Donnerstag, 11. Juni 2015

Feuer auf Marlene Mortler

Schadensminderung durch präventives Kiffen?

 

Beitrag von Hans Cousto

 

 

 

Am Donnerstag, 21. Mai 2015, stellte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler den „Drogen- und Suchtbericht 2015“ der Öffentlichkeit vor. Das erste Kapitel ist dem Alkohol gewidmet. Auf Seite 22 steht die erfreuliche Meldung: „Aufgrund einer Alkoholvergiftung wurden 2013 insgesamt 23.267 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren ins Krankenhaus eingeliefert; davon waren 71 Prozent noch keine 18 Jahre alt. 2012 waren es insgesamt 26.673 Fälle in der Altersgruppe zwischen zehn und 20 Jahren gewesen, das entspricht einem Rückgang von 12,8 Prozent.

 

In der bei der Veröffentlichung des „Drogen- und Suchtberichts 2015“ herausgegebenen Pressemitteilung wird die Drogenbeauftragte mit den folgenden Worten zitiert: „Zu Beginn des vergangenen Jahres habe ich das Amt der Drogenbeauftragten angetreten. Der diesjährige Bericht deckt somit einen Großteil meines ersten Amtsjahres ab. In dieser Zeit ist viel geschehen. […] Wir haben in 2014 viele positive Auswirkungen der Politik der vergangenen Jahre verzeichnet.“ Und tatsächlich, so steht es im Bericht, sei dieser Rückgang im Vergleich zum Vorjahr sehr positiv und es bleibe zu hoffen, dass die Alkoholprävention auch in den kommenden Jahren dazu beitragen möge, dass die Fallzahlen der Alkoholvergiftungen nach den regelmäßigen Anstiegen von 2000 bis 2012 weiter sinken werden. Gemessen an der Gesamtzahl der Fälle von Alkoholintoxikationen im Jahr 2000 (insgesamt 9.514 Fälle) ist der Wert von 2013 (insgesamt 23.267 Fälle) immer noch etwa um das Anderthalbfache erhöht (+ 144,6 Prozent). Im Vergleich zum Jahr 2012 war im Jahr 2013 (26.673 Fälle) jedoch eine Abnahmen von 12,8 Prozent der Fälle zu verzeichnen.

 

Im gleichen Kapitel ist eine ganzseitige Abbildung zu sehen, auf der die Krankenhausbehandlungen aufgrund von Alkoholvergiftungen für die einzelnen Bundesländer in Relation zur Einwohnerzahl (pro 100.000 Einwohner) dargestellt sind. Die niedrigsten Werte weisen die Stadtstaaten Hamburg (131,4) und Berlin (162,6) auf, für Bayern ist ein Wert angegeben, der mehr als dreimal so groß ist wie derjenige für Hamburg. In Bayern mussten über 430 Personen pro 100.000 Einwohner wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Nur im Saarland waren es noch mehr: 505,1.

 

Bayern gilt als das Bundesland, wo die Polizei am häufigsten Personenkontrollen durchführt und die intensivste Kifferjagd veranstaltet. In Hamburg und in Berlin herrscht in diesem Bereich eine größere Toleranz. Diese Tatsache lässt den Verdacht aufkommen, dass es dort, wo mehr in geselliger Runde gekifft wird, weniger Leute so viel Alkohol saufen, dass sie infolge dessen im Krankenhaus behandelt werden müssen. Weitere Daten scheinen diesen Verdacht zu bestätigen.

 

In Berlin setzte der Rückläufige Trend beim Komasaufen schon früher ein als im Rest der Republik. So heißt es in einer Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales vom 19. Februar 2013: „Positiver Trend in Berlin: Erstmals seit 2004 gibt es einen deutlichen Rückgang bei den alkoholvergifteten Kindern und Jugendlichen. In 2011 wurden im Vergleich zu den beiden Vorjahren rund 12 % weniger junge Berlinerinnen und Berliner in der Altersklasse 10 – 19 Jahre mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt. Hier unterscheidet sich Berlin deutlich vom Bundestrend, der wieder leicht angestiegen ist.“ Und in einer Pressemitteilung vom 27. April 2015 heißt es: „In Berlin ist die Zahl jugendlicher Rauschtrinker gesunken. Im Jahr 2013 kamen nach den veröffentlichen Zahlen des Statistischen Landesamtes 270 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Damit sank die Zahl der Betroffenen im Vergleich zu 2012 um rund 32 Prozent.

Am 10. Februar 2015 meldete der Norddeutsche Rundfunk, dass die Jugendlichen im Stadtstaat Hamburg deutlich verantwortungsbewusster mit Alkohol umgehen als in den benachbarten Flächenländern. So kamen laut den neusten Zahlen in der Hansestadt 136 Heranwachsende pro 100.000 Gleichaltriger im Vollrausch ins Krankenhaus, im Nordosten hingegen mehr als doppelt so viele. Alle Nord-Länder bleiben allerdings unter dem deutschen Schnitt von 296.

 

Das Büro für Suchtprävention der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e. V. veröffentlichte 2014 zahlen zum Cannabis- und zum Alkoholkonsum in Hamburg und einigen anderen Orten zum Vergleich. Im Hamburg sank die Lebenszeitprävalenz (mindestens einmal im Leben konsumiert) von Alkohol bei den 14- bis 17-jährigen im Zeitraum von 2007 bis 2012 von 83 auf 77 Prozent, die Lebenszeitprävalenz von Cannabis stiegt hingegen von 23 auf 29 Prozent. Die 30-Tage-prävalenz (mindestens einmal im letzten Monat konsumiert) von Cannabis stieg im gleichen Zeitraum bei den 14- bis 15-jährigen von 7 auf 13 Prozent und bei den 16- bis 17-jährigen von 11 auf 22 Prozent. Dies sind deutlich höhere Werte als im Bundesdurchschnitt, einzig in Berlin wird vermutlich noch mehr gekifft, doch dazu gibt es keine aktuellen repräsentativen Zahlen.

 

Dass Kiffer weniger saufen als die Durchschnittsbevölkerung ist seit langem bekannt. So hat die Arbeitsgruppe „Hanf und Fuß“ bereits im Jahr 1993 bei einer großen Umfrage festgestellt, dass Kiffer beim Joint oder bei der Wasserpfeife lieber Tee als Bier trinken. In der 1994 im Nachtschatten Verlag und bei Werner Pieper’s MedienXperimente unter dem Titel „Unser gutes Kraut – Das Portrait der Hanfkultur“ erschienen Auswertung der Umfrage kann nachgelesen werden, was Kiffer gerne beim Rauchen trinken (Mehrfachnennungen möglich):

 

69%: Tee, Chai

60%: Bier

54%: Kaffee

51%: Wein, Schaumwein

16%: Schnaps

 

Ist Kiffen ein Antidot (Gegenmittel) zum Komasaufen? Es gibt deutliche Hinweise, dass dem so sein könnte. Ist der Rückgang der Krankenhausbehandlungen aufgrund von Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen wirklich ein Erfolg der Präventionsmaßnahmen, die Marlene Mortler so gerne lobend erwähnt, oder vornehmlich auf den vermehrten Konsum von Cannabis zurückzuführen. Hier wäre ein interessantes Thema für eine große Studie. Möge die Drogenbeauftragte dieses Thema mal genau untersuchen lassen und berechnen lassen, was für Kosten durch vermehrtes Kiffen und verminderten Alkoholkonsum sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen eingespart werden könnten und wie viele Lebensjahre Menschen gewinnen würden – denn aufgrund des Kiffens hat noch niemand eine tödliche Intoxikation erlitten, aufgrund des Konsums von Alkohol sehr wohl.

 

9 Antworten auf „Feuer auf Marlene Mortler

  1. steve wenzel

    hanf ist eine alternative zu vielen harten drogen, wenn nicht sogar zu allen harten drogen! der staat lügt sich selber in die tasche und dazu noch das ganze deutsche volk! hanf gehört legalisiert! es gibt keinen jugendschutz durch verbote! einen echten und überhaupt schutz der jugend findet nur unter einem geregelten zugang zu hanf für erwachsene statt!

  2. Lars Rogg

    Die Studien könne aussagen was sie wollen. Solange unsere saubere ReGIERung nicht kapiert das nicht der Hanf das Problem ist und auch sehr viel weniger Schaden verursacht als die legalen Drogen, wird sich nix ändern. Unsere ReGIERung will einfach nicht, und schluß !!! Das dauert noch einige Jahre bis denen so was wie Eier gewachsen sind. Bis dahin ist die Mortler Geschichte…

  3. Q

    Nur die Argumentation, dass Alk schlimmer ist und tötet laesst sie ja nicht zu. Wie sagte Frau Mortler erst vor kurzem, man darf Alk nicht mit Cannabis vergleichen. Von welcher Partei kommt Frau Mortler gleich? CSu die von sich aus sagen, rechts neben uns darf es keine andere Partei geben. In Bayern ist Bier ein Grundnnahrungsmittel. So lange die Mortler Bundesdrogenebauftragte ist, wird sich nichts aendern. Die Brauereien denken das sie weniger umsatz machen, wenn Hanf und Cannabis erlaubt ist. Dann soll mir mal einer erklaeren warum es noch immer Brauereien gibt in Holland, Spanien und Tschechien. Ich sage nur eins: „Gebt das Hanf frei!“

  4. NORDelMANN

    Was jucken mich die Bazis! Bayern ist für mich voll das Ausland und liegt auf der Achse des Bösen! Da ist mir ja Nord-Korea noch näher.
    Sollen die bayerischen Urzeitmenschen ruhig saufen, bis die rote Knollnase blau anläuft. Auch wünsche ich mir keine Legalisierung, sondern einfach nur, dass wir diese Hinterwädler endlich los werden. Kann doch nicht sein, dass wir Nordlichter ein Leben lang unter der Knute der Süddeutschen leiden müssen. Hätten wir diese Dumpfbacken nicht an der Backe, wäre das Kiffen wie in Holland längst geduldet.

    FREIHEIT FÜR NORDDEUTSCHLAND!

  5. Jamiroquai

    Ich bin 17 und kiffe statt zu saufen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Prävention für den Rückgang der Jugendlichen Alkoholkonsumenten verantwortlich, allerdings ist das so auch nur möglich, weil Alk legal ist. Wäre Cannabis legal könnte man genauso gut Präventionsarbeit leisten, was auch nötig ist , da zumindest in meiner Klasse viel gekifft wird, aber sich meine Mitschüler wenig damit auskennen.
    Von mir aus kann Cannabis gerne illegal bleiben, ich treffe mich nämlich gerne mit meinem Dealer. Dass Mortler nur Schwachsinn von sich gibt muss man ja nicht diskutieren, darüber rege ich mich schon länger nicht mehr auf.
    Ich komme übrigens aus dem Saarland und kann den schlechten Umgang der jüngeren mit Alkohol bestätigen, das ist echt schockierend!

  6. F.J. Blumenstrauß

    @ NORDelMann

    wie recht Du doch hast. Wir in Bayern sitzen alle den ganzen Tag in Lederhosen im Bierzelt oder jetzt bei schönem Wetter im Biergarten, lassen uns volllaufen und zählen sehnsüchtig die Tage bis wir endlich wieder die Schwarzen wählen dürfen…genau so sieht es aus!!!

    Ich sag mal so: Deppen gibts einfach überall, und das Problem ist, sie sterben einfach nie aus. 😉

  7. SeyTi

    Natürlich! Am bestem teilen wir die BRD nochmal und ziehen eine neue Mauer hoch. Müssen nur nochmal überlegen welche Seite die Amis und welche die Riussen bekommen… *facepalm*

  8. Herr Lehmann

    Deutschland neu aufteilen? Find ich gut! Die Amis bekommen den Süden, die Briten Helgoland, die Franzosen das Rheinland, die Russen Ostelbien und die Niederländer Berlin.

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