Montag, 15. Dezember 2014

Skepsis bei den „Native Americans“

Die Ureinwohner der USA dürfen jetzt legal Gras anbauen – wenn sie überhaupt wollen

 

news8

 

Die Meldungen in den US-Medien überschlagen sich geradezu, nachdem das US-Justizministerium vergangene Woche angeordnet hatte, den Cannabisanbau und Verkauf auf den Stammesgebieten der “First Nation”-Bürger nicht mehr grundsätzlich zu verfolgen. Grundlage für die Re-Legalisierung auf den Stammesgebieten wären entsprechende Entschlüsse der jeweiligen Stammesregierung eines Reservats: So wie in drei Fällen, auf die sich Oregons Generalstaatsanwältin Marshall bei der Mitteilung gegenüber AP vergangene Woche bezog. Welche drei Stämme Interesse hätten, sagte Marshall nicht. Es handle um je einen Stamm aus Kalifornien, einen aus Washington State und einen aus dem Mittleren Westen.  Manch einer träumt bereits von blühende Landschaften und sprudelnden Einnahmen für die ökonomisch oft arg gebeulteten Regionen.

 

Grund genug einmal genauer hinzuschauen, wie er derzeit mit dem Grasanbau auf “Indianerland” aussieht. Mit Ausnahme der drei erwähnten Reservate scheint Weed bei den verantwortlichen Stammesoberen nicht gerade sehr beliebt zu sein, selbst Cannabis-Patienten, auch solche aus den eigenen Reihen, sind auf Stammesgebiet nicht selten unerwünscht und werden sozial geächtet.

 

Einige wie der Stamm der Hoopa aus Kalifornien sind weiterhin explizit gegen den Gebrauch von Cannabis und helfen den Bundesbehörden aktiv bei der Suche nach Graspflanzen auf Reservats-Gebiet. Auch dort, wo Cannabis als Medizin erlaubt ist, lassen es viele Stämme auf ihren Gebieten nicht zu.

 

Die Yakama Nation in hat auf ihrem Stammesgebiet Cannabis weiterhin ausdrücklich verboten, nachdem der Rest des Staates re-legalisiert hatte. Insgesamt könnten jetzt über 500 Stämme Gras anbauen, bislang sieht es allerdings nicht so aus, als würden die Stammesregionen in naher Zukunft die Grüne Lunge der USA. Einige wollen grundsätzlich auf dem heiligen Land ihrer Vorfahren kein Weed anbauen, schließlich ist Gras keine traditionelle Droge der Ureinwohner Amerikas. Andere befürchten, Cannabis könne genauso viel Schaden anrichten wie einst das Feuerwasser. Im Zuge der Eroberung des Kontinents hatten Drogendealer die sozialen Strukturen und die Gesundheit vieler Ureinwohner durch die Einführung der harten Droge Ethanol ruiniert, die bis dahin in Nordamerika unbekannt war.

 

Bleibt zu hoffen, dass ein paar Häuptlinge weise handeln und den ökonomischem Vorteil der Verordnung nutzen, anstatt wieder mal dem Weißen Mann das Feld zukünftiger Profite überlassen.

3 Antworten auf „Skepsis bei den „Native Americans“

  1. wibbbel

    Krass…und ich dachte stets, dass Cannabis Teil der Kultur der Indianer sei. Die Indianer sollten dem Kraut eine Chance geben, ich wette sie würden es nicht bereuen.

    Ich weiß ja nicht welche Vor und Nachteile die derzeitigen Indianercasinos auf die jeweiligen Stämme haben, und ob diese vielleicht Auslöser von Kriminalität, Alkoholsucht u. der hohen Selbstmordrate unter den Indianern ist. Aber ich weiß, dass Cannabis das bessere Wirtschaftsstandbein wäre, und mehr Einnahmen bringen würde als die Casinos.

    Kulturell gesehen wäre es auch nicht von Schaden, wenn sie in Zukunft die Friedenspfeifen mit Hanf statt Tabak stopfen würden. Vielleicht würde es sie gegen den rauhen Wind des Kapitalismus, der in den USA allgegenwärtig ist, stärken.

    Wieso nicht sanieren und nebenbei glücklich sein?

  2. Surak

    Vielleicht ist die traditionelle Lebensweise der Prärie-Indianer einfach nicht seßhaft genug für Hanfkultur gewesen? Aber auch Pferde gehörten vor der europäischen Besiedlung nicht zur Fauna Amerikas und werden dennoch konstitutiv mit den berittenen Rothäuten in Verbindung gebracht. 😀

    Ob Hanf aber nicht doch bereits vor den Europäern nach Amerika kam – gibt es da denn überhaupt eine klare Datenlage?

    Jedenfalls ist die Gleichsetzung mit Feuerwasser unzulässig: Hanf kann ein Naturvolk selbst erzeugen; technologisch hergestellte Destillate, also Spirituosen, muß es kaufen und gerät dabei sogleich in materielle Abhängigkeit – unabhängig vom Konsummuster. Das kann man also so nicht über einen Kamm scheren, liebe Häuptlinge im Ältestenrat! 🙂

  3. Apache

    Ein Indianer kennt nunmal keinen Schmerz und ich finde es passt auch nicht zu der eisernen Mentalität von Winnetou und co. Das Zeug verweichlicht doch eh nur und lenkt ab, mitunter auch von den wirklich wichtigen Problemen. Lieber kräftig an der Tabakpfeife ziehen und fokussiert in die Zukunft schauen als sich für ein paar Stunden happy zu machen.

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