Montag, 24. November 2014

Dann halt nur noch sechs Gramm

Berlins Drogenbeauftragte für mehr Repression

 

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Berlins Drogenbeauftragte Köhler-Azara

 

 

Berlins Drogenbeauftragte Köhler-Azara hat im Zuge der Debatte um den Görlitzer Park die Senkung der Geringen Menge auf sechs Gramm gefordert. Noch vor kurzer Zeit wären in der Redaktion die Alarmglocken geläutet und es hätte massiv Kritik gehagelt.

 

Die „Rauschgiftgelage 2014“ der Drogenbeauftragten, Foto: Bundestag
„Die Hanfleute wollen das in einen Topf schmeißen.“  Marlene Mortler Foto: Bundestag

 

Doch besonders hier weiß man mittlerweile, dass die „geringe Menge“-Regelung definitiv ihren ursprünglichen Zweck nicht erfüllt. Sie beeinflusst weder den Konsum noch entkriminalisiert sie die Konsumenten. Zwei, fünf, fünfzehn oder auch dreißig Gramm ist doch sowieso egal. Das interessiert nur die Behörden, die dann ermitteln müssen. Sollte sich der von SPD und CDU dominierte Senat auf sechs Gramm zu senken, werden sie schon sehen, was sie davon haben: Die Dealer im Görli oder dem Nachfolger-Park werden im Bunker einfach statt wie bislang zehn Gramm nur noch sechs bunkern. Der Preis wird um ein bis zwei Euro in die Höhe schießen und ansonsten wird es in Berlin und anderswo weiterhin Straßen-Weed für Jugendliche geben. Lassen wir den Senat doch an das stumpfe Schwert der Geringen Menge weiterhin schwingen, bis die Realität die Politik überholt wie in den USA. Doch die SPD scheint schon jetzt wenig von der tollen Idee Köhler-Azaras zu halten.

 

 

Die Polizei will auch nicht mehr

 

 

Passend dazu hat die Deutsche Polizeigewerkschaft gestern bekannt gegeben, dass sie es Leid ist, wegen geringer Mengen Anzeigen zu schreiben. Sie würden am liebsten wegschauen, das wiederum lässt aber unsere Gesetzgebung nicht zu. Die Herren freuen sich bestimmt über den Vorschlag von Frau Köhler-Azara, der im Polizei-Alltag noch mehr Papierkram bedeuten würde.

 

 

„Coole Jungs, die ihren Konsum im Griff haben“

 

So bezeichnet Marlene Mortler die Angestellten des Deutschen Hanfverbands und andere Aktive, die sich für Regulierung und aktiven Jugendschutz einsetzen. Die „Cannabisleute“, wie Mortler Hanfverband und Co. nennt, schmissen alles in einen Topf und manipulierten die Jugend. Das sei gefährlich. Dem ist von dieser Stelle aus nichts hinzuzufügen.

 

Weil sich Politik und Gesellschaft endlich einer Evidenz basierten Diskussion öffnen, sehen sich die Prohibitionisten der alten Schule in der Defensive und fangen an, unsachliche Rundum-Schläge zu verteilen. Darauf haben die Cannabisleute nur gewartet. Bitte mehr davon, Frau Mortler und Frau Köhler-Azara.

9 Antworten auf „Dann halt nur noch sechs Gramm

  1. ich

    Ich kann’s nicht mehr hören.

    Polizeirazzien, Todesdroge…

    Die Einzigen, die da meiner Meinung nach Razzien machen sollten, sind die Fahnder vom Finanzamt…

  2. fahrie

    Die Frau Köhler-Azara hat direkt mal ne E-Mail bekommen… ich würde zu gerne wissen was Sie sich davon erhofft. Frau Mörtler hätte eigentlich auch mal 10000 e-Mails verdient oder gar Briefe ( war das nicht so, das Sie die beantworten muss , e-mails nicht zwangsläuftig? )

    Wei o Wei …spammt die alle zu Leute, die ganzen ProhibitionSpinner müssen jedentag in E-mails ertränkt werden !

  3. Surak

    Es mag wertschätzend gemeint sein, aber es klingt nicht wirklich so gut mit den coolen Jungs. Eher so ein bischen bemutternd-verständnisheuchelnd, als wäre der DHV ein Pfadfinderstamm und das Hanfjournal irgendeine Schülerzeitung. Fakt ist, daß man sich in Aktivistenkreisen um nachvollziehbare Differenzierung bemüht; selbst an solchen Tagen, an denen man völlig uncool oder bekifft ist: Wenn sie aber meint, eine gegenteilige Wahrnehmung spiegeln zu müssen, dann sollte sie das wenigstens an konkreten Beispielen tun: „In einen Topf schmeißen“ kenne ich von Formulierungen wie Drug & Crime, Rausch & Gift oder Drogen- & Suchtbericht. Das sind beim DHV und Hanfjournal normalerweise aber nur Zitate, keine Eigenkreationen.

    Trotzdem sollte man aber vielleicht überlegen, die Forderung nach Jugendschutz in der öffentlichen Wahrnehmung etwas zurückzunehmen: Sollen die halbstarken Bengels auf den Schulhöfen doch selber mit Springmesser und Pfefferspray für ihren Schutz sorgen, was geht’s uns an oder den Staat? Das locker sitzende Taschengeld ist wohl einfach zu unverzichtbar für die Profiteure der gegenwärtigen Regelung, klarer Fall. Da muß man nicht mit Gewalt gegen den Strom des subtilen Marketing schwimmen wollen, oder?

    Und Frau Mortler ernennen wir bei der Gelegenheit gleich zur Bundesbeauftragten für Kleintierkriminalität, Klassenkeile und Kuhmilchprodukte: Dann hat sie zumindest ein überschaubares Kategoriensystem, welches in einen einzigen Topf paßt und somit viel weniger Arbeit beim Spülen! 😀

  4. Parlamentoilette

    Ich habe da mal eine etwas doofe Frage: Könnte Marlene Mortler den Deutschen Hanfverband als Kriminelle Organisation(oder etwas ähnlichen) abstempeln und verbieten? Wenn die schon behauptet man würde Jugendliche „manipulieren“ trau ich der alles zu.

  5. Mörnest

    Wer Schmeißt den Cristal und Cannabis in einen Top? Unsere Schnapsdrossel natürlich. Und nicht der DHV.

  6. J2

    Ich habe das mit dem Topf so verstanden, daß man zwischen den Cannabispatienten und den Freizetkiffern unterscheiden soll, und das mute ich der Frau zu, daß sie uns gegeneinander aufspielen will. Ich konsumiere selbst seit ca. 20 Jahren und war davon lange überzeugt, es nur freizeitmäßig zu tun. Dabei kenne ich genug Leute, die auf diese Weise ihr Medikament sparen. Es gibt sehr viele Menschen, die über ihre psychischen Probleme nicht sprechen, zB. nach psychischer (oder auch körperlicher) Mißhandlung in der Kindheit/Jugend. Sie ziehen sich ihr Tütchen rein und gut ist es. Und gehören in den selben Topf wie alle regulären Patienten.

  7. J2

    Ich glaube eher, daß sie versucht, uns Angst einzujagen, weil sie selbst Angst vor unseren Aktivitäten hat. Oder besser gesagt vor unseren Erfolg. 🙂 Selbst, wenn sie es schaffen würde, uns verbieten zu lassen, entstehen wir bald unter einem anderen Namen, an einem anderen Ort wieder, denn die Natur findet immer ihren Weg. 🙂

  8. Surak

    Das Gestammel, man hätte die Single Convention nur deshalb ins Leben gerufen, um die medizinische Verfügbarkeit der verbotenen Produkte sicherzustellen, hat mich schon auf dieser Tagung in Wien irritiert. Was soll der Quatsch? Wir verbieten Freizeitkaffeekonsum, um denen zu helfen, die Kaffee aus medizinischen Gründen benötigen?
    Die Trennschärfe zwischen Lebensmittel, Genußmittel und Medizin ist ein durchweg künstliches Konstrukt, kein naturwissenschaftliches Postulat und keine phänomenologische Wirklichkeit. Wann immer darauf herumgeritten wird ist es klar, daß in erster Linie Interessen der Profiteure solch künstlicher Grenzziehung geschützt werden sollen.
    Kein Patient kam nach dem Verbot seiner Medizin jemals in den Genuß einer besseren, zuverlässigeren oder unproblematischeren Versorgung. Die Argumentation ist völliger Quatsch – und ich kann das Herumreiten auf dem Medical Cannabis langsam nicht mehr ertragen, weil’s so lächerlich ist!

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