Mittwoch, 24. Juni 2015

High Sein – Ein Aufklärungsbuch

Promotion

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Bild: Rogner & Bernhard

 

 

von Jörg Böckem und Henrik Jungaberle

 

„Drogen nehmen kann großartig sein: überwältigend aufregend, lustig, belebend, euphorisierend, inspirierend, sinnlich, identitätsstiftend. Und Drogen nehmen kann auch verheerend sein: […] es kann uns einsam machen oder apathisch, ängstlich oder aggressiv, depressiv oder verzweifelt. Drogen können süchtig machen, unser Leben ruinieren, uns ins Krankenhaus, in die Psychiatrie oder schlimmstenfalls ins Grab bringen. Aber je mehr wir über Drogen wissen, desto besser können wir mit ihnen umgehen.“

 

So die Einleitung von „High Sein“, das seit März 2015 über Rogner & Bernhard im Handel erhältlich ist. Das Aufklärungsbuch richtet sich vor allem an Jugendliche, aber auch an Erwachsene, die sich ausführlich über den Gebrauch von psychoaktiven Substanzen informieren wollen. Ziel ist es die Leser und Leserinnen zu verantwortungsvollen und eigenständigen Entscheidungen in Puncto Drogenkonsum zu befähigen. „High sein“ ist als Einsteigerbuch konzipiert und will einen Überblick über sämtliche mit dem Drogenkonsum verbundenen Aspekten geben. Dazu werden die häufigsten Substanzen wie Alkohol, Cannabis, MDMA, Ketamin, Kokain, Pilze, LSD, Nikotin, aber auch Inhalazien, Medikamente und Amphetamine in Bezug auf Einnahme- und Wirkungsweisen, Risiken und Verbreitung erklärt. Es wird auf die verschiedenen Intentionen mit denen Menschen Drogen konsumieren eingegangen und sowohl das ‚High‘- als auch das ‚Down‘-Sein beleuchtet. Außerdem geht es um die Besonderheiten des ersten und letzten Mals des Drogenkonsums, um das Erkennen der eigenen Grenzen, Leistungssteigerung, Sex unter Drogeneinfluss und Fahrpläne für den Notfall. Dabei dürfen natürlich Hinweise zur Gesetzeslage und aktuellen Drogenpolitik nicht fehlen.

 

Die Autoren Jörg Böckem und Hendrik Jungaberle sammelten jahrelang Erfahrung auf dem Gebiet. Böckem veröffentlichte bereits vier Bücher über Drogen und Sucht, in denen er auch seine eigene langjährige Heroinabhängigkeit thematisierte. Jungaberle ist Wissenschaftler und forscht zur Wirkung und zum Umgang mit Drogen. Unterstützt wurden sie durch die zwei studentischen Jungautoren Immanuel Jork und Julia Kluttig, welche mit den Anliegen ihrer Altersgruppe bestens vertraut sind. Die aufgeführten Tabellen und Grafiken sind zum Teil leider recht unübersichtlich gestaltet. Dafür gewinnt das Buch aber durch die zahlreichen Erfahrungsberichte von jungen Männern und Frauen, die die Autoren für das Werk interviewt haben. Darunter sind  Studierende aus verschiedenen deutschen Städten, Insassen der Jugendhaftanstalt Schleswig und Patienten der Drogentherapieeinrichtung Come In! in Hamburg. Die Interviewten berichten von der Dauer und Intensität ihres Konsums, Lieblingssubstanzen, den damit verbundenen Veränderung in ihrem sozialen Umfeld, Erleuchtungsmomenten und tiefen Abstürzen. „High Sein“ will niemanden verurteilen oder die Konsumentscheidungen in irgendeiner Weise werten. Die Autoren betonen jedoch immer wieder wie wichtig es ist, sich im Vorfeld Gedanken zu machen und das eigene Konsumverhalten bzw. das Verhalten unter Drogeneinfluss zu reflektieren. Dazu gehört auch den eigenen Körper zu verstehen und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Das Buch ist für Neulinge gedacht. Erfahrene Hasen sind bei den wiederkehrenden Ausführungen über die eigene Bewusst-Werdung leicht versucht einige Seiten zu überspringen. Gerade für junge Menschen, für die das Sich-Selbst-Kennenlernen nicht nur in Bezug auf Drogen eine Rolle spielt, bieten das Buch jedoch einen gelungenen Einstieg in die Materie.

 

Foto: Rogner & Bernhard

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