Sonntag, 15. November 2015

Andreas Müller – Kiffen und Kriminalität

 

Buchtipp

 

Der Jugendrichter zieht Bilanz

 

Foto: HERDER Verlag
Foto: HERDER Verlag

 

 

„Kiffen und Kriminalität“ ist wohl derzeit eines der meist diskutierten Bücher zum Thema Cannabis und der anhaltenden Kriminalisierung des Konsums. Der Jugendrichter Andreas Müller arbeitet am Amtsgericht Bernau bei Berlin und ist ein gefragter Experte zum Thema Jugendstrafrecht und Drogenpolitik. In seinem aktuellen Buch schreibt er über seine langjährige Berufserfahrung. Er hat sich aber nicht zuletzt auch aus ganz persönlichen Gründen dem Thema gewidmet. Erst starb sein Vater an den Folgen seiner Alkoholsucht. 2013 verstarb dann sein Bruder, der jahrelang Heroin abhängig war und dadurch vom Rechtssystem kriminalisiert und verfolgt wurde, anstatt die Hilfe zu bekommen, die er so dringend benötigte.

 

Müller widmet das erste Kapitel des Buches seiner persönlichen Geschichte und seinen direkten und indirekten Erfahrungen mit Cannabis, bevor er sein Richteramt antrat. Anschließend bereitet er die aktuelle Rechtslage in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern auf, um gängige Rechtsirrtümer aus der Welt zu schaffen. Seine Ausführungen über seinen Alltag als Richter und die  Rechtspraxis sind eine Bereicherung für die oft emotional geführte Debatte um die Legalisierung.

 

Die Legalisierungsbefürworter sind meist auf der Seite der direkt Betroffenen (Patienten, verurteilte Konsumenten, Grower etc.) zu finden, die schon seit Jahren und Jahrzehnten für die Legalisierung kämpfen. Dass sich Richter, Rechtsprofessoren und hohe Beamte der Polizei öffentlich für eine Gesetzesänderung aussprechen ist eher ein neues Phänomen. Anschaulich beschreibt Müller den Frust, den Richter, Anwälte und die Polizei verspüren, weil sie gezwungen werden sich mit kleinen Cannabis-Delikten herumzuschlagen, die entweder gar nicht erst zur Anklage gebracht werden oder die normale Bürger unnötig als Kriminelle abstempeln.

 

Müller sieht die Politik als klaren Verhinderer neuer und der Realität angepasster Gesetze. Das Gesetz solle den Menschen dienen und nicht die Menschen dem Gesetzt, so die Auffassung des Autors. Dennoch weigern sich die Anhänger der großen Parteien beharrlich die überfälligen Gesetzesänderungen in Angriff zu nehmen. Müller findet klare Worte für die derzeitige Drogenbeauftragte der Bundesrepublik Marlene Mortler, die seines Erachtens nach „als Drogenbeauftragte nicht mehr tragbar ist, da sie aufgrund ihrer Ignoranz gegenüber Fakten und sachlichen Argumenten – oder tatsächlich Mangel an Sachkenntnis – kaum eine Autorität in diesem Gebiet darstellen dürfte.“ Bis heute weigert sich die Drogenbeauftragte Müller gegenüber zu treten. Gelegenheit dazu gäbe es genug, war der Richter doch bereits in zahlreichen Talk Shows und Politrunden zu Gast.

 

„Kiffen und Kriminalität“ ist ein wichtiger Beitrag im Kampf für eine neue Drogenpolitik. Müller untermauert die Notwendigkeit der Entkriminalisierung und Regulierung mit evidenzbasierten Argumenten und fordert die regierenden Parteien zum Handeln auf. Dabei geht es ihm nicht darum, Cannabis als Droge zu verharmlosen oder den unregulierten Konsum zu propagieren. Vielmehr plädiert er für ein Umdenken, dass Politiker dazu veranlasst Drogenabhängige als Kranke und nicht als Kriminelle zu sehen und Gesetze zu ändern, die derzeit mehr Schaden als Nutzen für die Bevölkerung bringen. Bis Ende November 2015 und ab März 2016 ist Andreas Müller auf Lesereise durch die Republik, um aus seinem Buch zu lesen und über die Entkriminalisierung und Legalisierung von Cannabis zu sprechen.

 

Das Buch kann über die Webseite des Verlags bestellt werden. Dort findet ihr auch sämtliche Termine der Lesungen von Andreas Müller. W

www.herder.de

 

Foto: HERDER Verlag

4 Antworten auf „Andreas Müller – Kiffen und Kriminalität

  1. MSBanana

    Für Eltern, Mütter, Ärzte, Psychologen, Polizisten, Staatsanwälte, Anwälte, Richter, Sozialarbeiter,
    Journalisten, Politiker(?), Feuerwehrleute, unbedingt empfehlenswert! Im Grunde genommen für alle
    ( die mitreden wollen u. dies auch tun )

  2. Surak

    „Das Gesetz solle den Menschen dienen und nicht die Menschen dem Gesetz“ stammt aber nicht von Müller, sondern ist sinngemäß ein Zitat, welches Jesus von Nazareth zugeschrieben wird: Das ‚wußten‘ die Leute aus den Reihen der ‚christlichen‘ Unionsparteien also theoretisch schon eine ganze Weile vor dem Erscheinen dieses Buches!

  3. reefermadness

    Für Eltern, Mütter, Ärzte, Psychologen, Polizisten, Staatsanwälte, Anwälte, Richter, Sozialarbeiter,
    Journalisten, Politiker(?), Feuerwehrleute, unbedingt empfehlenswert! Im Grunde genommen für alle!!
    @banane die,die du da aufgezählst hast haben doch reingarnix zu sagen! die wichtigsten menschen (hust) hast du vergessen!!
    Bankgster!!
    @ surak gut erkannt!
    der mensch dienst aber dem Zins und seinem Kind dem,Zineszins!

    hat jesus nicht die wucherer aus dem haus gottes getreten,,,oder um das mal mit dem CSU-Wahlspruch zitiere….
    8 Uhr bis mittags 12 Uhr: frohlocken; von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr: Hosianna singen.“
    „Wos is?“
    „Von morgens 8 Uhr bis abends 12 Uhr frohlocken, von mittags 12 Uhr bis 8 Uhr abends Hosianna singen!“
    „So – hmhm – ja, wann krieg na i wos z’tringe?“
    „Sie werden Ihr Manna schon bekommen“, sagte Petrus leicht indigniert und ließ ihn stehen.
    „Auweh! Des werd schee fad. Mei Lieber, da moan i oiwei, bin i neitred’n! Frohlocken?! A-a-a-a – eam schaug o: frohlock’n müeßed i da hero’m … i hab gmoant, i kumm in Himmi…

    „Hahlelujja…Hahlelujja….Hahlelujja….Hahleeeee-lujja ..

    „Petrus“, sagte der liebe Gott, „mit dem können wir hier nichts anfangen. Nun, für den habe ich eine andere Aufgabe: der soll meine göttlichen Ratschläge der bayrischen Regierung überbringen. Auf diese Weise kommt er jede Woche ein- oder zweimal nach München, und dann hat die liebe Seele ihre Ruhe.“ Als Aloisius das hörte, war er sichtlich froh. Er bekam auch gleich den ersten Auftrag, einen Brief, und flog damit los. Und als er plötzlich Münchner Boden unter den Füßen fühlte, da war es ihm, als sei er im Himmel. Und einer alten Gewohnheit gemäß führte ihn der Weg hin zum Hofbräuhaus, und er fand seinen Stammplatz wieder, fand den Stammplatz leer und die Kellnerin, die Kathi, kam auf ihn zu, und er bestellte sich eine Maß, und bestellte sich noch a Maß, und er vergaß seinen Brief und seinen Auftrag, und b’stellt sich no a Maß und no a Maß und no oane, und da sitzt er heit no.

    Und so wartet die bayrische Regierung bis heute vergeblich auf die göttlichen Eingebungen.

    mfg

  4. X-KIFFER

    Auch dieses Buch welches sicherlich gut ist wird nix ändern. Gegen Fanatismus helfen keine Sachargumente.

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