Montag, 29. Dezember 2014

Mit Drohnen gegen Drogen

Der Nato-Abzug beendet den Drogenkrieg nicht

 

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Heroin aus Afghanistan / Foto: Counter Narcotics Police of Afghanistan (CNPA)/ Hirat

 

Die Nato hatte vom „Spiegel“ veröffentlichten wikileaks-Dokumenten zufolge bereits 2009 Hinweise, dass der Krieg gegen den Terror in Afghanistan mit dem Drogenkrieg verschmolzen sei. Also beschloss sie damals, dass auch Drogenhändler auf die JPEL-Liste gesetzt werden dürfen. Wer auf dieser Liste steht, ist von der US-Regierung ohne Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt und muss, je nach Priorität, früher oder später mit einem tödlichen Drohnenangriff rechnen.

 

Damals starteten die USA und ihre verbündete eine Offensive gegen die Taliban und den Opium-Anbau in der Provinz Helmand, der nur von sehr fragwürdigem Erfolg gekrönt war: Nach einem kurzzeitigen Rückgang des Opiumanbaus verzeichnet man in Afghanistan auch 2014 wieder eine Rekordernte, wobei das von US-Truppen besetze Helmand die Nummer eins unter Afghanistans Provinzen bleibt.

 

Obwohl die UNO schon lange weiß, dass nicht nur die Taliban, sondern alle Gruppierungen, insbesondere Warlords jedweder Couleur, vom Opiumanbau und der Weiterverarbeitung zu Heroin profitieren, behaupten die USA das Gegenteil. Sie rechtfertigen die Drohneangriffe mit der Verquickung der Taliban in den Drogenhandel und haben ihren Schritt mit den  angeblichen Erkenntnissen des UNO.

 

Dabei verschweigt die NATO so Einiges: Keiner der 2011 beim Heroin-Handel ertappten hochrangigen afghanischen Politiker wird dort erwähnt, dafür übt sich die UNO-Drogenbehörde in Spekulation über die Rolle der Taliban im Heroingeschäft, bleibt jedoch Beweise schuldig.
Einmal heisst es, „[…], dass regierungsfeindliche Kräfte wie die Taliban nicht direkt in den Opiumhandel verstrickt sind […]“.
Oder: „[…] (Das Heroin) wird in Süd-Afghanistan meist von Patschunen und Balochen gehandelt.“
Oder: „[…]Zusätzlich erhoben die Taliban eine Steuer für Bauern und Händler[…].“ Etwa so wie hier, als nicht die Taliban, sondern die örtliche Polizei bei der Erpressung von Schutzgeldern erwischt worden war?
An anderer Stelle spricht der Report von „Taliban und anderen regierungsfeindlichen Kräften in Süd-Afghanistan, die den Handel mit Pakistan kontrollieren.“
Was denn nun? Die Taliban, die Polizei, die Paschtunen oder alle oder doch keiner?

 

Es gab übrigens eine Zeit, in der Afghanistan den Opiumanbau auf ein Minimum reduziert hatte: Die des Taliban-Regimes von 1996-2001. Nach dem Einmarsch der ISAF-Truppen haben die Anbauflächen dann fast jährlich neue Rekorde erzielt. Natürlich sind die Taliban die denkbar schlechteste Alternative, Afghanistans Drogenproblem in den Griff zu bekommen, die zunehmende Militarisierung des Drogenkriegs ist es, gemessen an der Zahl der Opfer, aber schon mal gar nicht. Außerdem arbeiten ISAF-Truppen nachweislich mit Drogenhändlern- oder Schmugglern zusammen, Hauptsache sie sind Feinde der Taliban. Beste Beispiele hierfür sind der Warlord Matiullah Khan oder der Polizeichef von Kandahar, Abdul Razik. Razik wird nicht nur des Opiumhandels verdächtigt, sondern soll auch große Mengen Essigsäureanhydrid geschmuggelt haben, das zur Heroin-Produktion benötigt wird.

 

Es gibt bereits einen Entwurf für einen dritten, alternativen Plan, der aus Großbritannien stammt und das Problem lösen könnte. Der „International Council on Security and Development“ (ICOS), ein „ThinkTank“ bestehend aus Wissenschaftlern und Experten aus Europa, den USA und Asien, die nach nachhaltigen Problemlösungen suchen, schlägt vor, den Opiumanbau in Afghanistan zu kontrollieren, die Produkte medizinisch weiter zu verarbeiten und den Bauern so ihr notwendiges Auskommen zu sichern. Ihre Studie „Poppy for Medicine“ kann mit viel versprechenden Zahlen aufwarten, erfährt von den Verantwortlichen bei der UNO jedoch keine Unterstützung. Vom IOCS möchten offizielle Stellen nichts hören, weil dieser ein grundlegendes Umdenken in der Internationalen Drogenpolitik voraussetzten würde.

2 Antworten auf „Mit Drohnen gegen Drogen

  1. Delphine Laws

    „Der „International Council on Security and Development“ (ICOS), ein „ThinkTank“ bestehend aus Wissenschaftlern und Experten aus Europa, den USA und Asien, die nach nachhaltigen Problemlösungen suchen, schlägt vor, den Opiumanbau in Afghanistan zu kontrollieren, die Produkte medizinisch weiter zu verarbeiten und den Bauern so ihr notwendiges Auskommen zu sichern. Ihre Studie „Poppy for Medicine“ kann mit viel versprechenden Zahlen aufwarten, erfährt von den Verantwortlichen bei der UNO jedoch keine Unterstützung. Vom IOCS möchten offizielle Stellen nichts hören, weil dieser ein grundlegendes Umdenken in der Internationalen Drogenpolitik voraussetzten würde.“
    Es wäre eine gute Lösung. und Indien hat schon heute einen Sonderstatus, dort wird nämlich das Opium für den Medizinmarkt angebaut, kontrolliert vom Bureau of narcotics.
    „India is one of only a dozen countries allowed to grow opium poppies to export for the manufacture of legal drugs such as morphine. “
    http://www.cfr.org/india/bhattacharji-tackling-afghanistans-opium-trade-legalization/p15117

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