Samstag, 4. Juli 2015

Es riecht nach Profit

Nicht ganz einfach: Die Ökonomie einer neuen Pflanze

 

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von MIchael Knodt

 

Es liegt wohl daran, dass die Bilder aus Colorado und Washington D.C. neben entspannten Konsumenten und gut versorgten Patienten auch Begehrlichkeiten nach einem schnell wachsenden Markt mit hohen Profitraten aufkommen lassen. Das ist dort, wo Cannabis bereits legal verkauft werden kann, eine unvermeidliche sowie nachvollziehbare Auswirkung, wenn der Status eines Produkts in der freien Marktwirtschaft von „verboten“ zu „reguliert“ wechselt. Doch sogar in den USA selbst ist es ziemlich schwierig, wenn auch nicht unmöglich, mit börsennotierten Cannabis-Unternehmungen jetzt schon echtes Geld zu verdienen.

 

So berichteten US-Medien im Januar diesen Jahres von fünf so genannten Cannabis-Millionären, die mit Hanf-Aktien bereits zu viel Geld gekommen seien. Aber besonders in den USA ist die Angst im Finanzsektor noch sehr groß, denn solange Cannabis im Bund noch illegal ist, könnten Banken, die legales Grasgeld aus Colorado oder Washington State annehmen, trotz anders lautender Ankündigung der Obama-Administration, noch strafrechtlich verfolgt werden. Deshalb ist der Finanzsektor in den USA in Sachen Cannabis derzeit noch viel kleiner, als er angesichts der Umsätze schon sein könnte oder sogar müsste. Lediglich in Kanada, wo die Produktion von medizinischem Cannabis 100% legal ist und vom Staat immer strenger überwacht und geregelt wird, haben die Investoren die Bedenken weitestgehend abgelegt.

 

Jedoch auch in Deutschland, wo selbst der Besitz von Kleinstmengen und manchmal sogar der bloße Konsum, noch sanktioniert werden, ist der Lockruf des Grünen Goldes bereits zu hören. Seit die Cannabis-Diskussion bei uns neu entbrannt ist, haben sich zahlreiche Initiativen neu formiert, um die Re-Legalisierung und Regulierung von Cannabis voranzubringen. Die meisten arbeiten ehrenamtlich, einige für Selbstkosten oder knapp kostendeckend, um selbst über die Runden zu kommen. Millionäre gibt es bei uns mit einer Ausnahme bislang nicht. Der eine, der es wirklich in einer TV-Show zu einer Million gebracht hat, hat das nicht aus persönlichen Profitstreben gemacht, sondern um die Million für die eigene Überzeugung zu investieren. Man sollte auch meinen, dass die Ressentiments in Deutschland gegenüber Cannabis noch zu groß für die Finanzwelt sind. Schließlich ist Gras bei uns, anders als einigen US-Staaten und in Kanada, noch komplett illegal. Doch seit mehreren Monaten liest man immer wieder Meldungen über deutsche Cannabis-Aktien. Insider sind eher skeptisch und auch die Verstrickung eines Vorstands eines solchen Unternehmens in einen Hamburger Polit-Skandal mit tiefbraunem Hintergrund mutet nicht unbedingt seriös an. Ebenso nicht sehr vertrauenserweckend scheint ein Unternehmen aus Übersee, über das wir zu Jahresanfang berichteten. Das bietet seine Aktien in Frankfurt als so genannte „Penny-Stocks“, also Pfennig-Aktien, an. Derzeit haben sie lediglich Nutzhanfsamen im Programm und die Aktie befindet sich seit ihrer Ausgabe auf stetiger Talfahrt. Ob es sich um eine Blase handelt oder um lang anhaltende Startschwierigkeiten, die bei solchen „Penny Stocks“ häufiger vorkommen, können wir von als Nicht-Ökonomen nicht abschließend bewerten.

 

Aber:

Cannabis ist in Deutschland einfach noch so illegal, dass man mit echten Blüten, egal ob medizinisch oder zur Entspannung, noch kein Geld verdienen kann, ohne im großen Stil Gras und Hasch zu verkaufen, zu schmuggeln oder anzubauen. Derzeit sollte man sich besser über den legalen Status von Growshops Gedanken machen, als an Gras-Aktien zu denken. Doch die Regulierung in Uruguay und Teilen der USA scheint einige glauben zu lassen, sie könnten schon abkassieren, bevor die Konsumenten überhaupt kaufen oder kiffen dürfen. Ganz ohne sich um deren Belange direkt oder zumindest indirekt zu kümmern. Das scheint so nicht ganz zu klappen, und das ist auch gut so. Denn wenn es irgendwann einmal so weit sein sollte, sollen doch alle was davon haben. Auch die, die jahrelang unter dem Verbot gelitten haben.

 

 

3 Antworten auf „Es riecht nach Profit

  1. Papa

    Tja erste Erfahrungen hab ich am 2.12.77 gemacht und wär schon der Meinung dass ich mal einen ganz legal rauchen kann und darf ! Oder ?

  2. Danke Micha :-) :-) :-)

    Lieber Micha,

    Dein Artikel gefällt mir gut. Endlich haben wir die „breite“ Debatte in der Öffentlichkeit, die wir uns immer gewünscht haben. Wir bertrachten die Prohibition mit dem Mikroskop, mit der Lupe, mit den Augen und mit dem Teleskop. Wir bekommen ein „Gesamtbild“. Dazu hast Du mit Deiner unermüdlichen Arbeit, über die Jahre, erheblich beigetragen. Dafür möchte ich mich bedanken. 🙂

    Ich habe das Gefühl, dass wir durch vertieftes Wissen, durch unser ernstahaftes Bemühen, zunehmend ernst genommen werden, je mehr Aufklärung betrieben wird und je mehr Hintergrundinformationen recherchiert und veröffentlicht werden.

    Es wäre schön, wenn die Ausgrenzung von Hanffreundinnen und Hanffreunden bald ein Ende finden würde und man uns (heterogene Gruppe) als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft behandelt, achtet und wahr nimmt.

    Gerade Deine Arbeit Micha, über die Jahre, hat dazu beigetragen. Gerade wie Du immer wieder, mit einem Augenzwinkern aber auch mit Ernsthaftigkeit, mit Humor und auch machmal „breit“ vom Oregano! 🙂 immer wieder Deine Meinung und unsere Interessen vertreten hast und unermüdlich für uns HanffreundInnen aktiv warst und bist. Mach bitte weiter so und noch mehr davon … 🙂 🙂 🙂 Danke.

    Es riecht nach Hanf … und das ist gut so! 🙂

  3. Hero Lucky King Unchanged

    Am meisten finanziell profitieren müssen davon alle die damals verfolgten Menschen, die unsäglich unter dem menschenverachtenden BtmG leiden mussten.

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