gekommen sind. Das ist ein pures Theatervideo. Diesen Theaterstyle will ich beibehalten. Einiges davon will ich in meine Bühnenshow einbauen. Ich bin einfach ein Theatermensch.

 

Du hast bereits erwähnt, dass du eine Zeitlang viel feiern warst. In der Zeit hast du auch recht viele Drogen genommen. Wie würdest du diese Episode im Nachhinein beschreiben?

 

Ich habe schon sehr früh angefangen zu kiffen. Mit 12 oder 13, habe das dann aber auch von selber wieder sein gelassen. Später bin ich in ein Internat für schwere Erziehbare gekommen. Das hört sich hart an, war aber eigentlich eine Notbremse, weil ich ständig geschwänzt und mein eigenes Ding gemacht habe. In der Zeit habe ich gar keine Drogen genommen. Ich war zweieinhalb Jahre weg. Mein Freundeskreis hat aber im Prinzip durchgehend gekifft und auch andere Drogen genommen. Ich habe das Internat auf Grund eines Erziehers, der sich krass daneben benommen hat verlassen. Das wird auch auf meinem Album thematisiert. Es war eine Entscheidung aus Selbstschutz. Danach habe ich erst angefangen harte Drogen zu nehmen. Amphetamine, Ecstasy und das ganze Zeug. Das habe ich exzessiv betrieben. Irgendwann meinte das Leben dann zum Glück „Jetzt ist Schluss!“. Seitdem nehme ich keine Drogen mehr. Ich habe eine Alkoholallergie. Von manchen Biersorten bekomme ich rote brennende Flecken im Gesicht. Ich kann vorher nicht sagen welche Sorten es sind. Ich rauche viele Zigaretten und trinke manchmal einen Wein. Dafür bekomme ich dann gelegentlich von der Allergie die Quittung. Ansonsten bin ich clean.

 

Wie hast du damals die Reaktionen von der Gesellschaft bzw. von deinem weiteren Umfeld auf deinen Konsum erlebt?

 

Ich muss sagen, dass ich immer sehr produktiv und viel unter Menschen war, wenn ich Drogen genommen habe. Es gibt Leute, die nehmen Drogen und versacken dann in sich selbst. Das ist mir nicht passiert. Ich kam immer ganz gut klar. Damals hab ich in einer Küche als Spüler gearbeitet, habe aber ansonsten nicht viel gebacken bekommen. Ich habe eine Ausbildung als Erzieher angefangen, aber es nie auf die Kette bekommen.
Dass ich in schlimme Depressionen verfallen wäre, ist mir zum Glück nicht passiert. Ich hab viel unter Gleichgesinnten rumgehangen. Wir waren in einer Graffiti-Crew unterwegs und haben viel gefeiert. Wir sind damals nie komplett abgestürzt. Ich möchte diese Zeit allerdings trotzdem nicht als mein Aushängeschild sehen.

 

Hast du allgemein eine Meinung zu der Drogenpolitik in Deutschland?

 

Ich würde lügen, wenn ich sagen dass ich mich damit viel auseinander gesetzt habe, aber ich finde es schon bedenklich, dass Alkohol erlaubt ist. Für mich ist Alkohol neben Heroin die krasseste Droge überhaupt. Das ist eine enorme Doppelmoral, wenn eine Gesellschaft sagt: „Das ist unsere Volksdroge, macht mal!“. Überall hängt Werbung und man lebt dieses Prinzip seinen Kindern vor. Die Kinder wachsen so auf, dass man zu einem ‚guten‘ Essen oder wenn man weggeht auch Alkohol trinkt. Das ist normal, alle machen es und selbst Politiker stehen mit nem Bier oder auch hartem Schnaps in der Öffentlichkeit. Ein komplettes Verbot von allem ist meiner Meinung nach keine Lösung. Wir sehen ja, dass das nicht funktioniert. Ich finde die Holländer machen das schon ganz gut. Ich verstehe auch nicht, warum sich der Staat da so viel Kohle durch die Lappen gehen lässt. Die sind ja sonst so Geld geil und verkaufen Waffen. Da könnte man den Drogenverkauf doch auch reguliert ablaufen lassen. Ich glaube nicht, dass man dadurch mehr drogenabhängige hätte. Man würde den Konsum damit auch nicht verringern, aber immerhin würde es wesentlich weniger Beschaffungskriminalität geben.

 

Bist du also der Meinung, dass Cannabis legalisiert werden sollte?

 

Ich bin für die Legalisierung, aber nicht nur von Cannabis. Eigentlich sollte man alles irgendwie zugänglich machen und natürlich das Auge drauf werfen, um zu sehen, was mit dem Einzelnen passiert. Warum sollen die Menschen keine Drogen nehmen, wenn sie Bock dazu haben. Wichtig ist, dass das kontrolliert stattfindet und die Qualität und damit die Sicherheit muss gewährleistet werden. Viele aus der Generation meiner Eltern, sagen dass kiffen ok wäre – haben sie ja früher auch gemacht. Das Problem sind heute die sehr starken Sorten und die Zusatzstoffe, die von den Dealern unters Gras gemischt werden, um den Profit zu steigern. Es wäre besser wenn der Staat das kontrolliert und sauber hält und es für Erwachsene zugänglich macht. Ich denke damit wäre allen geholfen.
Ich habe bei Freunde gesehen, dass kiffen sie negativ verändert hat, ich habe aber auch gesehen, dass sich Leute durch Kokain verändert haben. Gleichzeitig kenne ich aber auch Leute, die mit Kokain super klarkommen und Leute, die jeden Tag kiffen und trotzdem ihr Leben super auf die Reihe bekommen. Das ist bei Alkohol genauso. Es kommt immer auf die Rahmenbedingungen an und auf die Qualität der jeweiligen Substanz. Daher finde ich es falsch zu sagen „Die Droge ist ok, aber die Droge nicht.“ Jede Droge kann einen kaputt machen, deswegen sollte man keine Droge in den Himmel loben. Wenn jemand sie jedoch nehmen möchte und im richtigen Alter dafür ist, sollte er dies tun.

 

Was hast du nach der Albumveröffentlichung geplant?

 

Ich werde weiter arbeiten, mich um meine Familie kümmern und weiter normal leben. Wenn sich das Album gut entwickelt, freue ich mich. Ich arbeite auch schon am nächsten. Musikalisch habe ich nicht den Masterplan. Ich bin froh, dass das Album fertig und gut gelungen ist. Wir sind mit einer Booking-Agentur im Gespräch. Es wird also eine Show geben. Ob es eine richtige Tour wird, weiß ich noch nicht. Wir wollen live aber alles mitnehmen was möglich ist.

 

Vielen Dank für das Interview.

 

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