Mittwoch, 3. Dezember 2014

Wollen wir nicht

Legal High Werbung

 

 

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Bild: socyo / freeimages

 

Nachdem der Handel vieler so genannter Legal High Produkte nicht mehr unter das Arzneimittelgesetz fällt, ist es den Behörden zurzeit kaum möglich, den Handel mit den gefährlichen Substanzen zu verbieten. Die Hersteller versuchen auch immer wieder, ihre Produkte in Szene-Zeitschriften wie dem Hanf Journal zu bewerben. Wir haben bislang alle diesbezüglichen Anfragen abgelehnt, weil in der Redaktion und beim Herausgeber Konsumenten-Sicherheit an allererster Stelle steht. Durch Bewerbung solcher Produkte würden wir genau die falsche Sicherheit vorgaukeln, die das Wort „legal“ im Produktnamen impliziert. Einige, darunter nicht wenige Händler, haben uns in der Vergangenheit deshalb „Substanz-Faschismus“ unterstellt. Ein Händler solcher Substanzen sei genauso zu Unrecht kriminalisiert wie ein Cannabis-Händler. Nein, wir sind keine Substanz-Faschisten, sondern der Meinung, dass jedwede Substanz, legal oder illegal, so sicher wie nur möglich konsumiert werden sollte. Bei den fast monatlich wechselnden Substanzen fehlen jedoch sowohl Erfahrungswerte als auch Möglichkeiten, sie überhaupt halbwegs sicher zu dosieren. Die Händler machen es sich einfach, indem sie die Chemo-Kräuter und Pülverchen als Räucherware oder Badesalze verkaufen. So kann man alle Gesetze umgehen und sich guten Gewissens die Sicherheitshinweise sparen. Mit Cannabis haben die Menschen seit mindestens 5000 Jahren Erfahrung und es gibt unzählige medizinische Studien. Wenn die Legal High Genossen schon eine Menge Kohle kassieren, indem sie dem User unbekannte Substanzen verkaufen, wären Verschluckhinweise, wie man sie auf jedem echtem Badesalz findet, das mindeste in Sachen Konsumenten-Sicherheit.

 

Zudem müsste es doch möglich sein, die enthaltene Substanz drauf zu schreiben, wenn es sich um ein legales Produkt handelt. Das würde Notfall-Medizinern die Behandlung erleichtern. Last but not least verhindert der verschleierte Verkauf genau die Präventions- und Jugendschutzbemühungen, die dringend notwendig wären, um eben jene Unfälle zu vermeiden, die Medien gerne mal „künstlichem Cannabis“ zuschreiben.

 

Neuseeland hatte einst beschlossen, Legal Highs nach medizinischen Testreihen zuzulassen, falls sie sicher seien. Die Kiwis haben diesen Weg mittlerweile leider wieder verlassen und sich in die internationale Verbots-Front eingereiht. Eine objektive, wissenschaftlich evaluierte Bewertung wäre jedoch der einzige Weg, einen „Safer Use“ zu ermöglichen. Eine solche Regelung dann auch noch politisch durchzusetzen wäre eine Mammutaufgabe, ähnlich wie beim Hanf. Das ist viel Arbeit für ein paar Pülverchen, die nach der Regulierung von Cannabis sowieso überflüssig werden. Sollen das andere machen, wir kümmern uns lieber um die Re-Legalisierung von Gras.

 

Euer Hanf Journal

 

3 Antworten auf „Wollen wir nicht

  1. Gasterl

    Ich finde Eure Einstellung diesbezüglich sehr gut! Weiter so!

    Ein Grund dafür, dass diese Händler Euch anscheiben könnte sein, dass das Hanf-Journal neben Hanf auch über andere berauschende Stoffe schreibt und somit bei Vielen der Eindruck entsteht, es handle sich um ein Magazin für Psychonauten. Aber soweit ich bisher Eure Intention verstehe, geht es Euch um Hanf. Ihr solltet evtl andere Substanzen generell nicht mehr in euer Portfolio aufnehmen und Euch explizit auf Ganja konzentrieren.
    Das ist aber nur meine Sicht der Dinge.

    Ihr leistet einen guten Job und berichtet sachlich – das gefällt mir sehr, darum bin ich seit Jahren Stammleser.

  2. fahrie

    Ich finde das auch richtig so !

    Klar, sollte jeder seine Droge frei auswählen dürfen, auch wenn es so ein shice ist wie diese legal Highs. Aber es sollter eben auch jeder frei einscheiden dürfen weilche Substanzen er bewirbt, ohne gleich als „Substanz-Faschismus“ unterstellt zu bekommen.

    Macht genauso weiter wie bisher, jeden Tag erfreue ich mich übere Beiträge. Auch die Berichte über Zauberpilze und andere dinge passen hier voll und ganz rein.

    liebe grüße

    fahrie

  3. Surak

    „Legal“ ist eben nicht das Gegenteil von „verboten“, sondern impliziert eine irgendwie geartete gesetzliche Regelung.

    Ich plädiere nach wie vor für den Weg über ein allgemeines Grundrecht auf Natur, wie es mit nur sehr wenigen logischen Schritten z.B. aus der bereits verbürgten positiven Religionsfreiheit abzuleiten wäre, um das Verbot oder den Versuch des Verbotes eines selbsterzeugten pflanzlichen Produktes zum Eigenbedarf als unzulässigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Bürgers konsequent zu illegalisieren.

    Die Wortschöpfung „Legal Highs“ war von Beginn an ein Unwort – auch, als sie noch eher für ebenfalls traditionsreiche schamanische Sakramente wie verschiedene Pilze, Kräuter, Kakteen oder Zubereitungen wie Ayahuasca benutzt wurde, die keine Research Chemicals enthielten. Man sollte wirklich lange genug darüber nachdenken, wie man die Dinge korrekterweise benennen sollte, statt auf das schnelle Geld zu schielen.

    Andererseits wird es amüsant werden zu beobachten, wie Frau Mortler nun in aller Eile Produkte verbieten will, die wegen ihrer dynamischen Rezeptur, der Intransparenz ihrer Inhaltsstoffe und der aussichtslosen Unmöglichkeit einer teuren Arzneimittelzulassung inzwischen gottlob weder über BtMG noch, wie bislang im Grunde illegalerweise über Jahre geschehen, per AMG kriminalisierbar sind.

    Das Werbeverbot in einem seriösen Medium der Ganjakultur ist dennoch absolut nachvollziehbar und verständlich unter den derzeitigen Bedingungen. Interessant ist aber die Beobachtung, daß bisher offenbar niemand Kapital und Mühe in eine Arzneimittelzulassung für irgendwelche synthetischen Cannabinoide investiert, trotz aller pharmakologischen Expertise, über die einige der mittlerweile sicher nicht mehr ganz verarmten Hersteller doch eigentlich verfügen müßten:

    Entgeht mir da was…? Im Grunde will die Pharmaindustrie wohl doch lieber echtes Ganja, ne? Traut sich nur noch keiner zu sagen oder den ersten finanzstarken Schritt zu machen, wie’s aussieht! 😀

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