Mittwoch, 4. März 2015

Eine Frage des Preises

Was steckt hinter Mortlers Plänen zu Cannabis als Medizin?

 

von Michael Knodt

 

titel-märz-hanfjournal-medical-cannabis-dispensary-open-leutschild-reklame-abgabestelle-coffeshop-open-laden-geschäft-front

 

Die Ankündigung unserer Drogenbeauftragten, Cannabis-Patienten den Zugang zu medizinischem Cannabis zu erleichtern, klingt auf den ersten Blick ganz gut. Näheres war von Frau Mortlers Büro leider nicht zu erfahren, befand sie sich doch zu Redaktionsschluss gerade auf Dienstreise in Uruguay, unter anderem auch um mit Regierungsvertretern über das Legalisierungs-Modell in Uruguay zu sprechen. Dort dürfen Cannabis-Patienten heute schon legal bis zu sechs Pflanzen anbauen, weil es jeder darf.

 

Derweil werden in Deutschland schon mal fast unbemerkt von der Öffentlichkeit die Weichen zur Umsetzung von Mortlers Plänen gestellt. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) sowie der Vorsitzende der Deutschen Ärztekammer, Ulrich Montgomery, haben bei allen gesundheitspolitischen Reformen in Deutschland immer ein Wörtchen mitzureden. Bei Cannabis scheint man sich einig zu sein: Der Zugang zu Arzneimitteln auf Cannabis-Basis soll erleichtert werden, die natürliche Variante hingegen weiterhin der Ausnahmefall bleiben, für den die Kosten nicht erstattet werden. Obwohl die niederländische Firma Bedrocan unter strenger Kontrolle  des niederländischen Gesundheitsministeriums Cannabis anbaut, dessen Wirkstoffgehalt sowie Belastung mit Pestiziden, Insektiziden oder Schimmel streng kontrolliert wird, behauptet Montgomery, eine Qualitätskontrolle sei nur bei Fertig-Präparaten möglich: ‚Hier (bei Cannabisblüten) variiere der Wirkstoffgehalt, dessen Konstanz eine grundlegende Voraussetzung für eine gezielte und sichere Pharmakotherapie sei‘, so Montgomery zur Deutschen Apotheker Zeitung. Ein paar Sätze später wird der Chef der Ärztekammer noch deutlicher: „Wir wollen die Apotheke nicht zum Coffeeshop machen. Es muss klar sein, in welcher Dosis Cannabis verabreicht wird. Die Produkte müssen zugelassen, sicher und verträglich sein, so wie jedes andere Medikament auch. […] Da ist nicht der Bundestag gefragt, sondern der Gemeinsame Bundesausschuss und die Krankenkassen.“

 

Also doch keine Gesetzesänderung durchs Parlament, sondern nur eine mögliche und ohnehin längst überfällige Kostenübernahme von Fertig-Präparaten. Lauterbach begrüßt die Haltung Montgomerys und faselt ebenso von Cannabis-Produkten und meint, man dürfe „Apotheken nicht zu Coffeeshops machen.“ Langsam fragt man sich, ob hier das Interesse der Patienten wirklich vordergründig ist, oder ob es um die Vorab-Verteilung eines neuen Marktes mit rosigen Zukunftsaussichten geht. Schaut man einmal auf den Preis für ein Gramm des Wirkstoffs THC, drängt sich der Verdacht geradezu auf:

 

Ein Gramm THC in Form des Mundsprays Sativex kostet ungefähr 457 Euro.

 

Ein Gramm THC in Form der Rezeptursubstanz Dronabinol kostet ungefähr 930 Euro

 

Ein Gramm THC in Form von Bedrocan Blüten kostet ungefähr 68 Euro.

 

Bei nicht vom  Betäubungsmittelrecht erfassten Cannabinoid CBD ist das Verhältnis ähnlich.

 

 

Die Blüten von Bedrocan reichen jetzt schon kaum für den Bedarf deutscher Patienten, denn die wenigen Inhaber einer Ausnahmegenehmigung leiden jetzt schon unter den Lieferengpässen aus den Niederlanden. Auch die Firma Bedrocan selbst weist immer wieder darauf hin, dass ihre Kapazitäten für niederländische Patienten ausgelegt sind und die Versorgung deutscher Patienten auch in Zukunft nicht durch Bedrocan gesichert werden kann.

 

Die angekündigte Erleichterung scheint, wie alle Änderungen zuvor auch, den Charakter eines „Lex Sativex zu besitzen. Es geht immer noch darum, die Gründung einer staatlichen Cannabis-Agentur zu verhindern, die den Anbau von medizinischem Cannabis regelt und  überwacht. Denn dann würde jedem klar, dass natürliches Cannabis eine fast unschlagbare Konkurrenz zum Fertig-Präparat ist: Es ist billig herzustellen, der Wirkstoffgehalt ist standardisierbar und die Medizin in ihrer natürlichen Form verfügt über ein breites Spektrum Cannabinoide, die keine andere Medizin enthält. Kein Wunder, dass die Hersteller von THC-haltigen Arzneien die natürliche Variante fürchten. Denn hier lägen die Produktionskosten für ein Gramm THC knapp über 10 Euro, so dass es Patienten, je nach Sorte und Wirkstoffgehalt, für 20 bis 60 Euro haben könnten.

 

Im Zuge dieses Prozesses sind aber auch die Krankenkassen gefragt. Denn die Kostenübernahme der fertig-Präparate käme die Gemeinschaft der Versicherten viel teurer zu stehen als das niederländische Modell, das seit vielen Jahren zur Zufriedenheit aller Beteiligten funktioniert. Hier können sich Patienten entscheiden, ob sie lieber ein Fertigpräparat oder natürliches Cannabis erhalten möchten. Die Hersteller selbst könnten auch von einer solchen Agentur, wie es sie in den Niederlanden, Uruguay und zahlreichen US-Bundesstaaten bereits gibt, profitieren. Sie könnten den Rohstoff billiger beziehen und so den Preis für ihre Produkte senken. Das bessere Präparat wird sich auf Dauer durchsetzen – sollte es wirklich mit rechten Dingen zugehen.

 

7 Antworten auf „Eine Frage des Preises

  1. Gasterl

    Es käme zwar der Gemeinschaft der Versicherten – also dem „Michel“ gelegen….jedoch verliert die Pharmaindustrie Milliarden und da diese Industrie neben Öl und Waffen zu den 3 größten der Welt gehört, kann man sich deren Lobby(arbeit) sehr gut vorstellen.

  2. Mari Jo

    Den Krankenkassen dürfte eine Kostenübernahme herzlich egal sein, wenn ihre „Paten“ dies so befürworten und entsprechend schmieren. Diese „Paten“ dürfen wir gern als Pharmafia benennen, denn nichts anderes sind sie. Und unsere Politiker sind ihre hörigen Vasallen, denn ohne Schmiergelder läuft eben nichts. Es geht doch wieder nur darum herauszubekommen, ob man von derlei austherapierten Patienten, wie sie unsere Ausnahme-Erlaubnisinhaber darstellen, doch vielleicht noch ein bisschen mehr Profit als bisher herausschlagen kann…! Wir werden von Wirtschaftsverbrechern regiert, die uns Patienten so inhuman wie nur möglich diskriminieren, diffamieren und verfolgen, damit wir möglichst bald (aus-)sterben mögen. Das Leid und die Schmerzen der Patienten, der ganze unhaltbare und unmenschliche, künstlich aufrecht erhaltene Unrechtszustand interessiert unsere Herren und Damen Abgeordneten doch nur einen feuchten Kehricht. Auf Kosten dieses Leids werden jetzt wieder einmal mediale Heiligenscheinchen gestrickt und Wirtschaftsfaktoren für Pharmakonzerne festgesetzt. Wer hier jubeln möchte, hat wahrhaftig noch keinen Schuss gehört…

  3. steve wenzel

    was für ein scheiß bedrocan schwafelt, in holland brauchen sie kein medzinisches, weil es nichts anderes ist als normales cannabis unter dem deckmantel der medizin, zwecks der vermarktung….

  4. Irish Green

    Geht alle zum GLOBAL MARIHUANA MARCH !!!
    Wir müssen mit einer Stimme sprechen. Gemeinsam sind wir stark!

  5. Homemade Herbal Medicine

    Also, bei Hanf-Zeit.com , kostet ein Kilo CBD-Hanf-Blüten, keine 100 € . Das einzige was viel Kostet ist das Butangas und ein Kreislaufextractor wie z.B. der Tamsium-Extractor .

  6. haar

    teilt ihr euch jetzt die artike? sahnt der autor doppelt ab? sind andere medien relevanter als das hj bzgl cannabis oder warum erscheint der artikel hier später?

    warum finde ich nicht den artikel aus der huffingtonpost von f grotenherm hier? arbeitet ihr nicht mehr zusammen bzw veröffentlicht ihr nichts mehr von ihm?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.