Samstag, 3. Januar 2015

Die letzten Bastionen der Gegner wackeln

Sinkender Konsum unter Jugendlichen in Staaten mit legalem Cannabis

 

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von Michael Knodt

 

Die Halbwertzeit von offensichtlichen Lügen über die Gefahren und negativen Auswirkungen des Cannabis-Konsums wird zunehmend kürzer, weil sich gerade immer mehr Medien mit den unsinnigen Blüten der Prohibition beschäftigen. Die Gegner einer regulierten Cannabis-Abgabe an Erwachsene hatten sich im Prinzip auf zwei Hauptargumente zurückgezogen: Die angebliche Gefährdung von Jugend- und Straßenverkehr wären so unverantwortlich, dass andere Aspekte erst gar nicht diskutiert werden müssten. Weil Cannabis weltweit verboten ist, konnte man diesem Argument bislang wenig Zahlen und Fakten gegenüberstellen, die das Gegenteil beweisen.

 

Wissenschaftlich widerlegte Mythen wie die der Einstiegsdroge, des Flashbacks oder des angeblichen „Gen-Grases“ werden kaum noch zitiert, wenn es um die Aufrechterhaltung des Verbots geht. Die „Kinderkarte“ und der „Verkehrs-Joker“ hingegen stechen auch bei Entscheidungsträgern immer wieder und haben bislang eine Evidenz basierte Diskussion verhindert. Besonders bei der Führscheinproblematik gibt es immer mehr Betroffene, die sich strikt an das Nüchternheitsgebot im Straßenverkehr gehalten haben und trotzdem die Karte los sind. So wie die Frau aus Mainz, die als Taxigast den Führerschein abgeben musste oder Florian aus  Baden-Württemberg (Hanf Journal #179), der nie bekifft gefahren ist und trotzdem zur MPU muss. Leider betrifft diese Art „Ersatzstrafrecht“ nicht nur Einzelne, sondern heizt die repressiven Maßnahmen zusätzlich an, weil die Zahl der angeblichen Drogenfahrten natürlich künstlich hoch gehalten wird, indem man einfach zurückliegenden Konsum ohne Einfluss auf die Fahrtauglichkeit mitzählt. So werden von den Innenministerien zusätzliche Gelder für Kontrollen und immer feinere Messgeräte akquiriert, bei denen noch mehr Konsumenten ins Netz gehen. Und so weiter und so fort. Experten wie der Freiburger Rechtsmediziner Prof. Dr. Volker Auwärter, der auch im sachverständigen Ausschuss für Betäubungsmittel sitzt, kritisiert die aktuelle Rechtslage. Bei Mengen, die praktisch ohne Wirkung seien, drohe der Entzug der Fahrerlaubnis. So sei das Unfallrisiko bei den legalen 0,5 Promille doppelt so hoch wie mit 0,0 Promille, beim geltenden Grenzwert von 1 ng/ml Blutserum sei die Wirkung hingegen längst verflogen. Anders als alkoholisierte zählten Fahrer unter Cannabis-Einfluss relativ selten zu den Verursachern von Unfällen. Zum einen sei das Trennungsvermögen besser ausgeprägt, da Cannabis, anders als Alkohol, nicht enthemme. Wer gekifft habe, fahre deshalb meist gar nicht mehr. Das legt auch der Versuch von „Quarks&Co“ nahe, der vergangenen Monat einen Versuch mit zwei Autofahrerinnen machte.

 

Diese Fakten sind eigentlich schon seit der niederländischen „Leiden-Studie“ aus den 1980er Jahren bekannt, wurden jedoch bislang einfach ignoriert. Das erhärtet den Verdacht, dass es nicht wirklich um den Schutz Unbeteiligter geht, sondern um die Sanktionierung von Konsumenten, die durch das Strafrecht nicht erfasst werden. Wer beim Dealen erwischt wird, bekommt übrigens selten Stress mit der Fahrerlaubnisbehörde, schließlich greift hier das Strafrecht.

 

Einstiegsalter sinkt

 

Seit in den USA die Bundesstaaten Colorado und Washington re-legalisiert haben und Medizinisches Cannabis in immer mehr Staaten legal ist, gibt es aus den USA neuerdings auch echte Zahlen, die die Auswirkungen auf Verkehrssicherheit und jugendliche Konsumenten dokumentieren. Mehrere Erhebungen und Statistiken beweisen, dass in Staaten mit legalem Zugang zu Cannabis die Verkehrssicherheit steigt, wobei in den meisten Staaten der USA ein DUI-Grenzwert (Driving Under Influence) von 5ng/ml gilt. Klingelt’s? Waren 5ng nicht der Wert, bei dem eine ganz leichte Beeinflussung überhaupt erst anfängt? Wobei die Ausfallserscheinungen bei 5ng weitaus geringer sind als bei 0,3 Promille. Die Schnelltests, die auch in den USA eingesetzt werden, sollen hingegen keine positive Auswirkung auf die Verkehrssicherheit haben.

 

Auch der Konsum von Jugendlichen nimmt in den gesamten USA ab, in Colorado sinkt er seit 2009 stetig ab. Die Prävalenz bei High School Schülern sank in dieser Zeit von 24 auf aktuelle 20 Prozent.

 

Langsam müssen die Prohibitionisten auch ihre letzten Bastionen räumen, es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann sich diese Erkenntnisse auch bei uns durchsetzen. Doch dazu müsste man die Fahrerlaubnis-Verordnung und das Betäubungsmittelgesetz reformieren und somit Fehler zugeben. Das ist eine Aufgabe, die unsere „GroKo“ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht auf ihre Agenda setzt. So müssen wir uns wohl noch auf ein paar Runden mit „Kinderkarte“ und „Verkehrs-Joker“ einstellen, bis eine andere Regierung neben Krankenkassen-und Rentenmodell auch endlich mal das BtMG und das Führerscheinrecht reformiert.

8 Antworten auf „Die letzten Bastionen der Gegner wackeln

  1. Lars Rogg

    Glaub ich nicht!!!
    Ja ich weiß , meine Meinung ist hier nicht mehr viel Wert.
    Dennoch muss ich ein kleine Lanze der Logik bzw der Vernunft brechen.
    Unsere Regierung richtet sich, innenpolitisch, ausschließlich nach den vielen, vielen Umfragen die unsere GroKotze (sorry mal wieder verbal entgleist) in Auftrag gibt. Da unserer lieben Mitbürger seit Jahren mit Desinformationen oder aalglatten Lügen gefüttert wurden und werden, wird sich unsere Industrie und Lobbyhörige Regierung nicht zu einer Vernünftigen bzw menschenfreundlichen Regelung durchringen-Wählerstimmen heisst hier das Schlagwort!!!!Das der am häufigsten gelesene Dreck (Bildzeitung u.ä.) von den meissten Deutschen auch geglaubt wird, ist ein Resultat unsereres Bildungssystems. Es hat Sinn das keine Regierung nennenswertes Geld in die Schulen bzw Ausbildung der ärmeren Bevölkerung bzw Unterschicht gesteckt hat. Wer dumm oder ungbildet ist, glaubt was man ihm erzählt oder Vorlügt. Diese ekelhaften Politiker (sorry, ich kann nicht anders) werden sich niemals einer Vernünftigen Handlundsweise hingeben. Die und ihre Handlanger (Bullengesindel, Staatsanwälte, Bild) werden sich niemals so leicht zu kriminalisierende Opfer durch die Finger gleiten lassen. Sie müßten sich ja sonst echten Verbrechern widmen…eher unerfreulich!!
    Wie hinterfotzig unsere Staatsanwaltschaft bzw Polente ist sieht man an den immer noch stattfindenden Hausdurchsuchungen (Udopea und co) und das ein halbes Jahr nach den ersten kriminalisierungen. Die wollen keine Verbrecher jagen, sondern kleinen unauffällige Selbstversorger den Garaus machen. „Zu Verbrechern stempeln“. Unsere Gesellschaft verroht immer mehr (siehe meine Ausdrucksweise) und unser Regierung macht alles um diese Situation zu perfektionieren, sieher Hartz4, Drogengesetze, Bildungspolitik, etc… Für wie viele harmlose Hedonisten ist diese Politik zu einer persönlichen Katastrophe geworden?? Und das ohne jegliche Schaden für die Gesellschaft oder einzelne Menschen angerichtet zu haben!! Daran wird unserer Regierung nichts ändern. Auch wenn die Arbeiterverräter von der SPD an die Macht kämen, würde sie diese Menschenfeindliche Politik weiterführen. Man bedenke: Gabriel ist für TTIP, d.h. er ist nicht auf der Seite der deutschen Bevölkerung!!!! Also genau so wie Gauck und Merkel-ein einziger Abnickverein für die Interessen der Grokotze und der USA. Ich hoffe sehr das ich mich mal wieder täusche , aber ich glaube eher nicht…

  2. J2

    „Weil Cannabis weltweit verboten ist, …“

    Ein herzlichster Wink an den Autor: Cannabis wird langsam aber sicher legal. 🙂 Und das ist richtig und schön so. Ansonsten ein sehr gelungener und informativer Text. Und aus welchem Grund klammern die Prohibitionsbefürworter so hartnäckig und verzweifelt an unserer Jugend? Haben sie etwa Angst, daß die kommenden Generationen nie wieder zum Alkohol greifen, nachdem sie einen gesunden Rausch kennengelernt haben? Wer läßt sich dann noch am Maul führen? Die Hanfprohibition erkläre ich hiermit für endgültig beendet. Das gilt für unseren ganzen Planeten.

  3. J2

    Na, auch Weihnachten ohne Medizin verbracht? Macht Dir nichts daraus, es kommen bessere Zeiten.

  4. Marie

    „Wer beim Dealen erwischt wird, bekommt übrigens selten Stress mit der Fahrerlaubnisbehörde, schließlich greift hier das Strafrecht.“

    Da seid ihr aber ganz falsch gewickelt. Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen, dass sich unser Staat keine Möglichkeit nehmen lässt die Kiffer und ihre Dealer zu drangsalieren.
    Ich musste 2x ein halbes Jahr lang eine Suchttherapie absolvieren bevor ich meine Karte wieder bekam.
    Zweimal, weil ich am Anfang nicht gleich begriff dass man den Therapeuten genau das erzählen muss, was sie hören wollen. In etwa so wie in der Schule. So war ich nach dem ersten halben Jahr „noch nicht so weit“, sodass sie mir auch keine Empfehlung für die MPU ausstellen wollten. Sitzen geblieben! „Jetzt machst Du halt noch ein halbes Jahr, dann klappt das schon.“ hiess es dann.
    Finanziert wurde das ganze übrigens über die Rentenversicherung. Ich denke die Rentner, die Jahr für Jahr mit Nullrunden abgespeist werden dürften solche Fakten interessieren.
    Mich jedenfalls hat das gewundert. Aber so hatte ich wenigstens noch was von meinen monatlichen Rentenzahlungen. In 40 Jahren jedenfalls habe ich – so wie es in der Politik aktuell läuft – nichts mehr davon.

  5. Jemand

    Naja legal ist was anderes! Man kann zB. in Colorado und Washington höchstens von einer Entkrimminalisierng sprechen…schon alleine deswegen weil es immernoch völlig schwachsinnige Vorschriften und Regelungen gibt für die es eigentlich nichteinmal eigene Gesetze verlangt (liesse sich alles über bereits vorhandene Jugend- und/oder Verbraucherschutzgesetze regeln!)
    Das ist ein wichtiger und guter Schritt in die richtige Richtung sollte aber nicht das Ende des Kampfes für mehr Gerechtigkeit im Zusammenhang mit Drogen im allgemeinen und Cannabis im speziellen sein!
    Und genau das befürchte ich! Das der Kampf um Gerechtigkeit at acta gelegt wird sobald unsere Herren und Meister uns Sklavenpack gnädigerweise etwas erlauben das sie uns nie hätten verbieten dürfen

    Im Forum gibt es ein Thema mit dem Titel „wie soll die Legalisierung aussehen?“ dazu gibt es nur eine Antwort : „Es ist nicht mehr illegal…denn alles andere ist keine Legalisierung sondern Entkrimminalisierung (und die ist höchstens ein Zwischenziel!“

    Deswegen (auf lange Frist) :
    Nein zu Cannabissondersteuern! (normale Mehrwertsteuer ist völlig ausreichend!)
    Nein zur Besitzmengenbegrenzung! (es sei denn dies gillt dann auch für Alkohol Taback usw!)
    Nein zur Konsummengenbegrenzung! (mündige erwachsene Bürger sollten selbst wissen was sie tun!)
    und allgemein : NEIN ZU FAULEN KOMPROMISSEN die nur dazu dienen die Gemüter zu beruigen damit „die“ ihr faules Spiel weiter treiben können!

    Ich habe fertig!

  6. Michael Knodt

    da liegst du falsch. schau dir bitte die fahrerlaubnisverordnung im detail an. das verwaltungsrecht ist sehr kompliziert und ich habe vor dem schreiben ordentlich recherchiert. dealer haben es diesbezüglich besser als konsumierende. du bist anscheinend nicht ausreichend vorbereitet in eine mpu…
    lies mal ein paar artikel von theo, dann weisst du was wir meinen.
    klar gibt es immer wieder ausnahmen, aber die subjektive erfahrung einzelner, so unangenehm sie auch sein mag, ist leider nicht repräsentativ. ich treffe seit jahren täglich leute aus der ganzen republik in natura, online oder am telefon, die probleme mit der karte haben. dealer haben es besser. meine eigene erfahrung habe ich übrigens auch, aber da ich weiß, dass sie nicht repräsentativ ist, werde ich sie nicht in meine meinungsbildung einfließen lassen. lies ma den auwärter, der bringt das alles auf den punkt.

  7. Ralf

    Du täuschst dich nicht ! Jedes Wort ist 100% korrekt, und eine andere Ausdrucksweise verstehen Barbaren wie dieses Prohibitionistenverbrecherpack nicht !

  8. eddy

    Wieso? Schreibe ich erst wochen nach veröffentlichung?
    Und wieso werden die abbauprodukte gemessen? Diese sind schliesslich wochen\bei dauerkomsumenten gar monate im blut\urin nachweisbar. Allerdings haben diese abbauprodukte keinerlei einfluß mehr (der rausch ist ja schon lange vorbei)

    Nach einem guten schläfchen ist man top fit. Wenn man die ganze nacht durchsäuft ist man nach einem schläfchen leider nicht so fit (ggf. Katerstimmung, erbrechen… Naja ihr kennt det) und dennoch setzen sich einige experten mit gefühlten 5 promille an restalkohol gepflegt ans steuer.

    SOWAS sollte man verbieten (ist es doch auch oder?)

    Der verkakkte harmlose kleine scheiss kiffer der nur n bisschen schweben möchte wird wie ted bundy behandelt aber die säufer die sich jedes wochenende, oder auch gerne mal unter der woche, gegenseitig die schädel einschlagen kommen dann locker flockig davon weil: zu voel getrunken nicht mehr herr seiner sinne also nur ne nacht in der ausnüchterungszelle… Wenn den überhaupt. Und das obwohl man menschen verletzt hat.

    Ich kann über das was die regierung, wenn man ES denn so nennen möchte, tag ein tag aus fabriziert nur lachen.

    Cannabis hat so viele vorteile gegenüber dem drecks alkohol… Aber nöö stattdessen werden uralte keulen geschwungen die von der wissenschaft längst widerlegt wurden.

    Mit einer staatlich kontrollierten abgabe erzielt man einen besseren jugendschutz als mit irgendwelchen verboten.

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