Sonntag, 19. April 2015

Strotzende Knospen trotz Schädlingsbefall         

Vier Fliegen auf grauem Samt

 

Foto: mze
Foto: Bud Spencer

 

                      

 

Text: mze / Fotos: Bud Spencer

 

 

Viel Unheil ist schon durch Nichtstun verhindert worden.

 

Ungefähr so etwas sagte der traurig klingende Bud Spencer, einige Monate nach unserem letzten Besuch, am Telefon. Natürlich wollten wir den freundlichen Bekannten nicht in seiner unbekannten Trauer alleine lassen und luden ihn daher direkt zum Tee. Was Onkel Bud kurz nach der weihnachtlichen Ernte erleben musste, sprudelte anschließend wie kochendes Wasser aus ihm heraus. Schädlinge hatte sich der endlich wieder ins Garten-Hobby Zurückgefundene eingefangen. Trotz Minusgraden auf dem Thermometer, fanden garstige Trauermücken den Weg in Bud Spencers Heiligtümer.

 

Ein eingekauftes Grasgewächs aus einer dauerfeuchten Blumenhandlung, hatte die Biester offensichtlich als Gratis-Bonus im Kübel dabei. Natürlich fiel dies dem dicken Italiener erst auf, als es bereits zu spät war. Die frischen, femininen Sensi Seeds Northen Lights Stecklinge, die allesamt fein gewurzelt hatten, fielen den garstigen Mücken als erstes zum Opfer. Kurz zuvor wurden die ersten schwarzen Flieger, die Buddy in der Nähe seiner Kochstelle sah, noch für Fruchtfliegen gehalten, denen die fiesen Trauermücken zum Verwechseln ähneln. Da sich die Biester, wie direkt in Erfahrung gebracht,  in der Erde verlustierten, um dort ihre Eier auszusetzen, wandte Bud Spencer ein altes Hausmittelchen an. Großmütter aus dem Internet rieten ihm zu jenem alten Trick.

 

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Um einen Angriff der Wurzeln durch die Larven der Trauermücken zu verhindern – der auch schnell ungewollten Pilzbefall mit sich bringen kann – griff der wüste Riese zu handelsüblichen Streichhölzern, die er kopfüber in die Erde steckte. Eines pro Anzucht-Töpfchen. Glücklicherweise überprüft Bud Spencer die Entwicklung seiner Pflanzen nahezu täglich, und sah dabei, dass er einen schrecklichen Fehler begangen hatte. Die schwefelhaltigen Köpfe der Streichhölzer waren ein stärkeres Gift für die sprießenden Northern Lights Mädchen, als für die fliegenden, schwarzen Teufel.

 

Da Buddy erst wenige Wochen vor diesem Zwischenfall – direkt zur Anzucht der Stecklinge – die Leuchtstoffröhren seiner Grow-Armatur ausfielen und er daraufhin in Hektik durch die halbe Welt schippern musste, um pünktlichen Ersatz zu bekommen, wollte er sich im Falle der Mücken einmal auf sein Gefühl und nicht aufs Lehrbuch verlassen. Unheil. Dieses hätte ihm den Erwerb von Neemöl wie Nematoden empfohlen, die auf und in der Erde für ein natürliches Aussterben der Plagen gesorgt hätten.

 

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Da die Stecklinge direkt von der Schwegel-Fehlbehandlung stark beeinflusst schienen und trotz Spülung wenig Besserung zeigten, besorgte sich Buddy immerhin auf schnellstem Wege klebrige Gelbtafeln, um den bereits geschlüpften Trauermücken, ein schnelles Ende bereiten zu können. Die gelben Tafeln locken die Schädlinge an und lassen sie nach der Landung auf der Klebefläche nicht mehr los. Daher verenden sie dort, ohne neue Eier ablegen zu können. Zumindest in der Theorie.

 

Es dauerte Wochen, bis sich die Situation wieder beruhigte, obwohl der ursprüngliche Seuchenherd schon länger entsorgt worden war. Auch waren die Rettungsversuche nur bei sieben von ursprünglich zwölf Stecklingen erfolgreich und kosteten entsprechend viel Zeit. Obwohl der Raum gegeben war, um die Steckis in die Blüte schicken zu können, musste dieser Platz nun für weitere vier Wochen der Anzucht und Regeneration dienen. 18 Stunden Metallhalogen-Licht-Power.

 

Diese Zeit wurde von Bud Spencer daher auch zur Anzucht einer neuen Sorte genutzt, die im absoluten Notfall den Komplett-Verlust der Northern Light Strain ersetzen hätte müssen. Da sich die Geplagten jedoch in entsprechendem Maße erholten und die neuen Wappa-Pflanzen ihrer neuen Umgebung gut anpassen konnten, wurde nach einem Monat die Zeit umgestellt und die Lampe gewechselt. Zwölf Stunden Natriumdampf-Sonne.

 

Dabei fiel Buddy dann auf, dass seine digitale Zeitschaltuhr ein schwerwiegendes Darstellungsproblem besaß… Mr. Spencer hatte also eine Menge Probleme zu beheben, um endlich wieder halbwegs Sorgenfrei, den Alltag als Cannabis-Produzent zu genießen – was seine miesepetrige Laune am Telefon verständlicher machte. Es gibt eben auch Momente im Leben eines Hanf-Bauern, in denen er sich nur die Legalisierung wünscht, da auch das illegale Hobby, Schmerz bereitende Steine in den Weg zu schmeißen weiß.

 

Der betriebene Aufwand wurde letztendlich aber mit zwei stabilen Pflanzen-Genetiken, sowie einer leckeren wie ausgiebigen Ernte belohnt, die Bud Spencer direkt wieder hoffnungsvoller in die Zukunft blicken ließen.

Vier Fliegen auf grauem Samt, zerstören noch keinen zweiten Frühling.

 

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