Sonntag, 3. Mai 2015

Wien toppt alle! Bilanz Weekend 1 GMM2015

Es ist richtig voll auf dem Hanfwandertag in Wien
Es ist richtig voll auf dem Hanfwandertag in Wien (Foto: M.Mayrhofer/Wien)

 

In insgesamt neun deutschsprachigen Städten fand an diesem Wochenende die erste Welle des Global Marijuana Marsches (GMM) statt.  Mit GMM-Veranstaltungen in Augsburg, Erlangen, Heidelberg, München, Nürnberg, Stuttgart, Tübingen, Wien und Wildeshausen begann die diesjährige GMM-Saison. Seit langem hat es nicht mehr so viele Veranstaltungen unter dem Claim „GMM“ gegeben. Kurz um die letzte Jahrtausendwende waren es im deutschsprachigen Raum knapp 30 Veranstaltungen gewesen. Nach der Regierungsübernahme durch Rot-Grün und dem Hanfsamenverbot schrumpfte die Veranstaltungsreihe auf nur wenige Einzelveranstaltungen zusammen, denen kaum jemand Beachtung schenkte. Umso schöner ist es daher zu sehen, wie die Tradition wohl auch durch die eindeutigen Rauchzeichen aus den USA wieder an Stärke gewinnt. Insgesamt betrachtet also eine super Entwicklung, die hoffentlich auch auf die Politik Eindruck machen könnte.

 

Näher betrachtet stellt sich die Lage jedoch ein bisschen anders dar.
Eines nach dem anderen:

 

Wien toppt alle!
Mit wohl knapp 15.000 TeilnehmerInnen hat der Wiener Hanfwandertag den Jackpot gesprengt und ist ab sofort die größte deutschsprachige Legalisierungsveranstaltung. Herzlichen Glückwunsch an die Orga, sie hat die positiven Signale (Gerichtsurteil Stecklingsverkauf) genau richtig eingeschätzt und mit einem Top Lineup und einer liberalen Truckpolicy dafür gesorgt, dass „halb Wien stillsteht“, so eine lokale Großbuchstabenzeitung. Wir hoffen, dass das Zeichen Wirkung zeigt und die Österreichische Drogenpolitik bald weiter liberalisiert wird. Ehrlicherweise müssen wir aber ergänzen, dass ursprünglich der Hanfwandertag wenig mit der Global Marijuana Marsch Idee gemein hatte und eher aus terminlicher Überschneidung mittlerweile zu dem weltweitem Massenevent gezählt wird.

 

Die Teilnehmerzahlen

Wir geben zu statistisch betrachtet nicht ganz sauber zu arbeiten. Weil wir nicht immer die viel zu niedrigen offiziellen Polizeizahlen zur Grundlage der Rechnung machen wollen, haben wir einfachheitshalber, die jeweils für uns durch Bilder und Teilnehmer höchste real erscheinende Teilnehmerzahl angenommen. Danach ergibt sich folgendes Gesamtbild: Am gesamten Wochenende protestierten knapp 17.000 Hanfisten für die Freigabe von Hanf und Cannabis im gesamten deutschsprachigen Raum. Ziehen wir die 15.000 aus Wien ab, so bleiben knapp 2.000 Demonstranten für die restlichen acht GMM-Events über. Klar wird man auch die nächsten Weekends abwarten müssen um eine Gesamtbetrachtung zu bewerkstelligen; sollten jedoch auch die nächsten Veranstaltungen dem jetzigen Durchschnitt folgen, so lässt sich wohl durchaus draus schließen, dass in Deutschland die Mobilisierungsquote (drücken wir es euphemistisch aus) zu wünschen übrig lässt und die Cannabisszene hierzulande noch einige Aufgaben vor sich hat.

 

Die nackten Zahlen.

Hier nun die Teilnehmerübersicht für das erste Weekend: Augsburg 200, Erlangen 300, Heidelberg 300, München 400, Nürnberg 20 , Stuttgart 600, Tübingen 70, Wien 15000 und Wildeshausen 40. Insgesamt laut Riese: 16930 TeilnehmerInnen.

Für eine echte Interpretation der Zahlen ist es zu früh; dieses wird man Ende Mai tun können. Einiges lässt sich jedoch durchaus schon jetzt herausfiltern. Wir sehen, dass auch Veranstaltungen mit wenigen Teilnehmern heuer in die Medien kommen! Das ist neu und gut! Wir sehen, dass nicht unbedingt die alten Hasen in der GMM-Orga mehr Teilnehmer ziehen. Die Stuttgarter Crew hat vorgemacht wie es von null auf hundert funktioniert obwohl oder gerade weil die Verfolgungssituation vor Ort makaber ist. Genau darin besteht wohl der Fortschritt des GMMs dieses Jahr, genau jenes gezeigt zu haben, dass ein paar zuverlässige Amigos vor Ort reichen um Lobbyarbeit zu leisten und politisch Einfluss zu nehmen. Genau daher ist, obwohl die Teilnehmerzahlen ansonsten darauf schließen lassen das gar keine Verfolgung stattfindet, jede der Aktivitäten/Demos notwendig und sinnvoll. Wir bedanken uns daher für diese Arbeit bei jedem einzelnen Aktiven, der dieses Jahr zugelangt hat und freuen uns hoch gespannt auf das nächste Wochenende!

Alle noch kommenden Termine gibt es übrigens hier

4 Antworten auf „Wien toppt alle! Bilanz Weekend 1 GMM2015

  1. Werner

    Man sollte den medizinischen Aspekt von Cannabis viel mehr in den Vordergrund rücken (wie und warum man sein Medikament einnimmt ist schließlich jedem selbst überlassen). Wenn auf einem Schild das „Recht auf Rausch“ eingefordert wird, mag das zwar berechtigt sein, viele dürfte das jedoch eher abschrecken.
    Besser wäre es das Bedürfnis der potenziellen Verbraucher zu wecken. Viele Menschen leiden z.B. an Schlafproblemen. Da bietet sich doch an zu plakatieren. „Schlafprobleme – Cannabis hilft“. Weitere mögliche Slogans wären „Schmerzen – Cannabis hilft“, „Parkinson – Cannabis hilft“, „Stressabbau – Cannabis hilft“, Entspannung – Cannabis hilft“, „Glücksgefühle – Cannabis bringts“ usw. usw.
    So könnte man Leute die wenig mit Kiffern am Hut haben auch für das Thema Cannabis interessieren.
    In den USA war die Bewegung auch deshalb so erfolgreich, weil viele betroffene Menschen, gerade auch Ältere, die Legalisierung ihres Medikaments gefordert haben.
    https://www.youtube.com/watch?v=hrVXRZY1_x0
    https://www.youtube.com/watch?v=i2qFDb8LExo

  2. tribble

    Es ist toll, dass so viel los ist!

    Aber ich frage mich, warum der ungenannte Autor des Artikels von einer sehr abstrakten statistischen „Gefahr“ auf individuelle Personen, die sich politisch engagieren, schliesst?

    Ich finde, solche heraufbeschworene Risiken machen eher Angst und halten ab, sich zu betätigen.

    Ich habe wegen meiner politischen Betätigung in Sachen Hanf noch keine Repression erfahren.
    Wir können auf Facebook ja mal die GMM-Orga’s fragen, ob sie Repressionen wegen ihrer Arbeit erfahren haben. Ich glaube nicht!

    grüße

  3. Ou Topos

    Seit 2012 setze ich mich dafür ein, dass Parkinson Betroffene, im Spätstadium IV bis V ihrer Erkrankung auf eine Therapie mit verschreibungspflichtigem, cannabinoidhaltigen Arzneimitteln zurückgreifen können.
    Für die Multiple Sklerose (MS) ist ein verschreibungspflichtiges cannabinoidhaltiges Fertigarzneimittel seit einigen Jahren zugelassen und erfolgreich. Spastische Schmerzen bei der MS sind nach Qualität und Intensität vergleichbar mit rigorartigen und dystonen Schmerzen bei Parkinson-Patienten.

    Israelische Studien belegen, dass medizinisches Cannabis nicht nur die motorischen Symptome (Rigor, Tremor, Beweglichkeit ) deutlich verbessert sondern auch den Schmerz und Schlafstörungen bei Parkinsonpatienten signifikant mindert.
    Insgesamt konnte eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden. Die Studienteilnehmer konnten wieder besser ihre alltäglichen Aufgaben erfüllen und zeigten kaum Nebenwirkungen.
    In Israel, in den USA und andere Staaten werden cannabinoidhaltige Arzneimittel bei der Parkinson Krankheit eingesetzt.
    Für mich der sich seit 8 Jahren mit der Parkinsonkrankheit auseinander setzen muss, ist die Spastik bei MS mit dem Rigor beim Parkinson gleich zu setzen.
    Aufgrund dessen darf man auch die Frage nach der Ungleichbehandlung im Sinne der „UN – Behindertenrechtskonvention“ stellen?
    Die eine Patientengruppe (MS) kann auf verschreibungspflichtige cannabinoidhaltige Arzneimittel zurückgreifen, während man dies der anderen Patientengruppe (Parkinson) verwehrt.

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