Sonntag, 20. Dezember 2015

Drei Zimmer, drei Zelte

 

 

Eine grüne WG

 

Foto: Kimo
Foto: Kimo

 

 

Autor: Kimo

 

Ich treffe Milan und Petra auf der Cannafest-Messe in Prag und wir kommen schnell über das omnipräsente Thema Cannabis-Anbau ins Gespräch. Die beiden wohnen direkt am Dreiländereck Tschechien-Polen-Deutschland, nur ein paar Kilometer von der Sächsischen Grenze entfernt, in einer tschechischen Kleinstadt. Ich nutze die Gelegenheit und mache auf dem Rückweg aus Prag einen kleinen Abstecher, um mir die verborgene Cannabis-Indoorkultur unserer Nachbarn ein wenig näher anzuschauen.

 

Mikal, der zusammen mit mit Petra und Milan wohnt, wird mir von meinen neuen Bekannten bei einer fetten Begrüßungstüte vorgestellt. Nach dem Abendessen und zwei kräftigen „White Rose“-Tüten möchten mir die drei ihre auf heimische Verhältnisse angepasste Indoorkultur zeigen. Denn in Tschechien ist der Anbau von Cannabis zwar verboten, wird aber bei bis zu fünf Pflanzen nur mit einer Geldstrafe belegt. Nachdem tschechische Grower und Shops 2013 allerdings durch eine große Welle von Razzien heimgesucht wurden, ist man in Growerkreisen auch bei den liberalen Nachbarn vorsichtiger geworden. Die drei bauen zwar schon ein wenig mehr Gras an, als sie für sich selbst brauchen, aber trotzdem besitzt jeder für sich nicht mehr als fünf Pflanzen. Arbeit und Sorten werden trotzdem geteilt, nur stehen die Boxen jede für sich im Zimmer des/der Besitzer/in. Früher standen alle zusammen im Keller. So growt jede/r für sich, sollte mal was schief gehen. Anders wären sie gemäß dem tschechischen Strafgesetzbuch eine Drogenbande.

 

Bei Milan steht eine selbst gezimmerte Box mit einer 400 Watt Lampe, Mikal growt auf einem Quadratmeter in einer Homebox, die ebenfalls 400 Watt Leistung aufweist und Petra besitzt ein 80 x 80 cm großes Zelt mit einer „250“-er. Dort stehen, wie Mikal kurz erklärt, zurzeit insgesamt sieben “White Rose“, vier „Northern Lights“ und vier „Master Kush“. Die Northern Lights haben bereits fette Buds entwickelt, während sich die „White Rose“ und die Kush-Sorte meiner Einschätzung irgendwo zwischen der dritten und vierten Blütewoche befinden. Nach der Besichtigung aller drei Boxen gehen wir wieder in die Küche, um uns bei der mittlerweile erloschenen und wieder entflammten „White Rose“-Tüte darüber zu unterhalten, wie die drei zusammen und doch jede/r für sich Gras anbauen.

 

Ha Jo: Hallo ihr drei. Schöne Boxen habt ihr mir da eben gezeigt. Das sind ja doch ein paar mehr Pflanzen, als die fünf, von denen ihr auf der Cannafest erzählt habt.

 

Milan: Das sind fünf pro Person, um genau zu sein. Meist kommt auch ein wenig mehr Gras raus, als wir für uns selber brauchen, aber jeder hat eben nur die kleine Box für den Eigenbedarf. Unser „Problem“ ist unser großer Freundeskreis, der auf Kunstlicht-Weed steht. Gras von draußen bekommt man hier hinterher geschmissen, aber Indoor ist immer noch Mangelware. Deshalb kostet ja ein Gramm auf dem Schwarzmarkt auch genauso viel wie bei Euch in Deutschland, obwohl wir hier weniger verdienen und sonst vieles billiger ist. Früher hatten wir nur eine Homebox, aber immer, wenn wir die geerntet hatten, haben uns unsere Freunde und Bekannte angebettelt, ihnen was von dem guten Gras abzutreten. Verkaufen wollten wir eigentlich nie und das Ergebnis war, dass unsere Ernte immer viel zu früh alle war, obwohl die eine Box für alle drei gereicht hätte. „Nein“ zu sagen fällt eben schwer bei Freunden. Also haben wir uns entschlossen, ein wenig mehr anzubauen, eigentlich nur, damit gutes Gras keine Mangelware mehr ist. Ich habe mich in den nächsten Growshop begeben und uns ein günstiges, gebrauchtes Set-Up für Milan und Petra besorgt. Ich habe im Laden gleich zwei kleine Komplettsets für insgesamt 20.000 Kronen (ca. 800 Euro) gekauft, die wir anfangs neben meiner Box im Keller stehen hatten. Aus bereits erwähnten Sicherheitserwägungen haben wir die dann ein wenig später einzeln auf die WG-Zimmer verteilt. Je nach Lust, Laune, Grasbedarf und Sortenverfügbarkeit hat manchmal die kleinste der drei Boxen als Mutterkammer gedient, zurzeit blüht es aber in allen dreien. Die Stecklinge haben wir kurz nach den Razzien aus Sicherheitsgründen zu einem Freund, der ziemlich weit weg wohnt, ausgelagert. Die aktuellen Durchgänge sind alle aus feminisierten Samen entstanden. Aber falls bei uns mal etwas schief gehen sollte, ist wenigstens unsere liebevoll selektierte Genetik noch da. Gerade haben wir eine „Skunk“- und eine „O.G. Kush“-Mutter dort stehen. Manchmal holen wir auch noch Stecklinge, aber ich experimentiere auch gerne mit neuen Sorten und Seeds. Die beiden anderen „blühen“ auch lieber als ständig Stecklinge zu schnippeln.

 

Mikal: Zudem machen auch zwei Mutterpflanzen viel mehr Arbeit, als man denkt. Ich dachte anfangs es reicht, wenn ich alle drei Tage mal hineinschaue, alle zwei Wochen Steckis schneide und regelmäßig gieße und sprühe. Aber eine Vegi-Kammer ist definitiv arbeitsintensiver als nur zu blühen. Die frisch geschnittenen Stecklinge brauchen jeden Tag frische Luft und ein wenig Wasser, die Muttis müssen regelmäßig gepflegt, umgetopft und prophylaktisch gegen Schädlinge behandelt werden. Außerdem haben wir so fünf Blütepflanzen mehr, keine Stromkosten für Stecklinge und einfach mehr zu rauchen. Mit Stecklingen hat man zudem das straffrei tolerierte Limit von fünf Pflanzen schnell überschritten.

 

Petra: Wir probieren auch gerne mal neue Sachen, die wir in Zeitschriften oder Foren lesen. Bei drei kleinen Kammern ist es nicht so schlimm, wenn mal was schief geht. Man liest immer wieder über neue Sorten oder auch Beschneidungs- oder Scrogg-Techniken, F.I.M. (Fuck I Missed) oder andere verrückten Ideen. Wir haben auch schon Leuchtstoffröhren, LED-Lichter und sogar eine Metall-Halogen Lampe für die Blüte ausprobiert und sind bis heute immer wieder bei der altbewährten Natriumdampflampe gelandet. Im kleinen Zelt nutze ich eine 250-Watt-Lampe mit Cooltube und unterschiedlichen Leuchtmitteln für Wachstum und Blüte, einen 180m³/h Lüfter mit Carbonactive-Filter, eine Omnirex-Zeitschaltuhr, 6,5 Liter Airpots plus Untersetzer und einen kleinen Schalldämpfer. In der Eigenbau-Box von Milan und der Homebox von Mikal ist alles etwas größer, denn die werden mit 400 Watt beleuchtet. Als Medium nehmen wir in allen Boxen fast immer Erde, Mikal manchmal ein Kokos-Perlite Gemisch. Die Töpfe sind bunt gemischt, wir nutzen weiße Teku-Container, Tontöpfe von Oma, Airpots und Rootpouches. Nur billige, schwarze Plastiktöpfe sind tabu, weil die sich unnötig aufheizen und riechen wie eine Ölraffinerie. Gedüngt wird auf allen drei „Feldern“ mit dem kompletten Bio-Bizz Programm. PH- sowie Ec-Wert werden bei uns auch dann gemessen, wenn wir wie gerade auf Erde anbauen. Unser Leitungswasser ist gut, aber der pH-Wert muss trotzdem stimmen. Auf Erde regeln wir ihn auf 6,0, bei Kokos mit 5,6 bis 5,8 ein wenig niedriger.

 

Habt ihr Probleme mit verschiedenen Phänotypen, wenn ihr aus Seeds züchtet?

 

Mikal: Meinst Du die „White Rose“ im kleinen Zelt? Zwei waren ganz schön nah an der Lampe, weil ich die ganze Box ein wenig zu spät in die Blüte geschickt habe. Aber ich sehe das nicht als Problem, sondern als willkommene Abwechslung. Zumindest solange die Höhe der verschiedenen Phänos nicht all zu unterschiedlich ist. Wir haben die Sorte ja gerade zum zweiten Mal getestet, um Abwechslung zu haben. Das Zelt ist ja auch nur 1,60 Meter hoch und mit dem Cooltube und dem Lüfter hat man eigentlich nur 1,20 m zum Growen. Milan hat die Zeitschaltuhr auf 12 Stunden erst bei einer Höhe von 35 Zentimetern umgestellt, was wohl dazu geführt hat, dass wir vor ungefähr zwei Wochen ein Netz spannen mussten, weil die Pflanzen sonst zu groß geworden wären. Da haben wir dann gemeinsam ganz vorsichtig die Pflanzen so hin gebogen, dass sie wenigstens nicht an die Lampe stoßen. Ohne das Netz und das gekühlte Leuchtsystem wären uns die Pflanzenspitzen der beiden großen Skunk-Abkömmlinge wohl verbrannt.

 

Milan: Vorher hätte ich das Dach des Zeltes aufgeschnitten, das Equipment höher gehangen und bis zur Ernte die Jalousien runter gelassen, damit die Nachbarn den Lichtschein nicht mitbekommen. Die Höhe des kleinen Zeltes ist ein wenig heikel, denn die Anbaufläche ist für mich eigentlich genau richtig, aber ich will kein Equipment außen an der Box montieren, um innen Platz zu haben. Jetzt, wo ich alles innen montiert habe, habe ich wenig Platz und nicht zum ersten Mal Probleme mit der Höhe. Wenn ich fünf Damen anders herum zu früh in die Blüte schicke, ist die Ernte nicht optimal. Das ginge in meinen Augen nur bei einem „Sea of Green“, wofür man allerdings mehr als fünf Pflanzen bräuchte. Das will wiederum auch keiner von uns. Ich werde das gute Stück demnächst gegen eine höhere Box, ähnlich der von Mikal, tauschen. Sein Eigenbau ist genau 20 Zentimeter höher, hat ein paar Zentimeter mehr Grundfläche und ist trotz der Beleuchtung mit einer 400 Watt Natrium-Dampflampe und Cooltube nicht so eng. Jetzt sind die Damen so stark gebogen, dass sie mit dem Netz verwachsen sind. Nicht einmal ein Umplatzieren oder gar das Drehen der Töpfe ist so mehr möglich. Aber weder Qualität noch Quantität scheinen Schaden zu nehmen, ganz im Gegenteil. Die Topsbuds sind dank des Netzes jetzt gleichmäßig über die Anbaufläche verteilt, wodurch auch die kleineren Triebe ausreichend Licht abbekommen. Das Höhenwachstum ist ja jetzt schon seit ein paar Tagen vorbei und auch die großen werden ohne Verbrennungen davon kommen.

 

Foto: Kimo
Foto: Kimo

 

Petra: Die „Nothern Light“, die in den beiden anderen Boxen stehen, kennen wir schon ein wenig länger. Wir wissen, dass wir beide bei einer Höhe von 25-35 Zentimetern in die Blüte schicken müssen, damit sie weder zu klein bleiben noch das Zelt sprengen. Da haben wir ein wenig mehr Platz nach oben. Jetzt wissen wir auch, dass die „White Rose“ auf keinen Fall über 30 Zentimeter hoch sein darf, wenn die Uhr auf einen 12/12 Stunden Rhythmus umgestellt wird. Die „Master Kush“ ist zwar auch Neuland für uns, aber wir scheinen hier schon im ersten Durchgang mit der Höhe Glück gehabt zu haben. Außerdem haben wir uns vorab schlau gemacht. Wir orientieren uns immer an den Streckungsangaben, die von den Breedern allerdings nur sehr selten angegeben werden. Insiderwissen zur Streckung einzelner Sorten gibt es nur auf den einschlägigen Seiten im Netz wie dem Seedfinder… Ich finde das ist ein ganz guter Anhaltspunkt, denn wenn die Breeder bei ihren Sortenporträts eine ungefähre Endhöhe angeben, weiß ich beim Indooranbau nie, wie groß der Steckling oder Sämling war, der in die Blüte geschickt wurde. Also halte ich die Angabe „so und so viel Prozent als zu Blüteanfang“ für versierte Grower für viel nützlicher. Faustregeln gelten auch nur sehr bedingt, so braucht die „White Rose“ als Sativa lastiger Strain komischerweise mehr Dünger als die „NL“. Mikal hat den Ec-Wert bereits in der dritten Woche auf 1,8mS gesteigert, während die „NL“ zur gleichen Zeit locker mit 1,6mS ausgekommen ist. Die Pflanzen vertragen relativ viel Dünger, denn unser Wasser hier am Fuße des Riesengebirges ist sehr weich, sein Ec-Wert beträgt nur 0,3 mS/cm² und es ist zudem kalkarm.

 

Gießt Ihr per Hand?

 

Mikal: Perta, Mikal und ich gießen abwechselnd, und dann immer alle Boxen auf einmal. Das ist je nach Jahreszeit und Entwicklungsstadium alle zwei bis drei Tage, also ist jede/r im Schnitt einmal die Woche dran. Umtopfen, ernten und andere Arbeiten teilen wir jeweils nach Absprache auf. Jede Pflanze bekommt zwischen 500 und 1200 ml Nährlösung, wobei wir natürlich mit per Hand gießen. Auch wenn ich mir manchmal wünschen würde, kein Wasser schleppen zu müssen: Bei unseren kleinen Boxen wären die Pflege von drei Bewässerungssystemen wahrscheinlich noch mehr Arbeit und zudem ein zusätzliches Sicherheitsrisiko, weil unter uns Leute wohnen.

 

Ihr habt drei Lampen. Fällt da die Ernte schon ein wenig größer aus?

 

Milan: Naja, aber drei relativ kleine. Wir ernten so im Schnitt 250-300 Gramm im Monat, wenn alle Boxen durchgehend laufen. Was wir selber nicht rauchen, geben wir für einen echten Freundschaftspreis weiter. Falls das deutsche Drogenfahnder lesen: Unser Gras geht nicht über die Grenze, ich halte mich an so eine Art ungeschriebenes Gesetz unserer Grenzregion, an das sich seriöse Grower und Dealer halten. Willst Du keinen Stress, verkaufe nicht an Deutsche. Es gibt genug Ramschmärkte, die Gras anbieten. So ist das leider, aber sächsische und bayrische Politiker machen unserer Regierung wegen der relativ liberalen Regelung hierzulande so viel Druck, dass selbst kleine und mittlere Kunstlicht-Grower auf einmal im Fokus der Öffentlichkeit sind. Das neue Gesetz, das auch Samen und Hanfzeitungen im Growshop verbietet, hat der ehemals relativ offenen Grower-Szene ziemlich zugesetzt. Zum einen, weil zu viele Leute anbauen, um nach Polen oder Deutschland zu schmuggeln, was die schon erwähnten Konsequenzen hat. Zum anderen, weil durch anfangs unregulierte und zügellose Growerei auch eine Menge Menschen angezogen wurden, denen es nicht um gut gemachtes Gras, sondern ums schnelle Geld ging. Ich hatte mal mit den Anbau von Gras angefangen, weil ich anständig sein und mein Gras nicht mehr von Kriminellen kaufen wollte. Ja, das hört sich vielleicht widersprüchlich an, aber es ist tatsächlich der Anstand, der mich im Zuge des „fünf Pflanzen-Gesetzes“ vor Jahren zu meinem ersten Grow gebracht hat. Denn als Selbstversorger profitieren die organisierten Kriminellen nicht mehr von meinem Konsum.

 

Foto: Kimo
Foto: Kimo

 

Seit den Durchsuchungen in vielen Growshops hierzulande machen wir uns auch zum ersten Mal Gedanken darüber, dass unser Treiben hier eigentlich illegal ist, bislang hat das eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Es gibt hier auch keine Patienten, die, wie in Deutschland, aus Not anbauen und dann vor Gericht landen. Deshalb haben gerade Indoor-Grower einen sehr schweren Stand in der öffentlichen Meinung. Das ist ähnlich wie in Holland mit den fünf Plants: Indoor ist irgendwie versteckt und deshalb kleinkriminell, Outdoor hingegen stört selten jemanden, egal ob medizinisch oder zum Spaß. Auch wenn die fünf Outdoor-Damen weitaus mehr abwerfen als eine 250- oder 400-Watt Lampe.

 

Was kostet gutes Indoor-Weed in Privatkreisen?

 

Mikal: Wir reden hier ausschließlich von Endkundenpreisen. Bei privaten Connections bekommt man für 1000 Kronen (40 Euro) fünf bis sechs Gramm sehr gutes Gras. Bei 3000 bis 5000 Kronen wird großzügig aufgerundet, edle, lang blühende Sorten sind auch mal teurer. Der Straßen- oder Touristenpreis in Prag liegt zwischen 300 und 500 Kronen (12-20 Euro) pro Gramm.

 

Ihr habt mir noch gar nichts über die Eigenschaften der drei Strains erzählt.

 

Petra: Das White Rose“ ist ein ziemlich geruchsintensiver „Couchlocker“, wie Du wohl schon bemerkt hast. Wir hatten 20 Seeds, der aktuelle Durchgang ist der zweite aus dem Samenpaket. Ein Phänotyp erinnert an „Skunk“, die beiden großen und zwei etwas kleinere eher an die „White Family“, was wohl an der 35% Sativa – 65% Indica Genetik liegt. Die Blütezeit beträgt bei der skunkigen Variante knappe 60 Tage, sie wird bei einer Ausgangshöhe von 35 Zentimetern ungefähr 1 Meter hoch. Die andere blüht eine Woche länger und wird gute 20 Prozent größer.

Zu der „Northern Lights“, als einer der legendärsten Sorten, muss ich überhaupt wenig sagen. Deshalb wollten wir sie auch haben. Wir sind da eher konservativ und trauen alt eingesessenen Breedern und Sorten, die wir noch aus unseren Anfangszeiten als Balkongrower vor vielen Jahren kennen. Die „Northern Lights“ ist kompakt, schnell wachsend und dicht, eben ein echter Afghanica Genotyp, der es in knapp 55 Tagen zu voller Reife bringt. Das Saatgut ist megastabil und weist nur ganz kleine Unterscheide bei den Phänotypen auf. Sie streckt sich um 200 Prozent nach der Blüte, die Internodien sind sehr kurz und kompakt, Geschmack und Geruch sind sehr Indica-lastig. Ich finde das High aber ein wenig klarer und angenehmer als beim „White Rose“, das mich regelmäßig in die Ecke drückt, obwohl es weniger Indica-Anteil hat. Auf das Master Kush sind wir selbst gespannt, das kennen wir noch nicht und jetzt in der vierten Woche kann man auch noch nicht viel sagen, außer dass es schon ein leichtes Indica-Kush Aroma verströmt.

 

Benutzt Ihr die Erde mehrmals?

 

Milan: „Nein, wir sind alle zu faul, sie mit Bakterien, Mikroorganismen und Nährstoffen wiederzubeleben.  Jede/r nutzt hier seine knappe Zeit lieber, die Ladys penibel zu pflegen. Wir brauchen ja immer nur ein bis zwei Säcke Erde oder Kokos pro Zelt. Zweitens haben wir hin und wieder ein paar Schädlinge, die wir mit schleppen würden. Diesmal haben wir keine, aber selbst wenn mal welche da sind, haben sie in der kurzen Blütephase ja gar keine Chance, mehrere Generationen zu bilden. Bei der Wiederverwendung müssten wir die Erde deshalb auch noch im Ofen desinfizieren. Zu viel Aufwand für die paar Kronen für gute Growerde.

 

Habt ihr eine Trockenkammer?

 

Petra: Manchmal hängen wir es zum Trocknen in die Speisekammer, wo sowieso ein Filter und eine Abluftanlage hängen. Ist es dort zu voll oder gerade Besuch angekündigt, manchmal auch in die jeweilige Box. Die Pflanzen werden nach dem Ernten und dem Beschneiden aufgehangen, um so, je nach Klima, drei bis fünf Tage vorzutrocknen: Danach kommen sie in ein lichtdichtes, lebensmittelechtes Gefäß, wobei ich Gefäße aus braunem Glas bevorzuge. Das Gras im Glas darf nur halb verschlossen sein und muss, bis es nach zwei Wochen die richtige Konsistenz erreicht hat, regelmäßig gewendet werden. Dann kommt es fest verschlossen in den Kühlschrank. So schaffen wir es, mit 12 kleinen  Ernten pro Jahr immer ausreichend konfliktlindernde WG-Medizin im Kühlschrank lagern zu können, ohne auf den Schwarzmarkt angewiesen zu sein und nebenbei unseren Freundeskreis mit ein wenig gutem Weed zu versorgen.

 

Würdet Ihr Eueren Grow als Nebenjob oder Hobby bezeichnen?

 

Mikal: Auf jeden Fall ist das noch unser Hobby. Unsere „Einnahmen“ reichen gerade mal für den Strom, den Dünger, das Equipment, die Samen und ab und zu mal einen Messetrip wie den, auf dem wir uns getroffen haben. Was übrig ist, geben wir auch zu weitaus faireren Konditionen, als die, die ich vorher erwähnt habe, ab. Also mehr Klasse als Masse und Kasse. Sagen wir mal so: Würden wir das nicht machen, hätten wir selbst kein ordentliches Weed. Weil aber jeder von uns dreien gerne growt, kommt eben mehr raus, als wir rauchen wollen oder könnten. Und weil Growen sonst kein billiges Hobby ist, ergibt sich das irgendwie alles, aber immer in kleinem Rahmen. Treibende Kraft ist gutes Weed, nicht gutes Geld.

 

Ich danke Euch für die tiefen Einblicke und wünsche Euch weiterhin alles Gute. Tschüs ihr drei.

 

Mikal: Bis nächstes Jahr auf dem Cannafest, tschö.

Petra: Tschüs, und Grüße an die Leserinnen

Milan: Ahoi

 

 

Auf meinem Weg zurück nach Deutschland wird mir wieder bewusst, dass selbst fünf geduldete Pflanzen eine Menge zur Entwicklung der Hanfkultur beitragen können. Zwar ist es in Tschechien nicht mehr so ganz so locker zu wie einst, aber solch drakonische Strafen wie bei unseren kleinen Homegrowern stehen dort nicht zur Debatte. Trotz Anbau-Verbots herrscht dort nirgends echte Paranoia wegen ein paar Pflänzchen, sondern lediglich die gebotene Vorsicht.

 

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