Sonntag, 12. April 2015

10 Dinge, bei denen Hanf-Damen zicken

Vermeidbare Fehler beim Zelten@home

 

Autor: Kimo

 

Proportional zum Indoor-Boom der letzten Jahre wächst auch die Zahl der Gerüchte darüber, wie gutes Gras angebaut wird. In Deutschland ist das leider immer noch illegal und so findet der Erfahrungsaustausch im meist Verborgenen oder der Anonymität des World Wide Web statt. Das führt dazu, dass sich in Growerkreisen einige Gerüchte zu Anbautechniken seit Jahren hartnäckig halten, die weder Quali- noch Quantität der Ernte steigern. So wie der Tipp, die Pflanzen drei Tage im Dunkeln stehen zu lassen. Noch schlimmer sind einige komplett überflüssige Produkte, die nur dazu dienen, Selbstversorgern ihr Geld aus der Tasche zu ziehen. Hier kann man als Beispiel den C3-hype einiger Anbieter nennen, der mit Angst vor Repression spielt. Was bei großen Grows vielleicht hilft, ist bei kleinen Boxen völlig belanglos (Hanf Journal November 2012), eine Wärmeschutzschicht in einer kleinen Box führt höchstens zu erhöhter Temperatur, nicht zu mehr Sicherheit.

 

In Ländern, in denen der Anbau von ein paar Pflanzen nicht mehr geahndet wird, können sich Hobbygrower viel besser austauschen und machen so insgesamt weniger Fehler: Spanische Cannabis Social Clubs bieten Seminare an, ähnlich sieht es in vielen US-Bundesstaaten aus, in denen Cannabis als Medizin legal angebaut werden darf. Als langjähriger Mitarbeiter im Growshop lernt man, dass es sich bei den Dingen, die beim Anbau@home falsch laufen, immer wieder um die gleichen Missverständnisse zwischen Mensch und Pflanze handelt. Wir reden hier nicht von Dingen wie einem Grow ohne Netz und doppelten Boden. Also einem ohne Filter, einer lärmenden Kiste oder dem Anbau mit geklautem Strom. Die Selbstsicherung ist Voraussetzung eines jeden halbwegs vernunftbegabten Growers, doch auch mit der leisesten und sichersten Box kann noch so Einiges schief gehen, das die Ernte versaut oder wenigstens den Ertrag und den Geschmack schmälert. Hier sind die zehn wichtigsten Dinge, die Cannabispflanzen sicher den Tag oder sogar die kommenden Blütewochen so richtig versauen können:

 

1. Viel hilft viel

 

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Der erste Einkauf im Growshop war leicht verwirrend, die Montage der Box zeitaufwendig und jetzt sind da noch die acht verschiedenen Dünger und Zusätze, die einem der freundliche Mensch hinter der Theke als obligatorisch für den gärtnerischen Erfolg angepriesen hat. Also füttert man den Pflanzen die gesamte Palette. Der EC-Wert oder die Härte des verwendeten Wassers ist unbekannt und ein EC-Meter zu teuer. Das stresst die robusteste Pflanze. Düngergabe nach Gefühl ist nur dann sinnvoll, wenn man den Dünger ab und zu als „Extra“ gibt und das Medium an sich schon Nährstoffe enthält. Doch aufgepasst, auch zu wenig Dünger führt zu Mängeln. Nur wer auf Erde züchtet und nicht öfter als einmal pro Woche düngt, kann sich die Anschaffung von Messgeräten zumindest vorerst sparen. Wer Spezial-Dünger kauft und ihn zwei bis sieben Mal pro Woche verwendet, um einen optimalen Ertrag auf kleiner Fläche zu erzielen, muss sich mit Dingen wie EC- und pH-Wert befassen.

 

Folgen: Blätter biegen sich wie Adlerkrallen nach unten, werden gelb und sterben ab.

 

Gegenmaßnahmen: So lange mit klarem Wasser (pH-Wert 5,5) spülen, bis die Blätter wieder nach oben stehen.

 

2. Schlechte Bewurzelung – Die Hauptursache aller Mängel

 

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Haben es die Ladys um die Füße herum nicht warm genug, bilden sich die Wurzel nur unzureichend aus. Wenn der Raum „fußkalt“ ist, wird das sehr oft nicht erkannt: Während im oberen Bereich Temperaturen von 20-28 Grad herrschen, ist der untere Topbereich nur 4-12 Grad kalt. Gerade in Erdgeschoss- oder Kellerräumen ist das häufiger der Fall.
In der Blüte werden die Damen auch bei mäßiger Wurzelausbildung in den ersten drei Wochen wie wahnsinnig wachsen, ohne erkennbare Mängel aufzuweisen. Sobald die Blüten ab der vierten Woche an Gewicht zulegen sollen, steigt der Bedarf an Phosphor und vor allem an Kalium. Am Ende der Vorblüte zeigt sich dann, ob die Wurzeln in der Lage sind, all die Nährstoffe zu transportieren, die ab jetzt von der bis jetzt üppig gewachsenen Pflanze benötigt werden.

 

Folgen: Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem die/der HeimgärterIn entweder die Quittung für gute Vorarbeit erhält und sich täglich an dicker werdenden Blüten erfreuen kann, oder ob die ersten vier Wochen besser aussahen, als sie eigentlich waren. Auftretende Mangelerscheinungen können jetzt nicht mehr durch zusätzliche Nährstoffzugabe kompensiert werden, weil die Nährstoffe durch mangelnde Bewurzelung nicht an den richtigen Ort gelangen können. Man könnte das mit einem zu kleinem Rohrsystem für zu viel Wasser vergleichen. Die Buds können nicht mehr viel Masse zulegen.

 

Gegenmaßnahmen: Nur bestens bewurzelte Pflanzen in die Blüte schicken. In kalten Räumen den Boden mit Styropor o.Ä. auslegen.

 

3. Schädlings-Blindheit

 

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Erkennt man Schädlinge früh genug, ist das in einem gesundem Mikroklima für die Pflanze kein Problem. Natürliche Mittel wie Raps- oder Neem-Öl helfen im Frühstadium gegen die meisten Fressfeinde. Bei Neem-Öl sollte man bei der kalt gepressten Variante immer ein Fünftel Rizinus-Öl als Emulgator hinzugeben, ansonsten perlt die Spritzbrühe an den Blättern ab, ohne zu wirken.
Im Frühstadium gibt es für jeden Schädling außerdem den entsprechenden Nützling.
Leider erkennen unerfahrene Heimlich-Gärtner die Plage meist erst dann, wenn es zu spät ist. Zu spät heißt, dass man die Population von Thripsen, Spinnmilben oder sonstigem Getier schon mit bloßem Auge erkennen kann. Dann helfen meist nur noch systematisch wirkende Mittel, im Volksmund „Chemische Keule“ genannt. Bei Thripsen helfen Neem- oder Rapsöl nicht, hier müssen im Frühstadium sofort Nützlinge ausgesetzt werden, um eine Behandlung mit der Chemo-Keule zu verhindern.
Folgen:  Ausgemergelte, zum Teil abgestorbene Pflanzen oder alternativ ein mit Insektiziden belastetes Endprodukt. Außerdem bilden sich durch die regelmäßige Anwendung von Insektiziden Resistenzen. Bei den Spinnmilbenmitteln hat der intensive Einsatz in niederländischen Gewächshäusern bereits dazu geführt, dass der Wirkstoff ständig geändert werden muss.
Gegenmaßnahmen:  Früherkennung von Schädlingen kann man üben, auch eine prophylaktische Gabe von Nützlingen schadet gerade in den warmen Sommermonaten nicht. Sauberkeit und Ordnung im Raum verstehen sich von selbst. Man sollte nicht meinen, wie viele Gärtner aus Angst vor Enttarnung oder einfach aus Faulheit Pflanzen- oder Erdreste gleich säckeweise bunkern. So werden sie die einmal erworbenen Schädlinge auf keinen Fall los. Wer im Netz über Jahre hinweg immer wieder Roxion gegen Thripse oder Akarizide gegen Spinnmilben bestellt hat, ist einfach zu faul, das Problem von Grund auf zu beheben: Ist der Befall wirklich so schlimm, dass die „Chemo-Keule“ unumgänglich war, muss nach dem Durchgang der Raum grundgereinigt werden, das Medium und alle Pflanzenreste müssen entsorgt sein, bevor die nächste Generation die Box betritt.

 

4. Zu feuchter Blühraum, zu hohe Temperaturschwankungen

 

Wer zu viel gießt, die Luft nicht umwälzt oder eine zu kleine Entlüftung hat, betätigt sich oft unbeabsichtigt als Pilzzüchter: Braunfäule oder unechter Mehltau sind die Folge eines zu feuchten und warmen Klimas. Während man Mehltau relativ leicht erkennt, haben von Braunfäule befallene Buds schon so manch Ernte zunichte gemacht. Denn Braunfäule erkennt man nur bei ganz genauem Hinsehen. Die befallen Blüten verlieren die grüne Farbe und werden zuerst gräulich-grün. Da der Befall im Inneren der Blüte anfängt, ist meist schon ein großer Teil des Buds verdorben, wenn man die Braunfäule entdeckt. Jetzt gilt es, die befallene Pflanze zu isolieren und den Befall sehr großzügig wegzuschneiden, damit man wenigstens die nicht angefaulten Blüten noch genießen kann.

Mehltau lässt sich, früh genug erkannt, relativ leicht bekämpfen. Hierzu sollte man die Ansätze der Äste regelmäßig auf weißen Schimmelbelag kontrollieren, da Mehltau von dort aus anfängt, sich über Blätter und Stängel auszubreiten.

 

Folgen: Ernteeinbußen bis zu 80%

 

Tipps zur Vermeidung: Während der Blühphase Stängel und Bud ständig per Hand kontrollieren, hohe Luftfeuchte und starke Temperaturschwankungen zwischen Tag- und Nachtphase vermeiden.

 

 

5. Die Lampe hängt falsch

 

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Leider gibt es hier keine Faustregel, weil der optimale Abstand von vielen Faktoren abhängt: Der Reflektor, die Art des Leuchtmittels, die Raumgröße, die Grundfläche und die Lampenstärke sind nur die wichtigsten Faktoren, die hier eine Rolle spielen. Nichtsdestotrotz ist der richtige Abstand immens wichtig, da die Lichtintensität bei allen Leuchtmitteln mit jedem Zentimeter Abstand exponentiell sinkt. Nicht umsonst heißt es „Licht ist Gewicht“. Anderseits läuft man Gefahr, die Pflanzen durch intensive Wärmestrahlung zu schädigen, wenn man die Lampe zu tief über die Spitzen hängt.

 

Folgen: Zu kleine Buds (Abstand zu groß)

Verbrannte Blätter oder Buds (Abstand zu gering)

 

Gegenmaßnahmen: Ein Thermometer in Bereich der Tops. Die Lampe so nahe wie möglich über Pflanzen hängen, ohne dass es an den Blütenspitzen über 30 Grad warm wird.

 

 

6. Die Gier nach der Ernte

 

Das beste Gras wird zu undefinierbarer Grütze, wenn es falsch getrocknet wird. Leider haben viele nicht die Geduld zu warten, bis der Trocknungsvorgang wirklich soweit abgeschlossen ist, dass sich das spezifische Aroma entfaltet hat. Schlimmer noch ist eine künstliche Beschleunigung durch Heizungs- oder gar Ofenluft, was ein kratziges Gras voller Chlorophyll zur Folge hat. Besonders fatal ist es, Weed in eine Plastiktüte zu packen, bevor es auf mindestens 20 Prozent Restfeuchte herunter getrocknet ist.

 

Folgen:  Das Gras verliert innerhalb von ein paar Stunden sein Aroma vollends.

 

Gegenmaßnahmen: Zeit nehmen beim Trocknen. Nach dem „Vortrocknen“ an der Luft in eine verschließbaren Dose packen und diese alle paar Stunden, aber wenigstens einmal am Tag, abwechselnd verschließen und öffnen, bis es bröselt, aber nicht staubt. Erst dann kann es über einen längeren Zeitraum in einem verschlossenen Gefäß gelagert werden (Hanf Journal 10/2008).

 

 

7. Der Dünger ist schuld

 

Nein, der Gärtner sorgt durch die Schaffung des richtigen Klimas dafür, dass die Nährstoffe transportiert werden können. Der Dünger ist fast nie schuld. Alle im Grow-Fachhandel angebotenen Dünger enthalten prinzipiell genügend Nährstoffe, um auch bei geringer Dosierung gute Erfolge zu erzielen, für Mangelerscheinungen ist fast nie der Dünger verantwortlich. Vorausgesetzt er wird richtig benutzt. Einige, ganz Schlaue wollen aus Kostengründen auf den Dünger verzichten oder greifen auf Billigprodukte aus dem Supermarkt zurück – die Ergebnisse sind meist verheerend, weil es für solche Experimente mehr Wissen über Pflanzenernährung bedarf als die meisten Hobbygärtner aufweisen können.

 

 

8. Planlos einkaufen

 

Wer seine Ausrüstung kauft, ohne vorher genau zu wissen, was genau später im Zelt/der Box stehen soll oder einfach falsch beraten wird, hat schon so manch Überraschung erlebt. Sorte und Anzahl der Pflanzen sollten vorher feststehen, denn unterschiedliche Sorten brauchen unterschiedliche Bedingungen. Besonders die Anzahl der Pflanzen und die gewählte Topfgröße beeinflussen das Wachstumsverhalten später immens. Ebenso muss man vorher wissen, ob man Samen oder Stecklinge nutzen will.
Folgen: Schlechter Ertrag, weil die Pflanzen zu eng stehen und sich gegenseitig das Licht klauen und so zum Geilwuchs neigen. Bei einem schlechten „Sea of Green“ entstehen „Nachzüglerinnen“, die den durchschnittlichen Ertrag pro Pflanze gehörig nach unten ziehen. Leider wird die „SOG“-Methode häufig angewendet, ohne dass die Stecklinge oder Sämlinge dazu geeignet sind. Für einen guten „SOG“ müssen alle absolut gleich gut entwickelt sein.
Gegenmaßnahmen: Vor dem ersten Durchgang auf den Erfahrungsschatz aus Büchern, von Freunden oder aus Foren zurückgreifen.

 

 

9. Wer hat die größte?
Wer beim Growen eine Art Marken- und Technikfetischismus gegen den Grünen Daumen tauschen möchte, fällt nicht selten auf die Nase. Gießfaule, die nach der Besichtigung einer vollautomatischen Hydro-Anlage eines Bekannten auf den Geschmack gekommen sind, sind sich oft nicht darüber klar, dass man in ein solch komplexes Hobby „reinwachsen“ muss.
Folgen:  Verbrannte Wurzeln, verbranntes Geld und spätestens nach der ersten (Miss)-Ernte die fehlende Lust, so weiterzumachen. Dazu noch die langen Gesichter beim Versuch des Wiederverkaufs von gebrauchtem Equipment: „Hm, bei ebay trau‘ ich mich nicht, der eine Growshop A will nix Gebrauchtes und Shop B zahlt wenig.“
Gegenmaßnahmen: Einfach anfangen und von Anfang an darauf achten, dass das Set-Up ausbaubar ist. Mitwachsen, nicht hochstapeln.

 

10. Beratungsresistenz
Egal, was Freunde, Foren oder der Fachverkäufer sagen:
Die Mutterpflanze wird mit 16 Stunden beleuchtet, um Strom zu sparen…
Statt guter Grow-Erde wird Blumenerde verwendet…
Eine Abluft wird erst montiert, wenn die Pflanzen stark mitgenommen sind oder das halbe Haus stinkt…
Ein ganzer Quadratmeter wird mit einem 250 oder gar einem 125 Watt Leuchtmittel beleuchtet…
Der eigene Grow dient der Hebung des Selbstwertgefühls und wird im Bekanntenkreis herumgezeigt…
Ungebetener Besuch aufgrund von Lärmbelästigung, nicht gezahlter Rechnungen, Stromklau oder einem überflüssigen Nachbarschaftsstreit…

 

Folgen: Das Potential der Box wird maximal zu 30 Prozent genutzt oder gar der schon oft erwähnte Super-GAU.

 

Gegenmaßnahmen:  Keine. Wer nicht hören will, muss fühlen.

 

6 Antworten auf „10 Dinge, bei denen Hanf-Damen zicken

  1. die ZEIT ist gekommen

    http://www.zeit.de/2015/13/cannabis-legalisierung-lobbyist-georg-wurth

    Georg hau rein! 😉 Die Wüste grünt!

    Hanfreundinnen und Hanffreunde – das habt IHR möglich gemacht. Echte HanfrebellInnen. Respekt²!

    Ich bin stolz darauf zu EUCH zu gehören. Ich liebe EUCH. 🙂

    Danke. 🙂 😉 Danke ihr lieben Menschen. IHR seid gut und sehr schlau und extrem kreativ.

    Danke für diese Freude. GENIAL seid IHR. 🙂

    Ich will Gärtner sein. 🙂 Auch die lieben Piemätze haben Hunger. 😉

    Leto II

  2. Mkuny

    netter beitrag, bin nicht mit einem grünen daumen gesegnet und schon lange auf der suche nach einer/m guten
    lehrerin7lehrer und das ich oft an einem leerer geraten bin ist das ich einfach im falschen land bin, was als gutes
    hatte das die pflanzen meiner zucht nicht unter das bmg gefallen waren, thc gehalt 0,00µ trotz guter blüte und einer stolzen 2,5 hohen pflanze

  3. Karin

    Ich glaub dass man bei der Cannabis Legalisierung den Fehler macht, dass man es als harte Droge sieht. Das ist es nicht. Aber die Öffentlichkeit nimmt es als solche wahr. Wenn man raucht oder trinkt ist es viel gefährlicher … warum spricht man das nicht öfters so aus? political correctness? LG Karin 🙂

  4. simon ritsch

    um strom zu sparen 12 stunden an
    5.5 aus
    halbe an
    dan 6 aus

    ist auch stressfreier für die Damen

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