Samstag, 8. November 2014

Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung

Niederländische Richterin spricht Backdoor-Lieferanten frei

 

von Michael Knodt

 

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Bild: eSheep / freeimages

 

In den Niederlanden ist die seit 40 Jahren erfolgreich praktizierte Duldungspolitik aufgrund immer neuer Einschränken von Justizminister Olpstetten seit ein paar Jahren auf dem Prüfstein. Das eigentliche Problem, die „Backdoor“ Problematik der Shops, ist zugunsten von populistischem Aktionismus im einstigen Coffeeshop-Pa­radies in den Hintergrund geraten und wird von den Verantwortlichen gar nicht mehr diskutiert. Konservative Politiker/ innen wie Olpstetten glauben, es sei schon tolerant, ein paar Shops zur Grundversor­gung zu dulden und alles andere platt zu machen. Dass die wenigen Hanfläden, die übrig geblieben sind, ihr Gras ohnehin ille­gal beziehen, ist für Menschen wie den Ju­stiz- und Sicherheitsminister umso besser, kann man sie doch dann je nach Situation schließen oder finanziell ausquetschen – denn auch die Strafen für Regelverstöße sind im Vergleich zu denen für Bars oder Kneipen unangemessen hoch. Eigentlich war das Duldungsmodell in den Niederlan­den nur als erster Schritt für eine komplette Regulierung gedacht, als man in den späten 1970er und 1980er Jahren erste Versuche startete, den damaligen Coffeeshop-Wild­wuchs mit relativ sanften Methoden zu re­gulieren. Anders als Olpstetten setzte man dabei auf die Zusammenarbeit mit den Betreibenden und konnte so erfolgreich Regelungen zum Jugendschutz, zur Ge­samt-Abgabemenge oder dem heiklen The­ma Anwohnerbelästigung finden. Europa war zu dieser Zeit lange noch nicht so weit, die Politik der Niederlande anzuerken­nen oder gar zu übernehmen. Besonders Schweden, Deutschland und Frankreich haben die Cannabis-Politik der Niederlan­de jahrelang kritisiert und versucht, ihr das Duldungsmodell auszureden. Mit Ivo Ol­pstetten wurden die EU-Träume wahr, der Hardliner machte mit der Einführung des I-Kriteriums in drei Provinzen des Landes und der landesweiten Verschärfung der Abstandsregel wirklich ernst. Seitdem re­det man in den Niederlanden nicht mehr mit Coffeeshops, sondern nur noch über sie. Growshops werden dort, wo im wahrs­ten Sinne des Wortes ihre Wurzeln liegen, neuerdings auch kriminalisiert. Die Ermitt­ler arbeiten mit modernsten Methoden, um Grower zu enttarnen, wobei sie lange nicht mehr nur nach den Großen suchen. Der Anbau unter Licht steht per se un­ter Strafe, toleriert werden nur noch fünf Outdoor-Pflanzen, aber auch nur, wenn sie niemanden stören. Zurzeit plant man, den Verkauf von Cannabis-Produkten mit einem THC-Gehalt von über 15 % zu ver­bieten. Kurzum: Das niederländische Mo­dell und die Coffeeshop-Herrlichkeit, die wir Deutschen und die ganze Welt seit 40 Jahren genießen, sind ernsthaft in Gefahr.

 

 

Unerwarteter Freispruch

 

 

Die Verurteilung von Hintertür-Liefe­ranten, also denen, die die Coffeeshops mit Gras und Hasch versorgen, ist deshalb bei unseren westlichen Nachbarn an der Ta­gesordnung. Meist werden die Hanf-Ver­käufer dann zu empfindlichen Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt, im Gefäng­nis landet man in den Niederlanden auch 2014 selten, weil man Gras anbaut. Umso überraschender kommt in Zeiten ver­schärfter Repression jetzt ein Urteil aus Bierum (Groningen). Richterin Kiezebrink hat zwei Männer freigesprochen, die in den vergangenen Jahren wiederholt beim An­bau ertappt worden waren. Ihnen wurde vorgeworfen

 

 

2010: bei drei Taten insgesamt 1002 Stecklinge, 7770g Cannabis, 626 Pflanzen und 14 Mutterpflanzen

2011: 800 Pflanzen und 200 Stecklinge sowie

2014: 731 Pflanzen

 

besessen beziehungsweise an Coffee­shops verkauft zu haben.

 

 

Die Angeklagten betonten, sie seinen Überzeugungstäter und benutzten bei der Cannabis-Produktion weder Kunstdünger oder Insektizide noch Pestizide, ihr Gras sei 100% Bio.

Das Gericht war der Meinung, die Angeklagten hätten im Sinne der nie­derländischen Toleranzpolitik, die Volksgesundheit zu verbessern und die “Aufrechterhaltung der öffentlichen Ord­nung” zu gewährleisten, gehandelt und sprach sie deshalb frei. Die Staatsanwalt­schaft hat allerdings angekündigt, gegen das Urteil, das im Land ein großes, me­diales Echo verursachte, in Berufung zu gehen.

 

3 Antworten auf „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung

  1. Ralf

    Sehr geehrter Nutzer

    Leider mussten wir Ihren Kommentar auf hanfjournal.de entfernen, da er nicht der allgemeinen Netiquette entspricht. Um ein angenehmes Diskussionsklima zu bewahren, ist die Einhaltung dieser unabdingbar. Bitte halten Sie sich für weitere Kommentare an die allgemeine Netiquette.

    Beste Grüße
    Michel
    Agentur Sowjet

    PS: http://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette

  2. SamSpeed

    Lieber Ralf,

    wir dir ja nun schon mehrfach mitgeteilt wurde ist deine Wortwahl alles andere als korrekt. Aber ich schiebe das jetzt mal auf deinen begrenzten und gewaltorientierten Wortschatz oder eine große klaffende Bildungslücke.
    Ich kann nur hoffen das die weiteren Prohibtionsgegner mehr Geist besitzen als du. Und mit legal, illegal schei..gal brauchste jetzt auch nicht kommen denn den anderen geht es darum AKZEPTIERT zu werden.
    Wenn es dir so egal ist dann halt doch einfach deinen Mund.

    In diesem Sinne
    SamSpeed

    P.S: Du kannst mich jetzt gerne anfeinden so wie manch anderen vorher aber du wirst damit nur beweisen
    was ich oben geschrieben habe.

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