Samstag, 14. März 2015

Was bedeutet eigentlich „austherapiert“?

Antrag an die Bundesopiumstelle für Cannabisblüten: Was bedeutet eigentlich „austherapiert“?

 

Von Dr. med. Franjo Grotenhermen

 

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Bild: autodidact / freeimages

 

Der wichtigste Bestandteil des Antrags auf eine Ausnahmeerlaubnis nach Paragraph 3 Absatz 2 Betäubungsmittelgesetz durch die Bundesopiumstelle zur Verwendung von Cannabisblüten aus der Apotheke ist ein Arztbericht. Der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin müssen darin begründen, warum eine Therapie mit Cannabis bei dem Antragsteller bzw. der Antragstellerin erforderlich ist. Dazu legt er/sie dar, warum andere Therapien bisher unwirksam waren oder starke Nebenwirkungen verursacht haben. Er stellt die Krankengeschichte, inklusive der bisherigen Therapieversuche vor. Im Arztbericht verweist er möglicherweise auf Krankenunterlagen der bisher behandelnden Ärzte bzw. Krankenhäuser. Er bzw. sie legt auch dar, dass ein möglicher Nutzen der Cannabistherapie die möglichen Risiken überwiegt, und dass der Patient bzw. die Patientin vermutlich verantwortungsvoll mit der Therapie umgehen wird.

 

Die größte Unsicherheit bei vielen Ärzten und Patienten besteht bei der Frage, wann ein Patient mit den üblichen Therapieverfahren als „austherapiert“ betrachtet werden kann, so dass ein Antrag auf eine Ausnahmeerlaubnis erfolgversprechend ist. Auch die von der Bundesregierung geplante Gesetzesänderung sieht vor, dass Medikamente auf Cannabisbasis von den Krankenkassen nur erstattet werden sollen, wenn andere Therapieverfahren nicht ausreichend wirksam sind. Auch hier müsste dann gegenüber der Krankenkasse dargelegt werden, warum die betreffende Erkrankung nicht mit den üblichen, zugelassenen Therapieverfahren behandelt werden kann. Hier einige Beispiele von Patienten, die eine Ausnahmeerlaubnis erhalten haben.

 

Chronische Schmerzen

 

Es handelt sich um einen 50-jährigen Mann, der nach einem Motorradunfall vor etwa 30 Jahren einen Bruch des 12. Brustwirbels mit einer kompletten Querschnittslähmung erlitt, die unter anderem mit starken chronischen Schmerzen in den Beinen einhergeht. In den vergangenen Jahren ist eine Vielzahl von Schmerzmitteln zum Einsatz gekommen, darunter Novaminsulfon, Pregabalin, Duloxetin, Morphium und zuletzt L-Polamidon. Novaminsulfon und Pregabalin waren unwirksam. Morphium und Polamidon wurden nicht vertragen. Zudem führten auch diese Medikamente nicht zu einer befriedigenden Schmerzlinderung.

 

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

 

Bei dem 40-jährigen Mann wurde im vergangenen Jahr eine ADHS des Erwachsenenalters festgestellt. Im Vordergrund stehen eine Hyperaktivität mit Schlafstörungen, Unruhe und Nervosität, darüber hinaus jedoch auch Störungen der Aufmerksamkeit. Neben Psychotherapie erhielt er Methylphenidat. Diese Medikation führte zu ausgeprägten Nebenwirkungen, darunter vor allem Schlaflosigkeit mit Wachphasen von bis zu 36 h, verstärkte Nervosität, Hyperaktivität, verstärkte Aggressivität und Appetitlosigkeit. Auch eine Medikation mit Atomoxetin (Strattera) und Dexamphetamin (Attentin) verursachte ausgeprägte Nebenwirkungen. Er hat im Selbstversuch festgestellt, dass Cannabisprodukte eine gute Linderung der ADHS-Symptomatik bewirken.

 

HIV-Infektion mit Gelenkschmerzen und Gewichtsabnahme

 

Der Betroffene ist 50 Jahre alt und leidet an Gewichtsabnahme und Gelenkschmerzen im Rahmen einer HIV-Infektion. Er hat seit 1999 eine Anzahl von Medikamenten vor allem gegen die Schmerzen (Novaminsufon, Ibuprofen, et cetera) erhalten, die er jedoch aufgrund von Nebenwirkungen, wie Schwindelanfällen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Durchfall absetzen musste. Zudem hat er schwach wirksame Opiate (Tilidin, Tramadol) versucht. Auch diese waren mit Nebenwirkungen wie vor allem Übelkeit und Juckreiz assoziiert. Er hat dann festgestellt, dass Cannabisprodukte seine Symptomatik ohne relevante Nebenwirkungen lindern, und er wieder ohne Schmerzen und Depressionen leben kann. Appetitsteigernde Medikamente habe sein Arzt ihm nicht anbieten können. Der Patient kann trotz der symptomatischen HIV-Infektion bei regelmäßiger Verwendung von Cannabisprodukten einem Minijob nachgehen.

 

Posttraumatische Belastungsstörung

 

Der heute 31 Jahre alte Patient ging im Alter von 17 Jahren zur US-amerikanischen Armee. Seine gesundheitlichen Probleme, die durch Depressionen, Angst, dass etwas Schlimmes passieren könnte, Stimmen im Kopf, nach denen er es nicht schaffen wird, Schlafstörungen und Albträume charakterisiert sind, basieren auf Erlebnissen im Irak-Krieg. Er ist amerikanischer Staatsbürger und lebt seit einem Jahr in Deutschland. Er wurde im Jahr 2004 alkoholabhängig. Zwischen 2009 und 2012 hat er eine Anzahl von Antidepressiva und Benzodiazepinen, darunter Citalopram, Trazodon, Diazepam, Fluoxetin, Bupropion, Sertalin, et cetera. eingenommen. Darüber hinaus habe er an Gruppentherapien für Alkoholiker und depressive Patienten sowie an psychotherapeutischen Einzelsitzungen teilgenommen. Nach 3 Jahren habe er erkennen müssen, dass keine der therapeutischen Maßnahmen eine relevante Wirkung hat. Wenn er Cannabis nimmt, geht es ihm deutlich besser. Er kann tagsüber arbeiten und sich abends auf sein Studium konzentrieren.

 

11 Antworten auf „Was bedeutet eigentlich „austherapiert“?

  1. Der Optimist

    „If people let the government decide what foods they eat and what medicines they take, their bodies will soon be in as sorry a state as are the souls who live under tyranny.“ — Thomas Jefferson
    Der Mann war von 1801-1809 der dritte Präsident der USA. Und wie recht er hatte erkennt, wer sich mal den Status Quo betrachtet. Jeder 2.Mann und jede 3.Frau bekommt Krebs. Parkinson, Demenz und Alzheimer sind im Alter schon fast der „Normalfall“. Und wenn Kinder im Vorschulalter durch gesteigerte Aktivitäten auffällig sind, werden sie mit Ritalin ruhig gestellt noch bevor sie lesen können.
    Und die schwarzen Nullen lassen sich feiern, weil sie schwerkranken Menschen eine nützliche und seit Jahrtausenden bewährte Therapie gewähren. Aber erst dann, wenn sie den Giftcocktail der Pharma-Verbrecher überlebt haben. Es kann doch nicht sein, daß wir so viel dümmer sind als die Menschen vor über zweihundert Jahren. Damals glaubten die Menschen noch an sowas wie Menschenrechte. War ja schliesslich kurz nach der französischen Revolution. Da war das alles noch ganz frisch. Und seither geht’s wieder rückwärts…wie lange noch?

  2. Littleganja

    Was ist mit den Menschen die ein Medikament nehmen müssen z.b. Hormone und die haben Nebenwirkungen wie z.b. Schmerzen in Gliedern – Muskeln, Juckreiz, Kopfschmerzen, Nervosität, Schlafstörungen, Aggressivität usw…
    Kann man sich Cannabis verschreiben lassen um Nebenwirkungen von Lebensnotwendigen Medikamenten (ohne Alternative) zu bekämpfen????

    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!!!
    —————————————————————————————————————-

    Was ist mit den Menschen die Angst vor Chemie haben und deswegen keine Medikamente z.b. zwecks Schmerzbehandlung genommen haben???

    Was ist mit den Menschen die z.b. 5 verschiedene Leiden haben die jeweils ein Medikament benötigen würde, kein Mensch kann sagen was für eine Wechselwirkung die Medikamente zu einander haben.

    Was ist mit Menschen die schon immer Kiffen und deswegen eben kaum Probleme haben und die Probleme (Körperlich + Psychisch) erst dann anfangen wenn die eben nix haben und dann Schmerztabletten und Antibrechmittel nehmen müssen???

  3. Der Optimist

    Ich sehe da ein Titelblatt mit der Schlagzeile „Stoppt die CDU – JETZT!“ mit den ganzen Chemo-Opfern und sonstigen Pharma-Zombies als Hintergrundbild.

  4. Ralf

    Immer wenn ich den Namen Thomasius in einer Meinungsäußerung im Internet lese frag ich mich auf welche Publikationen er sich beruft. Leider bleibt er uns die Quellen seiner Erkenntnis, wie auch in diesem Fall, recht häufig schuldig. Kann mir jemand hier sagen wo man etwas genaueres über die von ihm erwähnte Zuname von psychischen Problemen in Staaten die eine etwas entspanntere Drogenpolitik verfolgen nachlesen kann?
    Wenn ein Großteil der von dem Herrn Professor bemerkten Probleme auf dem gegenüber früher erhöhten Wirkstoffgehalt zurückführen ist, müssten dann nicht Patienten die teilweise seit Jahren täglich regelmäßig mehrere Gramm Cannabis mit einem THC Gehalt von über 20% konsumieren (müssen) reihenweise „abdrehen“? Welche Erkenntnisse liegen hierzu evtl. auch aus dem Ausland vor?

  5. Jemand

    Was „Austherapiiert“ bedeutet ?! Ganz einfach!
    Bevor man dir wirklich zu helfen versucht hast du gefälligst jedes Gift zu schlucken das die Pharmamaffia dir vorsetzt! Nicht mehr und nicht weniger heist das!

  6. papa

    Halöle,
    mir wurde wegen meiner Schulter und dem Ellenbogen Valoron verordnet da die anderen Schmerzmittel nicht halfen. Über Therapieformen und Möglchkeiten bin ich bestens im Bilde da ich Orthopädie-Meister und Heilpraktiker bin. Meinen Beruf als OT-M kann ich deshalb nicht mehr ausüben und bin deshalb heute im Aussendienst tätig. Toll mit Valoron Auto fahren geht mal gar nicht, also weg das Zeug wo man wie ein Zombie im Eck hockt. Also Ich mag das Gelumpe gar nicht. 2010 aber ne kontrolle und positiv auf Cannabis. Deckel weg MPU und kein HP mehr.
    Also was dann, keine Schmerzmittel und die Schmerzen ertragen.
    Danke liebes BTMG
    A hanfigs Grüßle

  7. Mari Jo

    Was bei der Bopst schließlich „austherapiert“ bedeutet und zur „Ausnahme-Erlaubnis“ führt, Cannabisblüten aus der Apotheke zu beziehen, wird bei den GKV noch lange nicht hingenommen. Bei allfällig abschlägigen Erstattungs-Antrags-Bescheiden wird man allfällig darauf hingewiesen, dass man eben dies noch nicht hinlänglich belegt hätte. Arztberichte und Vorbefunde werden geflissentlich übergangen. Dafür wird vorgeschlagen, sich in „stationäre Therapie“ an den „Glückstropf“ zu begeben.

    Zwangs-Euthanasie im Namen des Pharmaprofits.

  8. Gasterl

    Wie verhält sich das mit Krankheiten wie Morbus Bechterew, für die es bisher keine erfolgversprechende Therapie gibt. Muss der Patient hier erst Versuchskaninchen für die Pharmaindustrie spielen, oder kann er ohne an den Versuchen teilgenommen zu haben Cannabis verschrieben bekommen?

  9. X-KIFFER

    Meiner Meinung nach ist Thomasius befangen wenn es um Cannabis geht. Das liegt wohl daran das er an der Prohibition verdient. Er ist einer der Dinosaurier die wohl hoffentlich bald ausgestorben sein werden. Nachfolgende Generationen werden sich an diesen Mann belustigt erinnern. So wie an jene Mediziner die bei der Erfindung der Dampfeisenbahn Befürchtungen äußerten das die – für damalige Vorstellungen – extreme Geschwindigkeit von 30 Meilen pro Stunde Gesundheitsschädigungen nach sich ziehen könnten.

    Für mich persönlich ist er – trotz seiner Verdienste – ein Lügner und Heuchler wenn es um Cannabis geht. Ein Clown der hoffentlich bald Geschichte sein wird.

  10. Mari Jo

    Littleganja, gegen die Nebenwirkungen von Medikamenten gibt es weitere Medikamente. Gegen „Chemiephobie“ erhältst du Beruhigungsmittel oder Antidepressive. Und es gibt soooo „schicke“ Schmerzpräparate heutzutage, dass die MDK
    einfach nicht locker lassen.
    Ich habe eine Unverträglichkeit gegen viele Medikamente, die ist auf meine befundeten genetischen Detox-Störungen sowie eine Histamin-Intoleranz und -Abbaustörung zurückzuführen.
    Immerhin hat die Bopst mir darum eine Ausnahme-Erlaubnis gegeben. Die MDK der Krankenkasse sind aber davon überzeugt, mich noch irgendwie tot kriegen zu müssen… -_-

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