Dienstag, 23. Juni 2015

Mellow Mood im Interview

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Bild: Soulfire Artists

 

von  Michael Knodt

 

„Man kann eine Menge nützlicher Sachen mit und aus Hanf machen, die nix mit Rauchen zu tun haben“

 

Mellow Mood ist die populärste Roots Reggae Band Italiens und wurden für ihre fetten Live-Auftritte vom Rototom Sunsplash zur ‚Besten Italienischen Reggaeband“ gekürt. Zurzeit touren die Jungs mit ihrem neuen Album „2 the World“ durch Europa. Wir konnten die Zwillinge Jacob & L.O. Garzia (Gesang/Gitarre) sowie Gulio (Bass) und Filippo (Keybords) kurz vor ihrem Auftritt im Berliner „Yaam“ treffen und haben die Gelegenheit genutzt, ihnen ein paar Fragen zu ihrer Musik, der italienischen Reggae-Szene und selbstverständlich auch zu „Ganja“ zu stellen.

 

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2 The World – Bild: Soulfire Artists

 

 

Hallo Jacob, L.O., Gulio und Filippo!

 

MM: Hi!

 

 

Ihr habt zu Eurem ersten Auftritt nach Berlin Euer neues Album mitgebracht. „2 the World“ ist sozusagen das Zwillings-Album Eurer letzten CD, „Twinz“ Hat das auch was damit zu tun, dass Ihr beide Zwillinge seid?

 

Twin 2: Ganz genau. Wir haben vor einem guten Jahr eigentlich schon an ein Doppel-Album gedacht. Ein Doppelalbum, das zwar zeitlich versetzt raus kommt, bei dem die beiden Teile aber eng miteinander verbunden sind. Wenn ich mir „Twinz“ und „2 the World“ anhöre, bemerke ich schon eine musikalische Weiterentwicklung. Aber zusammen versteht man die Message sicher besser, es gibt auch „Zwillings-Songs so wie „Inna Jamaica I + II“ oder „Twinz“ und „Twinz Invasion.“

 

 

Ihr habt für das neue Album auch mit bekannten jamaikanischen Künstlern wie Tanya Stevens, Jah9, The Gideon, Selah und Hempress Sativa zusammengearbeitet. Wie hat das Eure Arbeit beeinflusst?

 

Guilio: Unsere Jamaika-Reisen und die Auftritte dort, haben unsere Musik sehr stark beeinflusst und tun das noch. So haben wir auch all die Künstler treffen und mit ihnen arbeiten dürfen. Wir haben auch ein Live-Projekt mit unserem Produzenten Paulo als DJ, das uns besonders auf Reisen immer wieder sehr inspiriert.

 

 

Weshalb Reggae?

 

Twin2: Ich bin schon sehr früh mit „Bob Marley Music“ in Berührung gekommen, mein Bruder auch. Ich mache nicht nur Reggae, ich lebe ihn, genau wie mein Bruder. Guilio kennen wir über unseren Manager Paulo. Der hat ihn zum Reggae „gebracht“.

 

Filippo: …und ich komme eher aus der Dub-Ecke.

 

 

Ihr seid in den letzten Jahren auch in Deutschland sehr bekannt geworden, in Italien kennt Euch fast jeder. Eher ungewöhnlich für Reggae-Musiker.

 

Twin 2: Ich glaube, die Reggae-Szene hat sich in Europa verändert und ist gewachsen. In jedem Land gibt es eine große Reggae-Bewegung, weshalb auch Bands aus Europa eine Chance haben. Als wir jung waren, kannten wir kaum europäische Reggae-Musik. Ich habe das Gefühl, das ist jetzt ganz anders.

 

 

Wie habt ihr Euch als Band gefunden?

 

Guilio: Wir kommen fast alle aus der gleichen Gegend im Norden. Ich bin zwar älter als die Zwillinge, aber wir haben dieselbe Schule besucht. Die Band und die Musiker, die mit uns reisen, kommen  allerdings aus ganz verschiedenen Teilen Italiens. Filippo kommt aus Rimini. Das kennt man hier wahrscheinlich. Unser Drummer kommt aus Terracina, das liegt zwischen Rom und Neapel. Das Merchandise Team aus Bergamo, der Sound-Engineer aus Triest in Slowenien…

 

Filippo: …wir sind eben eine Internationale Band.

 

 

So wie die ganze Bewegung?

 

Gulio: Ja. das mit der Sprache hat sich geändert. Früher war die Szene auch schon groß, aber die bekannten Bands haben vorwiegend italienisch gesungen. „Africa Unite“ aus Turin, „Pitura Fresca“ aus Venedig oder auch das „One Love Highpower Movement“ aus Rom haben über ihren Alltag und über was sie bewegt auf Italienisch gesungen. Wir, Lion D. oder Forelocks sind die erste Generation italienischer Reggae-Künstler, die Englisch oder Patois singen. Deshalb ändert sich wohl auch die Aufmerksamkeit auf internationaler Ebene ein wenig. Und natürlich wegen der Sozialen Medien.

 

 

Das größte Reggae-Festival der Welt, das Rototom Sunsplash, ist vor einigen Jahren von Eurer Heimat nach Spanien gezogen. Glaubt ihr, das hatte etwas mit den Cannabisgesetzen in Italien zu tun?

 

Gulio: Ich glaube, es lag mehr am Stigma von Cannabis und der gesamten Reggae-Kultur als an den Gesetzen. Eine so große, kulturelle Veranstaltung, die nicht „Mainstream“ war, hatte was Verdächtiges. Drogenhändler und Drogensüchtige eben. Ein Kulturschock. Aber alle Vorwürfe, das Festival habe den Cannabiskonsum beworben, haben sich als haltlos erwiesen. Vielleicht ändert das ja was.

 

 

Wie steht Ihr zu einer Regulierung von Cannabis?

 

Twin2: Vorab – Wir rauchen nicht. Aber man kann eine Menge nützliche Sachen mit und aus Hanf machen, die nix mit rauchen zu tun haben. Kleidung, Essen und auch Medizin. Ich glaube, ich kann für uns alle sprechen, wenn ich sage, es wäre besser, es zu legalisieren. So kann man es besser kontrollieren. Der Schwarzmarkt trocknet aus und die medizinische Verwendung ist dann möglich. Es wäre wahrscheinlich eine saubere Sache und würde Menschen helfen.

 

 

Was haltet Ihr von dem medizinischen Cannabis-Programm der Regierung in Italien, die ja jetzt schon medizinisches Cannabis anbauen lässt?

 

Twin2: Richtig legal ist das nicht. Wenn ich Cannabis als Medizin bräuchte, wäre der bürokratische Aufwand riesig und es wäre sehr zeitaufwendig, das kann Jahre dauern. Es geht nicht um Gras speziell, sondern um die Richtung, in die sich das entwickelt. Denkt nur mal an die Beschränkungen, die seit ein paar Jahren für den Anbau und Verkauf ganz normaler Kräuter gelten. Aber eigentlich ist das in unserer Band gar kein Thema, wir reden eigentlich nie über Gras…

 

 

..und habt deshalb auch keinen Ganja Tune?

 

Twin 1: Doch, einen. (Free Marihuana zusammen mit Damas)

 

Twin 2:..aber wir wollen das Thema Kiffen nicht fokussieren oder gar das Rauchen von Weed promoten. Mich persönlich interessiert das nicht, ich finde Nutzhanf und die medizinische Anwendung viel interessanter. Die Pflanze ist sehr stark.

 

Gulio: Wenn man an Reggae und Ganja denkt, hat man immer die Vorstellung von kiffenden Leuten im Kopf. Aber man kann Ganja zu so viel mehr gebrauchen. Die Medien berichten immer nur über die Droge Cannabis. Die negativen Folgen bei zu intensivem Konsum werden ständig betont, aber das ist ja nicht die Regel. Und das passiert ja auch ein paar von denen, die Alkohol trinken. 99% Prozent der Dinge, die man mit Cannabis machen kann, sind nützlich. Man darf nur nicht zu viel davon rauchen. Wenn Cannabis bei uns eine Rolle spielt, dann nicht zum Rauchen.

 

 

Ihr seid ja auch keine Kiffer-Combo, sondern eine Band.

 

Gulio: Genau, aber wir kommen damit gut klar. Wir haben es eben nicht ständig um uns.

 

 

Ihr habt von Eurem DJ-Projekt berichtet. Wie steht es um die italienische Sound System-Kultur?

 

Gulio: Auch da hat sich viel getan. Als wir angefangen haben, gab es eine Hand voll Sounds im UK Dub-Style in Italien, mittlerweile gibt es ungefähr vier Sounds in jeder unserer 20 Regionen (Anm.: Ähnlich der deutschen Bundesländer). Die meisten spielen diesen „Heavy-Steppas-Sound“ aus England, aber die Bandbreite von Norden nach Süden ist riesig. „Dan-I“ von „Imperial Sound Army“ tourt viel durch Europa, er kommt aus dem Norden und zelebriert diesen Heavy-Steppaz Sound. Die Sounds im Süden wie „BabaBoom Hifi“ spielen eher den klassischen Roots-Sound. Wir wollen uns diesem Teil der Reggae-Kultur öffnen und wollen auch als Live-Band zusammen mit Sound-Systems was starten. Da kann man zwei Dinge, Live Acts und Sound System Kultur zusammenbringen, die viel zu wenig miteinander kommunizieren.

 

 

Das Album ist raus, derzeit befindet Ihr Euch auf Europatournee. Wo kann man Euch noch überall sehen?

 

Gulio: Die Tour ist in zwei oder drei Wochen rum, danach geht es nach Hause. Dann kommen die Festivals, unsere Fans aus Deutschland können uns auf dem Chiemsee Reggae und auf dem Theater Festival in Isny sehen, in Österreich treten wir beim „Eastrock“ in Lienz auf. Alle anderen Tourdaten und noch viel mehr über Mellow Mood gibt es auf unserer Internetseite.

 

 

Vielen Dank für das Interview. Viel Spaß beim Konzert und alles Gute für eure Zukunft. Tschüs

 

 

Mellow Mood: Bye bye

 

 

Beim anschließenden Live-Konzert haben die fünf Musiker aus Italien das bis auf den letzten Platz gefüllte „Yaam“ buchstäblich zum Kochen gebracht. Das vorwiegend junge Publikum wollte Mellow Mood nach fast 90 Minuten Live-Show auch nach mehreren Zugaben nur ungern von der Bühne lassen. BigUp!

 

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