Dienstag, 3. Februar 2015

Das Ende der Geduld

Der Tod von Cannabispatient Robert Strauss

 

Autor: Michael Knodt

 

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Foto: Johannes Simon

 

 

Selbst Marlene Mortler meinte vor nicht allzu langer Zeit, dass sie über die Situation von Cannabispatienten nachdenken müsse. Innerhalb der SPD hätten Erleichterungen für anerkannte Patienten ausreichend Rückhalt, doch man möchte das heiße Eisen derzeit nicht anfassen, weil Teile der SPD und fast die gesamte CDU/CSU-Fraktion wohl nicht dazu bereit wären, den Status noch in dieser Legislaturperiode zu verändern. In diesem Zusammenhang nicht zu verhindernde Schlagzeilen wie „Kiffen gegen Krebs“ gilt es zu vermeiden, egal wie notwendig eine Änderung des Status Quo ist. Daran wird auch die Diskussion im Bundestag wenig ändern, die gerade von Bündnis90/Die Grünen angeregt wird.

 

Doch spätestens seit der angeblichen Aufhebung von Cem Özdemirs Immunität wegen einer Hanfpflanze sollte es jeder und jedem Bündnis-Grüne, besonders Herrn Kretschmann klar sein, dass die Gesetzgebung zu Cannabis mittlerweile groteske Folgen nach sich zieht. Doch meist liegt der Verfolgung, so wie in diesem Fall, kein politisches Kalkül, sondern knallharte Realität zugrunde. Da sind die Folgen meist traurig, manchmal sogar lebensbedrohlich. Bei Robert Strauss aus Augsburg, der als Tumorpatient eine Ausnahmegenehmigung für Cannabis besaß, stellt sich sogar die Frage, ob ihn die repressiven Maßnahmen nicht erst in eine Lage gebracht haben, die letztendlich seinen Tod verursacht habe. Doch der Reihe nach.

 

Zwei von Strauss‘ Rückenwirbeln waren von einem Tumor befallen und sie mussten ersetzt werden. Dazu wurde die Wirbelsäule wurde mehrmals operiert. Seitdem war Herr Strauss zwar Tumorfrei, jedoch von unerträglichen Schmerzen geplagt, die er mit Cannabis lindert. Im Juli 2013 wendet sich Herr Strauss an Dr. Grotenhermen, der daraufhin einen Antrag zur Erlangung einer Ausnahmegenehmigung vorbereitet, die im Februar 2014 erteilt wird. Herrn Strauss geht es nach Auskunft seines Arztes gut, allerdings kann er sich selten genügend Cannabis kaufen, weil die Kosten von circa 35 Euro/Tag seine finanziellen Mittel übersteigen. Die Kasse zahlt trotz wiederholter Anträge auf Kostenübernahme nicht. Wohl aufgrund seiner Ausnahmegenehmigung wird er von der Augsburger Polizei immer wieder auf offener Straße kontrolliert. Im September 2014 stürmen Polizisten ohne Durchsuchungsbefehl seine Wohnung, weil es nach Cannabis gerochen haben soll.

 

Die Ausbeute: Eine (illegale) Hanfpflanze sowie legales Bedrocan-Cannabis aus der Apotheke. Die Polizisten interessiert das nicht, sie beschlagnahmen alles. Auch die Deutschen Apotheken könne aufgrund von Lieferschwierigkeiten genau zu dieser Zeit kein Cannabis aus den Niederlanden beziehen, womit Herr Strauss einer von knapp 300 Patienten ist, die zwischen Herbst 2014 und Januar 2015 keine Hanfblüten erhalten haben. Er kann auf Grund seines geschädigten Magens keine anderen Medikamente einnehmen, und versucht, die Schmerzen mit Alkohol zu betäuben. Am 6. Dezember 2014 berichtete die Süddeutsche Zeitung über das Schicksal von Robert Strauss, der sein beschlagnahmtes Bedrocan Cannabis bis dahin nicht von der Polizei zurückerhalten hatte. Die kommentiert das auf Anfrage der „SZ“ mit „Wissen Sie, das muss erst mal alles untersucht werden. Das dauert“. Nach einem Sturz muss Herr Strauss mit gebrochenem Oberarm ins Krankenhaus eingeliefert werden und telefoniert am 8. Januar mit Dr. Grotenhermen. Er beklagt, seine Medizin immer noch nicht zurückerhalten zu haben. Am 13.1.2015  klagt er über Atemprobleme und muss wiederbelebt werden, am Morgen des 14.1.2015 verstirbt Robert Strauss. Als Todesursache geben die Ärzte gegenüber seinem Sohn „multiples Organversagen“ an. Sein Sohn erzählt Dr. Grotenhermen, der Vater sei schon tagelang in sehr schlechtem Zustand gewesen.

 

Wenn  Politiker in Berlin bald über die lächerlichen  Folgen von Cem Özdemirs Hanfpflanze diskutieren, dürfen sie Robert Strauss auf gar keinen Fall vergessen. Denn hier geht es nicht nur um eine ungerechte Ungleichbehandlung von Konsumenten und Patienten, sondern um Leben und Tod eines Menschen. R.I.P Robert.

10 Antworten auf „Das Ende der Geduld

  1. Der Optimist

    Der Grüne Ministerpräsident im Schwabenländle heißt Kretschmann – nicht Kretschmer.

  2. HAZEBERRY

    Schwerkranke Patienten sollen ab 2016 leichteren Zugang zu Cannabis bekommen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung kündigte ein entsprechendes Gesetz an. Die Kosten für die Einnahme der schmerzlindernden Pflanze sollen die Krankenkassen übernehmen.

    Wo kommt das Grass denn jetzt her wenn die Firma Bedrocan nicht liefern kann das ist doch ein Witz !!!!!!!

  3. X-KIFFER

    Jeder der – aus welchen Gründen auch immer – daran beteiligt war Robert Strauss die Medizin vorzuenthalten ist meiner Meinung nach ein Mörder.
    Auch die Polizei kann sich da nicht rausreden.
    Die Grundrechte – dazu gehört neben der Menschenwürde auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht auf medizinische Versorgung – sind weder verhandelbar noch können sie durch internationale Verträge/Abkommen oder Gesetze außer Kraft gesetzt werden. Nicht ohne Grund haben die ersten 20 Artikel unseres Grundgesetzes eine „Ewigkeitsgarantie“ d.h. selbst mit einer Mehrheit von 100% kann man sie nicht ändern oder abschaffen.
    Auch die Politiker sind als Schreibtischmörder daran beteiligt und gehören zusammen mit den Polizisten vor ein ordentliches Gericht gestellt, abgeurteilt und eingekerkert.
    Immer wenn so etwas passiert zerplatzt wiedereinmal der Traum von einem deutschen Rechtsstaat wie eine Seifenblase. Anspruch und Wirklichkeit stehen in Deutschland – wie schon so oft – im krassen Gegensatz zueinander. Schade!

  4. Orang U-Bahn

    Cannabis könnte eine fast endlose Reihe an teuren und giftigen Medikamenten ersetzen . Jeder könnte Cannabis ohne Provitsüchtiger Ärzte ,Apotheken und Pharmafirmen im Blumentopf selber züchten . Es geht um Leben und Tod ,sehr vieler tausend Menschen .

  5. Ralf

    Und genau das ist es, was die Erfüllungsgehilfen dieser Farmaverbrecher auf keinen Fall zulassen werden. Deswegen wird ein Cannabiskonsument auch in Zukunft erst sein Cannabis bekommen, wenn er sich vorher ausreichend mit Farmapillen vergiftet hat, also nachdem experimentell am Patienten nachgewiesen worden ist (Die Mengeles dieser Welt lassen grüßen) daß das Farmagift nicht geholfen hat. Es gab schon einmal eine effektivere Methode Kiffer zu vernichten, und Menschenversuche durchzuführen. Ich würde doch vorschlagen diese wesentlich effektivere Methode die Welt Kifferfrei zu machen wieder einzuführen. Das Gutmenschentum kann man ja dann dadurch demonstrieren und zur Schau stellen indem man den Patienten (Kiffern), mit dem man es ja nur gut meint weil man ihn von der Sucht befreien will, zum Zyklon B oder ähnlichem einen Joint mitgibt.

  6. Lars Rogg

    Es ist sooo unwürdig. Anstatt diese Gott verdammten Politiker endlich das Zeug legalisieren, machen die so einen ekelhaften Affentanz-es wäre so einfach, für alle Kranken sowie Hedonisten…aber nein. Da werden Patienten beklaut und den beklauten auch noch, völlig aus der Luft gegriffen, Fehlverhalten vorgeworfen. Diese unser aller Bullerei und Staatsanwaltschaft sollte sich in Grund und Boden schämen. Ekelhaft bis zum Schluß!!!!
    Und das Beste…die bekloppte Mortler hat doch tatsächlich die seit Jahren widerlegte Einstiegsdrogen Keule wieder ausgepackt. Die Lernfähigkeit eines geistig behinderten Dorftrottels-eben eine deutsche Politikerin.

  7. OhHimmeldaskannnichtsein

    Wieviele Menschen müssen noch leiden?Das ist mehr als Körperverletzung meiner Meinung.
    Ich denke wir alle sollten Betroffenen Patienten versuchen zu helfen,irgendwie den Rücken stärken.Wendet euch anhajo?!Nnur helft bitte mit.
    Rip Robert

  8. HM420

    Eigentlich eine schöne Nachricht, wenn nur das „Kleingedruckte“ nicht wäre. Denn es bleibt trotz allem dabei, das die Anhänger von CDU/CSU nicht wirklich an Cannabis als Medikament glauben. Daher auch Mortlers Erwähnung,..“es ist nicht ganz einfach festzustellen wer wirklich(!) Cannabis benötigt“!!. Denn es bleibt dabei das nur „austherapierte“ Patienten eine Möglichkeit dafür bekommen, also erst nachdem Sie mit härteren Opiaten behandelt worden sind-und eben diese ausser Organschäden zu keiner Besserung mehr geführt haben. Desweiteren sieht man dies auch an den Preisen für med. Cannabis, die weitaus höher sind als der Preis auf der Strasse, weil man verhindern wollte/möchte das Patienten ihr Medikament an 3.e weiterveräussern! Was heist,das man den Med. Grund für die Einnahme nicht ganz glaubt!..(PS.: gleiche Medikamente sind im Ausland weitaus günstiger-schon jetzt!!) Bleibt also nur zu hoffen das es doch möglich sein kann über den eigenen Tellerrand hinaus zu Blicken um weiteren Pat. Medikamente anbieten zu können. ( BSP.: USA – Med. für Kinder mit schwerster Epilepsy; Krebspat. und zwar vor schädigenden Opiaten; …. ). Aber leider scheint es als seie diese Ankündigung nur ein Schritt der Pharmalobby, die lieber einigen wenigen ein Med. erstattet ( zum günstigeren Bezugspreis als die Pat. selber !!), anstatt der Erlaubnis auf Eigenanbau ( Köln!!) zuzustimmen und somit einer mögl. generellen Re-Legalisierung den Weg zu öffnen.

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