Dienstag, 12. Mai 2015

Hanf und Malz – Gott erhalt’s?

Eine kleine Bestandsaufnahme aus dem Süden der Republik

 

von Floh Söllner

 

HanfundMalz

 

Das Mensch es als HanfliebhaberIn in Bayern nicht so einfach hat, dürfte ja inzwischen keine Neuigkeit mehr sein. Von allen Bundesländern der Republik wütet die Repression in Bayern (und Baden-Württemberg) am schlimmsten. Der vermeintliche „Clash der Kulturen“ zwischen BiertrinkerInnen und KifferInnen scheint hier seine tiefsten Gräben zu reißen. Die Fronten sind verhärtet. Die Debatte um Alkohol und Cannabis scheint hier mehr emotional als nüchtern geführt zu werden.

 

Dabei sah das vor nicht allzu langer Zeit noch ganz anders aus. Schließlich war Hanf seit Jahrtausenden wichtiger Bestandteil des Lebens und Rückgrat der Industrie in Deutschland und Mitteleuropa. Noch um das Jahr 900 verpflichtete Karl der Große seine Bauern per Gesetz zum Hanfanbau und erwirkte weiterhin, dass Steuern auch mit Hanfsamen bezahlt werden konnten. Um 1450 löste die Technik des Drucks auf Hanfpapier die Gutenberg-Revolution aus und bis Anfang des 20. Jahrhunderts zählte Cannabis zu den meist verordneten Arzneimitteln überhaupt. Im ersten sowie im zweiten Weltkrieg wurde der Hanfanbau staatlich gefördert und teilweise sogar verordnet, da er für die Kriegsindustrie unerlässlich war. Mit der Befreiung der Alliierten Deutschlands vom Hitler-Faschismus brachten die USA allerdings leider nicht nur Kaugummi und Rock’n’Roll mit in unsere Lande, sondern auch den Krieg gegen die „Teufelsdroge“ Cannabis. Aus der gescheiterten Alkoholprohibition in den USA selbst schienen die Amerikaner damals kein Stück gelernt zu haben. So kam es letztlich, das erst vor 70 Jahren der irrationale Kampf gegen eine Jahrtausende alte Kulturpflanze begonnen wurde, der allerdings bis heute tiefe Spuren in den Köpfen der Bevölkerung hinterlassen hat.

 

Cannabis wurde in staatlichen Informationsbroschüren in einem Atemzug mit Heroin oder Crack genannt. In sogenannten „Anti-Drogen-Kampagnen“ wurden skurril überzeichnete Bilder von Drogensüchtigen mit Cannabis in Verbindung gebracht. Eltern wurden durch Schulrundbriefe über die angebliche Gefahr „aufgeklärt“ und ein breites Spektrum von Halbwissen bis Unwissen bildete den anerkannten Meinungsstandard der Gesellschaft. Die Folgen dieser Verteufelungs-Propaganda sind leider selbst bis heute in den Köpfen der Menschen spürbar. Nicht zuletzt die Verfolgung durch die staatlichen Behörden schien die These von der Gefährlichkeit von Hanf zu untermauern. Schließlich, so die Logik, wäre Cannabis ja nicht verboten, wenn es nicht gefährlich wäre.

 

Kein Wunder also dass sich Cannabis-KonsumentInnen, durch die Gesellschaft geächtet und die Repression verfolgt, zurück zogen um ihre eigenen Kreise zu bilden. Eine Szene mit eigener Sprache, eigener Musik und einer deutlichen Abgrenzung zum Mainstream sowie zum scheinbar Normalen. Schnell gab es ein „Wir“ und ein „die Andern“ und genau wie Otto-Normal-Verbraucher über die „arbeitsfaulen Kiffer“ schimpfte, begann sich unter den KifferInnen eine Art elitäre Einstellung zu verbreiten. „Saufen macht dumm aber Kiffen kreativ“ war zu seiner Zeit ein Statement das in den meisten Kreisen nicht oft angefochten wurde.

 

Doch stellt es sich nicht eher so dar, dass jede Droge im vernünftigen Maß genossen gut und förderlich sein kann, missbräuchlich konsumiert aber fatale Folgen haben kann? Das Glas Wein am Abend, die Entspannungstüte am Wochenende, der MDMA-Dip auf einem Festival oder ein Pilz-Trip im Sommer auf einer Wiese mit guten FreundInnen – richtig angewendet können Drogen eine wunderbare Sache sein. Wenn sich allerdings durch den Konsum irgendwelcher Substanzen eine Verschlechterung der Lebensqualität einstellt, so liegt ein Missbrauch vor und die jeweilige Droge wirkt sich negativ auf den Konsumenten aus.

 

Fazit: Es gibt keine „guten“ oder „schlechten“ Drogen, und Kiffen ist auch nicht besser oder schlechter als Zucker, MDMA, Alkohol oder LSD. Die Verwendung macht die Droge zum Gift oder zum Genussmittel und daher sollten wir endlich aufräumen mit dem alltäglichen Substanzfaschismus, dem ich leider viel zu oft begegnen muss. Ob auf sozialen Plattformen oder im Freundeskreis: Immer ist die Droge, die selbst konsumiert wird „in Ordnung“ und „kein Problem“, andere Drogen jedoch sind schädlich, machen dumm oder führen zum Tod. Schnell schiebt man, wenn man nicht aufpasst, andere Menschen in Schubladen weil sie dies oder jenes konsumieren oder eben auch nicht. Fakt ist: Diese Sichtweise ist Blödsinn!

 

Natürlich haben verschiedene Drogen unterschiedliche Gefahrenpotenziale, ein „Besser“ oder „Schlechter“ zu benennen entbehrt jedoch jeglicher medizinischen, chemischen und moralischen Grundlage. Im Hinblick auf die zurzeit immens erstarkende Cannabis-Debatte in Deutschland möchte ich hierzu noch folgendes anmerken: Um das Ziel einer Legalisierung durch zu setzen, brauchen wir eine Mehrheit, die unser Anliegen unterstützt und uns sozusagen wohl gesonnen ist. Die Menschen, die Cannabis konsumieren, tun das sowieso bereits.

 

Wer ist nun dieser Rest der Bevölkerung, den es gilt noch mit ins Boot zu holen? Richtig, Otto-Normal-Verbraucher und Anna-Normal-Verbraucherin mit ihrem Glas Wein in der Hand! Sie müssen verstehen, dass wir ihm nichts Böses wollen, sondern nur das gleiche Recht fordern unsere frei gewählte Droge zu konsumieren, dass auch sie sich herausnehmen. Hier wäre es dumm und kurzsichtig politische und gesellschaftliche Frontlinien zu ziehen und Grabenkämpfe aus zu fechten die nur Kraft und Ressourcen kosten, anstatt aufeinander zuzugehen und mit sinnvollen Argumenten im Idealfall gemeinsam ein gleiches Recht für alle zu fordern. Denn der Forderung einer Gleichstellung („Wir wollen nicht mehr als ihr und nehmen euch nichts weg, wir wollen nur das Gleiche…“) ist politisch schwer zu entgegnen.

 

Andersherum jedoch wird es schwer eine Mehrheit für eine Legalisierung zu gewinnen, wenn im gesellschaftlichen Alltag eine Spaltung zwischen „denen“ und „uns“ gelebt wird. Auch wenn wir schon sehr lange eine schlimme Repression erdulden müssen, wir CannbiskonsumentInnen sollten uns wieder als aktiver Teil dieser Gesellschaft verstehen. Einer Gesellschaft in der niemand will, dass unschuldige Menschen eingesperrt, Millionen an Steuergeldern verschwendet werden und eine Jahrtausende alte Kulturpflanze aus einer irrationalen und veralteten Angst heraus nicht positiv genutzt wird. Nur so haben wir eine Chance etwas an den bestehenden Verhältnissen zu ändern.

 

Unser Feind ist ein anachronistischer Paragraph und ein paar verstaubte Konservative die ihn verteidigen und nicht der nette Herr Nachbar, der lieber seinen Wein trinkt anstatt zu kiffen. Also lasst uns zusammenarbeiten und diese Repression gemeinsam beenden, damit alle in diesem Land etwas davon haben!

 

In diesem Sinne: Hanf und Malz, Gott erhalt’s!

 

4 Antworten auf „Hanf und Malz – Gott erhalt’s?

  1. Ralf

    Das liest sich wie garnix ! Es ist der übliche nichts aussagende Unterhaltungsscheiß, den jetzt schon fast jeder auswendig kennt. Was wie immer fehlt, sind Fakten, Zahlen und vor allen Dingen NAMEN und Hintergründe. Es wurde,… es schienen, …..so kam es das……begonnen wurde, ….wurde in Verbindung gebracht…., ja von wem denn verdammt nochmal damals, und von wem denn heute. Wer sind die Hauptverbrecher die uns das angetan haben und immernoch antun ? Und wer hat ihnen in Deutschland geholfen ? Woher hatten und haben sie ihre Macht das zu tun? Erst wenn diese Fragen mal wirklich gestellt werden, und die Antworten darauf einmal jeder weiß, kann sich auch wirklich was ändern, vorher nicht , denn die Verbrecher behalten wieder mal ihre Macht.

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