Samstag, 13. Dezember 2014

Feuer auf Marlene Mortler

Beitrag von Hans Cousto

 

Mortlers kognitive Dissonanz

 

 

Mortler steht in Flammen

 

Am 20. November 2014 erschien in der Mittelbayerische Zeitung ein Artikel mit der Überschrift „23. Drogentoter in Nürnberg“. In dem Artikel heißt es, dass ein 48-jähriger Mann an den Folgen seines Rauschgiftkonsums gestorben sei. Der Mann sei leblos in einem Pensionszimmer in der Altstadt aufgefunden worden und sei in diesem Jahr der 23. Drogentote im Stadtgebiet Nürnberg.

 

 

Am gleichen Tag vermeldete die Pharmazeutische Zeitung unter dem Titel „Legal Highs: Man weiß nie, was man kriegt“, dass nach Informationen des Bundesgesundheitsministeriums seit 2010 bundesweit 20 Menschen nach Konsum solcher Substanzen gestorben seien und rund 500 Menschen wegen schwerer Vergiftungen behandelt werden mussten.

 

Am gleichen Tag veröffentlichte die Drogenbeauftragte auf der Website www.drogenbeauftragte.de ein „Erklärvideo“ mit dem Untertitel „Welche Aufgaben hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler? Unser Video zeigt es Ihnen.“ In dem Video werden die Aufgaben der Drogenbeauftragten recht gut beschrieben, doch offenbar hat sie selbst keine umfassende Kenntnis von ihrem Aufgabenbereich – respektive sie blendet einfach bestimmte Themen aus und versucht mit anderen Themen dies zu überspielen.

 

Legal Highs hat Mortler auf dem Schirm

 

Zum Thema „Legal Highs“ respektive zum Thema „Neue Psychoaktive Substanzen (NPS)“ äußert sich Marlene Mortler recht häufig. So eröffnete sie am 30. Juli 2014 mit der bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml die Fachtagung „Neue Psychoaktive Substanzen: von Crystal zu Spice, Badesalzen und Co.“ am Universitätsklinikum Regensburg. Die Fachtagung wurde von über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Suchtkranken- und Jugendhilfe und der Polizei besucht, um sich über neue psychoaktive Substanzen und deren Verbreitung und über die Herausforderungen mit der Prävention und Hilfe für Methamphetaminkonsumenten (Crystal Meth) zu informieren. Gerade im Nordosten Bayerns und Sachsen steigt die Zahl der Konsumenten und Hilfesuchenden. Die Fachtagung führte Forscher und Praktiker zusammen, um sich über neue Wege der Hilfe auszutauschen und praxisrelevante Erkenntnisse zu gewinnen über die Epidemiologie und beratungs- und behandlungsspezifische sowie präventionsbezogene Fragestellungen.

 

In diversen Pressemitteilungen und zahlreichen Interviews geht Marlene Mortler auf die Thematik „Legal Highs“ ein und hebt immer wieder die Notwendigkeit neuer Strategien respektive Verbote hervor, damit der Konsum dieser Substanzen eingedämmt werden könne. Auch Crystal Meth ist ein Thema für Mortler, wobei sie hier immer wieder betont, dass ihr das am Herzen liege, weil der Konsum in ihrer Heimat Bayern besonders hoch sei. Hier zeigt Mortler vaterländische Verbundenheit. Bei einem anderen Thema ist ihr hingegen diese vaterländische Verbundenheit völlig fremd: Bei der hohen Zahl an Drogentoten in der Metropole ihrer Heimat, der Stadt Nürnberg.

 

Mortler meidet das Thema Drogentote

 

Im letzten Jahr gab es in Nürnberg, der Metropole Frankens, in Relation zur Einwohnerzahl mehr Drogentote als in jeder anderen deutschen Großstadt (6,1 pro 100.000 Einwohner). Auch in diesem Jahr wird Nürnberg wohl wieder diesen traurigen Rekord erzielen. Mit 23 Drogentoten bis heute liegt deren Zahl in Relation zur Einwohnerzahl (4,6 pro 100.000 Einwohner) bereits jetzt höher als in allen anderen Großstädten in Deutschland im vergangenen Jahr. In Köln waren es letztes Jahr 4,1, in Frankfurt am Main 3,9, in Hamburg 3,6 und in Berlin 3,5.

 

Die allermeisten Experten sind sich einig, dass mit der Eröffnung einer Fixerstube diese Zahl signifikant gesenkt werden könne, wie es sich in den letzten zwei Jahrzehnten in diversen Städten Deutschlands deutlich gezeigt habe. Auch die örtlichen Drogenberater respektive die Mitarbeiter des örtlichen Drogenhilfesystems fordern seit Jahren die Einrichtung einer Fixerstube. Doch die Bayerische Staatsregierung ist aus fundamentalistischen Gründen strikt dagegen.

 

Obwohl allein in Nürnberg dieses Jahr schon mehr Menschen an einer Überdosis gestorben sind als seit 2010 in ganz Deutschland aufgrund des Konsums von „Legal Highs“, ist für Marlene Mortler – im Gegensatz zum Thema „Legal Highs“ – das  Thema Drogentote in Nürnberg kein Thema. Vor diesem Hintergrund kann man sich der Frage nicht erwehren, weshalb die Drogenbeauftragte nicht eine Fachtagung organisiert, um Politiker, Forscher und Praktiker zusammen zu führen, um sich über neue Wege der Hilfe auszutauschen und praxisrelevante Erkenntnisse zu gewinnen.

 

Zum Thema „Drogentote in Nürnberg“ hat die Drogenbeauftragte noch keine Pressemitteilung herausgegeben, auch im Podcast „HiLights“ der Drogenbeauftragten mit Prominenten und Experten wird die Nürnberger Tragödie nicht thematisiert. Offenbar scheint der Drogenbeauftragten Marlene Mortler die Treue zu den Parteioberen der CSU wichtiger zu sein als das Sterben in ihrer Heimat.

 

5 Antworten auf „Feuer auf Marlene Mortler

  1. Axel Junker

    Aus Sicht des Drogenkriegs-Überlebenden sind die vergangenen drei im Amt aufeinanderfolgenden Bundesdrogenbeauftragten fachlich eine ebenso glatte Fehlbesetzung wie die drei letzten Besetzungen des Amtes des Bundesgesundheitsministers.

  2. Surak

    Hehe, „respektive“, Alter… Manchmal hat man so Lieblingswörter, die schleichen sich so oft in den Text ein, bis man selber es irgendwann übersieht beim Schreiben. Manchen Leuten passiert das mit „Absolut“ beim Sprechen auch immer, ich kannte da mal Eine… Naja, egal. 😀

    Dieser Bundesdrogenposten scheint eher so eine Abwehrfunktion zu haben als eine kommunikative Funktion. Oder es wird unter den Amtsinhabern und ihrem Stab so tradiert, daß es anders keine Zukunft in der Politik gibt nach dem Durchlauferhitzerjob der Drogenexpertin, die eigentlich keine ist?

    Die sollten wirklich nicht ganz so viel Angst haben vor einer offenen Diskussion und externer Expertise. Wie kann man ihnen also die Wahrheit hinhalten wie einen Mantel, in den sie schlüpfen können – statt diese ihnen dauernd wie einen nassen Lappen um die Ohren zu hauen? Immer noch die schwierigste Frage… 🙁

  3. GrünesEinhorn

    „im Gegensatz zum Thema „Legal Highs“ – das Thema Drogentote in Nürnberg kein Thema.“
    Auch hier wurde was stilistisch nicht erstklassig gelöst 😉

  4. Easyrider2015

    Marlene Mortler,ist es Ihnen überhaupt bewußt,dass in der BRD täglich mehr als 500
    Drogentote an Tabak,Hochprozentigen Alkohl u.Medikamente ihr Leben lassen???
    Die angaben stammen von der AOK.
    Am Hanf ist noch nie einer gestorben
    u. selbst mit reinem Heroin kann man 100 Jahre alt werden.Enscheident ist immer die Dosis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.