Montag, 14. September 2015

Drogenpolitik mit Akzeptanz

 

Eine Idee feiert Jubiläum!

 

 

Von Floh Söllner

 

jes_25_c55d41894e

 

Auch wenn sich hier zu Lande viele Menschen eine neue und vernünftigere Drogenpolitik wünschen und die derzeitige Lage zu Recht als unzeitgemäß und rückschrittlich ansehen, so hat sich in Bezug auf den Umgang mit Drogen und deren KonsumentInnen in den letzten Jahren doch so Einiges getan. „Drogenpolitik mit Akzeptanz“ lautet das Stichwort das drei Initiativen miteinander verbindet, die nun gemeinsam ihr 25 jähriges Jubiläum feiern: Der „JES BUNDESVERBAND, „VISION e.V. und „Akzept e.V.“ – Ein viertel Jahrhundert akzeptierende Drogenarbeit von unten, dazu im Gespräch: Maximilian Plenert (Akzept e.V./DHV)

 

 

Hallo Maximilian, du bist seit vielen Jahren Mitglied im „Akzept e.v.“, der nun gemeinsam mit dem „JES Bundersverband“ und dem „Vision e.v.“ sein 25-jähriges Jubiläum feiert. „Akzeptierende Drogenarbeit“ ist das Stichwort das diese Initiativen verbindet. Was waren die Motive und Intensionen zur Gründung dieser drei Vereinigungen vor einem viertel Jahrhundert?

 

Die drei Vereine entstanden, mit etwas unterschiedlicher Ausrichtung in Bezug auf Zielgruppe und Betroffene, aus gemeinsamen Problemen der „Kohl-Ära“. HIV bzw. AIDS war zu dieser Zeit noch ein Tabu-Thema und Problem von „Randgruppen“ wie Homosexuellen und Junkies. Als sich dann zwischen 1984 und 1987 eine jährliche Verdopplung von Neuerkrankungen ergab, wurde die Gesellschaft panisch. Diskutiert wurden damals sogar Maßnahmen wie ein HIV Zwangstest „auch außerhalb von Risikogruppen“ oder die Internierung von aidskranken Prostituierten. Die ersten ÄrztInnen die Methadon vergaben oder Drogenberatungsstellen die saubere Spritzen verteilten mussten mit einem Besuch durch die Staatsanwaltschaft rechnen. An Orten wie den Taunusanlagen in Frankfurt gab es offene Drogenszenen mit über 1000 Personen und einem unbeschreiblichen Elend. Als legitime Mittel der Drogenprävention galten zu dieser Zeit fast ausschließlich Abschreckung und Repression. Die Drogenhilfe setzte auf den Ansatz „Leidensdruck“. Frei nach dem Motto: „Erst wenn es einem Junkie richtig schlecht gehe, bringe er/sie die nötige Motivation für eine Behandlung auf.“ „Behandlung“ bedeutete damals professionell-repressive Therapie, der man sich wie ein Büßer unterzuordnen hatte und deren Ziel die ausschließliche Abstinenz war. Die Ergebnisse dieser Politik wirkten sich fatal auf die Gesundheit der KonsumentInnen und die allgemeine Drogenszene aus und der Druck zu einer Veränderung nahm somit stark zu.

 

Und weil die Situation so untragbar war haben sich dann Initiativen gebildet um dem entgegen zu treten?

 

Genau. Da von parteipolitischer Seite damals nicht viel zu erwarten war begannen sich die Geschädigten selbst zu organisieren. Das ist der politische und gesellschaftliche Background, in dem unsere drei Initiativen gegründet wurden. Deswegen entstand 1990 der Junkie Bund Köln e.V. – heute heißt er „Vision e.V.“ – als alternatives Drogenhilfsangebot. Deren Hauptziel ist die grundsätzliche Neuorientierung der deutschen Drogenpolitik um KonsumentInnen ein menschenwürdiges Leben mit Drogen zu ermöglichen. Das bedeutet: Selbstbestimmtes Leben mit Drogen ohne Vorleistungen (wie etwa den Willen zur Abstinenz oder angepasstes Verhalten, um gesellschaftliches Wohlwollen zu erreichen). JES (Junkies, Ehemalige und Substituierte) entstand 1989 im Rahmen eines Seminars der Deutschen AIDS-Hilfe in Hamburg als Interessenvertretung. JES ist ein bundesweites Netzwerk von Gruppen, Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen die sich für die Interessen und Bedürfnisse drogengebrauchender Menschen engagieren. Organisiert nach den Prinzipien der Freiwilligkeit und Solidarität können sich bei JES alle Menschen engagieren, die Drogen konsumieren, konsumiert haben oder substituiert werden. Der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik „Akzept e.v.“ entstand dann 1990 in Bremen. Der Verein hat sich dem Schutz der Menschenwürde aller DrogenkonsumentInnen verschrieben. Er setzt sich ebenfalls für eine Veränderung der Drogenpolitik in Richtung eines akzeptierenden, ganzheitlichen Ansatzes ein. Eines seiner Hauptziele ist die Entkriminalisierung der DrogenkonsumentInnen.

Zentrales Anliegen aller drei Verbände war von Anfang an eine bedürfnisgerechte, lebenswelt-nahe Hilfe für DrogenkonsumentInnen, mit Betonung auf Selbstbestimmung, zu bieten.

 

Nach einem viertel Jahrhundert darf natürlich gefeiert werden. Welche Veranstaltungen sind denn zum gemeinsamen Jubiläum geplant?

 

Wir feiern unseren Geburtstag heute, am 14. September mit einem großen Empfang im Isabellensaal in Köln. Die Veranstaltung ist kostenfrei aber dennoch bitten wir alle Interessierten sich vorher per Mail (jubi2015@vision-ev.de) oder Fax (0221/820073-20) anzumelden, damit wir die Teilnehmerzahl in etwa überblicken können. Morgen wird es dann noch eine Fachtagung zum Thema “Herauswachsen aus dem Krieg gegen Drogen” für alle Interessierten geben. Weitere Informationen hierzu gibt es auf unserem Flyer.

 

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Maximilian Plenert für das Gespräch und gratulieren an dieser Stelle nochmal zum Jubiläum!

Eine Antwort auf „Drogenpolitik mit Akzeptanz

  1. Ralf

    Die Drogenpolitik wird als was angesehen ? Als Unzeitgemäß ? Was ist denn das wieder für eine scheiß Sprachverunglimpfung. Das sind NAZIMACHENSCHAFTEN. Ja waren die denn jemals Zeitgemäß ? Dann ist wohl das Vergasen von Menschen wahrscheinlich auch nur ein bischen unzeitgemäß. Wer immer diesen Ausdruck im Zusammenhang mit diesem massenmörderischen Nazikrieg gegen harmlose Menschen gebraucht soll sich selbst f……!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.