Montag, 4. Mai 2015

Immer mehr Durchsuchungen von Growshops

Progrow Witten geht jetzt an die Öffentlichkeit

 

police
Bild: nokomai / freeimages

 

Seit die Polizei im vergangenem Jahr die Geschäftsräume der Firma MiHa, einem Großhändler für Growbedarf, durchsucht hatten, werden immer wieder Growshops und auch die Wohnungen von Endkunden solcher Shops durchsucht. Dabei interessieren sich die Ermittler auch immer für eventuell gespeicherte Kundendaten, besonders die von Online-Kunden scheinen für die Fahnder interessant zu sein. Kürzlich wurden die Geschäftsräume von „Progrow“ in Witten von Polizei und Staatsanwalt besucht. Auch hier lautete der Vorwurf so wie in allen Fällen der vergangenen Monate:

 

Die Beschuldigten betreiben als Geschäftsführer das Einzelhandelsgewerbe mit Namen „Progrow“ […], welches laut Internetpräsenz auf den Verkauf von sog. „Growzubehör“, also Zubehör zum illegalen Anbau von Betäubungsmitteln, insbesondere Marihuana spezialisiert ist und darüber hinaus die Kunden über erfolgreiche Methoden beim Betrieb sog. „Indoorplantagen“ informiert.“

 

Da die Firma weder zum Cannabisanbau berät noch keinen Onlinehandel betreibt oder keine Kundendaten speichert, war die Aktion der Bochumer Polizei ergebnislos, was sie nicht davon abgehalten hat, die Computer der Firma trotzdem zu beschlagnahmen. Die Firma selbst hat sich entschieden, dieses in ihren Augen illegale Vorgehen seitens der Polizei nicht mehr gefallen zu lassen und hat mit Rechtsanwalt Udo Vetter ein echtes juristisches Schwergewicht mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt.  Zudem ist Progrow mit einer Offenen E-Mail jetzt an die Öffentlichkeit gegangen:

 

„Sehr geehrte Kunden, liebe Geschäftspartner & Freunde,

 

wir sehen uns in der Pflicht euch darauf hinzuweisen, dass das Amtsgericht Bochum eine Durchsuchung unserer Geschäftsräume veranlasst hat.
Im Zuge des Informationszugangsrechtes und dem Wunsch nach einer freien, transparenten Gesellschaft weisen wir hiermit darauf hin, dass Kopien unserer Festplatten angefertigt wurden.
Somit verfügen jetzt nicht nur wir und die NSA, sondern auch das Amtsgericht Bochum über die gesamte E-Mail Kommunikation von und an „info@progrow.de“ und alle weiteren über progrow.de abgewickelten E-Mails. Bisher bekannter Grund der Durchsuchungen sind Ermittlungen gegen einen deutschen Großhändler, dessen Kunde wir sind.
Im Zuge dieser Ermittlungen wurde dem Großhändler und nun auch uns vorgeworfen gegen §§ 29 Abs. 1 Nr.1 BtMG, 27 StGB verstoßen zu haben.

Wer uns näher kennt, weiß natürlich wie offenkundig falsch diese Behauptungen sind.
Den ermittelnden Beamten wird das eigentlich offenkundige nach kurzer Ermittlungszeit wohl ebenfalls klar werden.
Aufgefundene und sichergestellte Beweismittel nach ausgiebiger Durchsuchung unseres gesamten Ladens: 0. (In Worten null, nix, nada)

Jedoch gab‘ es den expliziten Auftrag unsere Computer zu kopieren um Kundenlisten unseres Online-Handels sicherzustellen.
Wenn es auch eigentlich unnötig ist, so weißen wir darauf hin, dass wir keinen Online-Handel betreiben.*
Wir keinen Versandhandel betreiben.*
Wir keine Kundendaten erheben, verarbeiten oder speichern.*
Wir von Endkunden lediglich Barzahlung akzeptieren, somit auch über keinerlei Bankverbindungen verfügen.*
Die Auswertung unserer „Kundenlisten“ dauert zwar noch an, dürfte aber aufgrund der überschaubaren Zahl 0 (in Worten null, nix, nada) vergleichsweise schnell von statten gehen. * Wir wurden lange dafür belächelt, mit unserem umfangreichen Lagersortiment nicht noch einen schnellen Online/eBay/etc-Euro dazuzuverdienen. Unsere private Meinung war und ist, dass alle Daten die irgendwann erhoben werden auch missbraucht werden. Diese Erkenntnis ist nicht erst der „Generation Facebook“ geschuldet, sondern resultiert vielmehr aus der jüngeren deutschen Geschichte, in der bereits zwei Mal Unrechtssysteme harmlose Namenslisten zur Umsetzung der Tyrannei missbrauchten)
Nicht verhindern ließ sich jedoch, dass nun jegliche E-Mail Kommunikation in den Händen der ermittelnden Beamten ist. Wir hoffen sehr, dass die Kriminalpolizei Bochum über genügend personelle Reserven verfügt die geschätzt 20.000 E-Mails auszuwerten und zur Widerlegung der Anschuldigungen zu verwenden.
Obwohl zur Widerlegung der Anschuldigungen eigentlich kein weiterer Aufwand unsererseits von Nöten ist und jeder abgewrackte Wald- und Wiesenanwalt zur Klärung ausreicht, freuen wir uns sehr, dass wir in diesem Fall den bundesweit bekannten Anwalt Udo Vetter verpflichten konnten. Als Rechtsexperte für Grundrechte, ausgezeichnet mit dem Grimme-Award und Lehrbeauftragter der FH-Düsseldorf wird Herr Vetter hoffentlich nicht nur für uns, sondern vor allem für die Zukunft (und unsere geschätzten Mitbewerber!) weitere Willkür durch Rechtsstaatlichkeit zu ersetzen wissen.

 

Beste Grüße,
Pascal Drisch

 

P.S.: Wir sind für Informationsfreiheit und Transparenz. Die Verwertung, Weiterleitung, Verbreitung und Veröffentlichung dieser Mail ist jedem gestattet.

8 Antworten auf „Immer mehr Durchsuchungen von Growshops

  1. Lars Rogg

    Die Verbrecher von der NSA werden hofiert und zum Partner gemacht- weltweite Verbrechen wie Drohnenangriffe inklusive. Und was macht unser „Rechtsstaat“???
    Er drangsaliert und fi… harmlose, rechtschaffende, ehrlich arbeitende Händler. Das dieses Bullenges…. bzw die Staatsanwaltschaften bis heute solche Aktionen durchzieht, in der Hoffnung arbeitende Menschen arbeitslos zu machen bzw ein paar tausend Anbauer zu erwischen, ist der beste Beweis wo wir noch immer stehen. Anstatt sich echten, schädlichen Verbrechern zu widmen, wird Geld, Manpower und juristisches Potenzial für komplett harmlose Mitmenschen verschwendet. Ganz große Leistung !!! (ich klatsche in die Hände). Das ist eben einfach abzugreifende Statistikverbesserung. Keinerlei Gefahr, weil Kiffer in der Regel unbewaffnete, friedliche Menschen sind und man kann in der Presse die eigene ach so tolle Leistung beim Schlag gegen die Organisierten Kriminalität feiern. Offensichtlich gibt es im gesammten Bundesgebiet kaum noch Staatsanwälte die genug Eier haben so einen Unsinn zu unterlassen- da kann es nur noch um die Show und die Kriminalisierung von Menschen gehen, die objektiv keinerlei Schuld auf sich geladen haben. Das die Büttel ganz offensichtlich nicht richtig vorgearbeitet haben oder es nicht für nötig hielten sich im Internet zu informieren, sieht man ja schon an dem an den Haaren herbeigezogenen „pro forma“ Grund des Onlinehandels. Das ist ja schon peinlich das so faule und unfähige Menschen für Recht und Unrecht zuständig sind- Bullerei wie Staatsanwaltschaft.!!! Die Leute dürfen Waffen tragen!!! Macht einem eine Himmelangst. Solche Aktionen sind der Beweis, dass wir ganz dringend eine andere Drogenpolitik in der gesammten BRD brauchen ( nicht nur in Berlin ). Dann müßte sich unsere Staatsanwaltschaft und Polizei echte Verbrecher suchen…wahrscheinlich kriminalisieren die dann Kindergärten und Horte. Diese kleinen Menschen wehren sich bei einer Hausdurchsuchung genauso wenig, wie ein bekiffter Hippie- ein leicht einzufahrender Erfolg, der dann nur noch die Statistik verbessern muss und der Presse als erfolreicher Schlag gegen übelste Verbrecher verkauft werden muss. Ein Hoch auf unseren Staat !!!!

  2. Lörn Mit Jörn

    Dazu kann ich nur sagen:

    SCHLUSS MIT KRIMI – CANNABIS NORMAL!
    SCHLUSS MIT WILLKÜR – SCHLUSS MIT DER VERFOLGUNG UNSCHULDIGER!
    SCHLUSS MIT DER VERSCHWENDUNG VON STEUERGELDERN – EINSATZ VON STEUERGELDERN FÜR DIE VERFOLGUNG ECHTER VERBRECHER!

    …SCHLUSS MIT DEM WAHNSINN!!!

  3. hanffreud

    Wie können diese Durchsuchungen rechtens sein? Auf einen Freund wurden sie auch nur wegen den Kundendaten von Udopea aufmerksam (Urteil ausstehend). Das muss doch anfechtbar sein, kann doch nicht sein das der Staat einen überwachen darf, weil man legale waren gekauft hat.

  4. André B.

    Man müsste versuchen gerichtlich ein Präzedensfallurteil zu schaffen , um solche Grundrechtsbrüche für die Zukunft auszuschliessen. Wieder sehr bedauerlich zu sehen wie die Staatsorgane unsere „Gesetze“ biegen und brechen um kleine Hanfbauern zu jagen und das dann nutzen um ihre Statistiken aufzupolieren.

    Und sowas nennt sich dann wieder großkotzig „Ermittlungsarbeit“ !!!

    Ihr seid sooooo grossartig und habts einfach nur drauf ….. !!! *Ironie OFF*

  5. 420

    Growshops müssen sich organisieren. Am besten man gründet einen Interessenverband und regelt die Sache ein für alle mal.
    Aber ich glaube das es so manchen Shop egal ist. Bestellt man zum Beispiel bei mySmokey und zahlt mit Karte steht am ende Growbox/Homebox auf dem Kontoauszug-auf nachfrage im shop muss man sich dann noch dumm machen lassen.
    Kleiner Tip: kauft nicht in Deutschland!

  6. Littleganja

    Rein Juristisch betrachtet (ich bin kein Rechtsanwalt) ist das Durchsuchen der Growshops wohl rechtens, wenn sich ein Anfangsverdacht welcher Art auch immer ergibt. Denke da würden die genau so bei einer Gärtnerei einlaufen wenn die einen Anfangsverdacht haben.

    Was jedoch überhaupt nicht geht, ist wenn man den Menschen die dort bestellen oder einkaufen unterstellt, sie würden das zur Drogenherstellung tun. Dann müsste man auch jedem der in der Apotheke Medikamente mit Psödoefedrin kauft unterstellen er würde damit Meth kochen.

    Wenn der Growshop lediglich Lampen, Töpfe, Erde, Dünger usw. verkauft, frage ich mich warum der Verkäufer/Käufer sich strafbar macht??? Das sind alles dinge die man auch im Baumarkt oder Online direkt beim Hersteller bestellen kann.

    Ich würde jedem empfehlen bei dem eine Hausdurchsuchung anhand von LEGALEN Growshopbestellungen durchgeführt wird unverzüglich eine Anzeige wegen „Willkür“ zu erstatten. Weiterhin ist es meiner Ansicht nach „Verleumdung“ & „Üble Nachrede“, da die Nachbarn vermutlich von der Hausdurchsuchung Wind bekommen.
    Des weiteren könnten sich bei dem Opfer erhebliche Psychische Problem durch die Hausdurchsuchung ergeben wie z.b. Verfolgungswahn, Trauma, Schlafstörungen usw. evtl. Schmerzengeldforderung falls nichts gefunden wird.
    Falls die Psychischen Probleme anhand der Durchsuchung schlimmer werden, einen Arzt aufsuchen, der eine Ausnahmegenehmigung für Cannabisblüten beantragt 😉
    Einschalten der Medien!

  7. Lars Rogg

    Juristisch hin oder her. Ich glaube nicht das auch nur ein Bulle oder Staatsanwalt oder gar Richter ansatzweise rechtliche Probleme bekommt weil er einen vermuteten Kifferhort ausgehoben hat. Selbst wenn es nicht nur um Gras geht sondern z.B. um Körperverletzung im Amt, haben die doch nix zu verlieren. Verurteilungen sind im Promillebereich und dann lächerlich, im Vergleich zum angerichteten Schaden…finanziel, die Reputation betreffend, körperlich und psychisch. Da wir aber in den Augen unserer Staatsmacht noch hinter Kinderschändern eingestuft werden, können die auch machen was sie wollen…alles im Sinne eines Rechtsstaates, oder ?? Wenigsten berufen sich Regierung, Staatsanwaltschaften und Bullerei immer wieder darauf…ich glaube langsam die wissen gar nicht was das bedeuted !!

  8. Natur Drogen Newsblog

    Ich bin absoluter „Fan“ (wenn man das denn so nennen kann) von Herrn Vetter! Sein Vortrag zum richtigen Verhalten bei einer Hausdurchsuchung ist legendär und wohl jedem Grower bekannt 😉

    Ich verfolge diesen Artikel jetzt schon eine Weile und würde mich SEHR über ein Update freuen!

    Wisst ihr, ob es hier Neuigkeiten gibt? hat das Verfahren bzw. die Verhandlung bereits stattgefunden? Wie war ihr Ausgang? Gibt es irgendwelche positive Hoffnung laut Hr. Vetter, dass sich so etwas nie wieder wiederholt?

    Wäre klasse, wenn ihr mal ein kleines Update liefern könntet! Ich selbst möchte aus besagten Gründen lieber nicht in Emailkontakt mit dem Growshop treten 😉

    Danke für euer Engagement!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.