Sonntag, 30. November 2014

Keine Zeit zum Feiern

Etappensiege bergen auch Gefahren

 

Autor: Michael Knodt

 

Titel-Feier-Legalisierung-Gegner

 

Die Ereignisse überschlagen sich förmlich: Der Deutsche Hanfver­band präsentiert die ersten profes­sionell produzierten Legalize-Spots, der Bund Deutscher Kriminalbeamter und die konservative Deutsche Polizeigewerk­schaft fordern ein Umdenken in der Dro­genpolitik, in Frankfurt wollen über 800 Menschen an der Fachtagung zu einem Coffeeshop-Modellprojekt (News Seite 02) teilnehmen und in den USA legali­sieren zwei weitere Bundesstaaten sowie Washington D.C. Cannabis. Sogar der Ar­beitskreis Suchtmedizin der Landesärzte­kammer in Baden-Württemberg fragt, ob „wir an der jetzigen Regelung mit all ih­ren Unzulänglichkeiten festhalten wollen, oder den Schritt wagen wollen, an einem Punkt eine Droge aus dem illegalen Sektor herauszuholen?“

 

Thomas D. zur Drogenbeauftragten

 

Die großen Medien reagieren fast durchweg positiv und der erste Schritt scheint getan, doch ist es jetzt nicht an der Zeit, sich zurück zu lehnen und den Etap­pensieg zu feiern, sondern den Schwung zu nutzen, um den nächsten Schritt zu vollziehen. Denn die Gegner sind aufge­schreckt und reagieren fast schon trotzig, was kurzfristig unangenehme Folgen haben könnte. In Berlin möchte der Se­nat nichts von einem Coffeeshop-Mo­dellprojekt wissen und versucht gerade, Tatsachen zu schaffen. Im Görlitzer Park wurden Bäume und Büsche zurück ge­schnitten sowie Wege gesperrt, um das Verstecken von Drogen zu erschweren. Innensenator Henkel und Berlins Dro­genbeauftragte würden am liebsten die Geringe Menge auf sechs Gramm senken und Personen, die im „Görli“ mit Gras erwischt werden, härter bestrafen als an anderen Orten der Stadt. Die SPD spielt zwar (noch?) nicht mit, aber in Sachen Cannabis-Politik konnte man sich bislang selten auf die Sozialdemokratie verlassen. Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler hetzt auf lächerlichem Niveau gegen den Hanfverband („Coole Jungs, die ihren Konsum angeblich im Griff haben“, sie­he News Seite 03) und empfiehlt Thomas D. von den „Fanta Vier“ einen Gang zur Drogenberatung, weil er sich öffentlich auf Facebook als Re-Legalisierungs-Un­terstützer geoutet hat. Zudem nutzt sie die steigenden Behandlungszahlen von Personen, die aufgrund einer Legal-High Intoxikation ärztlich behandelt werden, um gegen Cannabis mobil zu machen. Leider ist in der Öffentlichkeit noch nir­gendwo angekommen, dass die künst­lichen Substanzen, die nichts mit Can­nabis zu tun haben, in der Statistik als „Cannabinoid-Intoxikationen“ auftau­chen. Ärzte und Krankenkassen differen­zieren da nicht, was eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse gegenüber dem Hanf Journal bereits vor Jahren einräu­men musste. Es ist eigentlich skandalös, dass drei Jahre, nachdem die Öffentlich­keit über diesen Missstand informiert wurde, Cannabis-User immer noch die Zeche für die fragwürdigen Legal Highs zahlen müssen und die Drogenbeauf­tragte das mit mindestens genauso frag­würdigen Äußerungen befeuert. Ähnlich wie in den USA wird mit der Masse der Unterstützenden auch die der Skeptiker größer.

 

Blos kein Stillstand

 

Deshalb ist es jetzt Zeit, den zweiten Schritt zu tun und konkret zu werden, bevor die Kurzschluss-Reaktionen der Prohibitionisten ernsthafte Folgen haben könnten. Langfristig wird sie die Realität sowieso überholen. In der Schweiz haben vier französischsprachige Kantone den Anbau von vier Hanfpflanzen pro Person einfach nicht mehr unter Strafe gestellt. Auch dieser Schritt widerspricht eigent­lich dem Schweizer Betäubungsmittelge­setz, was nach seiner Revision dem Deut­schen sehr ähnlich ist. Eigentlich geht das auch in der Schweiz gar nicht, aber Vaud, Neuchatel, Genf und Freiburg haben es einfach gemacht. Das wäre doch mal ein Vorschlag für’s Grün regierte Nach­barland Baden-Württemberg. Aber wie es derzeit aussieht, wird man aus dem Ländle wieder nur Beschwerden über die zu freizügige Cannabispolitik der Schwei­zer hören, falls die Regelung von den deutschsprachigen Kantonen in Grenznä­he übernommen werden sollte. Aus Grün­den wie diesem haben wir jetzt keine Zeit zum Feiern.

 

10 Antworten auf „Keine Zeit zum Feiern

  1. Morgenröte

    @ Rudi 😉

    OT:
    Weiss jemand, was mit den Seiten vom DHV los ist ? Kann man seit ca. 4:30 nicht mehr aufrufen.
    Serverprobleme, gehackt oder …. ?
    Sorry, das ich hier frage, bin kein FB-oder TwitterFan.

  2. Sascha Böttcher

    Es ist schon erstaunlich das alle eine FREIGABE wollen…Hängt vielleicht mit dem Weihnachtlichen Gabentisch zusammen häää Lesen macht Schlau , und regt zum Denken an! http://www.mindconnections.de Es wird eine Abgabe geben und zwar an den großteil der Menschen in Deutschland, deren Medizinischen Hintergrund auch für Hausärzte ersichtlich und als logischen Schritt zur Erfüllung seiner Pflicht als Arzt, der Zweckbestimmung von Cannabis als Medizin, sowie der Forderung der im BTMG festgelegten zweck und Zielbestimmung nachzukommen! CSC s sind ein Feuchter Traum, die nicht nach Deutschland Passen! Zweckbestimmen zu erfüllen Heist —-Für die USA — IN GOD WE TRUST !!! steht auf den Dollar noten …also ist deren Zweck bestimmung Cannabis zu Geld zu machen Deutschland steht für Gesetz und Ordnung das heist Die Zweckbestimmung einer ABGABE wie sie im Einleit Satz BTMG ZWECK und ZIEL beschrieben ist, Ist die Aufforderung EINE Agentur zu Gründen die Diese Zweck und Ziel bestimmung und Vorgaben erfüllt, indem sie Cannabis und Cannabinoide von der Opiumstelle herrauslöst und eben für Cannabis und Derivate, die eigene Ordnung für Cannabis Vorgibt mit der nötigen Berücksichtigung des BTMG . Es ist nicht gewünscht Cannabis zu bewerben oder Bestimmte Politische Strömungen zu bedienen—–Was im moment gerade geschieht WerbeSpot in Hollywood Manier und deutbar aus Frau Mortlers Äußerungen darauf. Es kommt ist hier nämlich nicht auf die Provokationan an was sie Sagt, sondern welche Wortwahl getroffen wurde! Es mag Polarisierend Klingen –Doch hatte Sie vor Längerer Zeit auch mal die Äußerung gemacht das es Für Medizinische Zwecke durchaus ein Weg der Lösung gefunden werden muß. Doch Immoment Kapselt sich alles wieder in einen Politischen Kampf ab. Die Provokation in Berlin eines Herrn Heinke alles zu verhärten hat nämlich zur folge gehabt daß sich viele dazu hinreißen lassen, zu meinen Sie könnten Gewalt und Terror ankünden, oder auf derbste Art und Weise Beleidungen zu äusern. Man darf gerne unterschiedlicher Meinung sein, aber diesen Menschen darf man schlicht erst mal kein Cannabis geben, denn ZWECK UND ZIEL BTMG beschreibt eben hierbei auch den Staatsauftrag den Bürger zu schützen. Schlußßfolgernd daraus Kann und Darf es garkeine CSC´s in Deutschland geben. Der DHV hat genau in diesem PUNKT leider bisher die Falsche Strategie ! Aufklärung ist gut, diese muß aber auch Insoweit berücksichtigt sein, das sie möglichst politisch Unäbhangig stattfindet. Ob das nun Gefällt oder nicht, Interressiert nicht ! Denn bisher wurde der DHV genau daran gemessen! Aussagen von Fr. Mortler ! auch das Wort Völlig wurde Verwendet!!! und zwar von beiden Seiten — Eine Völlige geregelte Abgabe wie sie gefordert wurde und nachwievor wird, ist der Falsche Weg dem Zweck und Ziel des BTMG entsprechen zu wollen!

  3. Ralf

    Was soll all dieses unnötige Geschwafel über ein BTMG welches, wie doch jeder einigermaßen intelligente Mensch weiß, keinem anderem Zweck dient, als dem Wesen nach gleiches(Drogen) ungleich zu behandeln und damit den meist profitablen Interessen einiger in der Gesellschaft am institutionalisierten Verfassungsbruch.

  4. Jemand

    So isses!
    BTMG= Das Mittel der Wahl der Verwaltungsnazis um das Volk vom selbst denken und dem entsprechend zu handeln abzuhalten!

  5. albi

    Schön wärs, 4 pflanzen legal in der Schweiz….gemeint ist Industriehanf…hab mich informiert da ich in einem Angrenzenden Kanton lebe..

  6. Michael Knodt

    nene, das ist schon richtig. Um aber das Bundesgesetz nicht zu brechen, steht in der Verordnung Nutzhanf. Die Polizei ist allerdings angehalten, alles unter fünf Pflanzen nicht zu beschlagnahmen und geht dann offiziell davon aus, dass es sich um Nutzhanf handelt. ich habe da schon oft drüber berichtet, die Verordnung ist von 2012 und in der deutschsprachigen Schweiz hat s bisher kaum jemand mitbekommen. Is schon witzig.
    Offiziell wird die Ausnahme damit begründet, dem Drogentourismus vorbeugen zu wollen.
    http://archives.tdg.ch/actu/suisse/cantons-particuliers-pourront-cultiver-cannabis-2011-11-16

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