Montag, 24. November 2014

Tod durch MDMA?

Wie gefährlich Ecstasy wirklich ist

 

von Markus Berger

 

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3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin – was als Chemikalie vom Namen her so kryptisch anmutet, wird in der Öffentlichkeit meist mit einem spirituell belegten Begriff assoziiert und benannt: Ecstasy. Millionen User verwenden seit Jahr und Tag dieses Methylamphetamin aus der chemischen Stoffklasse der Phenylethylamine, es gibt kaum eine Party, auf der MDMA nicht angeboten und eingenommen wird. Jetzt hat das Projekt Drugcom von der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) einen Artikel veröffentlicht, in dem die angeblich gehörige Lebensgefährlichkeit des Ecstasy belegt werden soll.

 

(R)-Form (oben) und (S)-Form (unten)
(R)-Form (oben) und (S)-Form (unten)

 

Erzählt wird die Geschichte eines Raves, auf dem hochdosierte Tabletten mit MDMA kursierten (bis zu 270 Milligramm pro Pille bei einem Reinheitsgehalt von 82 bis 98 Prozent) – an denen letztlich zwölf Partybesucher zu medizinischen Notfällen geworden waren. Einer der Betroffenen war aufgrund einer MDMA-Überdosierung und nachfolgender Hyperthermie (das ist eine krankhafte Erhöhung der Körpertemperatur auf über 40 Grad Celsius) an multiplem Organversagen im Krankenhaus gestorben, ein zweiter Patient soll die Einnahme des Phenethylamins ebenfalls nicht überlebt haben. Hier die Textpassage des Drugcom-Artikels: „Bob war einer von 12 Personen, die nach dem Besuch eines Rave Events im kalifornischen Daly City notfallmedizinisch behandelt werden mussten. Ein 25-Jähriger starb ebenfalls. Vier weitere Personen überlebten mit bleibenden körperlichen Schäden. Drei von ihnen erlitten ein so genanntes Kompartmentsyndrom, bei dem es zu starken Durchblutungsstörungen kommt und das Gewebe abstirbt. Bei einer 21-jährigen Frau waren die Folgen so stark ausgeprägt, dass ihr beide Beine unterhalb der Knie amputiert werden mussten. Alle 12 Personen hatten vermutlich Ecstasy konsumiert, was teilweise durch Blutanalysen bestätigt werden konnte“. Die behandelnden Ärzte seien davon ausgegangen, „dass nicht Verunreinigungen, sondern Überdosierungen zu den fatalen Folgen geführt haben.“

 

So weit, so gut. Überdosierte psychoaktive (und andere) Moleküle induzieren in vielen Fällen medizinische Notfallsituationen – das ist auch für den Leser des Hanf-Journals nichts Neues. Die unsachgemäße Anwendung von Substanzen geht immer mit gesteigerten Risikopotenzialen einher. Im Artikel wurde jedoch die Schuld auf die Drogen geschoben (so, wie es fast immer der Fall ist, gerade, wenn es um illegalisierte Stoffe geht) und von der potenziellen Neurotoxizität des MDMA gesprochen, also vom Potenzial der Substanz, die Nerven bzw. das Nervensystem im menschlichen Körper zu schädigen: „Ecstasy erhöht die Körpertemperatur und kann einen lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch zur Folge haben. Unter hohen Umgebungstemperaturen ist Ecstasy besonders schädlich. So konnten Studien nachweisen, dass die Neurotoxizität mit ansteigenden Temperaturen zunimmt.“ Auch dies ist keine Neuheit, sondern bestens bekannt. Interessant wird es allerdings, wenn man sich den Text im Detail vornimmt, der postuliert, dass zwar Überdosierungen, nicht aber Verunreinigungen des MDMA zu den Notfällen geführt haben. Der aufmerksame Leser findet eine eher nebenläufig eingestreute Angabe, die in der Tat darauf schließen lässt, dass hier einmal mehr ein Anwendungsfehler vorgelegen hat, der schließlich in den lebensbedrohlichen Situationen einzelner User mündete. Denn als Ergebnis einer Untersuchung konnten „keine weiteren Substanzen – außer Alkohol – im Blut der betroffenen Personen identifiziert werden“.

 

Hier haben wir es mit einer gravierenden Fahrlässigkeit zu tun, die schlicht und ergreifend auf Unwissenheit beruht. Im Text und mit der Erwähnung nur am Rande wird so getan, als sei Alkohol de facto kein Risikofaktor. Der mündige Drogenfreund weiß jedoch, dass zwar in der Tat unter den zitierten „ansteigenden Temperaturen“ die Schädlichkeit des MDMA erhöht zu werden vermag. Was jedoch deutlich schwerer wiegt, ist der Mischkonsum von MDMA mit Alkohol. In jeder suffizienten Publikation zur Substanz kann auch der Dümmste nachschlagen, dass Ecstasy zusammen mit Alkohol eine erhebliche Neurotoxizität bewirkt bzw. bewirken kann. Auch hier gilt natürlich der Grundsatz der korrekten Dosierung. Trinkt also zum Beispiel ein gesunder Mensch von 80 Kilo Gewicht ein Glas Bier und nimmt zwei Stunden später 60 Milligramm MDMA (um nur ein mögliches Beispiel zu nennen), so ist davon auszugehen, dass diesem User (sofern er oder sie tatsächlich von vitalem Grundzustand ist) nicht sonderlich viel geschehen wird – vermutlich gar nichts. Betrinkt man sich aber zunächst gründlich, um anschließend eine höhere Dosierung MDMA einzunehmen (unter Umständen gar eine Überdosierung des Stoffs), so ist – entsprechend der Konstitution und Empfänglichkeit – durchaus damit zu rechnen, dass sich hieraus recht schnell ein Notfallgeschehen entwickeln kann. Denn eine etwaige Neurotoxizität des MDMA wird durch den Mischkonsum mit Alkohol maximal gefördert – oder, um es anders auszudrücken: MDMA ist für den gesunden Anwender in normalen Dosierungen und mit ausreichendem Abstand zwischen den einzelnen Einnahmen nicht neurotoxisch. Eine potenzielle Schädlichkeit des Ecstasy-Moleküls wird im Zusammenspiel mit Alkohol jedoch deutlich erhöht.

 

Wir haben in vorliegendem Kasus schlussendlich drei Faktoren, die eine etwaige Gefährlichkeit des MDMA drastisch steigern können und im Fallbeispiel zu riskanten Situationen geführt haben mögen:

 

– die Überdosierung des Stoffs auf bis zu 250 Milligramm (die durchschnittliche Einzeldosierung liegt, je nach Person, zwischen 80 und 150 Milligramm des Reinstoffs),

 

– die deutlich zu hohe Umgebungstemperatur und

 

– der Mischkonsum mit Alkohol.

 

 

(Vermutlich würde sich bei eingehender Nachforschung darüber hinaus ergeben, dass die MDMA-Konsumenten zusätzlich zu wenig non-alkoholische Flüssigkeit aufgenommen hatten, was ebenfalls ein Risikofaktor ist.)

 

Nicht nur, dass der Alkohol in Kombination mit hochdosiertem MDMA eine Neurotoxizität des Phenethylamins begründet – er entzieht dem Körper darüber hinaus auch die dringend notwendige Flüssigkeit. Der Chemiker Daniel Trachsel erklärt: „Die Wirkung von MDMA wird durch den Alkohol förmlich ‚abgetötet‘. Des Weiteren kann Alkohol die Dehydratation (‚Entwässerung‘ des Körpers) unterstützen“ (Trachsel 2011: 143). Und auch zur korrekten Dosierung kann Daniel Trachsel Erhellendes beitragen: „Die therapeutische Breite von MDMA ist relativ schmal. Um toxische Nebenwirkungen zu vermeiden, sollten Dosierungen von 1,5mg/kg Körpergewicht nicht überschritten werden (60kg-Person: 90 mg, 80kg-Prson: 120 mg usw.). Will der Konsument eine größere Dosis einnehmen, so empfiehlt es sich, die Dosis in zwei Portionen mit einem Zeitabstand von etwa einer Stunde zu konsumieren“ (Trachsel 2011: 144).

 

Wohl dem, der weiß, was er tut! Kommen wir damit wieder zum Drugcom-Artikel: Zuletzt wird im Text betont, dass auch bei korrekter Handhabe des MDMA eine Restgefahr besteht: „Der Arzt Guy Soo Hoo weist in einem Kommentar in derselben Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Intensive Care Medicine darauf hin, dass akute Vergiftungen durch Ecstasy meist eine Folge von Überdosierungen mit MDMA seien, die Schwere der Intoxikation stehe aber nicht zwangsläufig mit der Höhe der Dosis in einem Zusammenhang. Individuelle Unterschiede in der Verstoffwechselung von MDMA tragen dazu bei. Diese können auch genetisch bedingt sein“.

 

Zwar ist diese Aussage nicht falsch. Sie ist aber auch nicht wirklich repräsentativ. Der Faktor Mensch ist schließlich immer ein ausschlaggebender Punkt. Selbstverständlich gibt es Menschen, die durch genetische Vorbelastung die eine oder andere Substanz nicht vertragen. So wie dies auch im Umgang mit gängigen klinischen Pharmaka der Fall ist. Es gibt ja bekanntlich auch Personen, die beispielsweise auf Cannabis allergisch reagieren. Zwar ist das bei den allerwenigsten der Fall – es kann aber im Einzelfall durch solche Unverträglichkeiten durchaus zu Problemen kommen. Daraus jedoch eine generelle Gefahr für alle Konsumenten ableiten zu wollen, ist eine maßlose Übertreibung. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, Betablocker als schädliche Medikamente zu bezeichnen, nur weil ein Teil der betroffenen Patienten mit diesen Pharmaka nicht klar kommt und Übergewicht, Depressionen und andere Symptome ausbildet. Es scheint hier doch der Rechtsstatus des MDMA zu sein, der die „Fachleute“ dazu animiert, das Molekül per se als riskant und gefährlich zu brandmarken. Vergessen werden die vielen Millionen Fälle der Einnahme (auch und vor allem der therapeutischen), bei denen keine Notfallgeschehnisse resultierten und resultieren. Die Verallgemeinerung der Gefährlichkeit oder des Wirkprofils jedweder Substanzen entlarvt sich schlussendlich immer von selber und führt zu einer Weisheit, die sich seit Jahrhunderten durch die Werke der Pharmakologie zieht und auch im Hanf Journal ad nauseam zum Besten gegeben wurde: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei.“  Das sagte, wir wissen es alle, der großartige Mystiker, Alchimist und Naturarzt Paracelsus in seinen Septem Defensiones von 1538. Und dieser Lehrsatz hat bis heute nichts an Gültigkeit verloren, im Gegenteil: Er wird auch in Tausenden von Jahren noch gelten – und zwar für alle Moleküle und Substanzen. Daran wird auch ein prohibitionistischer War on Drugs mit seiner völlig überzogenen Panikmache nichts ändern.

 

Zum Schluss noch etwas zur allgemeinen Giftigkeit von MDMA. Ich zitiere ein wegweisendes Buch, das mit den gängigen (Prohibitions-) Märchen über XTC aufräumt: „Wichtig ist auch die Aufklärung über Anti-MDMA-Kampagnen: so hatte es auch in Deutschland wiederholt in den Zeitungen gestanden, dass MDMA stark toxisch sei. Da hatte jemand mehrfach täglich Ratten über einen Zeitraum von vier Tagen MDMA gefixt und daraufhin Veränderungen im Gehirn derselben festgestellt. Bei solchen Versuchen ist fast jede Substanz körperschädlich. Weitere Versuche mit oral eingenommenem MDMA zeigten, dass es zwar temporär zu einer Beeinträchtigung von Nervenzellen kommen kann, diese sich aber wieder regenerieren und nicht absterben, wie es fälschlich publiziert wurde. Auch Untersuchungen bei Menschen ergaben bislang keinerlei Hinweise auf bleibende Schäden“ (Weigle et Rippchen 1997: 31).

 

Wir wollen nun wirklich beileibe nichts verharmlosen. Jede Veränderung der körpereigenen Pharmakologie hat das Potenzial, sich negativ auf den Organismus auszuwirken. Bei sachgemäßer Anwendung muss aber auch bei 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin nicht grundsätzlich mit dem Schlimmsten gerechnet werden. Diese Lügen der Prohibitionisten können wir also getrost vergessen. Grundsatz für jeden Konsum psychoaktiver Substanzen ist die Mündigkeit und Kompetenz – eine Mixtur aus Wissen, geistiger Offenheit, Erfahrung und Vorsicht, die jeder Psychonaut und jeder Drogenkonsument als Teil seiner individuellen Persönlichkeit ausformen sollte.

 

Der Artikel bezieht sich auf einen Text der Webpräsenz Drugcom, der hier zu finden ist. 

 

 

Literatur:

 

Armenian, P., Mamantov, T. M., Tsutaoka, B. T., Gerona, R. R. L., Silman, E. F. & Olson, K. R. (2014), Multiple MDMA (Ecstasy) overdoses at a rave event: a case series. Journal of Intensive Care Medicine 28(4): 252-258.

 

Soo Hoo, G. W. (2014), The Agony With Ecstasy Lessons From a Recent Rave. Journal of Intensive Care Medicine 28(4): 259-261.

Trachsel, Daniel (2011), Psychedelische Chemie, Solothurn: Nachtschatten Verlag

Weigle, Constanze und Ronald Rippchen (1997), MDMA – Die psychoaktive Substanz für Therapie, Ritual und Rekreation, Löhrbach: Werner Pieper’s Medienexperimente

 

7 Antworten auf „Tod durch MDMA?

  1. Alexander Shulgin

    hi… was soll den das für literatur sein… das ist doch nur müll!!!
    der stiefpappa vom MDMA ist Dr. Alexander (Sasha) Shulgin
    der hat einen 1000 seiten schmöcker geschrieben über knapp 200 verschiedene
    Phenylalkylamine.
    PiHKAL. A Chemical Love Story
    http://books.google.at/books?id=O8AdHBGybpcC&q=PiHKAL.+A+Chemical+Love+Story&dq=PiHKAL.+A+Chemical+Love+Story&hl=de&sa=X&ei=yTVzVK7VCMH5aP7-gPgD&redir_esc=y

    und Andreas Kelich hat’s in deutsch übersetzt…
    http://catbull.com/alamut/Lexikon/Mittel/MDMA.htm

    haltet euch mal an leute die wissen wovon sie reden…!!!
    summenformel ist auch flasch bei euch.. nur so am rande!!
    mfg
    i.a. Alexander Shulgin 😉

  2. Sorcy

    Also wenn du hier schon den Klugscheisser raushängen lassen willst, dann achte doch wenigstens auf deine Rechtschreibung.

  3. Markus Berger

    Die Summenformel des MDMA ist C11H15NO2 und kommt im Artikel gar nicht vor, die Strukturformel/n ist/sind korrekt. Sashas PiHKAL habe ich für diesen Text als Quelle nicht benötigt, also alles super.

    Gruß
    Markus

  4. Falco

    Im Ansatz ein guter Artikel – jedoch kein einziges Wort über die MAO zu verlieren ist nicht weniger fahrlässig, als den Risikofaktor Alkohol zu unterschätzen!

  5. Nick

    Ich hab mal 3 Ecstasy pillen auf einmal zu mir genommen. Eine hatte jewals 200mg MDNA und ich lebe noch und kam sehr gut damit zurecht.. viel trinken natürlich nich vergessen

  6. TommyG

    Kommt letzendlich immer auf den Menschen an, das was du geamcht hast ist trotzdem nicht empfehlenswert ;-), Das o.g. ist nur eine Empfehlung wie man es einnehmen sollte damit es seine Wirkung normal erzielt und eben auf jedenfall noch im Gesunden bereich ist. Ich hab auch schon Alkohol getrunken bis ich Bewegungsunfähig war (nach 3 h gings wieder) und Lebe noch wo jemand anderes vllt. schon ins KH gebracht hätte werden müssen und/oder für 1 woche erstmal nur noch im bett gelegen hätte. (Trotzdem auch nicht empfehlenswert).

    Cannabis kann man auch ohne Ende eigentlich Konsumieren und überleben jedoch steht dann auch dem Bad Trip ala Panikattacke nichts mehr im Wege.

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